Aus dem Inhalt:
LITERATUR
1. Ein postmoderner Hermaphrodit. Der neue Roman "Middlesex" von Jeffrey Eugenides (Rowohlt Verlag) - mit Leseprobe und Verlosung
2. Die quotidiane Tour zum Job. Der neue Duden "Vom deutschen Wort zum Fremdwort" im Test
3. Büchertisch - Rezensionen von ZEIT-Literaturredakteuren MUSIK
4. Olympischer Gesang. Rinaldo Alessandrini spielt Vivaldi
5. Fröhliches Granteln. Das Album "Summer Sun" von Yo La Tengo 6. KULTURKALENDER
Theater
Konzerte
Ausstellungseröffnungen
Lesungen1. Ein postmoderner Hermaphrodit.© Rowohlt Verlag Lesen Sie auf der Homepage des Rowohlt Verlags Auszüge aus dem neuen Roman "Middlesex" von Jeffrey Eugenides, der am 7. Mai erscheint. Der "Vorabdruck" wird Tag für Tag unter www.rowohlt.de/magazin/9614 fortgesetzt. Zum Inhalt:
Die Geschichte beginnt in einem griechischen Bergdorf am Hang des kleinasiatischen Olymp. Ein junger Mann und eine junge Frau, die Geschwister Eleutherios und Desdemona Stephanides, fliehen vor den Türken nach Smyrna und, als die Stadt brennt, weiter nach Amerika. Es ist das Jahr 1922. Auf dem Schiff, weit weg von allem, erschaffen sie sich als einander Unbekannte neu: Sie heiraten und verbringen ihre erste gemeinsame Nacht in einem Rettungsboot. Die Achterbahnfahrt eines mutierten Gens, Generationen vorher unter Ziegengemecker und Olivengetrommel begonnen, ist nicht mehr aufzuhalten. In Detroit, der Stadt der Autos, Hotdogs und Rassenunruhen, lässt es sich nieder - federleicht erst in Milton, dem Sohn, und dann, mit aller Macht, in der Enkeltochter Calliope. Für Desdemona, die Großmutter, erfüllt sich, was sie als Antwort auf ihr Vergehen längst befürchtet hat. Das Mädchen Callie ist ein Junge und nennt sich Cal. Und eine neue Odyssee beginnt.Im Berlin-Schöneberg der neunziger Jahre erzählt Cal Stephanides, wieder ein Grieche unter Türken, von der mehr als siebzig Jahre umspannenden Lebens- und Liebesgeschichte seiner griechischen Einwandererfamilie. Er erzählt vom Sich-Durchschlagen-Müssen als Rumschmuggler und Inhaber einer unterirdischen Schummerkneipe, erzählt vom Aufstieg und Niedergang der amerikanischen Automobilindustrie und von einer Klarinette, die auf der Haut eines Mädchens schmachtende Töne erzeugt. Er erzählt vom heiligen Christopherus, der Miltons Leben rettet, und vom Liebesschmerz des Nebenbuhlers Father Mike. Vor allem aber erzählt er von dem, was sich die griechischen Götter nicht haben träumen lassen: von Vererbung und Genetik und der abenteuerlichen Reise eines Gens. Mit überbordender Phantasie erzählt Jeffrey Eugenides die Lebens- und Liebesgeschichten einer griechischen Einwandererfamilie, bündelt sie zu einer virtuosen Mischung aus modernem Gesellschafts- und Picaroroman. "Ein zutiefst berührendes Porträt einer ins 20. Jahrhundert verstrickten Familie", schrieb die New York Times, "ein Roman von turmhoher Kraft."
Zum Autor:
Jeffrey Eugenides wurde 1960 in Detroit/Michigan geboren und lebt heute mit Frau und Tochter in Berlin, wohin ihn Stipendien des DAAD und der American Academy gelockt haben. Sein Debütroman "The Virgin Suicides" (dt. "Die Selbstmord-Schwestern") erregte weltweit Aufsehen und wurde im Jahr 2000 von Sofia Coppola verfilmt. Wie Jonathan Franzen rechneten ihn Kritiker in der Zeitschrift The New Yorker unter die "Twenty Writers for the 21st Century" und in der Zeitschrift Granta unter die "Best Young American Novelists". Für seinen neuen Roman "Middlesex" wurde er mit dem Pulitzer Preis 2003 ausgezeichnet.
Leseprobe: S. 1:
Erstes Buch Der SilberlöffelIch wurde zweimal geboren: zuerst, als kleines Mädchen, an einem bemerkenswert smogfreien Januartag 1960 in Detroit und dann, als halbwüchsiger Junge, in einer Notfallambulanz in der Nähe von Petoskey, Michigan, im August 1974. Fachleute unter den Lesern könnten mir in der Studie "Geschlechtliche Identität bei 5-Alpha-Reduktase-Pseudohermaphroditen" von Dr. Peter Luce, 1975 erschienen im Journal of Pediatric Endocrinology, schon einmal begegnet sein. Oder vielleicht haben Sie mein Foto im sechzehnten Kapitel des heute leider veralteten Standardwerks Genetik und Vererbung gesehen. Ich bin der auf Seite 578, der nackt, mit einem schwarzen Balken vor den Augen, neben einer Messlatte steht.Auf meiner Geburtsurkunde lautet mein Name Calliope Helen Stephanides. Mein neuester Führerschein (ausgestellt von der Bundesrepublik Deutschland) nennt als meinen Vornamen schlicht Cal. Ich bin ehemaliger Feldhockeykeeper, langjähriges Mitglied der Rettet-die-Manatis-Stiftung, seltener Besucher der griechisch-orthodoxen Liturgie und, den Großteil meines Erwachsenenlebens, in Diensten des US-amerikanischen Außenministeriums. Wie Teiresias war ich erst das eine und dann das andere. Ich wurde von Mitschülerinnen gehänselt, von Ärzten als Versuchskaninchen benutzt, von Spezialisten abgetastet und von wissenschaftlichen Institutionen erforscht. Ein rothaariges Mädchen aus Grosse Pointe verliebte sich in mich, ohne zu wissen, was ich war. (Auch ihr Bruder mochte mich.) Einmal führte mich ein Armeepanzer in eine Straßenschlacht; ein Swimmingpool machte aus mir einen Mythos; ich habe meinen Körper verlassen, um andere zu bewohnen - und das alles geschah, bevor ich sechzehn wurde. Nun aber, mit einundvierzig, spüre ich, dass mir noch eine weitere Geburt bevorsteht. Nachdem ich sie alle jahrzehntelang vernachlässigt habe, denke ich auf einmal an verstorbene Großtanten und -onkel, verloren geglaubte Großväter, unbekannte Cousinen fünften Grades oder, im Falle einer aus Inzucht hervorgegangenen Familie wie der meinen, an all das zugleich. Und daher möchte ich, bevor es zu spät ist, etwas endgültig niederschreiben: die Achterbahnfahrt eines Gens durch die Zeit.
