Aus dem Inhalt:
LITERATUR
1. Michael Moore - "Stupid white men"
MUSIK
2. Mit Inbrunst unterwegs - Philippe Herreweghe: "Messe As-Dur" von Franz Schubert
3. Für morgen, von gestern - Burnt Friedman/Jaki Liebezeit: "Secret Rhythms"4. BÜCHERTISCH
Rezensionen von ZEIT-Literaturredakteuren5. KULTURKALENDER
Theater
Konzerte
Ausstellungseröffnungen
Lesungen

1. Dumme weiße Männer© Piper VerlagMichael Moore: Stupid White Men
aus dem Amerikanischen von Michael Bayer, Helmut Dierlamm, Norbert Juraschitz und Heike Schlatterer
Piper Verlag, München 2003, 329 S., Klappenbroschur, 12 Euro Bananenrepublik USA: Im Weißen Haus sitzt ein "Präsident", der nie gewählt wurde, und regiert mit einer Junta aus Geschäftsfreunden seines Vaters. Michael Moore, Bestsellerautor und Filmemacher aus den USA ("Roger and Me", "TV Nation", "Bowling for Columbine"), schont in dieser bissigen Politsatire nichts und niemanden. Kein Wunder, daß dieses Buch nach dem 11. September 2001 in den USA nicht willkommen war. Umso größer ist jetzt sein Erfolg: Seit Monaten dominiert "Stupid White Men" die Bestsellerlisten in den USA und nun auch in Deutschland.LeseprobeManche behaupten, alles habe am Abend des 7. November 2000 begonnen, als Jeb Bush seinem Bruder George Junior ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk machte - den Staat Florida. Für andere, denen zehn Jahre lang das Glück an der Börse hold war, kam der Wendepunkt, als der Dow Jones die schlimmsten Kursverluste der letzten 20 Jahre erlitt. Für die meisten jedoch war der Spaß an jenem Abend zu Ende, als wir erfuhren, daß Pluto kein Planet ist und das Leben, wie wir es kannten, mit einem Mal so fern und befremdlich war wie der Ausdruck in den Augen des neuen "Präsidenten". Doch im Grunde spielt es keine Rolle, welchen Augenblick man wählt, an dem alles vor unseren Augen zusammenbrach. Was zählt ist, daß wir als Amerikaner alle eines wissen: Die fetten Jahre sind vorbei. Das amerikanische Jahrhundert? Vorbei. Willkommen im Alptraum des 21. Jahrhunderts! - Ein Mann, den niemand gewählt hat, sitzt im Weißen Haus.
- Kalifornien hat nicht genug Strom, um Saft auszupressen oder seine Todeskandidaten hinzurichten.
- Wenn man ans andere Ende der Stadt will, ist es billiger, sich als FedEx-Paket aufzugeben, als selbst hinzufahren.
- Rußland und China haben ein neues Bündnis geschlossen - nachdem wir gerade den letzten Atombunker demontiert haben.
- Aus den Dot.com-Unternehmen sind Not.com-Unternehmen geworden, und der NASDAQ ist eine so sichere Geldanlage wie ein Pokerspiel in einem Hinterzimmer in Reno.
- In den vergangenen zwei Jahren gab es die schlimmsten Entlassungswellen, seit die Reagan-Renaissance das Land verwüstet hat. Man hat eine größere Chance, die Innenministerin von Florida Katherine Harris oder Tom DeLay zu treffen, den Mehrheitsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus, als in Detroit an einem sonnigen Tag seinen Anschlußflug bei Northwest Airlines zu erwischen.Was sagen Sie da? Sie wollen im "Kundendienst" mit einem richtigen Menschen sprechen? Ha Ha Ha! Drücken Sie die vier und verabschieden Sie sich von allen Aufgaben für den Rest des Tages. Ach, und was haben Sie doch für ein Glück! Sie haben zwei Jobs, und ihre Frau auch, und dann haben Sie noch den kleinen Jimmy, der bei McDonald’s arbeitet, damit Sie sich das neue Haus in der baumbestandenen Straße mit den sauber gepflegten Rasenflächen und den properen weißen Holzzäunen leisten können. Schauen Sie doch, da springt Bello und begrüßt Opa, der gerade in die Einfahrt biegt! - und nächsten Monat werden Sie die letzte Rate von Ihrem Studienkredit abzahlen, aber dann ...PLÖTZLICH gibt Ihre Firma bekannt, daß sie nach Mexiko ziehen wird - ohne Sie! Der Arbeitgeber Ihrer Frau hat beschlossen, daß sie nicht mehr gebraucht wird, weil der neue Berater für "Humanressourcen" meint, ein Mitarbeiter könne leicht die Arbeit von drei erledigen, und der kleine Jimmy liegt mit einer unbekannten Krankheit darnieder, die er sich geholt hat, weil er etwas aus der McNugget-Friteuse gegessen hat, und Ihre Krankenversicherung erklärt, sie könne Jimmys Operation nicht bezahlen, aber sie werde ihn gerne ambulant behandeln lassen, wenn Sie bereit sind, zweimal in der Woche nach Tijuana zu fahren, weil dort direkt hinter der Grenze eine neue Klinik für ambulante Patienten gebaut wurde, der Freihandel macht’s möglich, und durch den wurde vielleicht oder vielleicht auch nicht das Insekt eingeschleppt, das man in dem angebissenen McNugget von Jimmy gefunden hat - ach, und Entschuldigung, der Gerichtsvollzieher hat angerufen, Sie müssen Ihren neuen Toyota Celica zurückgeben, weil Sie eine Ratenzahlung vergessen haben! Hey, wenn Sie schon nach Tijuana fahren und Jimmy ins Krankenhaus bringen, könnten Sie auch gleich weiterfahren und bei Ihrer alten Firma nach Ihrem Job fragen, denn dort bekommen die ganzen "Teilhaber", wenn