Die Tiefdruckgebiete tragen mal wieder Frauennamen und heulen um die Wette. Und Deutschland verharrt in seiner Duldungsstarre zwischen Stabilitätspakt, Rentenmisere und Eigenheimzulage. Da kommt doch ein Buch gerade recht, dass den Leser ordentlich durchschüttelt. Peter Richters "Heimatkunde" ist so ein Buch, das in seinem Duktus manchmal an die "Entrüstungen" von Joseph von Westphalen erinnert. In achtzehn flüssig zu lesenden Aufsätzen zürnt und zornt der Autor über die deutschen Verhältnisse, die westdeutschen zumeist, dass es eine wahre Freude ist. Richter wettert in wohldosierter Boshaftigkeit gegen Markenfetischismus, Rituale von Wohngemeinschaften oder gegen aufgeschäumte Milch und aufgeschäumte Lebensverhältnisse. © Goldmann Verlag

"Wer hohe Altbauzimmer mit Hochbetten erniedrigt, sollte zur Strafe in Sozialwohnungen oder Plattenbauten gequetscht werden." So endet beispielsweise eine Tirade gegen die früher einmal "alternativ" genannte Wohnkultur. Peter Richter ist in Dresden geboren und aufgewachsen. 1993 zog es ihn in den Westen, nach Hamburg. Dort studierte er Kunstgeschichte; seitdem arbeitet er als Autor und Journalist für Tages- und Wochenzeitungen.

Doch Hamburg gefällt dem jungen Mann zunächst überhaupt nicht - weder architektonisch noch gesellschaftlich. Er bemäkelt die weißer als weiß gestrichenen Häuschen in den betuchten Vierteln und attestiert deren Besitzern und Bewohnern, die ihre weißen Häuser immer wieder weiß streichen, einen unbewussten Hygienefimmel. Und für die Söhne wohlhabender Eltern hat er, der sich sein Studium als Kellner verdienen muss, kaum ein gutes Wort übrig: "Es ist nämlich alles andere als eine Schande, wenn einem die Eltern zum Abitur keinen Kleinwagen vor die Tür gestellt haben. Im Gegenteil. In der Regel verhält sich da der Hubraum proportional zur Abschlussnote […]" Immerhin, auch in Hamburg gibt es Stadtteile, die in den Augen des Autors lebenswert erscheinen: "Zu meiner Überraschung gab es dann aber doch ein paar Viertel, wo dieses Leben noch in seiner ganz selbstverständlichen Ausprägung vor sich hin wimmelte. Kleine Läden, Häuser mit Benutzungsspuren, manche sogar grau! Und wenn man genau hinschaute, konnte man auch gelegentlich so etwas Ähnliches wie Dreck auf der Straße liegen sehen."

Die Suche nach seinem Platz im Leben - und in Deutschland - führt Richter weiter nach Berlin, in die "Werkstatt der Teilung", wo sich die Menschheit gliedert in "kleine, graue, nahrhafte Ostschrippen und die braun gebrannten aufgeblasenen Westschrippen", die bisweilen "ein paar grandios ondulierte Worte wie Zuckerwattewölkchen in den Abend pusten". Auch wenn man nicht alle Aversionen und "kulturellen Albernheiten" des Autors teilt: Es macht kolossalen Spaß, wenn einer eine große Klappe hat und gleichzeitig zu formulieren versteht.

Peter Richter: Blühende Landschaften. Eine Heimatkunde
Goldmann Verlag, München 2004, 224 Seiten, 17,90 Euro
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Verlosung:
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