© Kathrin Harms/Misereor für DIE ZEIT

Das Wunder von Deir al-Ahmar

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In einem Ort im Libanon leben fast genauso viele Flüchtlinge wie Einheimische. Trotzdem gelingt das Zusammenleben.

An einem Ort wie diesem ist es ratsam, an Wunder zu glauben. Elias kickt einen Batzen Erde mit dem Fuß. Es ist fruchtbarer Boden, die Äcker geben viel her in Deir al-Ahmar, auch die Munitionsreste des vergangenen Krieges. Den nächsten glaubt man hier schon zu hören. "Wenn sie angreifen, wird die heilige Maria die Felder wieder in einen Sumpf verwandeln, in dem sie stecken bleiben", sagt Elias. "Das war damals so, das wird auch heute so sein. Die heilige Jungfrau hat uns noch nie im Stich gelassen." Die Statue der heiligen Maria steht in strahlendem Blau mit goldenen Sternen in der Kirche im Nachbardorf. Sie lässt Feinde im Schlamm versinken, heilt Kranke oder zwinkert Pilgern einfach nur zu. "Alles schon passiert. Sogar die Muslime glauben dran." Elias zieht an seiner Zigarette und gibt Bashir Feuer. "Früher habe ich Syrer gehasst bis aufs Blut. Und jetzt helfe ich Euch Kerlen." Bashir grinst.

Wunderschön und still ist die Landschaft rund um Deir al-Ahmar, eisblau der Himmel, die Berge weiß. Elias, der libanesische Bauer, hat drei Kanister Diesel vorbeigebracht für Bashir, den syrischen Landarbeiter und Flüchtling, der mit seiner Familie in einem Zelt auf dem Acker lebt. Die Syrer brauchen den Treibstoff für ihren Generator, der zwei Lampen nachts mit Strom versorgt. "Um die Hyänen zu vertreiben", sagt Bashir. Elias zeigt ein Foto auf seinem Smartphone. "Eine haben wir vor ein paar Nächten erwischt." Ein blutiger Hyänenkopf mit entblößten Zähnen ist zu sehen.

Klein Rakka nennen die Bewohner von Deir al-Ahmar die Ansammlung von Zelten, weil die syrischen Familien hier aus Rakka kommen, jener Stadt, die jetzt als Hauptquartier des "Islamischen Staates" Schlagzeilen macht. Das Zeltlager ein paar Äcker weiter heißt Ezzedine, das nächste Homs, das übernächste Yabrud – benannt nach den syrischen Dörfern oder Regionen, aus denen die Menschen geflohen sind. So hat sich ein Gürtel improvisierter Camps um die Häuser von Deir al-Ahmar gezogen. Das ist kein ungewöhnlicher Anblick im Libanon. Nach der Türkei hat das Land bislang die meisten der rund vier Millionen syrischen Flüchtlinge aufgenommen.

Erfolgsgeschichte mit ungewissem Ausgang

In Deir al-Ahmar, 30 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt, leben vor allem maronitische Christen. 10.000 Menschen, Tendenz sinkend. Die Flüchtlinge dagegen sind sunnitische Muslime, ihre Zahl liegt inzwischen bei über 8.000, Tendenz steigend. Allmählich nähern sich beide Gruppen einem Patt. 50 Prozent christliche Einheimische, 50 Prozent muslimische Flüchtlinge, kaum Jobs, zu wenig Wasser und Strom – das klingt nach dem Rezept für ein Desaster. Aber Deir al-Ahmar ist eine Erfolgsgeschichte. Wenn auch mit ungewissem Ausgang.