sie morgens um Fünf zur Arbeit kommen, gratis einen Burrito zum Frühstück und haben ein eigenes KlohäuschenKorrigieren Sie mich, wenn ich träume, aber sahen die Dinge noch vor etwa einem Jahr nicht viel besser aus? Sollten wir nicht die "größte wirtschaftliche Expansion in der Geschichte" erleben? Hatte die Regierung es nicht nach 55 Jahren geschafft, aus den roten Zahlen zu kommen und wies endlich einen Überschuß aus, der so hoch war, daß man damit jede Straße, Brücke und jeden Backenzahn in den USA sanieren könnte? Die Luft- und Gewässerverschmutzung hatte ihren tiefsten Stand seit Jahrzehnten erreicht, die Kriminalitätsrate war so niedrig wie nie zuvor, unerwünschte Schwangerschaften bei Teenagern gingen merklich zurück und mehr Jugendliche denn je erreichten einen Highschool- oder Collegeabschluß. Alte Menschen lebten länger, man konnte für 12 Cent die Minute mit Katmandu telefonieren, und das Internet brachte die Welt (abgesehen von den zwei Milliarden Menschen, die keinen Strom haben) näher zusammen. Palästinenser brachen mit Israelis das Brot, und die Katholiken in Nordirland tranken mit den Protestanten ein Bierchen. Ja, das Leben wurde immer besser - und wir alle spürten es. Die Leute waren freundlicher, Wildfremde auf der Straße sagten einem die Uhrzeit, und bei "Wer wird Millionär" wurden die Fragen einfacher gemacht, damit mehr Teilnehmer gewannen. Und dann passierte es.Anleger verloren Millionen an der Börse. Die Kriminalitätsrate stieg zum ersten Mal wieder seit zehn Jahren. Die Zahl der Entlassungen schoß in die Höhe. Amerikanische Wahrzeichen wie TWA oder die Kaufhauskette Montgomery Ward gingen pleite. Plötzlich fehlten uns 2,5 Millionen Barrel Öl - und zwar am Tag! Die Israelis töteten wieder Palästinenser, und die Palästinenser revanchierten sich. Mitte des Jahres 2001 herrschte in 37 Ländern auf der Welt Krieg. China wurde wieder einmal unser neuer Feind. Die Vereinten Nationen warfen uns aus der Kommission für Menschenrechte, und die Europäische Union meckerte, weil wir mit der Fortsetzung der Forschung für "Star Wars" einseitig gegen den ABM-Vertrag verstießen. Es war verdammt schwierig, einen guten Film zu finden, das öffentlich-rechtliche Fernsehen verlor Millionen Zuschauer, und jeder Radiosender klang gleich, und das heißt: beschissen.Kurzgesagt, mit einem Mal war alles Scheiße. Ob es nun die zerrüttete Wirtschaft war, die Energiekrise, der sich nicht einstellen wollende Weltfrieden, die Arbeitslosigkeit, das marode Gesundheitswesen oder einfach der unbrauchbare Wahlzettel, mit dem wir einen Präsidenten küren sollten - den meisten Amerikanern wurde auf unerträgliche Weise klar, daß nichts mehr funktioniert. Die Reifen von Firestone platzen, und die Explorer von Ford, die mit diesen Reifen herumfahren, streiken - und das heißt, auch Sie streiken, weil Sie nämlich tot und mit abgetrenntem Kopf in einem Straßengraben neben Dunkin’ Donuts liegen. Der Notruf funktioniert nicht, und die Feuerwehr kommt nicht, wenn man sie ruft. Handys funktionieren nicht, und wenn sie funktionieren, dann bei dem Blödmann am Nebentisch, der gerade mit seinem Broker streitet, während Sie versuchen, in Ruhe zu essen.Das Wörtchen Entscheidungsfreiheit gehört der Vergangenheit an. Wir haben nur noch sechs Medienunternehmen, sechs Fluggesellschaften, zweieinhalb Automobilhersteller und ein Radiokonglomerat. Alles, was Sie brauchen, bekommen Sie bei Wal-Mart. Sie haben die Wahl zwischen zwei politischen Parteien, die gleich klingen, gleich entscheiden und von genau den gleichen reichen Spendern finanziert werden ... Wie ist es so weit gekommen?Drei kleine Wörter zur Klärung: Dumme weiße Männer.Denken Sie mal darüber nach: die Bush-Bubis, die das dürftige politische Vermächtnis (von Charisma wollen wir gar nicht erst reden) ihres Daddys noch spärlicher zwischen sich aufteilten. Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Spencer Abraham und die anderen alten Gauner, die Bush zu seiner Unterstützung reanimierte. Die CEOs der Fortune 500, die Zauberer hinter den Kulissen von Hollywood und dem Kabelfernsehen mit seinen 500 Programmen, verflucht, der ganz normale Joe von nebenan, der mit seinem neuen Auto 20 Liter Benzin auf 100 Kilometer braucht und denkt: "Nicht schlecht!", während das Ozonloch über seinem Kopf immer größer wird.Richtig, die ganze Welt ist voll von dummen weißen Männern - und ich bin überzeugt, daß sich das bereits rächt. Letzten Februar stieg das Thermometer in Chicago an einem Tag auf 21 Grad Celsius, und was passierte? Jeder schien zu denken: Prima, das ist ja toll! Die Leute liefen in kurzen Hosen herum, und am Strand vom Lake Michigan tummelten sich die Sonnenanbeter. "Junge, ich liebe dieses Wetter", sagte eine Frau auf der Straße zu mir.Sie lieben es? Darf ich Ihnen eine Frage stellen? Wenn die Sonne heute plötzlich um Mitternacht aufgehen würde, würden Sie dann