Aus dem Inhalt:
1. LITERATUR
Kleine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland - mit Verlosung2. DENKMAL
Thomas Mann und die Hauptstadt der mangelden Bewegung3. MUSIK
Jasmin Tabatabai "Only Live"4. BÜCHERTISCH
Rezensionen von ZEIT-Literaturredakteuren5. KULTURKALENDER
Theater
Konzerte
Ausstellungseröffnungen - mit Verlosung
Lesungen

1. Von Adenauer bis heute - die illustrierte Geschichte der Bundesrepublik© Verlag C.H.BECK oHGManfred Görtemaker: Kleine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Verlag C.H. Beck, München 2002, 413 Seiten, gebunden, 24,90 Euro Klar, anschaulich und mit Blick auf das Wesentliche erzählt Manfred Görtemaker in diesem Buch die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Seine Darstellung führt durch mehr als fünf Jahrzehnte von den schwierigen Nachkriegsjahren bis zur Berliner Republik von heute. Neben die Schilderung der Ereignisse und Persönlichkeiten, welche die Bundesrepublik geprägt haben, tritt dabei immer wieder die Frage nach den bestimmenden Strukturen, Kräften und Tendenzen der Bonner wie der Berliner Republik. Mehr als 160 Abbildungen laden den Leser gleichsam zur historischen Betrachtung ein und illustrieren diesen lebendig geschriebenen Band.LeseprobeDas Erbe HitlersMit der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 im Hauptquartier General Eisenhowers in Reims und am 9. Mai im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst ging in Europa der Zweite Weltkrieg zu Ende. Zwar amtierte die deutsche Regierung unter Großadmiral Dönitz in Flensburg-Mürwick noch bis zum 23. Mai weiter. Doch alle Kampfhandlungen wurden eingestellt. Das Deutsche Reich bestand nicht mehr. Weite Teile Europas waren verwüstet, die meisten Städte Deutschlands nur noch Trümmerhaufen. Hitler hatte hoch gepokert und verspielt, wie General de Gaulle eine Woche nach Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde in einer Rede vor der französischen Assemblée Consultative feststellte: "Deutschland, in seinem Traum von der Herrschaft bis zum Fanatismus hingerissen, hat den Krieg so geführt, daß der Kampf materiell, politisch und moralisch ein totaler Kampf war. Der Sieg musste daher ein totaler Sieg sein. Das ist geschehen. Insofern sind der Staat, die Macht und die Doktrin, ist das Deutsche Reich zerstört."Hitler selbst hatte es nicht anders gewollt. Bereits in "Mein Kampf" hatte er Mitte der zwanziger Jahre prophezeit, Deutschland werde "entweder Weltmacht oder überhaupt nicht sein." Da die Welteroberung nicht gelungen war, schien die eigene Vernichtung jetzt nur konsequent. In einer Einschätzung der Folgen des bevorstehenden Endes hatte Hitler im März 1945 gegenüber Albert Speer dazu noch einmal ausdrücklich erklärt: "Wenn der Krieg verloren geht, wird auch das Volk verloren sein. Dieses Schicksal ist unabwendbar." Es sei nicht notwendig, so Hitler nach Speers Überlieferung, "auf die Grundlagen, die das Volk zu seinem primitivsten Weiterleben braucht, Rücksicht zu nehmen". Es sei im Gegenteil sogar besser, "diese Dinge selbst zu zerstören", denn das deutsche Volk habe sich "als das schwächere erwiesen".Zwar mochten sich die Gegner Hitlers dessen radikaler, bis zur Selbstzerstörung reichender sozialdarwinistischer Denk- und Betrachtungsweise nicht völlig anschließen. Doch in dem Maße, in dem Deutschland nicht nur einen Krieg um Macht und Einfluss führte, um dem Reich eine hegemoniale Sonderstellung in Europa zu verschaffen, sondern einen hemmungslosen völkischen Ausrottungsfeldzug startete, um die eroberten Gebiete zu "germanisieren", nahmen auch die Kriegsziele