LITERATUR
1. Mit brennenden Büchern. Zum 70. Jahrestag der Bücherverbrennung
2. Büchertisch - Rezensionen von ZEIT-Literaturredakteuren MUSIK
3. Singsang der Sirenen - Über das Album "Anders Widmark featuring Sara Isaksson"
4. Britpop im Think Tank - Das neue Album von Blur
5. Mit hohen Ellenbogen - Über den Dirigenten Josef Krips 6. KULTURKALENDER
Theater
Konzerte
Ausstellungseröffnungen
Lesungen1. Mit brennenden Büchernvon Ariane Greiner München, 10. Mai 1933: Nach einer pompösen Auftaktveranstaltung im Lichthof der Ludwig-Maximilian-Universität zieht ein Fackelzug von Studenten und Professoren in Richtung Königsplatz. Hier, im braunen Herzen der Stadt, versammeln sich 50 000 Münchner und Münchnerinnen zum Kampf "wider den undeutschen Geist". Bücherverbrennung 1933© www.buecherverbrennung.de Zur selben Zeit in Berlin: Aufgerufen von der "Deutschen Studentenschaft" pilgern Studenten und Professoren, Untergliederungen der NSDAP und nationalsozialistische Verbände zum Opernplatz, um Teil eines großen Spektakels zu sein: In Lastwagen und Ochsenkarren werden aus aller Herren Haushalte Bücher "nichtarischer" und "zersetzender", "undeutscher" und "volksfremder" Autoren herbeigeschaufelt, um sie im offenen Feuer zu verbrennen. Unter pathetischer Ausrufung so genannter "Feuersprüche" fliegen die unliebsamen Schriften nach und nach in die Flammen. Goebbels beschwört in glühender Rede das Feuer als Zeichen, dass "in Deutschland die Nation sich innerlich und äußerlich gereinigt hat."Auch in vielen anderen Universitätsstädten brannten die Bücher in jenem Frühjahr 1933. In bombastischen Inszenierungen irgendwo zwischen Lagerfeuerromantik und Teufelsaustreibung wanderte alles auf den Scheiterhaufen, was sich des "politischen Verrats" oder der "Gesinnungslumperei" schuldig machte. Diese schwammig-dümmlichen Kriterien dehnte man freilich auf alles aus, was nicht der nationalsozialistischen Blut- und Boden-Ideologie entsprach. So erklärt sich die eindrucksvolle Spannbreite der Literaturauswahl: Die Werke von Heinrich und Klaus Mann, Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Erich Mühsam, Anna Seghers und Erich Kästner waren den Nazis ebenso ein Dorn im Auge wie etwa die Schriften Sigmund Freuds, Ernst Blochs oder Walter Benjamins.Widerstand gegen diese ersten martialischen Akte ideologischer Indoktrination regte sich kaum. Verlage und Buchhandel verhielten sich opportunistisch, das Bildungsbürgertum tat die Aktionen als "studentischer Bierulk" ab. Auch die meisten verschont gebliebenen Autorenkollegen zogen das Schweigen dem offenen Protest vor. Der Münchner Dichter Oskar Maria Graf allerdings wehrte sich vehement dagegen, von den Nazis gebilligt zu werden und bat in einem offenen Brief inbrünstig "verbrennt mich!"In der Folge wurden Tausende "unzuverlässiger" und "nichtarischer" Autoren mit Berufsverboten an ihrer Arbeit gehindert und, so man sie nicht gleich ins KZ sperrte, ins Exil getrieben. Journalisten wurden gesetzlich zu Erfüllungsgehilfen der Regierung degradiert: Sie hatten dem im Oktober 1933 erlassenen "Schriftleitergesetz" zufolge "in erster Linie Diener der Volksgemeinschaft" zu sein. Überhaupt verbot das Regime jegliche Form der Kritik, die Kunst- und Literaturkritik musste der so genannten "Kunstbetrachtung" weichen. Da aber sowieso keine andere Kunst mehr als die der Propaganda dienende "völkische" erlaubt war, verkam auch dieses journalistische Format schnell zur gesichtslosen Lobhudelei.Und heute? 70 Jahre danach? Brennende Bücher? Höchstens im Film! Wenn in Truffauts Satire "Fahrenheit 451" die Feuerwehr ausschwärmt, um Bücher zu verbrennen, da diese die Menschen verdürben, dann lehnen wir uns im Kinosessel zurück und schmunzeln über die Einfältigkeit der dargestellten Ideologie und Truffauts schwarzen Humor.Über folgenden Stoff würden sich Filmemacher vermutlich freuen: Herr K. mag nicht länger mit ansehen, wie man die braune Vergangenheit seiner Heimatstadt konsequent vertuscht. Zum Beispiel der große Platz im Zentrum, wo die Nazis Bücher kluger und also feindlicher Köpfe verbrannt haben: An der Stelle, wo das Feuer loderte, wächst heute ein Rasen, dicht und in saftigem Grün. Herr K., entschlossen, hier an diesem historischen Ort ein Mahnmal gegen das Vergessen zu errichten, zieht einen Kreis auf dem Rasen, und zwar genau an der Stelle, wo damals das Feuer gebrannt hat. In bester Absicht bildet er den Brandfleck von einst mit Hilfe eines Bunsenbrenners nach und steckt ein erklärendes Schild daneben. Doch viele Leser soll es nicht erreichen, denn schnell hat der Gärtner im Auftrag der Stadtverwaltung das Schild entfernt. Herr K. lässt sich nicht entmutigen und greift zu einer List: Er lässt eine Gedenktafel anfertigen und stellt sie dahin, wo vorher das Schild stand - diesmal als offizielle Schenkung an die Stadt. Doch die Stadt scheint sich wenig zu freuen, denn das Schauspiel wiederholt sich: Die Tafel lässt man kurzerhand absägen. Und da es sich nicht gehört, Geschenke wegzuschmeißen, selbst wenn sie ungewollt sind, landet sie schließlich im Stadtarchiv in einer "Kammer für dreidimensionale Geschenke".Eine Posse, über die wir im Theater lachen würden. Aber wenn die Bühne das Leben und das Stück eine Realsatire ist, dann bleibt