auch sagen: "Oh, toll, das ist aber schön! Ich liebe es! Mehr Tageslicht!" Nein, das würden Sie natürlich nicht. Sie würden ausflippen, wie es die Welt noch nicht erlebt hat. Sie würden sich die Seele aus dem Leib schreien, daß die Erde ihre Umlaufbahn verlassen hat und mit einer Geschwindigkeit von einer Million Kilometer pro Sekunde in die Sonne stürzt. Ich bezweifle, daß dann jemand zum Strand rennen würde, um die unverhofften Sonnenstrahlen zu genießen. Warum um alles in der Welt halten wir eine Temperatur von 21 Grad im kältesten Monat des Jahres in einer der kältesten Städte der USA für etwas Erfreuliches? Wir sollten von unseren Abgeordneten sofortige Maßnahmen und von den Verantwortlichen der Klimakatastrophe eine Entschädigung verlangen. Das ist nicht in Ordnung, Leute, etwas läuft furchtbar schief. Und wenn Sie mir nicht glauben, können Sie ja die todkranke Kuh fragen, die Sie gerade auf Ihrem Teller in Steaksauce ersäufen. Sie kannte die Antwort, aber wir haben sie abgemurkst, bevor sie mit ihrem Muhen etwas verraten konnte. Aber machen wir uns nicht so viele Gedanken um Mutter Erde - sie hat schon Schlimmeres überstanden. Sollen doch die bäumestreichelnden Naturschützer schlaflose Nächte damit verbringen - wir sind viel zu sehr mit Geldverdienen beschäftigt!Ah, Geld. Der süße Gestank des Erfolgs. Vor ein paar Jahren unterhielt ich mich einmal mit einem Typen in einer Bar, der sich als Börsenmakler entpuppte. Er fragte mich nach meinen "Geldanlagen". Ich sagte ihm, daß ich keine habe, ich besäße keine einzige Aktie. Er war platt. "Sie meinen, Sie haben keinen Fonds, mit dem Sie Ihr Geld verwalten?" "Ich halte es für keine gute Idee, sein Geld in einem Fonds zu verwalten", antwortete ich, "oder es in einer Aktentasche oder unter der Matratze aufzubewahren. Das wenige, was ich habe, bringe ich auf die "Bank", wie man so sagt, dort habe ich, wie wir altmodischen Leute es nennen, ein "Sparkonto"." Er fand das nicht komisch. "Sie betrügen sich doch nur selbst", antwortete er. "Und Sie sind verantwortungslos. Ich habe gelesen, daß Sie mit Ihrem ersten Film viel Geld gemacht haben. Wissen Sie, wieviel Sie heute hätten, wenn Sie das vor zehn Jahren an der Börse investiert hätten? Wahrscheinlich etwa 30 Millionen." Dreißig Millionen? Dollar? Soviel? Arrrggghhh!!! Wie konnte ich nur so blöd sein?Mir wurde ganz übel. Ich hatte das Gefühl, daß meine Prinzipien und Ansichten mit einem Mal auf ein Minimum zusammenschrumpften. Ich entschuldigte mich und ging nach draußen. Einige Zeit später kam der Börsenmakler irgendwie an meine Adresse und sandte mir jede Woche "Börsennews" und anderes Werbematerial. Er nährte wohl die Hoffnung, ich würde die Ersparnisse für die Ausbildung meiner Kinder an der Wall Street verzocken.Nun, mittlerweile kommen keine Werbebroschüren für "Top-Anlagen" mehr. In den letzten eineinhalb Jahren ist die Microsoft-Aktie von 120 Dollar auf 40 Dollar abgesackt, Dell von 50 Dollar auf 16 Dollar und Pets.com mit seinem süßen kleinen Maskottchen ist inzwischen im Hundehimmel. Der NASDAQ hat fast 40 Prozent seines Wertes eingebüßt, und jene Amerikaner, die von der allgemeinen Aktienbegeisterung mitgerissen wurden und ihre kümmerlichen Ersparnisse aufs Spiel setzten, haben Milliarden verloren. Der Traum von einem "vorgezogenen Ruhestand" ist in weite Ferne gerückt, wir haben Glück, wenn wir auf eine Vierzigstundenwoche zurückgestuft werden, wenn wir zweiundachtzig sind oder das Wasser nicht mehr halten können, je nachdem, was zuerst kommt.Allerdings sind nicht alle von uns betroffen. Es gibt fast 56000 neue Millionäre im Land - und dieser Reichtum basiert auf Gaunereien. Die neuen Millionäre wurden reich, weil sie bereits ein hübsches Sümmchen hatten, als sie anfingen, und das dann in Unternehmen investierten, die prosperierten, weil sie Mitarbeiter auf die Straße setzten, Kinder und Arme in anderen Ländern ausbeuteten und enorme Steuererleichterungen bekamen. Für sie war Raffgier nicht nur gut, sondern obligatorisch. Sie haben so erfolgreich ein allgemeines Klima der Raffgier geschaffen, daß das Wort aus der Mode kam. Heute sagt man ERFOLG! dazu (ja, das Wort hat sein eigenes Ausrufezeichen). Schon bald prangerte es niemand mehr als falsch oder obszön an, wenn man den Hals nicht voll genug kriegen konnte. Raffgier ist mittlerweile so alltäglich, daß wir beiseite traten und einfach zusahen, als dieser Typ aus Texas raffgierig wurde und nach einer Wahl, die er nicht gewonnen hatte, ins Weiße Haus zog - er war doch nicht raffgierig, er war nur schlau. Genauso wenig sind die riskanten Genmanipulationen des Agrobusinesss Ihren Cornflakes nicht irrwitzig oder von Raffgier getrieben - nein, das ist Fortschritt. Und auch der Junge von nebenan, der den dicksten Geländewagen will, der je gebaut wurde, ist nicht raffgierig - er will einfach nur mehr Hubraum, Baby!Der Virus der dummen Weißen