Es ist der zweite Besuch innerhalb von zwölf Monaten – wieder mit einer Delegation des katholischen Hilfswerks Misereor. Die Zelte sind zahlreicher geworden. Waren es Anfang 2014 noch 900, sind es jetzt 1.400. Bis heute gibt es hier keine staatliche Hilfe, keine UN-Organisationen, keine großen NGOs. Aber irgendwie hat sich Deir al-Ahmar in diesem Ausnahmezustand eingerichtet: die Einheimischen, die zwischen Ressentiments und Hilfsbereitschaft schwanken; die Syrer, deren Hoffnung auf Rückkehr in die Heimat immer weiter schwindet; und die Frau, die hier viele die Bürgermeisterin der Flüchtlinge nennen: Micheline Lattouf, 45, eine libanesische Ordensschwester. Kurze graue Haare, die Augen von Lachfalten und dunklen Ringen umrahmt, ein Ohr ständig am Handy, das andere beim Gespräch. "Wie finden Sie mich im Vergleich zum Vorjahr?", fragt sie und gibt die Antwort gleich selbst: "Ruhiger bin ich. Heute weiß ich, dass man so eine Krise managen kann."

In einer Winternacht vor drei Jahren waren die ersten Flüchtlinge vor ihrer Haustür aufgetaucht. Viele trugen nichts als ihre Kleider am Leib, weil sie Hals über Kopf vor den Bombardements der syrischen Luftwaffe geflohen waren.

© Mapbox/OpenStreetMap

Schwester Micheline brachte sie im kirchlichen Jugendzentrum unter, das eigentlich eingerichtet worden war, um die Dorfjugend vom Kiffen abzuhalten. Deir al-Ahmar ist im Libanon nicht nur für die Wunder der heiligen Maria bekannt, sondern auch für seine Cannabis-Produktion.

In den folgenden Wochen organisierte Lattouf das Nötigste für die Syrer: Decken, Wasser, Nahrung. Und sie wartete – auf das schnelle Ende des Krieges in Syrien, das damals noch viele für eine ausgemachte Sache hielten, und auf Hilfe aus Beirut. Weder das eine noch das andere traf ein. Also beschloss sie mit den Flüchtlingen und den Bewohnern, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Nicht mit allen. Bis heute sind die Einheimischen von Deir al-Ahmar geteilter Meinung über den Umgang mit den Syrern. Aber diejenigen, die hier keine Syrer wollen, machen keine Anstalten, sie zu vertreiben. Wohin auch.

Micheline Lattouf ist selbst ein Flüchtling

Die anderen helfen, wie man sich in raueren Gegenden eben hilft. Wortkarg, mürrisch, effizient. Mit Decken, Zelten, Matratzen, Kleidern, Generatoren, ausrangierten Fernsehern, Handys, Zigaretten und dem Wissen, dass im Nahen Osten jedem passieren kann, was den Menschen in Ezzedine oder Klein-Rakka passiert ist.

"Ich komme aus einem Dorf im Chouf-Gebirge", sagt Lattouf. "Unsere ganze Familie musste während des Bürgerkriegs fliehen." Sie meint nicht den syrischen, sondern den libanesischen, dessen Ende gerade einmal 25 Jahre zurückliegt.

Wohl kaum ein Land scheint für einen Flüchtlingsansturm so ungeeignet wie der Libanon. Die Gesellschaft ist fragmentiert in über ein Dutzend konfessionelle Gruppen. Die mächtigste, die schiitische Hisbollah, kämpft in Syrien auf Seiten ihres alten Bündnispartners, dem Assad-Regime. Viele libanesische Sunniten sympathisieren offen mit den Aufständischen im Nachbarland – auch mit den radikalen Islamisten. Libanons politische Klasse übt sich in Selbstblockade und bleiernem Schweigen über die Geschichte des eigenen Bürgerkriegs. Von 1975 bis 1990 dauerte der Konflikt, 120.000 Menschen wurden getötet, eine Million flohen, um die 80.000 sind bis heute Vertriebene im eigenen Land. Das Schlachtfeld war ähnlich unübersichtlich wie heute in Syrien, die Grausamkeit der Kampfparteien ähnlich ausgefeilt. Nur gab es damals kein YouTube, um Hinrichtungsvideos zu veröffentlichen. Christliche Falangisten, palästinensische Brigaden, drusische, sunnitische, schiitische Milizen, die Interventionsarmeen Israels und Syriens – sie alle begingen Kriegsverbrechen.