Copyright (c) der deutschen Übersetzung 2003 by Rowohlt Verlag , Reinbek Jeffrey Eugenides: Middlesex
deutsch von Eike Schönfeld
Rowohlt Verlag, Reinbek 2003, 816 Seiten, 24,90 Euro
erscheint am 7. Mai 2003 Verlosung:
Der Rowohlt Verlag verlost fuenf Exemplare dieses Romans. Senden Sie uns bis zum 2. Mai, 12 Uhr mittags, eine eMail, bitte mit Namen und Adresse, an kulturbrief@zeit.de , Stichwort: Middlesex .
Die Gewinner werden unter allen Einsendern ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mehr Informationen auf der Homepage des Rowohlt Verlags
Zum aktuellen Rowohlt-Magazin 2. Die quotidiane Tour zum Jobvon Til KnipperDarauf warten Fremdwortliebhaber schon seit langem: Mit "Vom deutschen Wort zum Fremdwort" hat der Duden-Verlag all jenen einen Herzenswunsch erfüllt, die bisher lange nach dem schickeren, klügeren Wort suchen mussten. ZEIT.de hat den neuen Duden einem Test auf Herz und Nieren bzw. auf Cor und Neres unterzogen. Wird aus einem banalen Aufsatz ein wissenschaftlich anmutender Artikel?Die tägliche Fahrt zur ArbeitMorgens neun Uhr, S-Bahnhof Klein Flottbek, Hamburg. Ich haste eilig die Treppe zum Bahnsteig hoch, um die S1 Richtung Poppenbüttel zu erreichen, vorbei an jugendlichen Faulenzern, die mit Spraydosen bunte Fassadenmalereien an die Wand sprühen. Schwer atmend lasse ich mich auf einen Sitz fallen und lese "DIE ZEIT", um die Fahrzeit sinnvoll zu nutzen. Säuglingsgeschrei reißt mich aus meinem Lesefluss.
Ich erblicke die Geräuschquelle auf dem Arm ihrer Mutter liegend, die in der Zwischenzeit gegenüber von mir Platz genommen haben muss. In Klein Flottbek saß sie jedenfalls noch nicht da. Ich wirke offenbar verärgert, als ich hochgucke, denn die Mutter sagt sofort entschuldigend: "Sie bekommt gerade ihre ersten Zähne." "Macht nichts, ist schon okay", murmele ich und widme mich wieder meiner Zeitung. In Altona steigt ein mittelmäßig begabter Musiker mit Gitarre ein. Den Klangkörper seines Instruments vors Gesicht haltend, gibt er Bob-Dylan-Lieder zum Besten und zerstört mit dem steil in die Luft gereckten Gitarrenhals die Wagenbeleuchtung. Erleichtert nehmen die Fahrgäste das Ende seiner Musikauffü hrung eine Station später zur Kenntnis.Neben mir sitzt inzwischen ein junger Mann, der offenbar auf dem Weg zu einem Imbiss im Freien ist. In seinem Korb befinden sich ein Stangenweißbrot, eine Flasche Perlwein, Silberzwiebeln und Pfeffergürkchen, sowie eingelegte Schälrippchen.Plötzlich betreten fünf einheitlich gekleidete Kontrolleure die vom Musiker geräumte Bühne. "Die Fahrkarten, bitte!" Während ich meine CC-Monatskarte vorzeige, versteinert sich der Gesichtsausdruck des Picknickers. Nach dem Großeinkauf habe er kein Geld mehr für die Fahrkarte gehabt, beteuert der junge Mann. Doch der Kontrolleur ist unerbittlich. Raus aus der Bahn, Aufnahme der Daten zur Person und 40 Euro Buße. Teures Vergnügen so ein Imbiss im Freien.Endlich am Jungfernstieg. Rolltreppe hoch, rechts, noch eine kleine Treppe hoch, dann schlendere ich durch die "Passage der Städtepartnerschaften" unterirdisch Richtung Mönckebergstraße und erreiche um halb zehn die Redaktion.Die quotidiane Tour zum JobMorgens neun Uhr S-Bahnhof Klein Flottbek, Hamburg. Ich haste cito die Treppe zum Perron hoch, um die S1 Richtung Poppenbüttel zu erreichen, vorbei an adoleszenten Tachinierern, die mit Spraydosen kolorierte Graffitis an die Wand sprühen. Schwer respirierend lasse ich mich auf einen Sitz fallen und lese "DIE ZEIT", mit der Intention die Fahrzeit sinnvoll zu nutzen. Babyrabatz reißt mich aus meiner Lektüre.
Ich erblicke die Geräuschlimnokrene auf dem Brachium ihrer Mama liegend, die in der Zwischenzeit gegenüber von mir Platz genommen haben muss. In Klein Flottbek saß sie jedenfalls noch nicht da. Ich wirke offenbar alteriert, als ich hochgucke, denn die Mama sagt sofort exkulpierend: "Sie hat gerade ihre erste Dentition." "Macht nichts, ist schon okay", murmele ich und widme mich wieder der Gazette. In Altona steigt ein mediokrer Melomane mit Gitarre ein. Den Korpus seines Instruments vors Facies haltend, gibt er Bob-Dylan-Songs zum Besten und demoliert mit dem steil in die Luft gereckten Gitarrencervix die Waggonillumination. Erleichtert nehmen die Passagiere das Finale seines Konzertes eine Station später zur Kenntnis.Neben mir sitzt inzwischen ein junger Mann, der evident auf dem Weg zu einem Picknick ist. In seinem Korb befinden sich ein Baguette, eine Flasche Prosecco, Rokambolen und Cornichons, sowie marinierte Spareribs.Subito betreten fünf uniformierte Kontrolleure die vom Musiker evakuierte Stage. "Die Billets, bitte!" Während ich meine CC-Monatskarte präsentiere, petrifiziert sich die Physiognomie des Picknickers. Nach dem Großshopping habe er keine Penunzen mehr für das Billet gehabt, beteuert der junge Mann. Doch der Kontrolleur ist rigoros. Raus aus der Bahn, Aufnahme der Personalien und 40 Euro Pönitenz. Expensives Amüsement so ein Picknick.Endlich am Jungfernstieg. Rolltreppe hoch, rechts, noch eine kleine Treppe hoch, dann flaniere ich via die "Passage der Jumelagen" subterran Richtung Mönckebergstraße und erreiche um halb zehn die Redaktion.Bewertung: "Vom deutschen Wort zum Fremdwort" ist ein umgekehrtes Fremdwörterbuch. Ziel des neuen Werkes aus dem Hause Duden ist es, dem Benutzer die richtige Anwendung von Fremdwörtern zu erleichtern, sein Deutsch stilistisch zu verbessern, Synonyme an die Hand zu geben, um Wiederholungen zu vermeiden. Ein hehrer Ansatz, der zum Scheitern verurteilt ist, da es keine erkennbare Zielgruppe für dieses Buch gibt.