ist so stark, daß er sogar gewiefte Politiker wie Colin Powell, die Innenministerin Gale Norton und Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice befallen hat. Und er hat uns tief in die Scheiße geritten, eine große, nationale Scheiße, die man überall findet, egal, wohin man geht. Wir stecken so tief drin, daß ich mich frage, ob wir je wieder rauskommen.Wir sagen uns, es sei doch gar nicht so schlimm - ihr müßt darüber hinwegkommen, heißt es. Aber die Ereignisse an jenen 36 Tagen haben uns schwer mitgenommen, uns den Wind aus den Segeln genommen und uns etwas tief in den nationalen Hals getrieben, an dem wir nun zu ersticken drohen. Jetzt kann uns nur noch ein großes nationales Heimlich-Manöver retten wie bei den Simpsons. Jemand muß uns den Ellbogen in den Magen rammen, damit der Brocken wieder rausfliegt. Wir stolpern mit blau angelaufenen Gesichtern herum und fragen uns, ob die Rettung noch rechtzeitig kommen wird. Werde ich meinen Job nächstes Jahr noch haben? Was passiert mit meiner Rente? Gelten Eiswürfel ab sofort als Nahrungsmittel?Überall herrscht Verwirrung, und die Erschütterungen der nationalen Frustration bringen bereits den Boden unter unseren Füßen ins Wanken. Das Grollen läßt nicht nach, es wird mit jedem Tag lauter. Acht Monate nach der Wahl ergab eine Umfrage von Fox News, daß fast 80 Prozent der Amerikaner NICHT darüber hinweg sind, wie Bush das Weiße Haus übernahm - wir sind immer noch "aufgebracht". Das ist eine ganz schön lange Zeit für einen Groll gegen unseren Regierungschef. Wenn eine derartige Stimmung außer Kontrolle gerät - ohne daß raffinierter Zucker oder Talk-Show-Lady Oprah dahinterstecken -, kann sie die Geschichte verändern. Millionen Amerikaner aller politischen Ausrichtungen fühlen sich aus dem Gleichgewicht gebracht, sind unsicher, aufgebracht oder verbittert. Der Rest sitzt im Gefängnis.Panik macht sich breit. Die Medien können wegsehen, wenn sie wollen, und die Experten können versuchen, ihre Lügen so oft zu wiederholen, bis sie wie die Wahrheit klingen. Aber wir Millionen Amerikaner werden nicht darauf hereinfallen. Die Börse macht nicht nur ein "zyklisch bedingtes Tief" durch. An "genetisch verbessertem Rindfleisch" ist nichts Gutes. Die Bank will nicht mit Ihnen "zusammenarbeiten", wenn Sie mit Zahlungen im Rückstand sind. Und der Monteur kommt nicht "zwischen 8 und 17 Uhr" - oder überhaupt irgendwann. Das sind alles nur eitle Schwätzer, und je eher sie merken, daß wir ihnen auf den Fersen sind, desto schneller bekommen wir unser Land zurück. Textauszug aus: Michael Moore, Stupid White Men - Eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush
(c) Piper Verlag , München 2003 Verlosung:
Gemeinsam mit dem Piper Verlag verlost ZEIT-Online drei Exemplare dieses Buchs.
Senden Sie uns bis zum 27. Februar, 12 Uhr mittags, eine eMail, bitte mit Namen und Adresse, an kulturbrief@zeit.de . Stichwort: Amerika
Die Gewinner werden unter allen Einsendern ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. mehr Info zum Buch: www.piper.de
online bestellen Lesen Sie hierzu bitte auch
"Hässliches Amerika, hässliches Europa" von Ulrich Greiner (ZEIT-Ausgabe 2003/09)
"Panzerfaust unterm Kissen? Kein Problem" Interview mit Michael Moore, Gesprächsführung: Katja Nicodemus (ZEIT-Ausgabe 2002/48)

2. Mit Inbrunst unterwegsvon Wolfram Goertz Kleine Ausnahme beim großen Meister: Über seiner Messe As-Dur saß der Viel- und Schnellschreiber von 1819 an beinahe drei Jahre lang, fast eine Ewigkeit. Schenkten ihm weder seine Freunde noch die Natur noch der liebe Gott eine Inspiration? Ließ er das Oratorium Lazarus gern dazwischenkommen? Nein, Franz Schubert ließ sich diesmal Zeit, er wollte Feierliches nicht mehr so fix und formelhaft erstellen wie in den vier Messen, die er als korrekt animierte Gebrauchswerke bereits vertont hatte. Diesmal drängte er mit ganzem Herzen hinein: in die sinnliche Dimension des Religiösen. Das hört man: Schubert ist auf geistlichem Pfad mit Inbrunst, Gestaltungsfreude und explodierender Fantasie unterwegs. Er traute sich Unerhörtes, installierte einen tollkühnen Tonartenplan (dem Kyrie in As-Dur folgt ein Gloria in E-Dur) und unerhört rutschende Modulationen (im Sanctus von F-Dur fast gewalttätig nach fis-Moll). Die Uraufführung gab er indes schüchtern in eine Wiener Vorortkirche, und noch Jahre später nahm er tief greifende Korrekturen und Retuschen vor. Die As-Dur-Messe trug das Siegel des Besonderen. Mag Schubert auch eher ein Skeptiker der Kirche als deren Ministrant gewesen sein (die ominöse Kirchenzeile des Credo -Textes hat er stets ignoriert): Nie zuvor war das musikalische Glaubensbekenntnis auf dermaßen zuverlässigen und regelmäßigen C-Dur-Akkordsäulen gebaut worden. Der Dirigent Philippe Herreweghe hat jetzt in seiner herrlichen Neuaufnahme ( harmonia mundi CD 901786 ) alles Steifleinene, das sich bei Wiedergabe des Werks