Gretel Bergmann war eine der großen Hoffnungen unter den deutschen Sportlerinnen der 30er Jahre. Am 27. Juni 1936 stellte sie mit 1,60 m den deutschen Hochsprungrekord ein. An den Olympischen Spielen durfte sie dennoch nicht teilnehmen - Gretel Bergmann ist Jüdin. © G. Braun Buchverlag

Geboren und aufgewachsen ist Gretel Bergmann im schwäbischen Laupheim bei Ulm. Vor der Herrschaft des NS-Regimes lebten dort über 800 Juden, die zur kulturellen Atmosphäre der Stadt entscheidend beitrugen. Gretel Bergmann verbringt eine unbeschwerte Jugend in ihrem idyllischen Geburtsort und widmet sich ihrem Hobby - Sport.

Ab 1930 trainiert sie im Ulmer Fußballverein, der ihr bessere Bedingungen bietet. Drei Jahre später tritt der Arierparagraph in Kraft, und Gretel Bergmann muss den Verein verlassen. Ihre Bewerbung an der Hochschule für Leibesübungen in Berlin wird abgewiesen. Daraufhin geht sie nach England, wo sie 1934 britische Meisterin im Hochsprung wird. Der Reichssportführer erfährt von den überdurchschnittlichen sportlichen Leistungen und erzwingt ihre Rückkehr nach Deutschland, wo sie in die Auswahl für die Olympischen Spiele aufgenommen wird.

Doch im Trainingslager herrscht eine ablehnende Atmosphäre. Täglich muss Gretel Bergmann damit rechnen, deportiert zu werden. In zwei Jahren darf sie nur viermal an einem olympischen Trainingslager teilnehmen, doch ihre Wut steigert ihre Leistungen auch so.

Als die Olympiade 1936 immer näher rückt, fordert das Ausland die Aufstellung von Sportlern jüdischen Glaubens, Amerika droht sogar mit der Nichtteilnahme an den Olympischen Spielen. Das Reichssportministerium stellt Gretel Bergmann auf. Vier Wochen vor Beginn der Olympiade qualifiziert sie sich mit einem Sprung über 1,60 Meter - Deutscher Rekord. Einen Tag, nachdem sich die amerikanische Olympiamannschaft per Schiff auf den Weg nach Europa gemacht hat, kommt jedoch die Absage: Gretel Bergmann wird von der aktiven Teilnahme ausgeschlossen, statt dessen erhält sie eine Stehplatzkarte für die Spiele.

Noch 1936 emigriert Gretel Bergmann in die USA. Heute nennt sie sich Margret Lambert und lebt mit ihrem Mann Bruno, ebenfalls ein Laupheimer, in New York. In ihrem Buch "Ich war die große jüdische Hoffnung" erzählt sie lebhaft und direkt ihre Geschichte. Die Jugend in Laupheim, die Schikanen der Naziherrschaft, ihre Erfolge, Hoffnungen und Ängste als jugendliche Sportlerin bis hin zur Emigration nach Amerika und der erste Besuch in ihrer Heimatstadt nach 60 Jahren - ihr Leben ist Zeugnis eines durch die politischen Wirren gebeutelten Schicksals. (sjo)