Grüne Wellen: Blick von der Burg Trifels über den Pfälzerwald zur Ruine der Münz © Georg Knoll für MERIAN

Die Pforte zum Paradies stellt man sich anders vor. Ganz gewiss nicht wie das, was da vorn aus der Dämmerung emporwächst: ein Meer aus Licht, in dem es funkelt, fackelt, glüht. Links neben dem Band der A 6 taucht es auf, gleich hinter der Brücke über den Rhein, der Baden von der Pfalz trennt.

Chris Reas "Road to Hell" würde jetzt passen. Ich habe diesen Anblick herbeigesehnt, seit ich mit meiner Frau in Hamburg losgefahren bin, jeden Kilometer heißer. Hinter dem Frankfurter Kreuz spürte es auch das Gaspedal. Nun endlich faucht, nein, haucht mich die Hölle heimelig an:
Ach, du bischt’s. Isses net schää dehääm?
Oh ja, es ist schön daheim.


Daheim in der Pfalz. Mein Zuhause beginnt hier am Rhein, noch vor Weinselig- und Burgenherrlichkeit und weit bevor es hinter dem Betzenberg hügelig ausläuft. Auch die BASF mit ihrem höllischen Gelichter gehört dazu. Die "Anilin", wie man den Chemieriesen hier auch nennt, ist der größte Brötchengeber der Pfalz, wobei die Brötchen bei uns "Weck" heißen. Die Weck meiner Familie hat die Anilin finanziert und in den Semesterferien meinen Käfer. Ab 1970 wohnten wir in der Pfingstweide, der Ludwigshafener Trabantenstadt an der Autobahn.

Unvergessen die Radtouren zum Rhein. Hielt man Anfang der Siebziger einen Finger in den Fluss, blieb er lange schwefelgelb. Längst schwimmen hier wieder Fische. Sauber ist es daheim geworden.

Ich nehme wie immer wenn ich heimkomme die erste Ausfahrt auf Pfälzer Boden, umkurve meine ehemalige Wohnstatt und halte Kurs auf Frankenthal. Strandbadsommer, Führerschein, Abitur. Lange her. Über B 9 und A 65 fahre ich nun, die Orte meiner Jugend hinter mir lassend, der Kindheit entgegen. Meinem Nest.

Bei Mutterstadt riecht es streng nach Lauch, ach was: Es duftet. Vier von fünf Radieschen, die in Deutschland geerntet werden, kommen aus der Pfalz. Egal wo ich im innerdeutschen Ausland in eines beiße, seine Schärfe schmecke, die Wahrscheinlichkeit, dass es aus meiner Heimat stammt, ist groß. Ich öffne die Fenster, auch meine Nase soll sich heimisch fühlen. Ist ja schließlich auch hier aufgewachsen.

Als sie noch klein war, sog sie die Wohlgerüche von Großmutters Küche ein: Waffeln, Dampfnudeln, Weihnachtsgebäck, das Sauerkraut zu den Leberknödeln oder, ja auch, zum Saumagen. Im Sommer atmete sie den würzig-harzigen Duft des Pfälzerwalds, dessen Holz uns im Winter wärmte, was der kalten Jahreszeit eine brenzlig-herbe Note verlieh.