oft einstellt, eingeweicht und geschmeidig gemacht. Die Musik flattert hier sanft, dort sturmfrisch im Wind. Details hat Herreweghe nachdrücklich präpariert, sehr zur Freude aller Musikfreunde, die Frömmigkeit und Vergnügen für vereinbar halten. So dürfen die Hörner des Orchestre des Champs Elysées im Sanctus geradezu hubertusjagdmäßig schaukeln und lustig schmettern. Ohnedies überrumpelt das Musizieren durch freudig-expressiven Gestus, durch zielbewusst aufgezogene Steigerungen. Schubert als Ahnherr Verdis? Ein bisschen ja, aber der Flame am Pult übertreibt es nicht. Erhabenes breitet er in ruhiger Großartigkeit aus, und dem Benedictus schenkt er Innigkeit ohne Weihrauch. Dem Rias-Kammerchor macht dieses pulsierende Gotteslob hörbar Laune, er singt mit Lust und Kunst. Mit Anna Korondi, Anke Vondung, Andreas Karasiak und Kay Stiefermann ist das Solistenquartett als Chor im Kleinen vortrefflich besetzt. Einmal in Fahrt, bläst Herreweghe frommen Schwung auch in die gotischen Kreuzgänge von Felix Mendelssohn Bartholdys 42. Psalm , doch nicht zu kräftig, denn das Stück ist gemessener. Zwar schreit der Hirsch nach frischem Wasser, aber er wird nicht von lustigen Hörnern gejagt. 3. Für morgen, von gesternvon Ulrich Stock Über avancierte Musiken zu schreiben wird schwieriger, weil sich die Kategorien auflösen. Wenn eine CD wie Secret Rhythms Jazz und Rock und Pop gleichzeitig enthält und dazu reichlich spezifische Unterformen wie Reggae, Dub, Electronica, Art-Rock, Jazz-Rock, Ethno, wenn sie Hirschglocke und Korg-Synthesizer verbindet... welcher Leser kann sich nach zeilenlangen Aufzählungen darunter noch etwas vorstellen? Die kürzeste und klarste Auskunft über dieses Album wäre: Ist ohne Gesang. Aber das hülfe dem Verständnis ja auch nicht sehr auf. Also versuchen wir es einmal umgekehrt, von der Wirkung und Bewertung her.Die Wirkung: Als ob man in einem langsam fahrenden Zug sitzt, aus dem Abteilfenster schaut, und nebenan fährt auch ein Zug, etwas schneller, ohne Hast fließen seine Fenster vorbei, durch die mal die Landschaft dahinter zu sehen ist, mal ein dritter oder vierter Zug mit ähnlicher, leicht abweichender Geschwindigkeit - ein Verschiebe- und Verwirrspiel aus gewährten und verwehrten Blicken. Ein faszinierendes Dahingleiten auf parallelen Schienen, regelmäßig-unregelmäßig.Die Bewertung: fünf Sterne. Eine große Platte aus Deutschland. Sollte in keiner Sammlung fehlen. Musskauf. Aber nun mal im Ernst. Was der junge Kölner Mischpultkünstler Burnt Friedman und der alte Can-Schlagzeuger Jaki Liebezeit hier gemeinsam mit zwei weiteren Musikern eingespielt haben, ist eine bei aller Unkategorisierbarkeit unverwechselbare Platte. Sanfte, tranceartig-zyklische Trommelfiguren stehen im Zentrum, pointierte Tiefbasslinien treten hinzu, Melodika und Vibraphon sprengseln herzerwärmende Melodiechen ein, im Untergrund sind Wah-wah-Gitarren und künstliche Klänge zu hören, die stellenweise an ein E-Piano erinnern. Ruhig und aufgeräumt das alles und doch undurchdringlich; nie will sich das Gefühl einstellen, man könne alles erfassen, was gerade geschieht. So ist dieses Album eine schöne Abwechslung zu den Datapop- und Elektronik/Akustik-Produktionen der vergangenen Monate, zu Masha Qrella, Flim, Console, Ms John Soda. Es nähert sich der Frage nach zeitgemäßer Ästhetik weder übers Sampling noch über die virtuell reanimierte Gitarrenband, sondern indem es Jazz- und Rock-Elemente mantraartig wiederholt und im Geiste des Dub eloquent variiert... ach, dieses Beschreibenwollen... Musik aus dem Heute für das Morgen! Dabei ist sie von gestern, erschienen schon im Sommer des vergangenen Jahres (als nonplace/efa 27309-2 ); glückliche Hörer, die sie gleich entdeckten! Denn auch das ist ja schwierig inzwischen: Die interessante Musik, die’s gibt, zu finden. In jeder Stunde kommen zwei CDs heraus. Man könnte, selbst wenn man alles hören wollte, nicht mal mehr jedes zweite Album hören. Vielleicht ist vor Wochen, Monaten, Jahren großartige Musik erschienen - und noch hatte kaum jemand Zeit, sie zu hören. Lesen Sie hierzu bitte auch das Interview von Carola Padtberg mit Burnt Friedman und Jaki Liebezeit im Kulturbrief vom 19.4.2002: Auf dem Weg zwischen den Containern

4. BüchertischBelletristikvon Konrad HeidkampDarius James: Voodoo Stew
a. d. Engl. von Claudia Basrawi
Verbrecher Verlag, Berlin 2002; 198 S., 14,- Euro
Darius James ist schwarz, ist ein "gespenstischer Neger", ist mit seinem Roman Negrophobia (1992) vielleicht der beste "American nigger" in Berlin. Seine zweisprachig gedruckten Storys und Aufsätze bündeln seine New Yorker Geschichte. Ob er über den Last American Nigger schreibt, über Atlantic Records, Marc Brandenburg, Theresienstadt und Dreharbeiten in Prag mit Johnny Depp - sein Ton verbindet intelligentes Delirium mit echtem schwarzen Berliner Humor. "Ich bin völlig pleite und habe sehr gute Freunde."
