Wenn Rickie Lee Jones die Bühne betritt, wird es still im Saal. Andächtig still. Sie stellt sich in die Mitte ihrer Musiker, grinst mit breitem Lächeln ins Publikum und greift zur Gitarre. Eine schwarze Kappe bedeckt ihre langen blonden Haare, unter einem schwarzen Cape schimmern die roten Punkte ihres Kleides durch. Rickie Lee Jones

Besinnlich beginnt Rickie Lee Jones ihr Konzert am 9. Dezember im alten Wartesaal in Köln. Mit sphärischen Klängen, ganz im Stil ihres neuen Albums "The Evening of My Best Day", spielt sie den Song "Lap Dog", hält sich zurück, spielt mit Geigen und Orgelklängen. "Keltische Einflüsse" nennen die Kritiker diesen neuen Klang auf ihrem Album.

Rickie Lee Jones gehört neben Joni Mitchell zu den Songwritern, die Jazz und Pop-Musik vereint und immer wieder neu belebt haben. Schon 1979 schaffte Rickie Lee Jones mit ihrem ersten Album "Rickie Lee Jones" den Durchbruch. Ihr größter kommerzieller Erfolg gelang ihr mit dem Titel "Chuck E's In Love".

Auf ihrem aktuellen Album "The Evening of My Best Day" wird sie so politisch wie nie zuvor. Nachdem sie sich sechs Jahre lang ganz ins Privatleben zurückgezogen und nicht mehr geschrieben hatte, erweckte die Ära Bush neue Inspiration. "Die Wahl von George W. Bush, das Monopol der Medien (...). Mir wurde klar, dass endlich jemand Klartext reden musste. Protestmusik hat eine lange Tradition, von Woody Guthrie bis Bob Dylan, und ich bin naiv genug zu glauben, dass ein Song tatsächlich etwas bewirken kann", verkündet sie über ihr Label.

Fast lasziv beginnt sie ihren Song "He´s an ugly man", haucht die Zeile ins Mikrofon, erklärt George W. Bush und seinen Vater zum Thema ihres Liedes. Aber Rickie Lee Jones lässt sich nicht auf das Thema "Politik" reduzieren. Sie zeigt sich wie gewohnt als facettenreiche Sängerin und Instrumentalistin, in ständigem Wechsel zwischen ihrer naiven, jungen Stimme, die mal verspielt, mal trotzig singt, und der lauten, durchdringenden Kopfstimme, mit der sie ihren Songs Dramatik verleiht.

Eine Steigerung dieser Rickie Lee Jones, der melancholischen, nachdenklichen, gibt sie in der Mitte des Konzerts. Wie versunken sitzt sie am Klavier und scheint die traurige Ballade nur für sich und ihre Erinnerung an einen Freund zu singen, dem das Stück gewidmet ist. Sie springt spielend vom Klavierhocker auf, fällt zusammen, wenn die Spannung des Stücks nachlässt, legt am Ende des Songs die Hände in den Schoß und lacht das Publikum an.