uns das Lachen im Halse stecken. Die Stadt heißt München, der Protagonist heißt Wolfram Kastner und ist politischer Künstler. Tatsächlich steht jene Tafel nun schon seit 1996 in besagtem Archiv - gut abgeschottet von den Blicken der Öffentlichkeit. Dass München als ehemalige "Hauptstadt der Bewegung" sich mit ihrem schweren Erbe nicht leicht tut, ist ein offenes Geheimnis. Immerhin gibt es ein paar Gründe, Hoffnung zu schöpfen, dass sich die Stadt in Zukunft ihrer Geschichte öffnen will: Die Pläne für ein NS-Dokumentationszentrum auf dem Königsplatz sind in vollem Gange und das Kulturreferat baut mit seinen "Geschichtspfaden" gerade ein ambitioniertes Projekt zur Historie einzelner Stadtviertel auf. Der Bücherverbrennung vor 70 Jahren gedenkt die Stadt mit einer besonderen Aktion: "München liest - aus verbrannten Büchern" heißt die ganztägige Veranstaltung, zu der u.a. das Kulturreferat Autoren, Schauspieler und alle Interessierten einlädt, am Originalschauplatz aus den damals verbrannten Büchern vorzulesen. Wolfram Kastner, Initiator der Aktion, wird es sich nicht nehmen lassen, neben einem schwarzen Fleck eine kleine Tafel aufzustellen.Links zum Thema:
www.buecherverbrennung.de
www.sigi-benker.de
www.peterpich.de
2. Büchertischvon Susanne MayerNUR GRÜNES

Gartenshow in Rostock, Frühlingsgefühle bis über beide Ohren, erste Gänseblümchen im Park - bei solcher Wetterlage empfiehlt sich Lektüre über Grünes. Visionäres sprießt, so in dem Band - Marcel Kalberer/Micky Remann: Grüne Kathedralen. Die weltweite Wirkung wachsender Weiden; AT Verlag, Aarau/München 2003; 127 S., 26,90 Euro. Wie braune Stöcker zu riesigen Bögen gesteckt werden und dann ausschlagen und sich in durchwehte Märchenpaläste verwandeln oder in Hängebrücken, Glockentürme, sogar Stadthallen, das bestaunte man schon in Bremerhaven, Pfullendorf, tatsächlich auch in Lörrach. Architektur, die mit den Jahreszeiten wächst und gilbt und doch sich selbst erneuert. Radikaler Nichtbau! So erklärt es das Vorwort, und auf den letzten Seiten wachsen schon Baumstädte himmelwärts wie Träume. "In jedem 10. Stock befinden sich Speicherräume für Düngemittel…" Unglaublich? So sind auch die Geschichten, die uns die englische Gartendiva Anna Pavord erzählt: Die Tulpe. Eine Kulturgeschichte; aus dem Englischen von Sven Dörper/Thomas Wollermann; Insel Verlag, Frankfurt a. M. 2003; 285 S., 15,-Euro. Leidenschaft ist ein zu mildes Wort, um die Gefühle zu beschreiben, die Gartenliebhaber über die Jahrhunderte gegenüber den kleinen braunen Zwiebeln hegten - und die sie verführten, ihnen alle Gedanken, Verpflichtungen, Erarbeitetes zu opfern. Zur Pflanzung von 10000 Narzissen haben sich zwei Herren am Niederrhein hinreißen lassen, der Anblick kann Schwindel erregen: Manfred Lucenz/Klaus Bender: Ein Garten fürs Leben; Fotografien von Jürgen Becker; DuMont monte Verlag, Köln 2003; 160 S., 29,90 Euro. Wie es dazu kam, warum sie auch der Iris nicht widerstehen konnten, noch kübelweise Lilien pflanzten, Gemüse dazu, das erzählt ihr Buch anschaulich und kenntnisreich. Eine Plauderei dagegen die Erzählung des Schweizer Kameramannes Michael Bindlechner: Edelprinzner Gärtnerjahr. Tagebuch einer Auszeit; Verlag Christian Brandstätter, Wien 2003; 160 S., 36,- Euro. Ein Schreiben, das aus der genauen Beobachtung wächst, das Wetter registriert, den Lichteinfall, Rezepte so sorgsam wie Gefühle notiert, für Leser ist dieses Tagebuch ein veritables Pausenbuch. Bleibt noch ein Augenblick für das Wichtigste, wie unsere Managementkultur es gern formuliert, für James Fenton: Ein Garten aus hundert Samentütchen; aus dem Englischen von Friederike Barkow; Argon Verlag, Berlin 2003; 128 S., 12,90 Euro. Tropolaeolum oder einfach Kornblumen, Kresse auf feuchtem Waschlappen oder Prachtwinde bis zur Dachrinne? Ein Heer von Sonnenblumen oder doch butterweiße Eschscholtzia? Solche Fragen müssen jetzt entschieden werden, sollen die Antworten rechtzeitig ausgesät, pikiert, in Beete verpflanzt werden und aus dem Garten noch in diesem Jahr ein Abenteuer machen. Der Dichter James Fenton, einst Professor für Poesie in Oxford, hat ein Feuilleton der Gartenkunst geschrieben, die bekanntlich darin besteht, Ideen in Schönheit zu verwandeln, und geradezu schmerzlich von denen gesucht wird, die um die Vergänglichkeit wissen. 3. Singsang der Sirenenvon Claudia Pahlich Jazzige Klänge aus Skandinavien sind meist für eine Überraschung gut. Ob Jan Garbarek, Stina Norderstam oder Nils Landgren - was aus dem Norden kommt und sich Jazz nennt, setzt Trends, ist innovativ und macht Furore. Auch das Album Anders Widmark featuring Sara Isaksson lässt Inspirierndes erhoffen. Album: Anders Widmark featuring Sara Isaksson© Universal Jazz Melancholische Klänge gehören zum Klischee der Jazzmusik aus dem Norden. Die traurigen Liedchen einer Stina Norderstam haben dieses Bild genauso geprägt wie Garbareks Saxofonspiel. Schon im ersten Stück des Albums To open up my heart ist ein Teil dieser Melancholie wieder zu finden, in eingängigen Melodien, einer sanften Stimme, die ein bisschen an Tori Amos, ein bisschen an Sheryl Crow erinnert und dem Klavierspiel Widmarks. Popig, ein wenig seicht - dieser Eindruck setzt die Messlatte für das gesamte Album. Alle sechs Stücke von