online bestellen Wladimir Kaminer: Russendisko
Goldmann-Manhattan, München 2002; 192 S., 7,90 Euro
Möglicherweise grünt der russische Humor am saftigsten in Berlin. Erst hier merkt der Russe, was er nicht sein will, und nirgends wird dies so schön nacherzählt wie bei Kaminers Reportagen aus dem Alltag eines Russen auf der Flucht vor seiner Seele. Im Kaffee Burger veranstalteten Kaminer und Olga und Yuriy die Russendisko, deren Musik jetzt auf CD vorliegt (Russendisko-Hits, Trikont 0308) und deren Taschenbuchausgabe zu Lachtränen rührt.
online bestellen Zepp Oberpichler/Tom Tonk: Die Stones sind wir selber
Henselowsky Boschmann, Bottrop 2002; 240 S., 14,90 Euro
Wer den Rock ’n’ Roll so unverfälscht deutsch und abenteuerlich in den Ruhrpott der sechziger Jahre verlegt, braucht keine Rolling Stones. "Gegen den Text war nichts zu sagen", heißt es über einen englischen Song. "Aber im Refrain, so meinte Willi, könne es dann gern wieder die Muttersprache sein."
online bestellen Sachbuchvon Volker UllrichErwin Könnemann/Gerhard Schulze (Hrsg.): Der Kapp-Lüttwitz-Ludendorff-Putsch. Dokumente
Olzog Verlag, München 2002; 1137 S., 132,- Euro
Diese vorzügliche Edition der beiden ehemaligen DDR-Historiker ist eine Sensation: Denn sie belegt eindeutig, dass beim Staatsstreich des ostpreußischen Generallandschaftsdirektors Wolfgang Kapp und des Reichwehrgenerals Walther Freiherr von Lüttwitz am 13. März 1920 in Wahrheit General Erich Ludendorff die Strippen zog - derselbe Herr, der nur dreieinhalb Jahre später mit Hitler in München noch einmal zum Marsch auf Berlin ansetzen durfte. Man wird also künftig in den Geschichtsbüchern in der Tat vom Kapp-Lüttwitz-Ludendorff-Putsch sprechen müssen.
online bestellen Walter Gyßling: Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933 und Der Anti-Nazi: Handbuch im Kampf gegen die NSDAP
Hrsg. und eingel. von Leonidas E.Hill; Donat Verlag, Bremen 2003; 504 S., 25,40 Euro
Wieder einmal eine wichtige Entdeckung aus dem kleinen, aber feinen Bremer Donat Verlag: Walter Gyßling, Archivar im "Büro Wilhelmstraße" des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, sammelte in den letzten Jahren der Weimarer Republik Material gegen die Hitler-Bewegung und schrieb ein Handbuch, den Anti-Nazi, in dem er die Verlogenheit der NS-Propaganda offen legte. Dieses frühe Zeugnis einer konsequenten Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus ist nun, zusammen mit den Erinnerungen, die Gyßling im Schweizer Exil schrieb, wieder zugänglich.
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5. KulturkalenderTheater21. Februar: "Kwast"
Uraufführung
Theaterstück für Michael Quast von F. K. Waechter, Inszenierung: F.K. Waechter
Theater Heidelberg , Werkraum, Beginn 20 Uhr
Kwast ist der Hofnarr eines gelangweilten Königs, ein Geschichtenerzähler mit der Fähigkeit, über 50 Rollen auf einmal zu spielen. Er erzählt dem Publikum eine humorvolle Geschichte des Narren Kwast, der seine Zeit damit verbringen muss, seinem gelangweilten König Geschichten zu erzählen. Alles beginnt, wo es endet, aber davon weiß ja am Anfang noch keiner...
Der Schauspieler, Autor, Regisseur und Kabarettist Michael Quast hat sich bereits mit seinen Adaptionen von "Blaubart" und "Faust1" in die Herzen der Heidelberger Zuschauer gespielt; momentan läuft seine Inszenierung von Offenbachs "Die schöne Helena" an den Städtischen Bühnen Heidelberg.
zur Homepage 21. Februar: "Die Störung"
Uraufführung
von Margareth Obexer, Regie: Leyla Claire Rabih
Vereinigte Bühnen Bozen , Stadttheater am Verdiplatz, Beginn 20 Uhr
Grazia kehrt nach dem Tode ihrer Mutter in ihre alte Heimat zurück und wird schnell von den dort herrschenden Strukturen vereinnahmt. Es gibt keinen Raum für Veränderungen oder Entwicklungen, einmal gefällte Urteile sind unumstößlich. Grazia wird schließlich zu dem gemacht, was auch ihre Mutter war: eine "Gestörte".
Margareth Obexer, 1970 in Brixen geboren, lebt in Berlin. Sie veröffentlichte mehrere Essays, Erzählungen und Dramen, darunter "Registerstriche", "Falsche Helden" und "Die Wortlose". Im Jahre 2000 wurde der Einakter "Offene Türen" am Berliner Schillertheater aufgeführt, 2001 kam "Gelbsucht" im Berliner Theaterdock heraus, und "Free on board" feierte im Oktober 2002 in Tübingen Premiere.
Die Uraufführung und die Folgevorstellungen finden im Gasthof Gruberhof in Afing statt.
zur Homepage 22. Februar: "Ein Bericht für die Akademie"
Premiere
Von Franz Kafka, Inszenierung: Klaus Rohrmoser
Tiroler Landestheater Innsbruck , Kammerspiele, Beginn 18 Uhr
Der Affe Rotpeter erzählt vor akademischem Publikum die Geschichte seiner Menschwerdung. An sein Affendasein kann er sich kaum noch erinnern, denn sein eigentliches Leben begann mit dem Transport nach Europa. Während der Schiffspassage wurde er noch in einem Käfig gehalten, erwies sich später an Land jedoch als lernfähig. Der Übergang vom Affen zum Menschen vollzog sich, als er eine Flasche Schnaps austrank. Mit seinem ersten Wort ("Hallo!") wechselte er endgültig in die Menschengemeinschaft.
