Aus dem Inhalt:
1.Massive Kleinkunst - Freiburger Kulturbörse 20032.Die Theater und der Krieg3.Zum 150. Geburtstag von Vincent van Gogh: der Roman "Vincent und Sien" - mit Leseprobe und Verlosung4.Im Kern des Werks die Traurigkeit - Zum 100. Geburtstag von Claudio Arrau5. BÜCHERTISCH
Rezensionen von ZEIT-Literaturredakteuren6. KULTURKALENDER
Theater
Konzerte
Ausstellungseröffnungen
Lesungen

1. Massive KleinkunstKrissie Illing, © Freiburger Kulturbörse 2003von Achim FehrenbachBörsen gibt es viele. Zu den bekanntesten zählt die Wertpapier- oder Effektenbörse, gefolgt von der Devisenbörse, der Versicherungsbörse und der Warenbörse, auf der Kontrakte über Zucker oder Schweinehälften abgeschlossen werden. Eine Kulturbörse gibt es erst seit 1989. Sie ist in Freiburg auf dem Messegelände zu Hause und nennt sich in der Unterzeile auch „Internationale Messe für Bühnenproduktionen“, was die hier gehandelte Ware schon deutlicher zu Tage treten lässt. Nennen wir sie an dieser Stelle aber weiter Kulturbörse, der Kürze halber.Die 15. Internationale Kulturbörse Freiburg ist also ein Ort, an dem sich Kulturveranstalter jeglicher Couleur treffen, um an zahllosen Messeständen und in Seminaren aktuelle Probleme der Branche zu wälzen. Sie ist aber auch ein Ort, an dem man als Nicht-Kulturschaffender beste Unterhaltung findet. An drei Messetagen gehen 48 Kurzauftritte über die Bühne. Zwölf Freiluft-Acts und eine ganze Reihe Musiker beleben das Festival, pardon, die Kulturbörse.Kleinkunst wirkt in der Masse beinahe bedrohlich, deshalb blättern wir zur Orientierung noch schnell im 337 Seiten starken Programm der Kulturbörse, auch „Gelbe Seiten“ genannt. Auf Seite 62 treffen wir Querdenker Olaf Schubert aus Dresden, „freischaffender Betroffenheitslyriker“ und „Krieger des Alltags“, der zwischen Kunst und Sozialabbau vermittelt und seine wichtigen Gedanken gerecht unter die Bedürftigen verteilt. Der Komödiant wurde vom Satiremagazin „Eulenspiegel“ zum besten Nachwuchskabarettisten des Jahres 2002 gewählt, liest man. Schubert ist auf der Kulturbörse Teil des „Ostblocks“, bestehend aus Magdeburger Zwickmühle, Kabarett academixer, Distel, Barbara Kuster und dem Duo Hoffmann + Wolf.Aber nicht nur Comedy und Kabarett bestimmen das Programm, sondern auch Theater, Pantomime, Artistik und Varieté. Schwer einzuordnen ist hier sicherlich das Théâtre de la Toupine mit seinem ersten „agri-kulturellen“ Straßen-Spektakel „La Vache“. Besucher sollten sich in jedem Fall vor der meterhohen Riesenkuh in acht nehmen, die, von einem verrückten Steuermann befehligt, über das Messegelände streunt.Drinnen, im Theatersaal der Halle 2, das Kontrastprogramm: Der Schweizer Mädir Eugster, Leiter von „Rigolo Tanzendes Theater“, macht sich auf die Suche nach „Balance“ und erschafft dabei kleine Wunderwerke archaischer Hebeltechnik. Es entstehen Skulpturen, hergezaubert, zusammengesteckt, hochgehievt, ins Gleichgewicht und gar in Drehung gebracht.Ähnlich virtuos setzt Jigalov seine Mittel ein, der Kontrapunkt zu den klassischen Clowns und zum poetischen Pic. Manch einer wird den Russen noch aus dem Circus Roncalli kennen, wo er 1999 zum Publikumsliebling avancierte. Mit gleichermaßen sparsamen wie originellen Gesten schafft sich Jigalov Präsenz im Rampenlicht.Bei aller Vielfalt ist es schade, dass die meisten Darbietungen Kurzauftritte sind. Jigalov bekommt von den Veranstaltern nur 15 Minuten eingeräumt, für Olaf Schubert und Mädir Eugster sind zwanzig Minuten eingeplant. Die Börse will allen gerecht werden.Die 15. Internationale Kulturbörse Freiburg dauert vom 31. März bis 3. April. Der Eröffnungsabend ist eine gemeinsame Veranstaltung der Kulturbörse und des freiburg-grenzenlos-festivals, das an 13 Tagen ebenfalls Kabarett, Musik und Lesungen bietet. Am ersten und zweiten Messetag kosten die Tageskarten jeweils 28 Euro, am abschließenden Donnerstag 22 Euro. Eine Dauerkarte inklusive Eröffnungsabend ist für 64 Euro zu haben. Informationen zu allen Veranstaltungen finden Sie im Internet unter www.kulturboerse-freiburg.de sowie unter www.freiburg-grenzenlos-festival.de

