Ein leuchtend gelbes Kornfeld. Begleitet von den leisen Klängen eines Xylophons fährt die Kamera in Nahaufnahme über das Feld, bis sie einen kleinen schwarzen Jungen fokussiert, der dort in dunklem Anzug und Krawatte mitten im Getreide steht. Seine Augen leuchten. Flötenspiel wird von Streichern abgelöst. Aus dem Nichts taucht ein großes weißes Scheunentor auf und öffnet sich. Der Blick fällt auf eine üppig gedeckte Tafel, umgeben von unzähligen Personen, die einladend lächeln. Die Musik wird lauter, voller, doch irgendetwas scheint hier nicht zu stimmen. Dunkle Töne mischen sich unter die warm klingende Melodie, dicht gefolgt von einem Trommelwirbel. Ein Schuss fällt. Die Musik bricht abrupt ab. Dann kommt ein schneller Schnitt. Schweißgebadet öffnet ein junger Mann die Augen. Er liegt in einer engen Schiffskajüte, durch die der Weckruf schallt. © 2002 Twentieth Century Fox Film Corporation

Die Geschichte, die nun beginnt, handelt von Antwone Fisher. Er, der Junge aus dem Traum ist groß geworden und arbeitet auf einem Marineschiff der US Navy. Ein cholerischer Gewaltausbruch führt ihn zum Psychologen Dr. Davenport. Mit Beharrlichkeit gelingt es diesem, Antwone zum Reden zu bringen. In Rückblenden erfahren wir von seinem Vater, der erschossen wurde, als Antwone gerade im Gefängnis zur Welt kam, und von seiner Pflegefamilie, in der er grausam misshandelt wurde. Antwone überwindet, unterstützt von Davenport, seinen Hass auf die Welt. Er verliebt sich und begibt sich mit seiner Freundin auf die Suche nach seiner Familie.
Das Regiedebut von Denzel Washington, der auch den Psychologen spielt, erzählt in ruhigen Kameraeinstellungen, ohne rasante Schnittfolgen. Der Film basiert auf den authentischen Erlebnissen Antwone Fishers, der seine Memoiren in ein Drehbuch umwandelte.

Die Musik zu den Bildern besticht durch ihren Minimalismus. Die Stücke entwickeln sich aus schlichten Akkordfolgen, gespielt auf dem Piano, unter die sich getragene Orchestermelodien und Schlagklangspiele des balinesischen Gamelan mischen. Die Musik des Komponisten Mychael Danna, der bereits die Musik zu Filmen wie "Monsoon Wedding" (2002) und "Durchgeknallt" (1999) schrieb, unterstützt in ihrer schlichten Stilistik die ruhigen Kameraaufnahmen dieses Films und verweist den Betrachter auf Verborgenes, etwa wenn sie in den surrealen Traumsequenzen zu Anfang des Films das Wohlgefühl verstärkt, dann aber mit dunklen Klängen die Bilder konterkariert.

In der Szene, in der Antwone auf seine Mutter Mae trifft, betont die Musik auf subtile Art, was ungesagt bleibt. Hilflos sitzt Mae vor ihrem Sohn, unfähig, sich zu äußern. Während die Kamera immer näher an ihr Gesicht zoomt, das sich vor Verzweiflung zur Grimasse verzieht, erklingt zaghaft ein Moll-Akkord auf dem Klavier. In die sich langsam aufbauende Melodie setzt ein helles Flötenspiel ein, gefolgt von Streichern. Der Betrachter bleibt über die Motive der Mutter im Unklaren. Die Musik vermittelt jedoch eindringlich, wie überflüssig hier Worte sind.

O.S.T. Antwone Fisher
www.edel-sampler.de

Verlosung:
Wir verlosen drei Exemplare dieses Soundtracks. Senden Sie uns bis zum 26. Juni, 12 Uhr mittags, eine eMail, bitte mit Namen und Adresse, an kulturbrief@zeit.de .
Die Gewinner werden unter allen Einsendern ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.