Aus Langeweile. Wegen Nine Eleven. Aus Mangel an Job-Perspektiven. Weil sie bisher keiner beachtet hat. Aus Fernweh. Lauter Gründe, weshalb junge Amerikaner sich von der Armee das Töten beibringen und in den Krieg schicken lassen. Aber kein Camp drillt Kriegsheimkehrer wieder zu glücklichen Zivilisten, das ist deren Problem und das der Gesellschaft. Filme wie Hal Ashbys "Coming Home" thematisieren die Nachkriegs-Traumata der Soldaten. Hans-Werner Kroesinger hat unter dem gleichen Titel eine Textcollage für das Berliner HAU 3, eine Spielstätte des neuen Hebbel am Ufer, zusammengetragen: Soldaten-Briefe, Zeitungsartikel, Fragmente von Dea Loher, Filmzitate und die Fabel von Skorpion und Frosch bieten viel Material rund um die Erkenntnis, dass töten nicht sinnvoll ist. Das politische Statement passt zum Konzept des Bühnenpools aus Hebbel-Theater, Theater am Halleschen Ufer und Theater am Ufer, dessen künstlerischer Leiter Matthias Lilienthal mit Boxer-Plakaten für die Schlagkraft von HAU 1, 2 und 3 wirbt. Künstlerisch kämpft "Coming Home" in der Fliegengewichtsklasse, denn Kroesinger hat kein Theater, sondern ein szenisches Textaufsagen mit Nebengeräuschen inszeniert. Dröhnende Panzer und surrende Hubschrauber dringen als nervige kleine Phon-Armee in die Köpfe des Publikums ein und lassen ahnen, weshalb Soldaten durchdrehen. Nun sind aber auch die Augen Theatersinnesorgane. Zu sehen sind fünf Schauspieler, die Hantelbänke über die Bühne schieben. Das ist nicht einmal auf produktive Art langweilig. Die meisten Texte kann man im Programmheft nachlesen, eine echte Alternative zum Theaterbesuch. Visuell einfallsreich ist nur der Kampf einer Zigarettenschachtel-Armee: Amerikaner als Marlboro- und Iraker als Camel-Packungen.