Eine Parabel von absurder Komik auf den homo sapiens.
zur Homepage 22. Februar: "Dutch Dance"
Premiere
Staatstheater Stuttgart , Schauspielhaus, Beginn 19:30 Uhr
Das Stuttgarter Ballett wirft einen intensiven Blick auf die Tanzkunst in den Niederlanden und präsentiert Werke der einflussreichsten Choreographen aus dem Nachbarland. Hans van Manen und Jirí Kylián vom Nederlands Dans Theater faszinieren das Publikum seit Jahren mit ihrer unnachahmlichen Ästhetik. Paul Lightfoot und Itzak Galili zeigen als Vertreter der jüngeren Choreographengeneration, wie man heute auf Hollands Bühnen tanzt.
zur Homepage 22. Februar: "Mit riesengroßen Flügeln"
Uraufführung
Nach einer Erzählung von Gabriel García Marquéz, Regie: Enno Podehl
Staatstheater Stuttgart , Theater im Depot, Beginn 20 Uhr
Ein seltsames Wesen verirrt sich in den Hinterhof des Hauses von Pelayo und Elisenda: Ist es ein altersschwacher Mann mit riesigen, verschmutzten Flügeln oder ein sterbender Engel? Sie sperren die Kreatur in den Hühnerstall, aber die phantastische Nachricht verbreitet sich schnell: Nachbarn und Kranke, die auf Wunder hoffen, strömen herbei und verhelfen so den Hausbesitzern zu unverhofftem Wohlstand. Eines Tages wachsen dem Alten neue Federn: der Weg in die Freiheit ist offen.
Eine Koproduktion mit dem figuren theater tübingen.
zur Homepage 22. Februar: "Mütter-Los"
Deutschsprachige Erstaufführung
von Renate Ahrens, Regie: Tamara Kafka
Theater Nürnberg , Schauspiel, Beginn 19:30 Uhr
Im Jahr 1990 - noch existiert die DDR - lebt Roswitha Berger in der Nähe von Hamburg. 1972, als ihre Flucht in den Westen vereitelt wurde, hatte man sie von ihrer Tochter Hanna getrennt. Roswitha und ihr Mann Johann kamen ins Gefängnis, wurden schließlich in den Westen abgeschoben, doch von ihrer Tochter hörten sie nie wieder etwas. Inzwischen ist Johann tot. Nun macht sich Roswitha auf die Suche nach Hanna. Sie wurde zur Zwangsadoption freigegeben, heißt inzwischen Marion und lebt in einer Kleinstadt in Ostdeutschland. Einen Tag nach ihrem achtzehnten Geburtstag will Roswitha ihre Tochter treffen. Doch so schnell geben die Adoptiveltern nicht auf.
zur Homepage 22. Februar: "Der geschenkte Gaul"
Uraufführung
von Hildegard Knef, Paul von Schell, Udo Becker (Musikalische Leitung) und Reinhardt Friese (Regie)
Landesbühne Niedersachsen Nord, Wilhelmshaven , Beginn 20 Uhr
Der Lebensweg der "Knef" war nicht immer einfach: Skandale und Schicksalsschläge, Krankheit und Einsamkeit drohten oft genug, sie aus der Bahn zu werfen. Von den Anfängen der jungen Schauspielerin in Berlin über die ersten Erfolge in Hollywood und die Rückkehr nach Deutschland bis hin zu ihrem großen Durchbruch als Chansonette: Die Lebensgeschichte der "Sünderin" ist nicht nur die Erfolgsstory einer außergewöhnlichen Frau, sie ist zugleich ein Stück deutsche Zeitgeschichte.
zur Homepage 28. Februar: "Gott ist ein DJ" / "Prometheus"
Premiere
von Falk Richter / J.W. von Goethe, Regie: Anna Bergmann
Landestheater Tübingen, U1/Werkstatt, Beginn 20 Uhr
Zwei Texte junger Autoren, zweimal der Versuch, der Frage nachzugehen, was Individualität sein könnte und wie sie entsteht. Falk Richters Figuren verwenden elektronische Medien, Prometheus die bildenden Künste. Zwei Theaterstücke an einem Abend.
Falk Richter wurde 1969 geboren, studierte Linguistik, Philosophie und Schauspieltheaterregie in Hamburg bei Jürgen Flimm und Christoph Nel. Neben seiner Tätigkeit als Autor war er als Regisseur auf Kampnagel Hamburg, am Düsseldorfer Schauspielhaus, an der Berliner Schaubühne, am Schauspielhaus Zürich und an der Hamburgischen Staatsoper.
zur Homepage 28. Februar: "Geschichte vom alten Kind"
Uraufführung
nach dem Roman von Jenny Erpenbeck, Regie: Gundula Weimann
Staatstheater Kassel , frizz, Beginn 20:30 Uhr
Ein seltsam klobiges Mädchen steht mit einem leeren Eimer auf der Straße. Fragen nach seiner Herkunft beantwortet es nicht. Einmal durch Zufall zur Komplizenschaft mit den Mitschülern gebracht, freut es sich aber an der Akzeptanz im Kreis der Mächtigen innerhalb der Schülerhierarchie. Doch dann wird das Mädchen krank, und ihr Körper schmilzt.
Jenny Erpenbeck wurde 1967 in Ost-Berlin geboren, absolvierte eine Buchbinderlehre und studierte Theaterwissenschaften und Musiktheaterregie. Sie arbeitet als freie Regisseurin an verschiedenen Theatern, schrieb 1999 mit "Katzen haben sieben Leben" ihr erstes Theaterstück (Uraufführung 2000 in Graz). 2001 erschien ihr Erzählband "Tand".