2. Die Theater und der Krieg© Thalia Theater Hamburgvon Sabine JoklSeit über einer Woche beschäftigt uns nur noch ein Thema: der Krieg im Irak. Ob im Fernsehen, in Zeitungen oder im Internet, wir stoßen auf Bilder der Verwüstung und des Todes, die aufgrund ihrer Propagandazwecke mit Vorsicht zu genießen sind.Doch wie sieht es mit kulturellen Institutionen aus? Inwieweit nutzen die deutschen Theater ihre Möglichkeiten als Räume der Öffentlichkeit? Die einzelnen Häuser bringen ihre Haltung gegen den Krieg ganz unterschiedlich zum Ausdruck. Einige, zum Beispiel das Thalia Theater Hamburg, zeigen ganz offen ihre Einstellung, plakatieren ihre Fassade mit Anti-Kriegs-Transparenten und veranstalten Lesungen und Diskussionsrunden zum Thema. Andere, wie die Schaubühne Berlin, verweisen bei der Frage nach Sonderveranstaltungen zum Irak-Krieg auf ihr politisch ausgerichtetes Repertoire und ihre ständige Auseinandersetzung mit der Thematik. Wieder andere, so die Oper Frankfurt und die Hamburgische Staatsoper, halten strikt ihren Spielplan ein und planen keine Sonderveranstaltungen.Doch in einem sind sich alle einig: Es fallen keine Vorstellungen aus. The show must go on! Dazu der Intendant der Hamburgischen Staatsoper, Louwrens Langevoort: "Die Tatsache, dass ein Krieg stattfindet, ändert nichts daran, dass weiter gespielt wird. Es hat auch früher schon Kriege gegeben, und es wurde weiter gespielt." Es gehört zu den Aufgaben eines Schauspielers, in eine Rolle zu schlüpfen und ein anderes Gesicht aufzuziehen, das womöglich gar nicht seiner eigenen Stimmung entspricht. Dennoch fanden im Schauspielhaus Bochum und im Thalia Theater Hamburg zu Beginn des Krieges Ensemble-Versammlungen statt, in denen die Reaktionen auf die aktuellen Geschehnisse und die Emotionen der Mitarbeiter besprochen wurden. Dazu Julia Mittelstraß, die Pressesprecherin des Thalia Theaters Hamburg: "Die Schauspieler sind natürlich auf eine ganz andere Art und Weise emotional eingebunden in solchen Zeiten. Sie müssen sich dahinstellen und eine Komödie spielen."Veranstaltungen einiger Theaterhäuser zum Krieg im Irak: In der Schaubühne Berlin werden nach ausgewählten Vorstellungen Auszüge aus Falk Richters Hörstück "Sieben Sekunden/ In god we trust" gelesen. Hierbei handelt es sich um eine bissige Reflexion über den amerikanischen Patriotismus und über die mediale Aufbereitung des Kriegs durch die US-Regierung.
www.schaubuehne.de Die Volksbühne Berlin projiziert Fotos des Fotografen Bernd Schönberger vom Alltag der Menschen im Irak an den Bühnenturm.
www.volksbuehne-berlin.de Das Thalia Theater Hamburg veranstaltet laufend Diskussionen und Lesungen zum Thema.
www.thalia-theater.de Im Deutschen Schauspielhaus Hamburg wurde zum Krieg im Irak das "Café Ellmenreich" als Informations- und Diskussionsort eingerichtet. Über Satellitenprogramme (wie z.B. Al Dschasira), Internet, Zeitungen und Bücher können sich Besucher täglich von 10 bis 24 Uhr über neue Geschehnisse informieren.
Im April findet außerdem die Themenwoche "Der Krieg und die Liebe" statt, bei der am Beispiel Afghanistans gezeigt wird, welche Überforderungen der Krieg für die Menschen bedeutet. Es wird verschiedene Inszenierungen geben, Lesungen, Filme und Gesprächsrunden mit Gästen aus Kabul.
www.schauspielhaus.de Das Schauspielhaus Bochum plant eine Lesung von Michael Moore`s Bestseller "Stupid White Men", eine Abrechnung mit dem Bush-Regime. Außerdem gibt es eine szenische Lesung von Falk Richters Stück "Sieben Sekunden/ In god we trust", deren Einnahmen an die Hilfsorganisationen gehen. Mitte April findet eine Veranstaltungsreihe statt, bestehend aus einer langen Filmnacht mit Beiträgen aus dem Irak, Gesprächen mit Irak-Experten und Lesungen von Texten bekannter irakischer Autoren.
www.schauspielhausbochum.de Ensemble-Mitglieder des Schauspiels Frankfurt lesen nach den Vorstellungen und zur "Langen Nacht der Museen" am 29. März Texte gegen den Krieg. Anfang April gibt es im Rahmen der Tagungsreihe "Gewalt in modernen Gesellschaften" eine Matinee, in der sich die Teilnehmer mit dem Thema "Krieg in den Medien" auseinandersetzen.
www.schauspielfrankfurt.de Die Schauspieler des Staatsschauspiels Dresden verteilen nach den Vorstellungen Zettel an die Zuschauer mit dem Aufruf "Keinen Krieg im Irak". Auf dem Dach des Theaters wurde eine Fahne mit der Friedenstaube gehisst. Anfang April gibt es im Rahmen der Tagungsreihe "Gewalt in modernen Gesellschaften" eine Matinee, in der die Teilnehmer das Thema "Krieg in den Medien" diskutieren.
www.staatsschauspiel-dresden.de