Für diejenigen, die sicher im Umgang mit Fremdwörtern sind, erscheint das Buch schlichtweg nutzlos. Bei Zweifeln über die richtige Verwendung eines Wortes reicht ihnen ein Blick in ein klassisches Fremdwörterbuch.
Wer Fremdwörter aus Angst vor deren falschem Gebrauch nicht benutzt, dem ist mit diesem Buch auch nicht geholfen. Die Erklärung dafür wird in dem lesenswerten einleitenden Essay über den Gebrauch von Fremdwörtern gleich mitgeliefert. Dort heißt es, Fremdwörter dienten oftmals der Präzision und Kürze und seien durch ein einziges deutsches Wort nicht zu ersetzen.
Folglich findet man sie auch nur mit Mühe in einem nach einzelnen Stichworten sortierten Wörterbuch. Um diesem Problem Herr zu werden, haben die Herausgeber manches Mal deutsche Entsprechungen für die Fremdwörter ausgewählt, die dem Nutzer weniger vertraut sein dürften als das Fremdwort selbst.
Fazit: nette Idee, Ausführung mangelhaft. Vom deutschen Wort zum Fremdwort
Wörterbuch zum richtigen Fremdwortgebrauch
Duden-Verlag 2003, 552 Seiten, gebunden, 19,90 Euro
online bestellen 3. BüchertischBelletristik

von Konrad HeidkampMarjaleena Lembcke: In Afrika war er nie
Nagel & Kimche im C. Hanser Verlag, Zürich 2003; 106 S., 9,90 Euro
Manche Bücher möchte man den Lesern vor die Augen halten und damit ständig winken, damit sie nicht übersehen werden. Ein Schicksal, das vielen Jugendbüchern droht, die so großartige kleine Geschichten erzählen wie die vom Warten eines siebenjährigen finnischen Jungen auf seinen Vater, der eines Tages auf einer Harley-Davidson davonfuhr. In Afrika vermutet ihn der Junge und lernt die Namen aller Staaten Afrikas. Doch als er 13 Jahre alt wird, kommt der Frühling, er riecht schon den Sommer, verliebt sich schüchtern in ein Mädchen. „Ich glaube nicht, dass man an der Traurigkeit eines anderen teilnehmen kann“, meint er. Am Glück dieses Buches schon.
online bestellen Robert Cormier: Ein Sommer in Frenchtown
aus dem Englischen von Cornelia Krutz-Arnold
Bertelsmann Verlag, München 2003; 124 S., 8,90 Euro
Wenn in den Erinnerungen eines amerikanischen Autors die süßen Namen Baby Ruth und Mr Goodbar so wichtig werden wie die müden Augen eines Vaters, dann hat die gefühlvolle Lakonie wieder einen Platz im Jugendbuch. Cormiers rhythmische Prosa verwandelt sich in Poesie und wieder zurück in die Erzählung eines großen Schriftstellers, der im November 2000 starb. Fast unbemerkt, weil er seit 1974 als erfolgreicher Jugendbuchautor galt. Es war einmal in Amerika, in Boston, in Frenchtown, in einer kleinen Wohnung, als ein Junge plötzlich merkt, wie sehr sein Vater ihn liebt. Von der Kammfabrik, von Geburtstagen und Sister Angela ist zudem die Rede und vom erhellenden Wunder, eine Brille zu tragen.
online bestellen Sachbuchvon Volker UllrichHarro Zimmermann: WortWörtlich; Kleine Arbeiten zur Literaturgeschichte im Radio
Edition Lumière, Bremen 2003; 362 S., 34,- Euro
"Die Literatur kann den Rundfunk nicht mehr entbehren. Man kann sagen: wenn ihn nicht die Techniker erfunden hätten, hätten ihn die Dichter erfinden müssen, den Verführer Rundfunk“, hieß es auf einer Kasseler Tagung Dichtung und Rundfunk 1929. „Der Verführer Rundfunk“ – kaum jemand hat ihn so virtuos zu nutzen verstanden wie Harro Zimmermann, der langjährige Kulturredakteur bei Radio Bremen. Dieser Band versammelt 27 seiner schönsten Stücke – von der Elenden Poeterei des Dichters Johann Christian Gü nther bis zu Leben und Werk des Nobelpreisträgers Günter Grass: Citoyen im Reiche Sisyphos. Ein Muss für alle, die das Kulturinstitut Radio noch nicht abgeschrieben haben. Ernst Erich Noth: Die Tragödie der deutschen Jugend
hrsg. von Claudia Noth; Glotzi Verlag, Frankfurt am Main 2002; 285 S., 28,- Euro
In diesem Essay, geschrieben 1934 im Pariser Exil, wollte der damals 25-jährige Schriftsteller Ernst Erich Noth ergründen und dem französischen Publikum verständlich machen, warum gerade so viele junge Deutsche der Faszination Hitlers und des Nationalsozialismus anheim gefallen waren. Das Werk sorgte für einiges Aufsehen und brachte es zu mehreren Auflagen. Fast 70 Jahre nach der Erstveröffentlichung bei Grasset in Paris und 20 Jahre nach dem Tod des Autors (der erst 1971 nach Deutschland zurückkehrte, um an der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität Literaturwissenschaften zu lehren)erscheint nun eine deutsche Ausgabe – ein herausragendes Dokument der Zeitgeschichte, Sebastian Haffners Geschichte eines Deutschen an die Seite zu stellen.