der Alliierten einen qualitativ neuen Charakter an. Während es in der Atlantik-Charta vom 12. August 1941 noch geheißen hatte, Ziel sei "die endgültige Zerstörung der Nazityrannei", um einen Frieden zu erreichen, der die Gewähr dafür biete, "daß alle Menschen in allen Ländern der Welt ihr Leben frei von Furcht und Mangel leben können", wurde auf der Konferenz von Casablanca am 24. Januar 1943 vom amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt mit Zustimmung des britischen Premierministers Winston Churchill bereits die Forderung nach "bedingungsloser Kapitulation" (unconditional surrender) erhoben. Damit wurde nicht nur eine militärische Übergabe - wie im herkömmlichen Völkerrecht -, sondern eine staatlich-politische Gesamtkapitulation verlangt, bei der die Siegermächte sich das Recht vorbehielten, eine Friedensregelung nach eigenem Gutdünken ohne Mitsprachemöglichkeit des Besiegten zu treffen. Dementsprechend hieß es in der Kapitulationsurkunde vom 8./9. Mai 1945, Deutschland müsse sich "allen Forderungen, die ihm jetzt oder später auferlegt werden", vorbehaltlos unterwerfen. Deutschland war zum Spielball der Alliierten geworden.Mindestens 55 Millionen Menschen, unter ihnen 25 Millionen Zivilisten, hatten durch Krieg, Terror und Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ihr Leben verloren. Allein elf Millionen, davon fünf bis sechs Millionen Juden, waren in Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet worden. Insgesamt über 15 Millionen hatte man aus politischen, religiösen und rassischen Gründen dorthin verschleppt. Das menschliche Leid, aber auch die materiellen Zerstörungen, die auf das Konto der Nationalsozialisten gingen, waren ohne Beispiel. Vor allem Polen und die Sowjetunion waren betroffen. Kein historischer Vergleich erscheint angemessen, dem industrialisierten Massenmord des Dritten Reiches einen Maßstab oder eine Perspektive zu geben. Das Verbrechen war einzigartig. Unter den Opfern befanden sich auch 7,8 Millionen Deutsche: vier Millionen Soldaten und 3,8 Millionen Zivilisten. Ungleich mehr waren verkrüppelt oder durch Krankheit für immer gezeichnet. Viele Millionen lebten in Trümmern. In den Großstädten war mehr als die Hälfte des Wohnraumbestandes von 1939 durch die alliierten Flächenbombardements und die Kämpfe bei der Besetzung Deutschlands zerstört. Bereits bis Ende 1946 strömten zudem etwa 5,6 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene in die drei westlichen Besatzungszonen. Ihre Zahl stieg bis 1950 auf 7,5 Mi1lionen. Am Ende waren es über 12 Millionen. Die Bevölkerung auf dem Territorium der drei Westzonen wuchs dadurch bereits 1945/46 um 12 Prozent auf 44 Millionen an, wobei den 13,7 Millionen Haushaltungen nur 8,2 Millionen Wohnungen gegenüberstanden, die oft noch Kriegsschäden aufwiesen. Da es sich hierbei um Durchschnittszahlen handelt, die auch die Situation auf dem Lande und in kleineren Orten einschließen, wo die Wohnverhältnisse wesentlich besser waren als in den Städten, lässt sich ermessen, wie die Lebensverhältnisse vieler Menschen aussahen. Oft blieb nur die Wahl zwischen einem provisorischen Lagerleben und vagabundierender Obdachlosigkeit. Wer das Glück hatte, über eine eigene, einigermaßen intakte Wohnung zu verfügen, konnte sicher sein, dieses Glück bald mit anderen teilen zu müssen: Einquartierungen waren an der Tagesordnung. Entsprechend überbelegt war der verfügbare Wohnraum - mit allen daraus resultierenden Einschränkungen für die Betroffenen, denen nichts anderes übrig blieb, als in der Stunde der Not enger zusammenzurücken. (...)
