Frauen in den Mitgliedsländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) werden im Schnitt später und seltener schwanger. Die Geburtenrate sank von 3,3 Kindern pro Frau im Jahr 1960 auf 1,5 Kinder pro Frau im Jahr 2022. Das geht aus einem Bericht der Organisation hervor. Die OECD warnte, die niedrige Geburtenrate könne ernsthafte wirtschaftliche und soziale Folgen haben.
Mit 1,46 Kindern lag Deutschland etwas unter dem Durchschnitt – jedoch über Italien und Spanien, wo durchschnittlich 1,2 Kinder pro Frau geboren werden. Besonders niedrig ist die Geburtenrate in Südkorea mit 0,7 Kindern.
Der OECD zufolge liegt das Level, mit dem die Bevölkerung konstant gehalten würde, bei 2,1 Kindern pro Frau. Durch die gesunkene Rate droht der Organisation zufolge eine zunehmend alternde Bevölkerung und dadurch ein geringerer Bevölkerungsanteil derjenigen Menschen, die arbeiten gehen. Auf Regierungen kämen so höhere Ausgaben für Renten und Gesundheitsleistungen zu.
Familienpolitik kann gegensteuern
Im Gegenzug dazu stieg das Durchschnittsalter der Gebärenden von 28,6 im Jahr 2000 auf 30,9 im Jahr 2022. In Deutschland liegt das Durchschnittsalter bei 31,4 Jahren.
Die OECD-Staaten nutzen laut Stefano Scarpetta, dem Leiter der Abteilung für Arbeit und Soziales bei der OECD, viele Mittel zur Unterstützung von Familien. Dennoch: "Die wirtschaftlichen Kosten und die langfristige finanzielle Unsicherheit dadurch, Kinder zu bekommen, beeinflusst die Entscheidung, Eltern zu werden, weiterhin stark", sagte er.
Um es Menschen leichter zu machen, Kinder zu bekommen, müssten Staaten Familien umfassend und verlässlich unterstützen. Dazu gehöre etwa "bezahlbares Wohnen, Familienpolitik, die dabei hilft, Arbeit und Familie zu vereinen, und eine Kohärenz mit anderen politischen Maßnahmen, die Zugang zu guten Jobs und Karrieremöglichkeiten für Frauen fördern", sagte Scarpetta.
Die OECD vereint Länder, die sich zu Demokratie und Marktwirtschaft bekennen. Mittlerweile sind neben großen Volkswirtschaften wie Deutschland, den USA und Japan auch Schwellenländer wie Mexiko und Chile Mitglied. Insgesamt gehören 38 Staaten der OECD an.