<enter> Es geht wie immer um Ja und Nein, Sein und Nichtsein, 1 und 0. Die Ausstellung p0es1s zeigt lebendige und assoziative Poesie, die mit Körper und Geist erlebt werden kann. Wer sich über Lautgedichte wie Ernst Jandls "Schützengraben" (lautpoetisch: schtzngrm ) und Bildgedichte wie Reinhard Döhls "Apfel mit Wurm" amüsieren kann oder von der schnellen Buntheit eines MTV-Clips und den Cyberfantasien wildgewordener Programmierer in den Bann gezogen wird, ist bei dieser Ausstellung gut aufgehoben.

Die literaturWERKstatt Berlin zeigt bis zum 4. April im Kulturforum Potsdamer Platz 43 digitale Kunstwerke und Installationen zeitgenössischer e-Poesie aus insgesamt 12 Ländern. Es gibt keine Regeln in der digitalen Poesie, das Experiment ist erwünscht und die Exponate denkbar vielfältig. Die Sprache der e-Poesie besteht aus Zeichen und Chiffren, Bildern und Aktion. Ausgestellt sind Monitore und farbige Leinwände, projizierte Phrasen im Treppenhaus, sprechende muppetartige Figuren und sogar ein Butterfly-Fitnessgerät, zur Dichtmaschine umfunktioniert.

Die digitale Poesie setzt sich mit dem Gebrauch von Zeichen und Sprache und ihrer Umwandlung in digitale Systeme auseinander. Dabei folgt sie der Tradition der Konkreten Poesie und der Lautpoesie. Mit der Konkreten Poesie haben sich Autoren aus der ganzen Welt Mitte der 1950er Jahre erstmals auf die Zeichen als das Elementare der Sprache reduziert. Eine Kunst, die sich nur auf ihre eigenen Mittel bezieht.
Das tut auch die digitale Poesie. Ein Beispiel dafür ist das Sichtbarmachen der Programmierungsstruktur eines Textes. Html-Befehle wie <strong>ah!</strong> werden so zu virtuellen Regieanweisungen und Bedeutungsstiftern und das Computervirus ascii forkbomb :( ){ :|:& };:, ausgestellt von Jaromil, zu einem poetischen Symbol der Zerstörung.

Auch in der Bildpoesie wird sprachliches Material auf Buchstaben und Wörter reduziert. Bildgedichte formen Buchstaben zu einer Graphik, Inhalte werden so anschaulich gemacht, und auch Bewegungen können angedeutet werden. Bewegung und Fluktuation sind die spannendsten Merkmale der digitalen Poesie, reizvoll ist auch ihre Freiheit - alles ist möglich. Ein anarchischer Ausläufer der digitalen Kunst ist die "Abstürzkunst". Hier werden Programmfehler und Systemabsturz künstlerisch verarbeitet: Ein simulierter Error und das wilde Auftauchen von Fenstern auf dem Bildschirm persiflieren den Computer-Gau. Der Künstler Jimpunk geht noch weiter und verbindet klassische Abstürzkunst mit einer animierten Bilderflut konkreter Poesie zu Clip-Installationen.