Quelle: S. 9 - 12; Verlag C.H.BECK oHG Weitere Informationen zum Buch
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Gemeinsam mit dem C.H. Beck-Verlag verlost ZEIT-Online fünf Exemplare dieses Buchs.
Senden Sie uns bis zum 6. Februar, 12 Uhr mittags, eine eMail, bitte mit Namen und Adresse, an kulturbrief@zeit.de . Stichwort: Geschichte
Die Gewinner werden unter allen Einsendern ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

2. Thomas Mann und die Hauptstadt der mangelden BewegungAls Bewohnerin der bayerischen Landeshauptstadt kommt man immer wieder ins Staunen - zum Beispiel bei einem Spaziergang zur ehemaligen Thomas-Mann-Villavon Ariane GreinerWenn berühmte Persönlichkeiten in München gelebt haben, bekommen sie ein Denkmal - auch wenn sie nur ein paar Wochen in der Stadt verweilten. So liest der unwissende Passant in einer Straße im Zentrum Münchens in Stein gemeißelt, dass "in diesem Hause" einst der große Kleist gelebt hat. Dass es nur wenige Monate waren, tut anscheinend nichts zur Sache.Gedenktafeln zur Erinnerung an ihre "braune" Vergangenheit sind der Landeshauptstadt dagegen nicht so schnell zur Hand. Und wenn es schon sein muss, montiert man sie lieber an Stellen, wo sie dem öffentlichen Blick nicht gar so zugänglich sind.Wie aber verhält man sich, wenn ein Ort beides ist - Wohnstatt einer berühmten Persönlichkeit UND Stätte des Naziterrors?Ein solcher Ort ist das Grundstück Poschingerstraße 1 im Münchner Herzogpark: Hier lebte von 1914 bis 1933 Thomas Mann. Doch wo man den Literatur-Nobelpreisträger in Stein vermutet, bietet sich ein trostloser Anblick: Der nach dem Abriss des Original-Hauses hier errichtete Bungalow ist verwahrlost, im Garten überwuchert Efeu halbherzig allerlei Schutt, und ein Rollladen hängt traurig-schief aus dem Rahmen. Man muss schon den TV-Dreiteiler "Die Manns" gesehen oder sich ins Thema eingelesen haben, um zu wissen, an was für einem historischem Ort man sich hier befindet. Der große Thomas Mann - ein Herr Niemand für das heutige München? Wohl kaum. Wieso dann keine Erinnerung?Eine mögliche Erklärung für den freiwilligen Verzicht der Landeshauptstadt auf Ruhm und Glanz des berühmten Bewohners (und sehr wahrscheinlich daraus resultierender Einnahmen bildungsbürgerlicher Pilgerscharen) ist die unrühmliche Periode zwischen 1937 und 1940: In dieser Zeit hatte Heinrich Himmler in der Mann-Villa eines seiner Lebensborn-Heime eingerichtet, bis ukrainische Zwangsarbeiter hier untergebracht wurden. Aber auch die Zeit unmittelbar nach dem Krieg wirft kein allzu glanzvolles Bild auf die Stadt: Der damalige Münchner OB hielt es nicht für nötig, der Familie Mann die volle Entschädigungssumme für das von den Nazis beschlagnahmte Haus zu zahlen. Thomas und Katia Mann erhielten auf Anfrage hin lediglich einen Bruchteil des ihnen zustehenden Geldes.Sollte die Stadt München die unrühmlicheren Passagen der Geschichte dieses Ortes verschweigen wollen - und sei es auch um den Preis der Erinnerung an den Autor, dessen Worte "München leuchtete" man in (bewusster oder unbewusster?) Verkennung der Mannschen Ironie in jeder Reisebroschüre, ja sogar auf der Wand der Touristeninformation am Marienplatz zitiert?Der Thomas-Mann-Förderkreis München e.V. bemüht sich seit drei Jahren, das Gedenken an den großen Schriftsteller und Nobelpreisträger, der insgesamt über 40 Jahre in München gelebt