online bestellen 4. Olympischer Gesangvon Oswald Beaujean Zwei Jahre vor seinem Tod versicherte Antonio Vivaldi , er habe 94 Opern komponiert. Damit hat er vielleicht ein wenig hochgestapelt oder all seine „Pasteten“ mitgezählt, jene Pasticcio-Opern, die er aus eigenen oder fremden Stücken zusammenstellte. Doch ein halbes Hundert seiner Opern kennen wir dem Namen nach, und von immerhin gut 20 besitzen wir – dank eines Klosters im Piemont und der Turiner Nationalbibliothek – seit 1927 die Noten. Geholfen hat der sensationelle Fund nicht viel. Möglicherweise war es gerade Vivaldis unbestrittener Ruf als großer Instrumentalkomponist des italienischen Barock, der die adäquate Rezeption seines Opernschaffens verhinderte – auf der Bühne wie auf CD. Die Schallplattenindustrie zieht es vor, die Vier Jahreszeiten rund 94-mal im Katalog zu halten, Hunderte von Bearbeitungen gar nicht mitgezählt. Gäbe es nicht einige wenige Musiker wie Jean-Claude Malgoire, Roberto Scimone, Richard Hickox oder Jordi Savall (mit seiner wunderbaren Einspielung von Il Farnace ), wüssten wir kaum, wie eine komplette Vivaldi-Oper klingt. Dabei war die Karriere des roten Priesters fast drei Jahrzehnte lang weitgehend die eines Opernkomponisten. Vielleicht ist die 1734 in Venedig uraufgeführte L’Olympiade nach Metastasio nicht einmal Vivaldis stärkste Oper, wenn man sie etwa mit dem Meisterwerk Orlando vergleicht (zu hören auf einer 25 Jahre alten Aufnahme von Roberto Scimone). Das verworrene olympische Libretto – eine endlose Abfolge von Missverständnissen und Verwechslungen – und das leicht konventionelle Personal scheinen gelegentlich auf die Musik abgefärbt zu haben. Dennoch ist Rinaldo Alessandrinis CD-Einspielung ( Opus 111, OP 30316 ) ein Ereignis und der bislang wohl wichtigste Teil der exzellenten neuen Vivaldi-Edition des kleinen Labels Opus 111. Dafür sorgt allein das elektrisierende Spiel von Alessandrinis Orchester – hinreißend der virtuose Aplomb, geschmeidig und fantasievoll die Phrasierung, schier unendlich das Klangfarben-Spektrum dieses Spitzenensembles. So entdeckt man – nicht nur in den jagenden Figuren der Ouvertüre – Vivaldi als großen Instrumentalkomponisten auch in seinen Opern. Und den Sängern bietet sich in L’Olympiade eine lange Kette schöner Arien und differenzierter Rezitative. Alessandrinis Ensemble singt ausgezeichnet: Wenn etwa Sara Mingardo mit ihrem phänomenalen, warm-expressiven Kontra-Alt davon träumt, dass die Liebe sich sanft und unmerklich in den Schlaf der Geliebten schleichen möge, dann ist das so traumverloren schön gesungen (und komponiert), dass man den barocken Libretto-Wirrwarr gern vergisst. 5. Fröhliches Grantelnvon Jefferson Chase Man könnte es die Chuck-Taylor-Schule nennen. Die altmodischen Canvas-Turnschuhe gleichen Namens waren die bevorzugte Fußbekleidung der amerikanischen Independent-Szene, die Mitte der Achtziger gegen Rockstarwesen und Großplattenfirmen mobil machte. Sperrig und melancholisch war dieser Sound, auch – im Gegensatz zum britischen Doc-Martens-Punk – elitär und apolitisch. Eine Antimusik für grübelnde Uniabsolventen, die nur Hohn für die grölende Menge übrig hatte. Heute sind die meisten Vertreter dieser Gattung entweder ausgestorben oder werden als alternde Alibikünstler auf ansonsten kommerziellen Labels ausgestellt. Auf dem Cover von Summer Sun ( Zomba/Matador OLE 548-2 ), dem elften Album von Yo La Tengo , aber sind immer noch ein Paar Chuck Taylors zu sehen: ein wenig verschwommen, doch ebenso unverändert wie die stoisch-schwermütige Stimme von Schlagzeugerin Georgia Hubley, die oft im Duett mit dem grantig murmelnden Frontman Ira Kaplan ertönt. Oder die dröhnende Orgel, wie sie seit Jahren Kaplans abwechselnd hallende und heulende Fender-Gitarre konterkariert. Von der Wiederentdeckung des Lounge- Sounds bis hin zu der „soft is the new loud“ -Philosophie jü ngerer Bands – oft waren Yo La Tengo dem Popgeschehen einen Schritt voraus. Inzwischen neigt man zum Konservativen. Die Entwicklung besteht in der Konsolidierung eines Idioms, das sich in den bald zwei Jahrzehnten ihres Wirkens entwickelt hat. Das Experiment mit Bossa-nova-Rhythmen und ambientartigen Drum-Loops, schon auf den letzten beiden CDs angedeutet, wird fortgesetzt. Gerockt wird allerdings kaum noch, die Gitarren-Feedbacks treten nicht mehr als ausgedehnte Soli in den Vordergrund, sondern dienen den Arrangements. Anders als bei den vielen Gruppen, die neuerdings wieder in Turnschuhen eine „New Rock Revolution“ ausrufen, formuliert sich der Independent-Gedanke nicht mehr aggressiv, sondern kontemplativ: Turnschuhträger brauchen mit Vierzig eben mehr Ruhe. Das Überraschende an Summer Sun ist die Stimmung. Wie schon im Titel angedeutet, handelt es sich um ein durchaus sonniges Werk, das Brian Wilson ebenso Tribut zollt wie Brian Eno. Das Tears Are In Your Eyes des vorigen Albums gilt nicht mehr, jetzt heißt es Don’t Have To Be So Sad, Today Is The Day oder Moonrock Mambo . Mit Season Of The Shark entdeckt das Ehepaar Kaplan/Hubley sogar den einfachen, lebensfrohen Pop wieder, den die beiden gelegentlich auf ihren allerersten Alben gemacht haben. Auch wenn diese Platte kein Stachel im Fleisch des Industrierocks mehr ist, besticht sie durch eine unerwartete – und für die Chuck-Taylor-Fraktion bestimmt befremdliche – Leichtigkeit. 6. KulturkalenderTheater25. April: "Gleichzeitig"
Premiere
von Jewgenij Grischkowez, Regie: Andreas Sauter und Bernhard Studlar
Staatstheater Schauspiel Stuttgart , Beginn 20 Uhr
Da sitzt ein Mensch auf der Bühne und erzählt. Erzählt über seinen Alltag und die Welt, die er um sich wahrnimmt. Man könnte es die Suche nach dem Sinn des Lebens nennen, denn er stellt sich eine Vielzahl von Fragen, doch findet auf keine eine Antwort im Sinne einer Lösung: "Warum legst du dich auf die rechte Seite schlafen, und bald ist das rechte Nasenloch verstopft?" oder "Wieso nervt es, die eigene Stimme zu hören?" Diese und andere "grundlegende" Fragen des Lebens vermischen sich mit Erinnerungen, und eine Geschichte über Gegenwart und Vergangenheit nimmt ihren Lauf.
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30. April: "Das Fest des Lamms"
Premiere
von Leonora Carrington, Regie: Jossi Wieler
Münchner Kammerspiele, Beginn 20 Uhr
Ein merkwürdiges Zimmer. Die Möbel ähneln gebrechlichen, alten Damen in Rokkoko-Dessous, die Stiche an der Wand und auch viele andere Dekorations-Accessoires stellen Pferde in sehr bizarren Bewegungsphasen dar. Am Fenster sitzt Mrs. Carnis und isst eine Garnele mit Bohnensalat. Mrs. Carnis hat bereits ein stattliches Alter erreicht, das jedoch niemand kennt. Weitere Bewohner des seltsamen Hauses sind: Mrs. Carnis` Sohn mit seiner ersten und seiner zweiten Frau, dessen unheimlicher Bruder und eine Vielzahl von Angestellten.
Eine bizarre Atmosphäre, die durchzogen ist von surrealistischen Momenten zwischen Menschen, Tieren und deren Gerüchen.
