Sie nennt sich Petra und ist 1,70 Meter groß. Ihr Körper wächst aus einem breiten, unregelmäßig geformten Sockel empor und besteht aus vier übereinandergestapelten Einzelteilen, die trotz ihrer unterschiedlichen Form organisch miteinander verwachsen zu sein scheinen. Teilweise sind sie mit hautfarbenem Prothesestoff überzogen. Ein merkwürdiger Stumpf aus flaumigem, rosafarbenen Material ragt am Rand des breiten Fußes in die Höhe. Der quaderförmige Körper weist drei runde Öffnungen auf, die mit türkisfarbenem Stoff ausgekleidet sind. Wandert der Blick weiter, erfasst er ein Gebilde mit einem Muster aus orange, weiß und grün, das sich in der Mitte gabelt. Darauf sitzt das blassrosa Kopfstück mit zwei Löchern in der Mitte. Max Mohr: Petra, September 2001, Holz, orthopädisches Material, Stoff, Besitz: Max Mohr© Photo: Thomas Wrede, Courtesy Arndt & Partner, Berlin

Wie ein fremdartiges Gewächs steht die Plastik im Raum, scheint organische Züge zu besitzen, zeigt aber anhand der auffälligen Nahtstellen dennoch die Spuren ihrer künstlichen Erzeugung. Die löchrige Struktur des Prothesenstoffs weckt Assoziationen an Poren menschlicher Haut. Durch ihre amorphe Form und ihre Stofflichkeit besitzt die Figur eine sinnliche Qualität, die, verstärkt durch den femininen Titel, sexuelle Andeutungen verbirgt, zugleich jedoch futuristische Assoziationen weckt.

Max Mohr, geboren 1962, studierte an der Frankfurter Städelschule bei Christa Näher und am Institut für Neue Medien bei Peter Weibel. Er baut irritierende Geschöpfe, die sich einer eindeutigen Bestimmung verweigern. Ein Stück aus Prothesestoff versieht er mit rosa Quasten und hängt es an die Wand, so dass sich Assoziationen an ein seltenes Schnabeltier mit denen an eine antiquierte Lampe abwechseln. Wenn er in ein niedriges Metallgerüst eine hautfarbene Nylonstrumpfhose spannt und daneben einen Ständer mit einem umgemodelten Motorradhelm stellt, kommt der Eindruck an eine medizinische Operation hinzu. Der Betrachter sieht sich Formen gegenüber, die ihm fremd und dennoch vertraut sind und wie die eingefrorene Aufnahme eines knappen Augenblicks erscheinen. Begänne eines der Wesen sich zu bewegen, wäre es kaum verwunderlich. Doch sie stehen unbeweglich im Raum als Produkte eines rätselhaften Bauprozesses und erzählen ihre mehrdeutigen Geschichten. Max Mohr: Zunge, 2001, Holz, orthopädisches Material, Badeanzug, Troddeln; Besitz: Max Mohr© PhotoMartin Duckek, Courtesy Arndt & Partner, Berlin

Bis zum 24. August sind die Arbeiten Mohrs in der Ausstellung "Körpernah" neben Werken von Pia Stadtbäumer und Piotr Nathan im Rahmen der neuen Reihe "gegenwärtig" in der Hamburger Galerie der Gegenwart zu sehen. Die Ausstellungsreihe wird am 29. August unter dem Titel "Feldforschung" mit Werken von Künstlern wie Christian Boltanski, Sophie Calle und Annette Messager fortgesetzt.

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