hat, wach zu halten. Mit einigem Erfolg: Gedenktafeln an den Häusern Feilitzschstraße 32 und am Neubau der Franz-Joseph-Straße 2 gehen auf das Konto des größtenteils aus privaten Spenden finanzierten Vereins. Und immerhin konnte jener Apotheker, der das Grundstück nach dem Krieg erworben hatte, eine Umbenennung der früheren Föhringer Allee in "Thomas-Mann-Allee" durchsetzen. Dennoch: Ein angemessener Treffpunkt für Thomas Mann fehlt - anders als etwa in Lübeck oder Zürich - in München bis heute. Einen geeigneten Ort gäbe es schon. Wäre da nicht dieser kleine braune Schönheitsfleck... Mehr Informationen zum Thomas-Mann-Förderkreis München e.V. erhalten Sie hier:
www.tmfm.de

3. 100% JasminFrauen und Rockmusik? - Eine seltene Kombination. Deutsche Frauen und Rockmusik? - Noch seltener. Jasmin Tabatabais "Only live" zeigt, dass diese Kombination durchaus funktionieren kannJasmin Tabatabai? Ach ja, hat sie nicht bei "Bandits" mitgespielt, neben Katja Riemann und Nicolette Krebitz eine Gefangene auf der Flucht gemimt? Ja, und schon damals, 1997, bewiesen, dass sie musizieren und singen kann. Danach war es lange Zeit ruhig um das brünette Allround-Talent. Anfang 2002 erschien dann das erste Soloalbum von Jasmin Tabatabai; wie sein Name "Only Love" vermuten lässt: ehrliche kraftvolle Liebeslieder mit einer leicht melancholischen Note. Tabatabai begab sich auf Tournee, die mit einem hochgelobten Abschluss-Konzert in der Berliner Columbia-Fritz-Halle endete. Alle drei Bandits-Hauptdarstellerinnen standen an diesem Abend wieder gemeinsam musizierend auf der Bühne. Das Ergebnis: "Only live", der Mitschnitt. Die Songs auf diesem Album sind rockiger, intensiver und vielseitiger als die des Soloalbums. Es braucht etwas, sich auf die Rhythmen einzulassen, aber spätestens nach dem dritten Hören wird man die CD nicht mehr missen wollen. (mer)Jasmin Tabatabai: "Only Live" (Sony Music Domestic)
www.jasmintabatabai.de

4. BüchertischBelletristikvon Iris RadischFriederike Kretzen: Übungen zu einem Aufstand. Roman
Verlag Stroemfeld, Frankfurt am Main/Basel 2002; 192 S., 19 Euro
Wo ist das nur alles geblieben? Batikhemden, Pink Floyd, Carlos Castaneda, Frauenwohngemeinschaften und dieser ganze herrliche Plunder? Wer erinnert sich noch an die siebziger Jahre, nein, nicht in Berlin, sondern in Gießen zum Beispiel? Revolte im Teeglas und im Kopf, lange Nächte und das Gefühl, "dass wir uns fehlen", Abschied von den Eltern, Befreiungskampf bis ins Schlafzimmer, Träume vom Anderssein, als Gießen ist. Ein paar junge Studenten üben das bessere Leben, ihre Übungen heißen "Sehnsucht auszuüben", als Engel rumgehen oder Sterntaler. Zweck der Übung und des Romans: "Alles, was so daliegt, als wäre es tot, holen wir raus und versuchen, ihm das Sehen wieder beizubringen." Philipp Garnier: Die Entdeckung der Unschärfe. Essay
aus dem Französischen von Stefan Linster
liebeskind, München 2002; 172 S., 17,50 Euro
Am Ende waren es vielleicht die paar Minuten, die wir versunken vor der sich drehenden Waschmaschinentrommel verbracht haben, auf die es wirklich ankam. Hier findet man Auswege aus dem alltäglichen Terrorismus der Anwesenheit, wie sie zuletzt Handke in seinem Versuch über die Müdigkeit besungen hat. Der Zerstreute missachtet unwissentlich die Hierarchie der Ereignisse, doch auch das will gelernt sein. Die Kunst, im entscheidenden Moment nicht da zu sein, ist nicht geringer zu achten als die Rekorde der ewigen Adabeis. Ein wunderbares Lob des täglichen kleinen Weltendes. Sachbuchvon Volker UllrichRüdiger Hachtmann: Epochenschwelle zur Moderne. Einführung in die Revolution von 1848/49