Sara Isaksson weisen diese Zusammensetzung auf. Zwischen Jazz und Pop bewegen sich die beiden Künstler, gelegentlich werden sogar einige Country- Elemente eingestreut. Sara Isaksson, die die Stücke für dieses Album auswählte, sagt selbst über das Repertoire: "Ich entschied mich ausschliesslich für Stücke, die für Anders absolut typisch sind: Seine Songs sind gleichzeitig wunderbar leicht und doch unglaublich traurig, sie haben ihre Wurzel zwar immer im Jazz, verfügen aber andererseits auch immer über eine sehr gängige, singbare Melodie, die mir sehr entgegen kommt. Ich selbst habe nämlich eigentlich mehr einen Rock´n´Roll-Backround." Traurig klingt Oblivion , ein sehnsuchtsvolles Lied über das Vergessen, das mit Geigensoli und Streicheruntermalung nur harrscharf dem Kitsch entgeht. Ein wahrer Popsong ist mit dem Song "I was dreaming" gelungen. Der eingängige Refrain und die dynamische Bläserbegleitung swingen und machen gute Laune. Überraschend dann der vorletzte Song, Kamala´s Longing : mit den Sängern Josefin Nygren und André de Lange begleitet Sara Isaksson die Musik mit Harmoniegesang, der viel Nordisches bringt. Die sanfte Melodie wird durch viel Hall und gesungenen Akkorden zur Hymne skandinavischer Romantik. Die beiden Musiker aus Schweden haben es mit diesem Album bereits auf Platz zwei der schwedischen Jazzcharts gebracht. Jazz? Diese Kategorie ist eigentlich falsch. Gute Popmusik ist auf diesem Album zu hören. Und da diese immer seltener zu finden ist, freut das sehr. Anders Widmark featuring Sara Isaksson
Emarcy Records/Universal Music Anders Widmark, der die Stücke für dieses Album komponierte, begleitete als Jazzmusiker einige namhafte Jazzer wie Eddie Harris und Bob Brookmeyer, auf seinem letzten Soloalbum interpretierte er Stücke aus der Oper Carmen . Sara Isaksson hat in Schweden zwei Soloalben herausgebracht, die ihr Vergleiche mit Sheryl Crow einbrachten. Homepage von Anders Widmark
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4. Britpop im Think Tankvon Thomas Winkler Im Fernsehen wirkt Tony Blair stets so viel smarter, eloquenter, medienweiser als George Bush - der das größere Empire hinter sich weiß. In der Popmusik verhält es sich ähnlich. Ziemlich exakt eine Dekade ist es her, dass das Vereinigte Königreich im Andenken an die Beatles das Marketingetikett Britpop konstruierte. Bands wie Oasis, Pulp und Blur schickten sich an, die Charts der Welt und insbesondere Amerikas zu stürmen. Heutzutage muss sich Tony Blair beim Erobern mit der Rolle des Juniorpartners bescheiden - und britische Musikzeitschriften feiern hemmungslos amerikanische Rock-Importe.
Doch etwas hat überlebt. Think Tank , die neue CD von Blur ( Parlophone/EMI ), wirkt wie eine Erinnerung an Zeiten, an die selbst die unmittelbar Beteiligten ungern zurückdenken: Schon seit Jahren versuchen Blur, sich von der kommerziellen Blaupause Britpop zu verabschieden. Während die Band ihr Gespür für Hits in einer Camouflage aus experimentellen Sounds, Lärm und blankem Irrwitz verbarg, verschrieb Sänger und Hauptsongwriter Damon Albarn sich Nebenprojekten wie der Zeichentrickband Gorillaz. Kein Wunder, wenn er in Out of Time , dem feinsinnigsten Song des neuen Albums, wie zu sich selber singt, man sei wohl zu beschäftigt gewesen in letzter Zeit, um die Welt zu bemerken und wie sie sich immer noch sanft um sich selbst dreht.
Auf der Suche nach Auswegen aus der Krise geraten im Think Tank nun alle Werte durcheinander. Eklektizistisch waren Blur immer schon, stets unentschieden zwischen Dissidenz und Dandytum, das hat sich trotz des von der heimischen Musikpresse mit hysterischen Drogengerüchten begleiteten Gesundschrumpfens zum Trio nicht verändert. Jetzt aber, ohne Gitarrist und Bandrocker Graham Coxon, regiert der blanke Dekonstruktivismus und treibt die Zurückgelassenen ins stilistische Nirgendwo. Mit der Arroganz gelangweilter Superstars verbergen Blur ihre wundervollen Melodien in Dub-Experimenten und Avantgarde-Geschwurbel, verschwenden sie zwischen Elektronik-Gimmicks, Dancefloor-Beats und Ethnopop-Geflirre.
Abgegriffener Glamrock und dreiste Selbstzitate tun ein Übriges. Spätestens wenn ein sattes Saxofon einen weiteren Sargnagel in den Free Jazz trötet, wie Blur ihn sich vorstellen, wird klar, dass es hier nicht mehr darum geht, Songs zu schreiben, sondern nach Kräften zu verhindern. In der selbstverliebten Alleskönnerhaltung spiegelt sich, wenn auch ironisch gebrochen, der verlorene Glanz des britischen Pop-Empire. Auf Think Tank döst das Königreich mit halb geöffneten Augen, als wüsste es insgeheim: Der Traum ist aus. 5. Mit hohen Ellenbogenvon Christine Lemke-Matwey Es gibt eine Karikatur des Dirigenten Josef Krips , die zeigt ihn als Ei: ein großes dickes weißes Ei, das von verschiedenen Seiten angestupst wird und immer wieder in die Vertikale findet. Was der Zeichner der Welt damit sagen wollte, außer dass Krips in der Tat einen mächtigen Leibesumfang besaß? Vielleicht dass dieser Künstler sich durch nichts so schnell aus der Façon bringen ließ; oder dass er, ein Strahlemax mit Froschgesicht und früher Glatze, selbst über eine gehörige Portion Humor verfügt haben muss. Krips war Wiener Jude, und das Wienerische ist in keiner Weise bei ihm wegzudenken.