Die Hilfe wurde der Zivilgesellschaft überlassen

In diese fragile Nachkriegsgesellschaft mit rund 4,5 Millionen Einwohnern sind nun über 1,2 Millionen Vertriebene aus Syrien geraten. Das entspricht einem Viertel der Gesamtbevölkerung. Übertragen auf Deutschland hieße das: 20 Millionen Flüchtlinge. Innerhalb von drei Jahren. Das kann eigentlich nicht gut gehen. Es geht auch nicht überall gut. Es gibt Hassparolen und Übergriffe auf die Flüchtlinge, manche Gemeinden haben Ausgangssperren für Syrer verhängt, verbieten ihnen das Autofahren. Die UN mussten Anfang Mai auf Druck der libanesischen Regierung die Registrierung neuer Flüchtlinge vorerst stoppen. Der Staat ist ebenso unfähig wie unwillig, eine kohärente Flüchtlingspolitik zu betreiben. Er hat die Hilfe weitgehend der Zivilgesellschaft überlassen. Womit man wieder im Dorf Deir al-Ahmar gelandet ist. 

Vertreiben und vertrieben werden, bekämpfen und beschützen – diese Extreme finden sich im Libanon oft an ein und demselben Ort, in ein und demselben Menschen. Elias kennt den Krieg so gut wie Bashir. Allerdings nicht als Flüchtling, sondern als Milizionär. Wie viele Männer in Deir al-Ahmar schloss er sich im libanesischen Bürgerkrieg den Lebanese Forces (LF) an, einer Miliz maronitischer Christen, stramm rechts und radikal antimuslimisch. Mit der syrischen Armee lieferten sie sich horrende Gefechte. Elias zählt heute zu den wichtigsten Helfern von Lattouf. Zusammen mit seinem Freund Yussef, ebenfalls ein ehemaliger Kämpfer der LF, organisiert er die Zelte und Latrinenhäuschen, fährt Kranke in das nächstgelegene Krankenhaus, schaufelt im Winter eingeschneite Camps frei, jagt nachts die Hyänen.

Eine wundersame Wandlung vom Saulus zum Paulus? Elias zuckt mit den Schultern. "Wir haben damals gegen die Truppen von Hafis gekämpft", sagt er und meint Hafis al-Assad, den Vater des jetzigen syrischen Präsidenten. "Jetzt helfen wir den Syrern, die vor Baschar davonlaufen." Der Feind ist für ihn derselbe geblieben: das Regime in Damaskus. Das ist ein Grund, warum die Syrer in Deir al-Ahmar erstaunlich gut aufgenommen werden. Ein anderer: man kennt sich.

Viele der syrischen Männer kamen seit Jahren jeden Sommer als Erntehelfer nach Deir al-Ahmar, wohnten in Zelten auf den Feldern, die sie im Spätherbst wieder abbauten. Jetzt sind aus den Saisonarbeitern Flüchtlinge geworden – mitsamt ihren Familien. Es sind große Familien.

In der Schule beginnt das Wunder

Wenn es den Syrern von Deir al-Ahmar an einem nicht mangelt, dann an Kindern. Bashir, der Landarbeiter aus Rakka und seine Frau Fathia haben vier, was hier als Kleinfamilie gilt. 400.000 syrische Kinder zwischen fünf und 17 Jahren hat das UN-Flüchtlingshilfswerk im Libanon registriert. Über zwei Drittel erhalten keine Schulbildung. Sie reihen sich ein in eine "verlorene Generation", traumatisiert durch Krieg und Flucht und ohne Zukunftsperspektive für die Zeit des Friedens – wann immer der kommt.

Wahrscheinlich beginnt hier das eigentliche Wunder von Deir al-Ahmar: in der Schule von Lattouf und Eid al-Khouder.