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1. Mai: "Angel Files"
Premiere
ein Projekt von Ingo Berk und Andreas Karlaganis, Regie: Ingo Berk
Theater Neumarkt, Zürich , Beginn 20 Uhr
Vier Wissenschaftler beschäftigen sich in einem Laboratorium mit dem Tod, oder - besser gesagt- mit dem Moment kurz davor. Sie wollen eine Chronik des Todes erstellen und archivieren dazu Vergangenheiten von bereits Verstorbenen, sogenannte aufgezeichnete "Konserven". Durch die Arbeit damit werden diese Momente wieder gegenwärtig.
Das Projekt "Angel Files" fragt nach dem Stellenwert des Todes in unserem Leben. Welche Bedeutung hat der Tod für uns? Welchen Einfluss hat er auf das tägliche Leben? Was löst die Tatsache, dass wir einmal sterben, bei uns aus? Eine Geschichte über Angst, Einsamkeit, Trauer und Abschied, aber auch über Hoffnung und den Schritt in eine neue, vielleicht vollkommen andere Existenz. Das Stück wird im Rahmen von "Hope & Glory. Das Festival der jungen Leute." aufgeführt.
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1. Mai: "Das kalte Kind"
Premiere
von Marius von Mayenburg, Regie: Roland Schäfer
Theater Dortmund , Beginn 19:30 Uhr
Eine Geschichte über Eltern, Töchter und das Erwachsenwerden. Die Eltern sind ihren Töchtern in die Stadt gefolgt, um zu erfahren, wo ihre Kinder so hingehen und was sie dort treiben. Die Orte, wo sich Jugendliche aufhalten sind natürlich nicht geeignet, um Eltern dorthin mitzunehmen: Eigenartige Typen schauen der Tochter hinterher, und auf der Toilette spielen sich bizarre Verabredungsszenarien ab.
Doch bald stellt sich heraus, dass diese Welt den Eltern gar nicht so fremd ist, wie anfangs vermutet, denn die Phase des Erwachsenwerdens scheint in durchaus ähnlichen Bahnen zu verlaufen, wie die Ehe von Vater und Mutter. Eine kühle Komödie um vier Paare vor oder jenseits der Schwelle zum Erwachsensein.
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1., 2. und 4. Mai: "Il Figlio Delle Selve"
Rokokotheater in Schwetzingen , Beginn jeweils um 20 Uhr
Im Rahmen der Schwetzinger Festspiele 2003 und zum 250-jährigen Jubiläum des Schwetzinger Rokokotheaters wird die Oper "Il figlio delle Selve" von Ignaz Holzbaür von dem L'Orfeo Barockorchester aufgeführt. Der musikalische Leiter ist Christoph Spering, für die Inszenierung ist Georges Delnon verantwortlich.
Vor 250 Jahren vertonte der österreichische Komponist das gleichnamige Drama von Sigismondo Capece. Jene Oper, die damals Kurfürst Carl Theodor in Auftrag gab, war für die glanzvolle Eröffnungszeremonie des Rokokotheaters des Schwetzinger Schlosses 1753 bestimmt.
zur Homepage 3. Mai: "Auf Sand"
Uraufführung/ Premiere
von Albert Ostermaier, Regie: Martin Kusej
Thalia Theater, Hamburg , Beginn 20 Uhr
Ein Paar, scheinbar allein an einer einsamen Meeresbucht. Beide sind sehr entspannt, genießen das Sonnenbaden und sind fern von Zweifeln und Problemen. Die reinste Idylle weit weg vom Trubel und Stress in der Stadt. Doch die Idylle bricht, als das erwartete Boot sie nicht abholt, ein Sturm naht und plötzlich ein fremder Mann auftaucht. Es beginnt ein Kampf. Ein Kampf um die Gegenwart der Bedrohung und die Angst, die jeden Strand irgendwann heimsucht.
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4. Mai: "Zeit im Dunkeln"
Uraufführung/ Premiere
Text und Regie: Henning Mankell, aus dem Schwedischen von Hansjörg Betschart
Schauspiel Frankfurt , Beginn 19:30 Uhr
Ein Vater und seine Tochter sind als illegale Flüchtlinge aus einem islamisch-afrikanischen Land nach Schweden gekommen und hausen in einer ungemü tlichen, dunklen Wohnung. Die Mutter kam bei der Flucht ums Leben, wofür die Tochter ihrem Vater die Schuld gibt.
Beide warten auf den Weitertransport, doch sie wissen nicht, ob sich überhaupt jemand bei ihnen meldet. Die Tochter findet sich mit der Situation ab und möchte die "neue" Welt erforschen, die Sprache lernen und sich den Gebräuchen anpassen. Doch der Vater weigert sich.
So arbeiten beide mehr gegeneinander als füreinander, merken jedoch bald, dass sie in dieser Illegalität, der Angst vor dem Entdecktwerden und den daraus resultierenden Identitätskrisen nur gemeinsam überleben können.
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Konzerte24. bis 26. April: Graz Meeting - "European Jazz Joint Ventures"
Orpheum in Graz , Beginn an allen Tagen 19:30 Uhr
Im dreitägigen Festival Graz Meeting soll zwischen EU- und Ost-Musikern der Vergleich zum amerikanischen Jazz gezogen werden. Musiker aus Russland, Bulgarien, Norwegen, Italien, Deutschland, Österreich und anderen Ländern musizieren hier in verschiedenen Projekten miteinander. Am 24. April beginnen "Circle A Due" und "East West Connection", am zweiten Tag treten "Windhund EU-Projekt" und "Koller" auf, als Abschluss stehen am 26. April "Neighboorhood In Progress" und "Balkan Unity Orchestra" auf der Bühne.
zur Homepage 24. bis 26. April: "20. Dresdner Bluesfestival"
diverse Veranstaltungsorte in Dresden
Das Jubiläumsfestival steht ganz im Zeichen des Rückblicks, nämlich auf die Höhepunkte der letzten zwanzig Jahre. Dementsprechend werden neben einigen Neuheiten auch viele bekannte Gesichter zugegen sein. Donnerstag startet das Festival im Kino "Schauburg" mit dem Film "The last Waltz" und Livemusik des Gitarristen Doug MacLeod. Weiter geht es am Freitag mit der Verleihung des Dresden Blues Award und des davon unabhängigen Publikums-Award. Mittags hält Professor David Evans von der State University of Memphis einen Vortrag über die Geschichte des Blues. Zum Einklingen des letzten Festivaltages findet der traditionelle Frühschoppen statt.
zur Homepage 26. April bis 4. Mai: "15. Jazzfest Gronau 2003"
diverse Veranstaltungsorte in Gronau
Das Jazzfest Gronau bietet die gesamte Palette der Jazzmusik: Blues, Funk, Soul, Boogie, Gospel und Cajun, konzertanter Hörgenuss und groovende Beats. Neben den renommierten Top-Acts in der Woche, kann man vor allem am Wochenende wieder viele semiprofessionelle Musiker und Amateurbands erleben. Das Programm ist in acht musikalische Blöcke geteilt, die die Auswahl erleichtern sollen. Ein besonderer Höhepunkt ist die große Fotoausstellung über Fats Domino auf dem gesamten Festivalgelände.