Ob es nun Walzer von Johann Strauß sind, Mozarts Requiem oder seine legendäre Don Giovanni -Einspielung von 1955 (in Anlehnung an die Produktion, mit der er 1946 die Salzburger Festspiele wiedereröffnete) - Krips überzeugt nicht nur durch kapellmeisterliche Sorgfalt, sondern vor allem durch eine gewisse Gemütlichkeit, ein Entstehenlassen und Zuhörenkönnen, das selbstredend mit der von Mahler gegeißelten „Schlamperei“ nicht das Geringste zu tun hat. Krips ist Musiker, kein Ideologe, in den fünfziger und sechziger Jahren markierte er mit seinem Gespür für Phrasierung und schlanken Ton eine ästhetische Position, die sich die Musikwelt heute - nach den Extremen des Karajanismus wie der historischen Aufführungspraxis - erst wieder erarbeiten muss. Dabei mag Krips nicht so brillant gewesen sein wie ein Erich Kleiber oder so feurig und klangsensibel wie ein Fritz Busch; auch scheute sich der Weingartner-Schüler davor, eigene Befindlichkeiten in den Vordergrund zu rücken. Insofern mag seinen aus den Decca -Archiven frisch hervorgekramten Haydn- oder Mozart-Aufnahmen (darunter die Pariser und die Jupiter -Symphonie, insgesamt fünf CDs, 473 121-2 ) für heutige Ohren doch ein wenig das Spektakuläre, sprühend Subjektive fehlen. Die hohen Ellenbogen und kleinen Bewegungen, die für Krips’ Schlagtechnik symptomatisch waren, rühren ganz bewusst nicht an die Klassizität dieser Werke.
Das Kühne, Verwegene, Weltübergriffige, würde Krips vielleicht sagen, muss nicht gemacht werden: Es ist immer schon da. Hört man aber, mit welcher Hitze sich das London Symphony Orchestra (dessen Chef Krips 1950 bis 1954 war) im Kopfsatz von Brahms Vierter in die Verwicklung der Themen förmlich hineinbohrt oder mit welch überschwänglicher Emphase die Musiker in Mendelssohns Italienischer Sinfonie das Licht des Südens leuchten lassen, dann schaut einen plötzlich ein ganz anderer Josef Krips an. Aber wahrscheinlich ist es eben doch nur ein Klischee, dass alle Froschgesichter durch nichts aus der Façon zu bringen sind. 6. KulturkalenderTheater02. - 18. Mai: "Theatertreffen Berlin"

Wie in jedem Jahr, präsentiert das "Theatertreffen Berlin", das in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiert, auch 2003 wieder die zehn eindrucksvollsten Inszenierungen der Theaterlandschaft. Die Auswahl der Stücke hat eine Jury bestehend aus Mitgliedern aus Deutschland, der Schweiz und Österreich getroffen. Das Programm ist auch dieses Mal wieder sehr vielfältig und reicht von bekannten Stücken, wie "Emilia Galotti" von Gotthold Ephraim Lessing oder "Richard III." von William Shakespeare über neuere Stücke wie "Liebelei" von Arthur Schnitzler bis hin zu ganz aktuellen Stücken aus den letzten Jahrzehnten, wie "Der Meister und Margarita" von Michail Bulgakow, das 1990 in Deutschland uraufgeführt wurde. Außerdem bietet das "Theatertreffen Berlin" - wie in jedem Jahr - wieder den sogenannten "Stückemarkt" , Diskussionsforen zu aktuellen Themen und die "tt nachtschau" an.
berlinerfestspiele.de
theatertreffen-berlin.de

Aus dem Programm:

"Der Meister und Margarita"
7., 17. Mai, jew. 19 Uhr:
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin
von: Michail Bulgakow, Regie und Bearbeitung: Frank Castorf
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
Ende der 20er Jahre während der Karwoche erscheint in Moskau der Satan Voland mit seiner Gefolgschaft, um am Freitagabend - wie jedes Jahr - zu einem Ball einzuladen. Nun ändert sich das Leben in der Stadt grundlegend, nicht unbedingt zu den Gunsten der Bewohner. Jedem, der mit dem Teufel und seinen Gefährten in Berührung kommt, geschieht Schreckliches und das mit Recht, denn die meisten Menschen in der Stadt sind verlogen, geldgierig und anmaßend. Nur der Meister ohne Namen, der Autor eines Pilatus-Romans und seine Geliebte Margarita haben eine Ausnahmestellung. Sie verloren einander aus den Augen, als der Meister einen Nervenzusammenbruch erlitt und sich dann in der Psychiatrie wieder fand. Er konnte es nicht ertragen, dass sein Werk aufgrund von revolutionären Tendenzen nicht veröffentlicht werden sollte. Margarita ist bereit, die Gastgeberin auf dem Ball des Satans zu spielen, um ihren Geliebten als Lohn wiederzusehen, dies geschieht auch und alles wendet sich wieder zum Guten.

"Liebelei"
9. Mai (20 Uhr), 10. Mai (16 und 20 Uhr):
Thalia Theater Hamburg
von: Arthur Schnitzler, Regie: Michael Thalheimer
Haus der Berliner Festspiele
Vier Menschen, die ineinander übergehen und die Grenze zwischen Individuum und Gruppe verschwimmen lassen. Sie sind alle involviert in den Markt der Erotik: der grinsende Mitläufer Theodor, die freche Party-Schnecke Mizi, der narzistisch veranlagte, introvertierte Sunnyboy Fritz und die unerfahrene, etwas steife und eingebildete Novizin Christine. Die vier verbindet ein Gefühl der Leere und der Sehnsucht nach Liebe, was sie jedoch versuchen, zu überwinden.

"Nora"
2., 4., 6. Mai (20 Uhr), 3. Mai (18 Uhr), 5. Mai (21 Uhr):
Schaubühne am Lehniner Platz Berlin
von: Henrik Ibsen, Regie: Thomas Ostermeier
Schaubühne am Lehniner Platz
Nora, die Ehefrau des Karriere-Menschen Torvald Helmer, der sie immer "Puppe" nennt, möchte endlich raus aus ihrem "Puppenheim", in dem sie sich eingesperrt fühlt. Sie kommt aus sich heraus und zerstört das Haus, nachdem Helmer ihr jede Art von moralischem Empfinden und Reife abgesprochen hat. Zentrale Themen des Stücks sind Lüge und Unrecht, Fehler und Schwächen, Freiheit und Wahrheit, zugleiche zentrale Aspekte des Lebens. "Wir müßten uns beide so ändern, daß ein Zusammenleben zwischen uns eine Ehe werden könnte", sagt Nora. Sie verspricht nichts. Sie braucht Zeit, um zu sich selbst zu finden. Ibsens Werk regt sicher zum Nachdenken an.