Es fing an mit ein paar Klassen im Jugendzentrum. Mathematik, Lesen, Schreiben, dazu eine warme Mahlzeit am Tag. Die Flüchtlingskinder waren verstört, unfähig sich zu konzentrieren, manche verwahrlost. In den örtlichen Schulen gab es keinen Platz für sie, außerdem sind die libanesischen und syrischen Lehrpläne sehr unterschiedlich. Im Libanon werden mehrere Fächer auf Französisch oder Englisch unterrichtet, in Syrien wird ausschließlich auf Arabisch gelehrt. Ein 28-jähriger Grundschullehrer aus Idlib tüftelte mehrere Tage und Nächte, dann hatte er eine Mischung aus beiden Curricula zusammengestellt. "Eigentlich" sagt er, "bräuchten wir auch eine Schule für die Erwachsenen. Ich schätze, dass ein Drittel der Eltern nicht lesen und schreiben kann." Die sind nun froh, dass immerhin ihre Kinder tagsüber beschäftigt sind. "Die Schule ist mein zweites Zuhause", steht auf den bunten Zetteln einer Gruppe Sechstklässler.

14 Lehrer umfasst das Kollegium inzwischen – libanesische und syrische. Das Hilfswerk Misereor übernimmt deren Bezahlung. 14 Lehrer für 350 Schüler – das ist kein schlechter Schlüssel in Zeiten von Krieg und Flucht. Unterrichtet wird Lesen, Schreiben, Mathematik, Erdkunde, Sport, Englisch, Französisch.

Lattouf stößt die Tür zum Kindergarten auf. 20 Steppkes in dicken Jacken und vor Kälte roten Nasen – die Schule ist nicht beheizt – sitzen an kniehohen Tischen und singen fehlerlos Frère JacquesBruder Jakob. Ein paar Jahre noch und sie sind zweisprachig. Lattouf erschrickt ein wenig bei dem Gedanken. Ein paar Jahre noch – das heißt, dass der Ausnahmezustand weitergeht.

Kinder spielen den Wiederaufbau

Ein paar Türen weiter sitzen die Sechstklässler. Es ist Samstag, der Tag, an dem gebastelt und gespielt wird. Die Kinder haben Inseln gebildet, Kleingruppen, mit denen sie eine Stadt aufbauen sollen. Es gibt die Insel für Hygiene und Abwasserversorgung, die Insel für Stromversorgung, die Insel für Trinkwasser, die Insel für Bildung und Schulwesen. Wie kommuniziert man miteinander, wie organisiert man ein Gemeinwesen? "Alle müssen alles bekommen", verkündet eine Zwölfjährige mit kindlichem Pathos und zeigt ein Blatt Papier mit selbstgemalten Bürgerpflichten: "Nicht klauen! Keinen Müll auf die Straße werfen! Lieb sein!" Man traut den eigenen Augen nicht. Kinder spielen den Wiederaufbau, während sich ihre Heimat weiter selbst zerstört.

Und sie spielen ihren Alltag. Die Flüchtlinge haben außer ihren Traumata auch alte Dorffehden mitgebracht. Die Kinder trugen diese Konflikte anfangs in die Schule. "Das hat jetzt aufgehört", sagt Lattouf. Unter den Erwachsenen vermittelt ein Flüchtlingsrat, in den jedes Camp seine Vertreter entsendet.

Es gibt an der Schule der Christin Lattouf und des Muslims al-Khouder keinen Religionsunterricht. Es gibt ein tägliches Gebet zu Gott, den jeder nennen kann, wie er will. Ramadan und andere muslimische Feiertage werden eingehalten. Lattouf will um alles in der Welt den Verdacht vermeiden, hier würden muslimische Kinder missioniert. Gleichzeitig will sie keinesfalls den Eindruck erwecken, aus Deir al-Ahmar könnte eine multi-religiöse Gemeinde werden. "Eine Moschee für die Flüchtlinge? Das wird es nicht geben. Das machen die Leute hier nicht mit."

Von denen sehen nicht wenige mit Neid, welcher Aufwand für die syrischen Kinder betrieben wird. Gerade werden im Jugendzentrum, das jetzt für den Schulbetrieb genutzt wird, neue Waschräume gebaut. Es gibt Extra-Sprachunterricht für die älteren Kinder, samstags Gruppenspiele oder einfach nur gemeinsames Toben auf dem Schulhof. Manchmal kommen libanesische Kinder dazu. Lattouf will diesen Sommer zum zweiten Mal ein Ferienlager organisieren – für syrische und libanesische Kinder.