zur Homepage 26. April: Katz-Trio - "Zurück in die Gegenwart"
im Forum Tertianum Berlin , Beginn 17 Uhr
Das Familientrio stammt aus Moskau, lebt und arbeitet seit über 12 Jahren in Deutschland. Die Mitglieder sind aktive Solisten hohen internationalen Standards und Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe. Als Streichtrio finden sie immer wieder zusammen, um Werke der Kammermusik auszuloten. Sachar Katz ist Bratschist, Dirigent und Komponist. Seine Söhne Pawel (Violine) und Grigori (Kontrabass) sind ehemalige Schüler der Moskaür Zentralen Spezialschule für Musik am Peter Tschaikowsky-Konservatorium. Aufgeführt werden unter anderem Werke von Bach, Kreutzer, Beethoven und Mortari.
zur Homepage 29. April: "Freiburger Konzertreihe 2002/2003" - 6. Konzert
Morat-Institut in Freiburg im Breisgau , Beginn 20 Uhr
Das sechste Konzert der Freiburger Konzertreihe steht unter dem Motto "Stundenbuch" und bietet Einblicke in das Verhältnis von neür Musik und Religion. Dabei klammern die Veranstalter bewusst die Vertonung religiöser Texte aus. Die Konzertreihe verbindet Werke von Huber ("Noctes intelligibilis lucis"), W. Zimmermann ("Quattro coronati"), Maxwell Davies ("Antechrist"), B. A. Zimmermann ("Sonate"), und Gubaidulina ("Rejoice!"). Der Theologe Prof. Dr. Peter Eicher wird das Konzert mit einem Essay begleiten. Im Anschluss besteht die Möglichkeit mit den Vortragenden, den Komponisten und Interpreten an einem Nach(t)gespräch teilzunehmen. Die Leitung übernimmt Armin Kutscher.
zur Homepage 30. April bis 4. Mai: "4. Festival der Laute"
diverse Veranstaltungsorte in Dresden
"Die Weltreise des königlichen Instruments" ist das Thema des Festivals. Fünf Tage lang werden im Palais des Großen Garten Lautenklänge dargeboten. Es treffen sich Musiker, Sänger und Tänzer aus verschiedenen Regionen Europas, Afrikas, dem Orient, Indiens und dem fernen Osten. Am 30. April um 19.30 Uhr eröffnet das Programm mit der ersten konzertanten Wiederaufführung der Ballettoper "Les Quatre Saisons - Die Vier Jahreszeiten" von Johann Christian Schmidt unter der Leitung von Ludger Remy. Begleitet von einem Ensemble auf historischen Instrumenten, tanzt am 1. Mai um 11 Uhr der Dresdner Hoftanz e.V. unter dem Titel "Musik und Tanz der Renaissance und des Barock" im Festsaal des Palais im Großen Garten. Ein weiterer Höhepunkt ist die Aufführung der Dresdener Fassung des ersten Oratoriums "Il cantico de' tre fanciulli" von Johann Adolf Hasse unter der Leitung von Maya Seqüira (2.Mai, 19.30 Uhr, Dreikönigskirche). In der Kuppel der Yenidze erwartet die Besucher am 3. Mai ein Programm mit Märchen und Musik aus dem Orient und Westafrika.
zur Homepage 1. bis 3. Mai: "Ulrichsberger Kaleidophon 2003"
im Jazzatelier Ulrichsberg , Beginn jeweils ab 17 Uhr
Kaleidophon bedeutet: das Zeigen interessanter Erscheinungsformen von aktüllem Musikschaffen. An der 18. Ausgabe des internationalen Musikfestivals nehmen 52 Künstler aus Europa und Amerika teil. Veranstalter ist der Kulturverein Jazzatelier Ulrichsberg. Musik mit und ohne Jazzhintergrund, akustisch oder elektronisch, frei improvisiert oder mit kompositorischem Grundgerüst bringen die Musiker zu Gehör. Einige Künstler sind längst etablierte Vertreter ihrer Musikrichtung, andere gilt es noch "zu entdecken".
zur Homepage Ausstellungseröffnungen26.4. bis 29.6.2003: "Looking in - looking out. Positionen zeitgenössischer Fotografie"
Kunstmuseum Basel
Die Öffentliche Kunstsammlung Basel hat sich in ihren jüngsten Ankäufen schwerpunktmäßig dem Medium "Fotografie" gewidmet und dabei versucht, möglichst ganze Werkgruppen zu erwerben. Wichtige Ausgangspunkte bilden Arbeiten von Bernd und Hilla Becher, Jeff Wall und Richard Prince, die mit Werken von Cindy Sherman, Peter Fischli und David Weiss, Hannah Villiger, Gabriel Orozco, Olafur Eliasson, Wolfgang Tillmans sowie Theresa Hubbard und Alexander Birchler in Verbindung gebracht werden.
Aussichten aus dem Inneren von Höhlen und entsprechende Einblicke von Außen nach Innen regten den Ausstellungstitel an. Die "Cave Series" von Olafur Eliasson ordnet die einzelnen Fotografien sozusagen mit dem Blick des Naturforschers zu motivisch bestimmten Gruppen.
zur Homepage 26.4. bis 24.8.2003: "Phantom der Lust. Visionen des Masochismus in der Kunst"
Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz
Im Rahmen des Sacher-Masoch-Festivals
Anhand des Romans "Venus im Pelz" (1869) von Leopold von Sacher-Masoch (1836-1895), mittlerweile ein Klassiker der Literatur, definierte der Grazer Arzt Richard Freiherr von Krafft-Ebing (1840-1902) in dem medizinischen Standardwerk "Psychopathia Sexualis" (1886) den Begriff des "Masochismus" als Bezeichnung für die Symptome einer sexuellen Spielart in der Verbindung von Schmerz und Lust. Der Masochismus fand Eingang in Film, Literatur, Philosophie, Musik und bildender Kunst.
Davon ausgehend wurde die Geschichte der Sexualität in der Kunst als Ausstellung konzipiert, die den Einfluss Sacher-Masochs von der Jahrhundertwende bis zur Gegenwart nachzeichnet. Die visuelle Repräsentation des Masochismus in der Kunst bezieht sich nicht nur auf das Sexuelle, sondern beleuchtet den gesamten Komplex von Strafe und Resistenz, von Überwachung und Opfer, von Lust und Leid.
zur Homepage 29.4. bis 3.8.2003: "Visionen und Utopien"
Schirn Kunsthalle, Frankfurt/Main
Anhand herausragender Arbeiten aus der Sammlung des Museum of Modern Art in New York wird die Kunst der Architekturzeichnung im 20. Jahrhundert präsentiert. Die Zeichnungen von frühen Meistern der Moderne wie Frank Lloyd Wright, Le Corbusier, Mies van der Rohe bis hin zu Zeitgenossen wie Frank O. Gehry, Rem Koolhaas oder Daniel Libeskind geben die individuelle Handschrift großer Architekten wieder und vermitteln einen komplexen Eindruck von einem Jahrhundert Architekturgeschichte. Das Spektrum reicht von flüchtigen Skizzen und utopischen Visionen hin zu detailliert ausgearbeiteten Entwürfen.
zur Homepage 30.4. bis 22.6.2003: "In Momenten größten Rausches. Ernst Ludwig Kirchner: Zeichnungen, Druckgrafik"
Altonaer Museum, Hamburg
Gezeigt wird der Bestand originaler Zeichnungen und Druckgrafik aus der Grafischen Sammlung der Staatlichen Museen Kassel, ergänzt durch Vergleichsbeispiele aus öffentlichen Sammlungen und Privatbesitz sowie durch handgemalte und persönlich geschriebene Postkarten von Ernst Ludwig Kirchner an Erich Heckel aus der Sammlung des Altonaer Museums. Insgesamt werden ca. 90 originale Arbeiten von Ernst Ludwig Kirchner ausgestellt, von denen die Kasseler Kirchner-Zeichnungen seit 1980 nicht mehr geschlossen zu sehen waren.