Premieren im Mai:

03. Mai: "Kassandra"
Premiere
von: Christa Wolf, Inszenierung: Daniela Kranz, Jenke Nordalm
Schauspiel Frankfurt , Beginn 22:30 Uhr
Kassandra laesst ihr Leben Revue passieren. Sie fühlt sich, wie in einer Todeszelle, denn sie weiss vom Ende ihres Lebens. Kassandra beherrscht das Hellsehen, was ihr die Gewissheit verschafft hat, dass sie von Klytemnaestra umgebracht werden wird. Zu allem Uebel ist sie auch damit verflucht, dass ihr keiner Gehoer schenkt, d.h. sie kann mit ihren Zukunftsvisionen nichts anfangen, kann das Schicksal nicht aufhalten. Der trojanische Krieg nimmt somit seinen Lauf und Kassandra vereinsamt mehr und mehr.
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08. Mai: "99 Grad"
Premiere
von: Albert Ostermaier, Regie: Florian Fiedler
Theater Basel , Beginn 21 Uhr
Ein Chemiker geht mit einem neuen Produkt an die Boerse, das das Verhaeltnis der Geschlechter revolutionieren soll: die Treuepille. Wird sie von beiden Partnern eingenommen, bleibt man sich fuer immer treu. Das klingt nur auf den ersten Blick positiv, denn bei genauer Betrachtung erkennt man, dass diese Tablette ganze Wirtschaftszweige zerstoeren wird, wie Werbeindustrie, Modewelt etc. So erntet der Chemiker auch viel Kritik fuer seine Erfindung und die Geschehnisse nehmen ihren Lauf. Florian Fiedler kam bereits 1998 an das Theater Basel und hat zwischenzeitlich am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und am Muenchner Volkstheater gearbeitet.
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10. Mai: "Klinik"
Deutsche Erstaufführung/ Premiere
von: Lars Norén, Inszenierung: Heiko Senst
Deutsches Theater in Göttingen , Beginn 19:45 Uhr
Die offene Station einer Psychiatrie: Menschen, die vom Weg der sozialen Marktwirtschaft abgekommen sind, haben sich hier versammelt, doch machen keine Anstalten, hier wieder herauszukommen. Abseits des normalen Lebens drehen sie sich um die eigene Achse. Doch auch hier - wie im normalen Leben - besteht eine Hierarchie und egoistisches Denken, werden die Schwaechsten unterdrueckt und schlecht behandelt. "Klinik" beschreibt sehr deutlich die Schattenseiten unserer Gesellschaft, die wir oft gerne unter den Tisch fallen lassen wuerden.
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10. Mai: "Liliom"
Premiere
von: Franz Molnár, Regie: Ruth Drexel
Tiroler Landestheater, Beginn 19:30 Uhr
Der "Hutschleuderer" Liliom ist Ausrufer eines Karusells in einem Vergnuegungspark und ein Weiberheld. Fuer das Dienstmaedchen kuendigt er seinen sicheren Job bei der Witwe Muskat. Er pruegelt Julie, riskiert andererseits ihretwegen einen Raubueberfall, der jedoch nicht nach Plan verläuft. Um nicht verhaftet zu werden, ersticht sich Liliom und erhaelt von den Behoerden im Himmel eine zweite Chance...
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Konzerte 1. Mai bis 13. Juni: "Braunschweig Classix Festival"
diverse Veranstaltungsorte in der Region Südost-Niedersachsen
Das Braunschweig Classix Festival bietet ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm. Über 60 Konzerte und Veranstaltungen werden in Hannover, Braunschweig und Magdeburg präsentiert. Am 6. und 7. Mai spielt der Pianist Oliver Kern im Städtischen Museum in Braunschweig "Das Klavierwerk von Johannes Brahms" jeweils um 20 Uhr. Brahms Werke zählen zu den anspruchsvollsten und schwersten der Klavierliteratur. Oliver Kern ist Gewinner des Wiener Beethoven- und des ARD-Wettbewerbs. Er spielte bereits mit zahlreichen internationalen Orchestern.
Das Ensemble "Power! Percussion" tritt am 11. Mai um 19 Uhr im Isernhagen Hof in Hannover auf. Allen möglichen Gegenständen entlocken die erfahrenen Schlagzeuger rhythmische Klänge: Auf Ölfässern, Mülltonnen und Alu-Trittleitern präsentieren sie eine "Sinfonie aus geballter Power."
zur Homepage 2., 4. und 5. Mai: "10. Symphoniekonzert"
in der Tonhalle Düsseldorf , Beginn 20 Uhr (2. und 5.Mai) und 11 Uhr (4. Mai)
Unter dem Dirigent José Serebrier führen die Düsseldorfer Symphoniker und die Kammersängerin Brigitte Fassbaender die "Weise von Liebe und Tod des Cornet Christoph Rilke" von Victor Ullmann auf. Während seiner Zeit im Konzentrationslager, wandelte der Komponist Victor Ullmann die Jugenddichtung von Rainer Maria Rilke in Werke für gesprochene Stimme und Klavier um. Des weiteren stehen auf dem Programm die Ouvertüre zu "Egmont" f- moll op. 84 von Ludwig van Beethoven und die Sinfonie Nr. 1 e-moll op. 39 von Jean Sibelius.
zur Homepage 3. bis 11. Mai: "IV. Festival für Vokalmusik"
diverse Veranstaltungsorte in Leipzig
Vokalensembles unterschiedlichster Herkunft kommen zum Festival nach Leipzig: Die Swingle Singers aus Großbritannien, das Ensemble Clément Janequin aus Frankreich und junge Künstler wie Basta aus Deutschland und Tamae aus Madagaskar. Neben afrikanischen Melodien und Rhythmen, a-capella Popsongs und Vocal Jazz werden auch Werke der Romantik und Alter Musik zu Gehör gebracht. Zu einem der Höhepunkte zählt die zwölfstimmige Messe "Et ecce terrae motus" von Antoine Brumel, die unter der Leitung von Paul van Nevel von dem belgischen Huelgas Ensemble am 4. Mai in der Thomaskirche gesungen wird.
