Endlich. Dieser Bildband bemüht sich nicht, irgendein Image des schillendern Phänomens "HipHop" aufzubessern. Er schürt keine Vorurteile. Er will auch nicht mit ihnen aufräumen. Er nimmt die Kultur so, wie sie zu Beginn der Siebziger Jahre war und auch so, wie sie sich durch den zunehmenden Einfluss der Hochglanzästhetik der Medienindustrie bis heute entwickelt hat - kommentarlos. Der mehrere Kilo schwere Bildband mit dem zugegeben unbescheidenen Titel "HipHop Immortals" zeigt einfach großartige Fotografien. Und er enthüllt interessante Details über eine Musikrichtung, die mittlerweile zu einem der wichtigsten Bereiche zeitgenössischer Popkultur aufgestiegen ist. © Schwarzkopf Verlag, Berlin 2003

Keine andere Jugendkultur scheint heute so verbreitet wie HipHop. Kaum ein Teenager, der nicht weiß, wer Eminem und Missy Elliott sind, kaum ein Junge, der nicht "Baggy Pants" trägt und DJ werden will, und wenige Mädchen, die nicht wissen, wie die Breakdance-Tanzschritte aus den Musikvideos funktionieren. Längst ist HipHop in Deutschland omnipräsent: in Funk, Fernsehen, in der Boulevardpresse und im klassischen Feuilleton. Rap ist zum millionenschweren Geschäft geworden. Und immer noch hat diese Lebenskultur ihre poetische wie poppige Seite, immer noch ist sie Kunst und Schmiererei zugleich, hat sie kreative und stumpfe, diskriminierende und emanzipatorische Elemente.

"HipHop Immortals" hat die Allstars der schwarzen Ghettokultur zusammengetragen. Auf mehr als 250 Abbildungen zeigt der Band Pioniere, Produzenten und Unternehmer des "Old School-HipHop" wie Grandmaster Flash, Africa Bambaataa und Run DMC neben aktuellen Chartbreakern wie Basta Rhymes, Dr. Dre und Lil' Kim und legendären Ghetto-Superhelden wie Salt-'N'-Pepa, A Tribe Called Quest und dem Wu Tang Clan. Es sind bunte und schräge Bilder; die Stars protzen mit ihren Tattoos und Schlagringen, posieren als Gangster oder geben sich nachdenklich. Bonz Malone, Autor, Schauspieler und Breakdancer plaudert dazu aus seinem reichen Insiderwissen und erzählt Ghetto-Geschichten, Anekdoten und Erfolgsstories zu Schwarzweiß-Porträts und montierten Grafiken. Wie das weibliche Trio Salt-'N'-Pepa es schaffte, in der Männerdomäne den Durchbruch zu erlangen. Wie Gründer und Lehrer Afrika Bambaataa eine Ideologie nährte, die HipHop über 27 Jahre lang getragen hat. Wie der kleine Riese Eazy-E - Mitglied der legendären Gruppe N.W.A. (Niggaz With Attitude) - 1988 den Grundstein für das New Yorker "Mir-doch-scheißegal-Gangstertum" legte und die Vorlage für den Rap-Kapitalismus schuf. Wie die hochgradig kriminelle Lebensweise von 2Pac den 25jährigen Rapper das Leben kostete und den Höhepunkt der Feindschaft zwischen den HipHop-Szenen der amerikanischen West- und der Ostküste bildete. Und wie Mos Def Ende der Neunziger Jahre mit seinem hervorragenden Album "Black on both Sides" politischen HipHop salonfähig machte.

"HipHop Immortals" füllt eine Lücke in der popkulturellen Sachliteratur. Für Freunde des Sprechgesangs ein Leckerbissen. © Schwarzkopf Verlag, Berlin 2003

"HipHop Immortals", Hrsg. Sock Bandits Productions, NY
Lithografien gedruckt auf 200-Gramm-Kunstdruckpapier, Hardcover im Schmuckschuber. Limitiert auf 2000 Exemplare, Schwarzkopf Verlag, Berlin 2003, 240 S., 99,90 Euro