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Konzerte21. Februar: "Gar Schröckliches und Ergötzliches - Balladen und Melodramen von Rittern, Löwen und kleinen Elefanten"
unsicht-Bar Berlin , Beginn 20:30 Uhr
Die Dunkelbühne der unsicht-Bar präsentiert einen dramatischen Liederabend mit Regine Anhamm (Sopran) und Philip Mayers (Berlin) - in völliger Dunkelheit. Gerade weil er nichts sieht, ist der Hörer mittendrin im "schröcklichen" Geschehen, die Bilder laufen im Kopf ab.
Mit Werken von Robert Schumann und Francis Poulenc.
zur Homepage 21. Februar bis 2. März: "5. Stuttgarter Bachwoche"
Eröffnungskonzert: 22. Februar , Kultur- und Kongresszentrum Stuttgart , Liederhalle, Beginn 19 Uhr
Zum fünften Mal lädt die Internationale Bachakademie Stuttgart zur Bachwoche ein, in diesem Jahr unter dem Thema "Psalmen in Bachs Kantaten".
Am 22. Februar findet das Eröffnungskonzert mit Psalmvertonungen statt. Vom jungen Johann Sebastian Bach werden die Kantaten BWV 150, BWV 196 und BWV 131 aus den Jahren 1707 bis 1710 aufgeführt. In Gegenüberstellung erklingen Felix Mendelssohn Bartholdys Vertonungen des 42., 98., 114. und 115. Psalms.
Solisten sind Marlis Petersen / Sopran, Tom Allen / Tenor und Morten Ernst Lassen / Bass.
Weitere Mitwirkende: Gächinger Kantorei, Bach-Collegium Stuttgart
Leitung: Helmuth Rilling
zur Homepage 22. Februar: "Charme der Klarinette - non plus ultra"
Herkulessaal München , Beginn 20 Uhr
Das Wiener Streichsextett entstand 1981, als eine Gruppe junger Musiker, frisch der österreichischen Streicherschule entwachsen, sich zusammenfand. Nach mehreren Jahren internationaler Konzerterfolge legten die Sechs mit ihrer Debüt-CD ("2. Streichsextett" von Johannes Brahms, "Verklärte Nacht" von Arnold Schönberg) einen wegweisenden Standard vor.
Heute abend musizieren sie gemeinsam mit der Klarinettistin Sabine Meyer. Auf dem Programm stehen Ludwig van Beethovens "Sextett A-Dur nach der Klaviersonate op. 101", Wolfgang Amadeus Mozarts "Klarinettenquintett A-Dur KV 581" und Anton Dvoráks "Sextett A-Dur op. 48".
zur Homepage 26. Februar: Nigel Kennedy - "The Jam Session"
Große Freiheit 36, Hamburg , Beginn 21 Uhr
Nigel Kennedy gilt als einer der führenden Geigenvirtuosen der Welt. Seine Einspielung der "Vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi ist das meistverkaufte Klassik-Album aller Zeiten und verhalf Kennedy sogar zu einem Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Seit je her setzt sich Kennedy über die Rituale des klassischen Konzertbetriebs hinweg - seine Liebe gilt Werken von Bach und Beethoven genauso wie der Jazz-Improvisation oder Stücken von Jimi Hendrix, Peter Gabriel und Carlos Santana. So verspricht seine derzeitige Tournee "The Jam Session" ein buntes Programm.
Weitere Termine:
27.2.: Columbiahalle Berlin
28.2.: Capitol Offenbach
www.grossefreiheit36.de
www.nigelkennedy.de 27. und 28. Februar: Hilary Hahn - "Von manchen Schmerzen und Freuden"
Alte Oper Frankfurt , Beginn 20 Uhr
Gemeinsam mit dem Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt spielt das junge Violintalent Hilary Hahn erstmals in Deutschland Edgar Meyers Violinkonzert. Auf dem Programm stehen weiterhin die "Sinfonie D-Dur" ("Das Mirakel") von Joseph Haydn und die "Sinfonie Nr. 2" von Robert Schumann. Hilary Hahns Einspielung des Violinkonzertes von Edgar Meyer mit dem Saint Paul Chamber Orchestra unter Hugh Wolff erhielt den Preis der Deutschen Schallplattenkritik sowie Anfang 2001 den begehrten "Cannes Classical Award" in der Kategorie "Solo mit Orchester 20. Jahrhundert".
Leitung: Hugh Wolff
zur Homepage 27.2. bis 1.3.: "3. Strings of Fire"
Gewandhaus Leipzig
Zum dritten Mal begibt sich das Gewandhaus auf neues Terrain: Im Zentrum des diesjährigen Festivals steht anlässlich seines 10. Todestags die Musik Frank Zappas. Außerdem werden erstmals Crossover-Projekte aus Holland, Bulgarien, Ungarn, Russland, dem Senegal und den USA vorgestellt; programmprägend sind hierbei Künstler, die die Musiktraditionen ihrer Heimatländer in unkonventionellen Synthesen mit Jazz, Hip-Hop, Rock oder Avantgarde erklingen lassen. Mit dem Ahn-Trio, den Dresdner Symphonikern, dem Leipziger Streichquartett u. a.
www.strings-of-fire.de
www.gewandhaus.de 28.2. bis 9.3.: "11. Kurt-Weill-Fest"
diverse Veranstaltungsorte in Dessau
Unter dem Motto "Noten und Münzen" wird das Werk Kurt Weills in Ausstellungen, Musikfilmen, Workshops, Kabarettveranstaltungen, Vorträgen und Konzerten vorgestellt und gewürdigt. Der amerikanische Musical-Star Helen Schneider ist ebenso zu Gast wie das Palast Orchester mit Max Raabe und der Jazz-Pianist Joachim Kühn.
Anlässlich der Uraufführung der "Dreigroschenoper" vor 75 Jahren kommt dieses Werk als szenische Produktion zur Aufführung. Ein besonderer Höhepunkt ist das Gastspiel der Dresdner Sinfoniker, bei dem erstmals Weills Dreigroschenmusik mit Ausschnitten aus Frank Zappas "The Yellow Shark" kombiniert wird.
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