zur Homepage 8. Mai: "Berlin Jazz Orchestra"
im soultrane in Berlin , Beginn 22Uhr
Unter dem Motto "Big-Dining" tritt das Berlin Jazz Orchestra regelmäßig im soultrane auf. Dirigiert wird das junge Ensemble von Jiggs Whigham, der Frontsänger ist Marc Secara. Als Special Guest dieser Session, wurde die amerikanische Sängerin Judy Niemack eingeladen. Mit ungewöhnlichen Arrangements und atemberaubenden Soli zeigen die Musiker, was Big Band Sound zu bieten hat.
zur Homepage 9. bis 11. Mai: "10. Internationales Jazzfestival Dortmund"
diverse Veranstaltungsorte in Dortmund
"Europhonics" ist das Motto des diesjährigen Festivals und möchte sowohl geografisch als auch musikalisch das Spektrum der Aktuellen Musik Europas darbieten. Ein weiterer Schwerpunkt des Festivals liegt auf der Förderung der regionalen Szene und dem Jazznachwuchs. Im internationalen Hauptprogramm treten Künstler wie die Sidsel Endresen Group, Nguyen Le oder Bojan Z auf. Außerdem gibt es am 11. Mai ein Kinder- bzw. Familienkonzert des "Young Improvisers Orchestra". Eine Fotoausstellung des Jazzfotografen Mark Wohlrab begleitet zusätzlich das Festival.
zur Homepage 10. Mai: Hans-Joachim Scheitzbach - "Mein Cello und ich"
in der Tertianum Residenz Berlin , Beginn 17 Uhr
Hans-Joachim Scheitzbach, der Solocellist der Staatskapelle Dresden und der Komischen Oper Berlin, gibt Einblicke in das Leben eines Musikers: Er führt vor, wie man ganz alleine vierstimmig Musik machen kann und erzählt über die Qualen und Freuden des Lernens, seiner beruflichen Erfüllung, Inspiration und dem Dreieck Komponist-Interpret-Hörer. Durch seine unterhaltsame und heitere Art macht der Alleinunterhalter jede Vorführung zu einem Hörgenuss. Der Cellist wurde bereits mit dem Kunstpreis und dem Kritikerpreis der Stadt Berlin sowie dem Heinrich-von-Kleist-Kunstpreis ausgezeichnet.
zur Homepage Ausstellungseröffnungen26.4. bis 29.6.2003: "Looking in - looking out. Positionen zeitgenössischer Fotografie"
Kunstmuseum Basel
Die Öffentliche Kunstsammlung Basel hat sich in ihren jüngsten Ankäufen schwerpunktmäßig dem Medium "Fotografie" gewidmet und dabei versucht, möglichst ganze Werkgruppen zu erwerben. Wichtige Ausgangspunkte bilden Arbeiten von Bernd und Hilla Becher, Jeff Wall und Richard Prince, die mit Werken von Cindy Sherman, Peter Fischli und David Weiss, Hannah Villiger, Gabriel Orozco, Olafur Eliasson, Wolfgang Tillmans sowie Theresa Hubbard und Alexander Birchler in Verbindung gebracht werden.
Aussichten aus dem Inneren von Höhlen und entsprechende Einblicke von Außen nach Innen regten den Ausstellungstitel an. Die "Cave Series" von Olafur Eliasson ordnet die einzelnen Fotografien sozusagen mit dem Blick des Naturforschers zu motivisch bestimmten Gruppen.
zur Homepage 4.5. bis 3.8.2003: "Picasso - Lebensfreude. Lithographie und Keramik"
Gustav-Lübcke-Museum, Hamm
Pablo Picasso (1881 - 1973) hat die Kunst des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt. Besonders in seinen druckgrafischen Arbeiten schätzte Picasso die Möglichkeit, das Werk im Schaffensprozess zu verändern. Die Ausstellung zeigt 100 Lithografien aus dem Bestand des Grafikmuseums Pablo Picasso Münster. Sie wird durch keramische Arbeiten Picassos aus einer Privatsammlung ergänzt, die das Wechselspiel zwischen den verschiedenen Techniken illustrieren.
zur Homepage 7.5. bis 9.6.2003: "From Sweden with Love ... On Swedish and Swiss Design"
Museum für Gestaltung Zürich
Schwedisches und schweizerisches Design bilden den Rahmen dieser Ausstellung, der mit Möbeln, Produkten, Bildern, Grafik, Textilien und Gedanken zu kreativen Schnitt- und Leerstellen gefüllt wird. Eine Ausstellung in der Ausstellung zeigt die ausgezeichneten Produkte des letztjährigen "Excellent Swedish Design"-Award. Die jährliche Preisverleihung genießt den Ruf, DAS gesellschaftliche Designereignis in Schweden schlechthin zu sein.
Dem schwedischen Design wird eine Auswahl von "ausgezeichnetem" schweizerischen Design zur Seite gestellt, um einen Dialog zwischen der Designkunst beider Länder herzustellen.
zur Homepage "Gardener's Sofa", Eva Schildt für Design House Stockholm AG, Excellent Swedish Design Award 2002 8. bis 12.5.: "Man Ray auf der Art.Metz"
Messegelaende Metz
150 Künstler aus 14 Ländern wurden von einer unabhängigen Jury ausgewählt, um an der Dritten Europäischen Kunstmesse teilzunehmen. Unter dem Motto "Vom Stein bis zum Bildschirm" sind alle heutzutage gebräuchlichen Techniken von der Skulptur bis zur multimedialen Kunst vertreten.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Werk von Man Ray.
