Belletristik

Von Benedikt Erenz

Richard Brautigan: Forellenfischen in Amerika, 158 S.
In Wassermelonen Zucker, 146 S.
beides aus dem Englischen von Günter Ohnemus
Karthaus Verlag, Regensburg 2004; je 16,– Euro
Noch mal? Noch mal den Hinweis, die dringende Aufforderung, diesen wunderbaren Autor endlich auch hierzulande zu entdecken? Jetzt hat sich ein kleiner Verlag in Regensburg an das Werk Richard Brautigans (1935 bis 1984) gewagt, natürlich in der fabelhaften Übersetzung des Schriftstellers Günter Ohnemus, die einst in Ohnemus’ Selbstverlag, später bei Eichborn, noch später bei Rowohlt zu haben war. Aber nichts da. Ich fürchte, es wird nichts. Für die hinreißende poetische Ironie, die intelligente Sentimentalität Brautigans, dieses absolut einzigartigen amerikanischen und einzigartig amerikanischen Dichters, hat die deutschsprachige Welt keinen Sinn. Hier liest man Franzen.

Victor Hugo: Die Arbeiter des Meeres
Roman
aus dem Französischen von Rainer G. Schmidt
Achilla Presse, Hamburg 2003; 667 S., Abb., 40,– Euro
Nicht so leicht hat es hierzulande auch Victor Hugo (1802 bis 1885). Der alte Goethe mochte ihn nicht, zudem entpuppte sich der Franzose als linker Republikaner; damit war das Urteil gesprochen. Und wenn "Die Elenden" und "Der Glöckner von Notre Dame" später durchaus populär wurden, so steht doch Hugos Ansehen bei uns in keinem Verhältnis zu dem Ruhm, den er in Frankreich genießt. Jetzt ist eines seiner großen Roman-Epen, "Die Arbeiter des Meeres" (1866), erstmals in einer vollständigen deutschen Fassung erschienen: nicht nur ein spannender Schmöker um die Macht des Meeres, des Geldes und der Liebe, sondern vor allem ein kolossales Prosakunstwerk – ein literarischer Riesendampfer, vibrierend unter der Kraft der Hugoschen Rhetorik.
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Sachbuch

Von Volker Ullrich

Barbara Ostyn: Die steinerne Rose
Erinnerungen einer polnischen Fremdarbeiterin in Deutschland 1942–1943
Metropol, Berlin 2003; 336 S., 18,– Euro
Im Frühjahr 1942 geriet eine junge Polin im von der Wehrmacht besetzten Ostgalizien unversehens in einen Transport, der sie nach Nürnberg bringen sollte: eine von Millionen ausländischer Arbeitskräfte, die das NS-Regime zwangsweise für seine Rüstungsindustrie rekrutierte. Die sprachbegabte 17-Jährige wurde als Dolmetscherin eingesetzt. Sie erlebte den traurigen Alltag der „Ostarbeiterinnen“, erfuhr aber auch manche Zeichen versteckter Solidarität unter den Deutschen. 60 Jahre später hat sie nun ihre Erinnerungen aufgeschrieben – ein bewegendes Zeugnis.
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