edition diskord, Tübingen 2002; 255S., 16 Euro
Kaum ein historisches Ereignis ist so umstritten wie die - gescheiterte - Revolution von 1848. Zum 150. Jubiläum vor fünf Jahren erschien eine Flut von Publikationen, die das anhaltende Interesse an dieser Weichenstellung der deutschen Geschichte bekundet. Der Historiker Rüdiger Hachtmann, dem wir eine großartige, umfassende Darstellung Berlin 1848 (J. H. W. Dietz Verlag, 1997) verdanken, hat nun eine Einführung verfasst, in der er die neueren Forschungen bilanziert, die Grundlinien der Entwicklung zwischen 1847 und 1849 nachzeichnet und den Horizont für neue Fragen öffnet. Sehr empfehlenswert. Harald Welzer, Sabine Moller, Karoline Tschuggnall: "Opa war kein Nazi"
Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis
Fischer Taschenbuch, Frankfurt a.M. 2002; 247S., 10,90 Euro
Dieser Band geht der Frage nach, welche Bilder und Vorstellungen über das "Dritte Reich" im Gespräch zwischen den Generationen tradiert werden. Das Ergebnis ist beunruhigend: Im Familiengedächtnis bewahrt werden vor allem die Erinnerungen an das Leiden der eigenen Angehörigen - an Krieg, Bombennächte, Vertreibung, Gefangenschaft. Die von Deutschen begangenen Verbrechen haben hier, entgegen manchen Annahmen, kaum einen Platz gefunden. So kommt die Vernichtung der europäischen Juden, wie es heißt, "nur als beiläufig thematisiertes Nebenereignis" vor.

5. KulturkalenderTheater1. Februar: "Die Präsidentinnen"
Von Werner Schwab, Inzenierung: Thomas Bischoff
Schauspielhaus Düsseldorf , Beginn 19 Uhr
Die Renntnerinnen Erna und Grete treffen sich mit der Toilettenfrau Mariedl in der Ernas Wohnküche. Sie sehen sich im Fernsehen eine Papstmesse an und liefern sich dazu bitterböse Wortgefechte. Es offenbaren sich Abgründe, Sehnsüchte und Verlorenheit.
zur Homepage 1. Februar: "Après soleil"
Uraufführung
von Peter Stamm, Regie: Christiane Pohle
Schauspielhaus Zürich , Box im Schiffbau, Beginn 20 Uhr
An einem namenlosen Ferienort: Evelyne ist alleine hier. Richard und Margrit kommen schon seit Jahren, diesmal ist ihr Sohn Dieter mitsamt Freundin Sonja dabei. André reist erst an, als Evelyne wieder wegfahren muss. Eigentlich reisen alle morgen ab - "aber es kommen ja Neue".
In der anonymen Bungalowsiedlung verschränken sich die Leben der Bewohner. Man versucht, in eine andere Wirklichkeit einzutreten, schließlich sind Ferien. In dieser anderen Realität begeht man Verrat, betatscht die Freundin seines Sohnes, ist man grausam zueinander.
Kein depressives Sozialdrama, sondern ein Reigen komischer Situationen und Dialoge.
zur Homepage 1. Februar: "Songs for Drella / A fiction"
Premiere
von Lou Reed und John Cale
Badisches Staatstheater Karlsruhe , Beginn 20 Uhr
Ein musikalischer Blick auf das Leben von Andy Warhol, auf dessen New Yorker Wohnung und Atelier, die so genannte "Factory", mit den für jedermann offenen Türen. Hier wurden Warhols Bilder und seine frühen Filme produziert, hier hielten sich auch die Mitglieder der Kultband "Velvet Underground" auf. Doch an den Meinungsverschiedenheiten zwischen zwei Bandmitgliedern, Lou Reed und John Cale, zerbrach die Gruppe.