zur Homepage 8.5. bis 25.6.2003: "Bilderbriefe von Dichtern und Malern"
Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg
Gezeichnete Grüße, illustrierte Karten und gemalte Briefe - Gudrun Schury und Rolf-Bernhard Essig (Bamberg) haben Briefe von Dichtern und Malern aus zwei Jahrhunderten für einen Bildband zusammengetragen, der im Frühjahr im Knesebeck-Verlag erscheint. Speziell für das Literaturarchiv haben sie eine Auswahl getroffen, die u.a. Bilderbriefe von Goethe, Kafka, Else Lasker-Schüler, Günter Kunert, Peter Rühmkorf, Christoph Meckel, Sarah Kirsch und Michael Mathias Prechtl zeigt. Verzierte Schreiben aus Beständen des Literaturarchivs, z. B. von Günter Bruno Fuchs und Günter Grass, ergänzen die Ausstellung. Zur Eröffnung stellen die Herausgeber die schönsten Stücke vor.
zur Homepage 8.5. bis 14.9.2003: "Mit Stock und Hut - Aquarelle und Zeichnungen des Wiener Biedermeier"
Historisches Museum Wien , Hermesvilla
Das Biedermeier gilt als die Blütezeit der Aquarellmalerei. Die Museen der Stadt Wien besitzen eine große Anzahl von Aquarellen, Gouachen und Zeichnungen aus dieser Epoche, von denen 165 Arbeiten in dieser Ausstellung zusammengeführt werden und die Höhepunkte dieser Maltechnik dokumentieren. Gemeinsam mit Künstlern wie Jacob Alt (1789-1872), Rudolf Alt (1812-1905), Peter Fendi (1796-1842), Johann Matthias Ranftl (1805-1854), Tobias Dionys Raulino (1785-1839) und Balthasar Wiegand (1770-185) unternimmt der Besucher einen Spaziergang durch das Wien der Biedermeierzeit. Er durchstreift die Hänge des Wienerwaldes und der Wiener Vororte, flaniert durch Straßen und Gassen, Hinterhöfe und über Plätze, spürt dem Alltagstreiben nach und wagt Blicke in das bürgerliche Interieur mit seinen Salons, Kabinetten, Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmern.
zur Homepage Matthäus Kern (1801-1852): Künstlerwerkstatt (Maleratelier), 1846, Aquarell, 22,7 x 27,3 cm© Museen der Stadt Wien 9.5. bis 31.8.2003: "Abe Frajndlich. Fotoausstellung"
Jüdisches Museum, Frankfurt/Main
Hundertundein Porträt von berühmten Schauspielern, Regisseuren, Musikern, Künstlern, Architekten, Schriftstellern, Wissenschaftlern und Fotografen aus den letzten 33 Jahren.
Abe Frajndlich wurde 1946 im Lager für jüdische Flüchtlinge in Frankfurt-Zeilsheim geboren. Nach dem frühen Tod seiner Eltern kam Abe im Alter von 10 Jahren in die USA. Nach Beendigung der Schule studierte er englische Literatur an der Northwestern University in Evanston, Illinois. Mit dem Besuch eines Fotoseminars bei Minor White im Jahre 1970 änderte sich sein Leben grundlegend. Frajndlich zog nach Boston, um bei White zu studieren. Er gilt heute als einer der berühmtesten Porträtfotografen des "Creative life of the 20th century". Prominente Künstler, Autoren, Musiker wie Denis Hopper, Isaac B. Singer, Daniel Libeskind, Charles Bukowski, Jack Lemmon und viele andere ließen sich von ihm fotografieren. In Deutschland wurde er vor allem durch seine Porträt-Reportagen im Magazin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bekannt.
Zur Ausstellung hat der Prestel-Verlag (http://www.prestel.de) einen Katalog veröffentlicht.
zur Homepage 10.5. bis 27.7.2003: "Johannes Wohnseifer - Into the light"
Ludwig Forum, Aachen
Der in Köln lebende und arbeitende junge Künstler ist wichtiger Impulsgeber seiner Generation. In einem speziell für das Ludwig Forum entwickelten Raumkonzept verbindet er alle Aspekte seiner Arbeitsweise und gibt dem Zeitgeist mit malerischen, installativen und konzeptionellen Mitteln eine prägnante Fassung: Wohnseifer plant eine mehrteilige zusammenhängende Installation, die Video, Malerei, Skulpturen und ortsspezifische Eingriffe miteinander vereint. Dabei wird zunächst anhand eines Beispiels aus der Filmgeschichte versucht, die Bedeutung des Lichts als Metapher für Erlösung, aber auch Todessehnsucht zu hinterfragen. Gleichzeitig wird Wohnseifer im Neuen Aachener Kunstverein (NAK) seine TWODO-Arbeiten zeigen.
Es erscheint ein Katalog.
zur Homepage 11.5. bis 3.8.2003: "Pettersson, Findus & Co. Illustrationen von Sven Nordqvist"
Wilhelm-Busch-Museum Hannover
Über 80 Originalarbeiten des schwedischen Zeichners Sven Nordqvist. Neben den beliebten Pettersson- und Findus-Darstellungen, Bildern aus "Pippin, der Kleine" sowie aus den "Nicke"-Geschichten, sind in der Ausstellung auch Illustrationen vertreten, die Nordqvist für Bücher anderer Erzähler geschaffen hat: So beispielsweise seine Bilder zu den von Jujja und Tomas Wieslander geschriebenen Geschichten von "Mama Muh" sowie seine Illustrationen zu den Wikinger-Geschichten und Ostindien-Abenteuern von Mats Wahl. Parallel hierzu bietet eine kleine Auswahl von Radierungen und Zeichnungen interessante Einblicke in sein weniger bekanntes freies grafisches Schaffen.
zur Homepage Lesungen"Jay-Jay" Die Geschichte eines charmanten Hochstaplers
Lesereise von James Hamilton-Paterson
5. Mai Literarisches Colloquium Berlin
6. Mai Literaturhaus Hamburg
7. Mai Literaturhaus Zürich
8. Mai Literaturhaus Salzburg , Beginn jeweils 20:00 Uhr
Eines Tages spricht den Erzähler ein älterer Gentleman an: er habe gehört, er sei Schriftsteller. Ob er denn nicht seine Biographie schreiben wolle? Der Erzähler, zunächst nur höflich, findet sich im weitläufigen toskanischen Landhaus des Gentleman ein. Und er ist fasziniert. Offenbar gibt es ein Geheimnis. JayJay - so der Name des Herrn - scheint eine schillernde Vergangenheit zu haben. Briefe von Lady Thatcher und Henry Kissinger lassen eine diplomatische Laufbahn vermuten. Merkwürdige Gegenstände deuten auf etwas zwielichtigere Kontakte hin. Der Erzähler nimmt den Auftrag an. Und was er nun in den täglichen Sitzungen mit JayJay erfährt, ist die Geschichte eines charmanten Hochstaplers und Lebemannes, dessen Karriere zwischen den Kriegen in Ägypten begann, wo er sich mit dem Vertrieb von pornographischen Postkarten über Wasser hielt und gelangweilten Diplomatengattinnen die Zeit vertrieb. Er scheint alle bedeutenden Persönlichkeiten gekannt und in allen lukrativen Geschäften gesteckt zu haben - in der Tat ein aufregendes Leben eines Lebenskünstlers. Doch was JayJay tatsächlich erzählen will, sein Geheimnis, ist eine ganz andere Geschichte.