Das grenzt schon an Integrationspolitik – und davon hält Milad Alkoury, der Bürgermeister von Deir al-Ahmar, überhaupt nichts. Zwischen Alkoury und Schwester Micheline besteht ein – gelinde gesagt – unterkühltes Verhältnis. Sie lockt in seinen Augen mit ihren Hilfsprogrammen immer mehr Syrer an, "die Strom klauen und als Niedriglöhner den Arbeitsmarkt kaputt machen". Was er nicht sagt: Die Haschisch-Produktion boomt seit Beginn der Syrienkrise. Das Militär, das früher jeden Herbst ins Bekaa-Tal einrückte, um Cannabis-Felder abzubrennen, ist nun mit dem Schutz der Grenzen beschäftigt.

Alkoury wiederum verstößt in den Augen von Schwester Micheline mit seiner Tatenlosigkeit gegenüber den Syrern gegen das Gebot der Nächstenliebe. Und gegen jede Vernunft. "Diese Leute sind traumatisiert. Die Kinder ebenso wie die Erwachsenen. Wenn wir uns nicht um sie kümmern, dann laufen sie irgendwann aus dem Ruder. Oder sie radikalisieren sich."

Angst vor den nächsten Krieg

Genau das ist die Angst vieler Einheimischer in Deir al-Ahmar: Dass die Syrer den Krieg wie eine Kette hinter sich herschleppen. Und natürlich ist er da. Er hängt an den Wänden der Schule, die mit Kinderzeichnungen von Bombenangriffen geschmückt sind; er taucht mitten im Unterricht auf, wenn ein Mädchen plötzlich zu zittern beginnt, weil ein Geräusch, ein Geruch, ein Wort sie an getötete Verwandte erinnert. Und er wird ganz real, wenn syrische Kampfflugzeuge in den libanesischen Luftraum eindringen, um Stellungen von Rebellen zu beschießen. Syriens Bürgerkrieg hat sich längst auf Grenzgebiete des kleinen Nachbarlandes ausgeweitet.

Manche der improvisierten Flüchtlingscamps sind über die Jahre zu Rückzugsgebieten von Aufständischen geworden. Der "Islamische Staat" und die mit Al-Kaida verbündete Al-Nusra-Front haben mehrere Anschläge auf libanesischem Territorium ausgeführt, seit Monaten halten sie über 20 libanesische Polizisten und Soldaten als Geiseln. In der Bekaa-Ebene kommt es immer wieder zu Angriffen auf Armee-Stützpunkte und Checkpoints der Hisbollah.

Das ist der nächste Krieg, den Elias fürchtet – und für den er auf die Wunder der heiligen Maria hofft. Eine Marienstatue, die den "Islamischen Staat" oder Assads Bomben einfach im Schlamm begräbt – in diesen Zeiten muss man sich an jede Illusion klammern. Realen Schutz bietet im Zweifelsfall eher die libanesische Armee, die die Zufahrtswege nach Deir al-Ahmar mit Checkpoints und gepanzerten Fahrzeugen kontrolliert. Oder Veteranen der Lebanese Forces, die ihre Waffen wieder entmotten.

Die Syrer in Deir al-Ahmar würden an ihrer Seite kämpfen, wenn man sie ließe. Sie hassen das Assad-Regime und den "Islamischen Staat" gleichermaßen. "Du kannst dir nicht vorstellen, wie das war in Rakka", sagt Bashir. "Die öffentlichen Exekutionen, die Schläge, wenn du nicht zum Gebet in die Moschee kommst. 40 Hiebe kriegst du, wenn der IS dich beim Rauchen erwischt. Meine Frau war wie eingesperrt. Alles ist dort verboten, das ganze Leben ist verboten."

Elias nickt, sagt nichts. Ein paar Minuten stehen sie schweigend auf dem Acker, der libanesische Bauer und der syrische Landarbeiter, rauchen gemeinsam und schauen in die Landschaft. Der Generator brummt. Dann wirft Elias seine Kippe auf den Boden und macht sich auf den Weg nach Hause. "Ruf an, wenn du was brauchst", sagt er zu Bashir und steigt in seinen Wagen.