Nach Warhols Tod taten die Musiker sich noch einmal für "Songs for Drella" zusammen. "Drella" war Warhols Kosename in seiner Kindheit und wurde später von sehr guten Freunden benutzt.
zur Homepage 2. Februar: "Sauna - Eine Hommage"
Uraufführung
von Joachim Meyerhoff und dem Ensemble
Maxim Gorki Theater Berlin , Beginn 20 Uhr
Autor und Regisseur Joachim Meyerhoff: "Es ist noch nicht lange her, was sind schon diese ewigen zwölf Jahre, da konnte man im Gorki nicht nur ins Theater, sondern auch in die Sauna gehen. Konnte sich dort auf Rezept den Rücken massieren und den bühnenunfallverdrehten Kopf einrenken lassen ... Platonov bei 80 Grad, Drei Schwestern bei 90 ... Und dann kommt jemand und macht die Sauna einfach zu. Verwehrt den Künstlern, sich im Schweiße ihres Angesichts von der Weltverbesserung zu erholen. 'Ein Saunaprojekt mit ungewissem Ausgang' wird eine Hauthommage zur Jubiläumsspielzeit des Gorki. Denn nur die Dummen sterben leise!"
zur Homepage 7. Februar: "Die Frankfurter Verlobung"
Premiere
von Mathias Beltz, Regie: Anselm Weber
Schauspiel Frankfurt , Kleines Haus, Beginn 19:30 Uhr
Die beiden Alt-68er Bille, 46, und Gerhard, 55, haben sich nett eingerichtet und wollen heiraten. Gerhard drischt zwar noch immer gern revolutionäre Phrasen, aber eigentlich widert ihn das "alternde Protestgesindel" an. Heute, am 11. September, dem Geburtstag Franz Beckenbauers und Theodor W. Adornos, ist der Minister, ein früherer Kampfgefährte Gerhards, zum Abendessen eingeladen. Dann kreuzt Billes Sohn Johannes mit seiner Freundin Mascha auf. Und die TV-Reporterin weiß, was sie will: das dunkle Geheimnis lüften, das Gerhard und den Minister verbindet.
Der Autor und Ausnahmekabarettist Mathias Beltz verstarb im März 2002 unerwartet vor einem Auftritt im Frankfurter Tigerpalast.
www.matthiasbeltz.de
zur Theater-Homepage 8. Februar: "Purgatory"
Deutsche Erstaufführung
von Ariel Dorfman, Regie: Peter Löscher
Hamburger Kammerspiele, Beginn 20 Uhr
Der Mythos von Jason und Medea, neu erzählt. Gefangen in einem psychologischen Verhör, belauern sie sich gegenseitig, versuchen ihre Worte strategisch zu setzen, um dem, was kommen soll, zu entgehen.
Dorfman hat den nie alternden Stoff der antiken Tragödie elegant in einem Spiel um Identitäten, Verantwortung und Schuld verwoben.
zur Homepage 8. Februar: "Marvins Töchter"
Deutsche Erstaufführung
von Scott McPherson, Regie: Klaus Dieter Kirst
Staatsschauspiel Dresden , Beginn 20 Uhr
Der ans Bett gefesselte Marvin wird von seiner Tochter Bessie gepflegt. Bis sie selbst an Leukämie erkrankt. Nur durch Knochenmarktransplantation kann sie geheilt werden. Als Spender kommen ihre Schwester Lee und deren Sohn in Betracht. Bessie und Lee haben sich jedoch seit 20 Jahren nicht gesehen. Bessies Krankheit ist es, die die Familie wieder ins Gespräch zwingt.
Ein nachdenkliches, auch komisches Stück über unterschiedliche Lebensentwürfe, Selbstbewusstsein, Selbstlosigkeit und Glück.
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