Ernst Ludwig Kirchner (geboren 1880 in Aschaffenburg, gestorben 1938 in Davos) gehört zu den bedeutendsten und produktivsten Vertretern des deutschen Expressionismus. Neben einem umfangreichen malerischen Werk hinterließ er über 17.000 Zeichnungen und 2.000 druckgrafische Arbeiten.
zur Homepage Marzella auf dem Klappstuhl, 1910, Tusche, Farbkreiden 30.4. bis 6.7.2003: "Emil Nolde. Radierungen - Holzschnitte - Lithographien"
Ulmer Museum
Emil Nolde (1867-1956) ist einer der bedeutendsten Maler des deutschen Expressionismus. 1906 schloss er sich der Dresdener Künstlergemeinschaft "Die Br ücke" an, die er als Einzelgänger bereits ein Jahr später wieder verließ. Auf der Suche nach der reinen Ursprünglichkeit nahm Nolde 1913/14 an einer Sü dsee-Expedition teil. Die Begegnung mit den "primitiven" Kulturen hinterließ einen tiefen Eindruck und wirkte sich auch künstlerisch aus.
Ausgestellt sind rund 150 Holzschnitte, Radierungen und Lithographien aus der Zeit von 1905 bis in die 1930er Jahre. Noldes Druckgrafik weist eine stark malerische Komponente auf, d.h. weiche, ineinander fließende Formen, die auch seine Gemälde auszeichnen. Seine Themen konzentrieren sich auf Mensch und Gesellschaft, Porträt, Landschaft, Mythos und Bibel.
In Zusammenarbeit mit der Nolde Stiftung Seebüll
zur Homepage 30.4. bis 27.7.2003: "Stadt in Sicht. Neue Kunst aus Bratislava"
Künstlerhaus Wien
Angesichts der kommenden EU-Integration östlicher Staaten gilt es, das bestehende Verhältnis von Zentrum und Peripherie zu überdenken. Dieses Ausstellungsprojekt gibt einen Überblick über das aktuelle Kunstgeschehen in der Slowakei, deren Hauptstadt Bratislava anderen europäischen Städten von gleicher Größe um nichts nachsteht. Die Auswahl der Teilnehmer beschränkt sich auf junge, erst nach der Selbständigkeit der Slowakei tätig gewordene Künstler, die schon Informations- und Vergleichsmöglichkeiten mit der internationalen Situation sammeln konnten.
Die präsentierten Arbeiten ergeben kein ganzheitliches Abbild der Situation, sondern reflektieren individuelle künstlerische Positionen. Das Ziel ist, Klischeevorstellungen abzubauen und den Annäherungsprozesses sowie die Öffnung und Errichtung neuer Netzwerke zu unterstützen.
zur Homepage 1.5. bis 25.5.2003: "World Press Photo Award 2003"
Gruner und Jahr Foyer, Hamburg
Deutschlandpremiere
Aus 53.597 eingesandten Bildern wählte die internationale Jury das Schwarz-Weiß-Foto des armenischen Fotografen Eric Grigorian. Es zeigt einen trauernden Jungen am Grab seines Vaters, der bei einem Erdbeben im Iran im Juni letzten Jahres ums Leben kam. Neben Eric Grigorian wurden weitere 55 Fotografen in neun Kategorien prämiert, so auch Peter Bialobrzeski in der Kategorie "The Arts" für seine Fotos zur GEO-Reportage "Die Turbo-Cities". Neben dem Weltgeschehen des vorangegangenen Jahres präsentiert die Ausstellung auch einen Einblick in aktuelle Tendenzen der Pressefotografie.
Der jährliche World Press Photo Award gilt als der anerkannteste Preis im Bereich der Pressefotografie. Er ist der einzige internationale Wettbewerb dieser Art. Die Jury - bestehend aus dreizehn Profis im Fotojournalismus aus allen Teilen der Welt - bewertet die eingereichten Fotos und vergibt jeweils drei Preise in den neun Kategorien "Spot News", "General News", "People in the News", "Portraits", "Sports", "The Arts", "Daily Life", "Science and Technology", "Nature and the Environment".
zur Homepage World Press Photo 2003 von Eric Grigorian (Armenia/USA, Polaris Images) 4.5. bis 7.9.2003: "Bewegte Kindheit - Tretautomobile für kleine Leute"
Landesmuseum für Technik und Arbeit, Mannheim
Bereits kurz nach Erfindung des Automobils nahm sich auch die Spielzeugindustrie der neuen Errungenschaft an. Ab 1902 gab es für den Nachwuchs die ersten Tretautos.
Bis in die 1920er Jahre wurden aufwendig gestaltete Einzelstücke meist in Handarbeit gefertigt und für die durchschnittliche Familie damit unerschwinglich. Doch neue, billigere Produktionsverfahren führten zu einem Boom auf dem Gebiet des Kinderspielzeugs. Die Hersteller überboten sich in Detailtreue und versahen die Fahrzeuge mit raffiniertem Antrieb, elektrischer Beleuchtung und später auch mit Batteriemotor. In den 1950er Jahren begann der Siegeszug der neuen Kunststoffe, die das Blech der Karosserien nach und nach ersetzten. Bis heute erfreut sich das mobile Kinderspielzeug ungebrochener Beliebtheit.
Das Deutsche Technikmuseum Berlin hat eine Sammlung von Kindertretautos nach Mannheim entliehen und präsentiert dort die interessantesten Modelle.
Auf dem "Tretodrom" können die kleinen Besucher selber eine Runde drehen.
zur Homepage Lesungen27. April: ZEIT-Matinée - "Große Koalition oder Große Opposition: Ist die Union regierungsfähig?"
