Pornografisch, provozierend, Hingucker - das sind die Werke Helmut Newtons allesamt. In der bisher umfangreichsten Retrospektive des Fotografen kommt vor allem die Vielfalt seiner Motive zum Ausdruck. 220 Bilder, einzeln wirkungsvoll in Szene gesetzt und zugleich eine Einheit bildend, sind seit dem 17. Juni im NRW-Forum Düsseldorf zu betrachten. Modefotografien aus den 70er und 80er Jahren, Porträts von Politikern und Schauspielerinnen wie Catherine Deneuve, ein gefährlicher, lebensgroßer Stier neben einer selbstverliebten Naomi Campbell: Die Ausstellung erzählt eine Geschichte, die Geschichte eines neugierigen und experimentierfreudigen Künstlers. Helmut Newton: Bauwelt Katalog 1987, © Helmut Newton

Auch wenn fast alle gezeigten Werke dem Betrachter bekannt sein dürften, so erfährt er doch durch die Komposition der Fotografien viel Neues - vor allem über seine eigene Sicht auf die Welt. Die alternde Leni Riefenstahl beeindruckt wie das Bild Gerhard Schröders in Lebensgröße; umgeben von den Porträts Jean-Marie Le Pens und Paloma Picassos spürt der Besucher die übermäßige Präsenz, die Stärke dieser Persönlichkeiten. Bedrohlich wirken die "Big Nudes", denen ein eigener Ausstellungsraum gewidmet ist. Wiederum voyeuristisch fühlt sich der Betrachter bei den "Dummys" - ein Versuch Newtons, Schaufensterpuppen möglichst menschenähnlich geschminkt in eindeutig zweideutigen Posen abzulichten. Seine "X-Rays", Röntgenbilder von Frauenfüßen in Highheels oder Händen mit Diamantschmuck, vermitteln Kälte, Vergänglichkeit.

Helmut Newton spielt nicht nur mit Modellen und Situationen, sondern mit den Betrachtern seiner Fotografien. Wer sich darauf einlassen möchte, hat die Möglichkeit noch bis zum 17. August.

NRW-Forum Düsseldorf
Telefon: 0211 - 89 266 90

Di bis So 11 bis 22 Uhr, Fr bis 24 Uhr

Zur Ausstellung ist ein Katalog im Taschen Verlag erschienen, online bestellen
www.nrw-forum.de