Belletristik

Von Ulrich Greiner

Vom Glück des Lesens und Gelesenwerdens. Manesse Almanach auf das 60. Verlagsjahr
Manesse Verlag Zürich 2004; 443 S., 22,90 Euro
Den Manesse Verlag zu preisen, den Walther Meier 1944 in Zürich gründete und dem er den Namen der Zürcher Patrizierfamilie Manesse und des nach ihr benannten Codex Manesse gab, ist leicht, weil jeder die wunderbaren kleinen Klassikerausgaben kennt. Aber man sollte nicht in den Fehler verfallen, den Arthur Schnitzler meinte, als er schrieb: "Ich traue den Enthusiasten nicht, die von ihrer Fähigkeit, sich zu begeistern, gerade so sehr oder noch tiefer ergriffen sind, als von dem Gegenstand, für den sie sich begeistert haben." Der Aphorismus ist einer von den 600 hier versammelten. Ein anderer: "Es gibt Kunstwerke, zu denen die Fehler als ihre liebenwürdigsten Ingredienzien gehören." Das hat Adorno später auch einmal gesagt, aber nicht ganz so schlank und schön formuliert wie Wilhelm Raabe.
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Hubert Winkels (Hrsg.): Beste deutsche Erzähler 2003
Deutsche Verlags-Anstalt, München 2003; 319 S., 19,90 Euro
"Es sind zuverlässig in Deutschland mehr Schriftsteller, als alle vier Weltteile überhaupt zu ihrer Wohlfahrt nötig haben", sagt Lichtenberg im Manesse-Bändchen (siehe oben). Die Frage, was denn unbedingt zur Wohlfahrt nötig sei, fällt auf den Leser dieser instruktiven Sammlung zurück. Von Arno Geiger bis Patrick Roth und Dieter Wellershoff, von Ulrike Kolb bis Terézia Mora und Monika Maron wird er leicht etwas für seine Wohlfahrt finden.
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Sachbuch

Von Konrad Heidkamp

Klaus Voormann: "Warum spielst du Imagine nicht auf dem weißen Klavier, John"
Erinnerungen an die Beatles und viele andere Freunde
Ullstein Heyne Verlag, München 2003, 328 S., 24,– Euro
Teile aus dem Puzzle "Klaus Voormann" kennen viele: sein weißes, "haariges" Cover zur Beatles-LP Revolver, seine Basstöne in der Plastic Ono Band, seine enge Beziehung zu George Harrison. Nun füllt er die biografischen Lücken. Vom Zusammentreffen der jungen Wilden aus Liverpool mit dem coolen Kunststudenten in Hamburg, über die kalifornischen Tage als Studiomusiker bis zur Rückkehr nach Deutschland. Selten verlässt ihn sein musikalischer Geschmack. Sympathisch stolz, aber ohne viel aus sich zu machen, fügt er Anekdoten an Gedankensplitter und kennt die Grenzen. Die Beatles wussten, warum sie ihm vertrauten.
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