Zu Gast: Angela Merkel
Hamburger Kammerspiele, Beginn 11 Uhr
DIE ZEIT veranstaltet ihre achte Matinée in den Hamburger Kammerspielen. Die Chefredakteure Josef Joffe und Michael Naumann diskutieren mit der CDU-Chefin Angela Merkel.
n-tv und DeutschlandRadio Berlin übertragen die Veranstaltung live.
zur Homepage 27. April: "Ich möchte meinen Freunden und Feinden noch lange erhalten bleiben"
Matinee zum 80. Geburtstag von Ralph Giordano
Literaturhaus Köln , Beginn 11 Uhr
Es geht ihm immer um den Kampf gegen Ungerechtigkeit und Fremdenhass. Er tritt ein für Zivilcourage und warnt davor, die Schrecken der Nazizeit zu vergessen. Der Publizist Ralph Giordano folgte diesem Programm der Humanität in mehr als hundert Fernsehreportagen und zahlreichen Bestsellern, darunter "Die Bertinis", "Die zweite Schuld oder Von der Last Deutscher zu sein" und "Israel, um Himmels Willen Israel". Giordanos Credo: "Ich bin absolut unversöhnlich gegenüber jeder Art von Unbelehrbarkeit und Unbetroffenheit, gleichzeitig aber von niemandem zu übertreffen an Versöhnungsbereitschaft gegenüber jedem, der sich wirklich bemü ht."
Moderation: Heike Mund
zur Homepage 28. April: "Graz 2003. Kulturhauptstadt Europas?" Neuerscheinungen 2003 - Lesung mit Günter Eichberger und Manfred Rumpl
Literaturhaus Wien , Beginn 19:30 Uhr
Günter Eichberger und Manfred Rumpl lesen aus ihren neuen Büchern, in denen sie tiefe Einblicke in das Grazer Kulturleben gewähren. Formal völlig unterschiedlich, gibt es inhaltlich viele überraschende Berührungspunkte der beiden Werke - und auch der Blick für Skurrilitäten ist beiden Autoren gemeinsam.
"Aller Laster Anfang" versammelt u. a. in überarbeiteter Form die Kolumnen, die Günter Eichberger für die "Kleine Zeitung" als "Stadtflaneur" geschrieben hat. Entstanden ist so ein Stadtführer der besonderen Art: Eichberger führt den Leser in mehr als 60 kurzen Spaziergängen durch Graz, auf ironische Weise porträtiert er die Stadt und ihre Bewohner. Witzig und oft auch boshaft unterzieht er den Kulturbetrieb, die Künstler und Intendanten seiner Kritik. "Murphys Gesetz", ein moderner Bildungsroman, handelt von einem jungen Mann, der auszieht, seine Ideale zu verwirklichen, aber nur sich selbst und das Leben kennen lernt. Anatol flieht aus der steirischen Provinz nach Graz mit dem Ziel, Schriftsteller zu werden. Dabei lernt er die städtische Kulturszene kennen: ein undurchdringliches Geflecht von Zweckbeziehungen und einen Jahrmarkt der Eitelkeiten.
Moderation und Diskussion: Thomas Trenkler
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"Aller Laster Anfang" online bestellen
"Murphys Gesetz" online bestellen 30. April: "Die Kunst ist ein Schrank". Die Gruppe Oberiu mit Texten von Charms, Bachterev, Vaginov u.a.
Literarisches Colloquium Berlin , Beginn 20 Uhr
Die Parole "Die Kunst ist ein Schrank" proklamierte der russische Dichter Daniil Charms 1927 in seinem Essay "Gegenstände und Figuren". Sie wurde zur Maxime der Leningrader Künstlergruppe, die bis zu ihrer Zwangsauflösung und Verhaftung mehrerer ihrer Mitglieder 1931 unter dem Namen "Oberiu" auftrat. Das Kürzel stand für "Vereinigung der Realen Kunst" und zielte auf eine organisch neue Weltwahrnehmung und einen dementsprechend neuen Zugang zu den Dingen - wobei die Umsetzung dieser Methode sämtliche Konventionen sprengte und Skandale provozierte. Neben Charms gehörten u.a. die Lyriker Aleksandr Vvedenskij, Konstantin Vaginov, Igor Bachterev und Nikolaj Zabolockij zum engeren Kreis. Cathleen Morgeneyer und Thomas Fränzel, Studenten der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch", lesen Texte von Daniil Charms aus den Jahren 1924 bis 1940, in denen spielerische Ironie und absurder Humor der abgrundtiefen Verzweiflung über den Terror der Stalinzeit entgegenstehen. Peter Urban, Übersetzer und Herausgeber von Charms, Babel und Cechov, führt in die Welt der Oberiuten ein.
zur Homepage 2. bis 4. Mai: "BuchBasel: Lesensfreude pur"
Messe Basel , Öffnungszeiten Fr/Sa 9:30 - 19 Uhr, So 10 - 17 Uhr
267 Verlage aus der Schweiz, Deutschland und Österreich präsentieren ihre Neu- und Besonderheiten rund um Literatur, Lesen, Bücher und Medien. "Europa erzählt" ist das Motto des parallel zur Messe stattfindenden Literaturfestivals, auf dem mehr als 160 Autorinnen und Autoren in zahlreichen Veranstaltungen lesen, diskutieren und signieren. Das Literaturfestival beginnt tagsüber in den Messehallen und setzt sich an den Abenden an verschiedenen Orten in der Stadt Basel fort. An den Festivalabenden sind Autorinnen und Autoren auf Tour durch Basler Restaurants und Kulturbetriebe und lesen aus ihren Werken. Zum Programm gehört auch das Jugendbuchfestival mit vielen Einzelveranstaltungen, z.B. der Wettbewerb "Buchobjekt", ein SMS-Gedichtwettbewerb und eine Schreibwerkstatt. Darüber hinaus gibt es Informationen über Berufe im Buch- und Medienwesen. Am 2. Mai 2003 wird der "Lesebazillus 2003", ein Leseförderungsprojekt des Schweizerischen Instituts für Kinder- und Jugendmedien lanciert.
www.buchbasel.ch
www.literaturfestivalbasel.ch 4. Mai: "Geschichten und Märchen aus dem Irak". Lesefrühstück für Familien
Freies Theaterhaus Frankfurt , Beginn 10 Uhr mit einem Frühstü cksbuffet, Beginn der Lesung 11 Uhr
"Wenn der König mich heiratet, schenke ich ihm eine Tochter und einen Sohn, die abwechselnd ein goldenes und ein silbernes Haar haben; wenn sie weinen, donnert und regnet es, wenn sie aber lachen, erscheinen Sonne und Mond zur gleichen Zeit."
Das Land zwischen Euphrat und Tigris wird oft als Wiege der Menschheit beschrieben, ein Land, in dem die Schrift und die Wissenschaft ihren Anfang nahmen und die monotheistischen Religionen entstanden: Das Paradies soll irgendwo südöstlich von Bagdad gelegen haben. Aus diesem Land werden alte und neue Geschichten für Kinder ab 6 Jahren gelesen. Anmeldungen werden bis zum Donnerstag vor der jeweiligen Lesung entgegen genommen.
Mit Juliette Groß, Günther Henne, Michael Meyer, Uta Nawrath, Susanne Schyns.
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