www.literaturhaus.ch
www.literaturhaus-hamburg.de
www.literaturhaus-salzburg.at
www.lcb.de
"JayJay" online bestellen 8. Mai: "Geschichte und Wirkung der Bücherverbrennung"
Zum 70. Jahrestag der Bücherverbrennung. Eine Tagung vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin
Literaturhaus Berlin , Beginn 11:00 Uhr
Das Ritual der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933, bei dem Studierende in vielen deutschen Hochschulstädten unter verdammenden "Feuersprüchen" die Werke missliebiger Autoren ins Feuer warfen, hat hohen Symbolwert. Das Ereignis steht für eine Kulturpolitik durch Lenkung und durch Diffamierung und Unterdrückung unerwünschter Literatur, Kunst und Musik.
Die Bücherverbrennung war nicht nur ein Akt der Verachtung und Vernichtung, sondern demonstrierte auch den Anspruch der NSDAP auf kulturelle Hegemonie. Die Tagung nimmt die Bücherverbrennung vor 70 Jahren zum Anlass, um vielfältige Aspekte ausgrenzender Kulturpolitik zu thematisieren.
Referenten: Wolfgang Benz, Johannes Heil, Herbert Wiesner, Juliane Wetzel, Angelika Königseder, Mona Körte, Stefanie Endlich.
zur Homepage 8. Mai: "Text/Metropolen. Die Großstadt in der Literatur"
Literaturfrühstück mit Patricia Dieser.
Literaturforum Leselampe Salzburg , Beginn 10:30 Uhr
Metropolen, Welt-Städte werden immer öfter zu Metaphern für moderne Welterfahrung. New York, London, Paris, Berlin, Tokio - als Sinnbilder ständiger Veränderung und Vielfalt haben Metropolen weitreichenden Einfluß auf die kulturelle Praxis, geben Impulse gleichermaßen für Lebens-, Denk-, Konsum- und Kunststile. Auch für und in der Literatur eröffnet sich ein Kaleidoskop an Wahrnehmungsformen, Bedeutungen und "Lesarten" rund um die Großstadt: Mittels unterschiedlicher literarischer Verfahren setzen sich Großstadt-Texte mit gesellschaftlich-kulturellen Phänomenen und Entwicklungen auseinander. "text/metropolen" fungieren als Brennglas für Pluralitäten, Zwiespältigkeiten und Ambivalenzen (moderner) Urbanität. Die Großstadt wird zur Projektionsfläche unterschiedlicher Erwartungen, Ängste und Klischees; Realität und Fiktion stehen dabei in einem ständigen Spannungsverhältnis zueinander. Patricia Deiser geht der Großstadt als Topos in der Literatur nach und begibt sich anhand ausgewählter Textbeispiele auf literarische Streifzüge durch "Asphaltschluchten" und "Stahlbaumwälder" verschiedener text/metropolen.
zur Homepage 10. Mai: "Literarisches Europa"
Acht Autoren aus verschiedenen Ländern Europas erkunden seine Grenzen. Symposium.
Literaturhaus München , Beginn 10:00 Uhr
Über Krieg, Bündnisse und Zerwürfnisse hat Europa in den vergangenen Monaten wieder die weltpolitische Bühne betreten und spielt ein altes Stück von Bruderzwist und Königstreue. Eine europäische Einheit, lange Zeit vornehmlich ökonomisch und bürokratisch betrieben, scheint politisch ferner denn je, von ihren eigenen Akteuren ins Abseits gestellt. Welche Rolle aber spielt Europa für seine Autoren? Gibt es eine gemeinsame Quelle europäischer Traditionen und Erfahrungen? Was eint, was trennt europäische Autoren heute ? Die großen historischen Ereignisse des letzten Jahrhunderts? Aktuelle politische Strukturen oder politische Visionen? Kurz: welche Grenzen trennen? Das Literaturhaus München und sieben in München vertretene Kulturinstitute haben acht Autoren aus verschiedenen Ländern Europas dazu eingeladen, über die Frage der »Grenze« zu sprechen, deren Vermessung jeder Einigung vorausliegt.
zur Homepage 11. Mai: "Reise ans Ende der Nacht"
Hinrich Schmidt-Henkel und Sigrid Löffler über Louis-Ferdinand Céline
Literaturhaus Stuttgart , Beginn 20:00 Uhr
Célines Reise ans Ende der Nacht gehört zu den größten, aber auch den umstrittensten literarischen Werken des 20. Jahrhunderts. Verfasst unter dem schockierenden Eindruck des großen Schlachtens im 1. Weltkrieg, ist es ein wilder Aufschrei gegen die Verkommenheit einer Welt, die ihre Rechnungen auf Kosten der Armen begleicht - ein wüstes, anarchisches Buch voll sprachlicher und gedanklicher Explosivkraft, mit dem ein neues, bahnbrechendes Kapitel in der Geschichte des Romans begann. Der renommierte Literaturübersetzer Hinrich Schmidt-Henkel legt nun eine zeitgemäße Neuübersetzung von Célines Roman vor. Sie ersetzt die bislang lieferbare Fassung von 1938, die unter dem Eindruck der faschistischen Herrschaft in Deutschland von den damaligen Herausgebern gekürzt und sprachlich wie politisch entschärft wurde.
zur Homepage Kommentare und Anregungen sind herzlich willkommen: kulturbrief@zeit.de Bestellen Sie hier den Kulturbrief und lassen Sie sich jeden Freitag über wichtige Premieren, Lesungen und Ausstellungen informieren - selbstverständlich kostenlos.
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