In ihrer Biografie erzählt die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis von ihrem langen Weg in die - von Männern dominierte - Politik. Unprätentiös schildert sie das politische Alltagsgeschäft, beschreibt ihr Verhältnis zu den Medien und gibt - mal nachdenklich, mal humorvoll - Einsichten in ihre Ansichten. Dabei ist dieses Buch keine Botschaft "an das Volk". Denn, so Heide Simonis: "In diesem Beruf darf man vielleicht nicht zu früh zu weise werden." © Verlag C.H. Beck oHG

Verlosung
Mit freundlicher Unterstützung des C.H. Beck Verlags veröffentlichen wir eine Leseprobe aus "Unter Männern" und verlosen zehn handsignierte Exemplare dieses Buchs.
Senden Sie uns bis zum 24. Juli, 12 Uhr mittags, eine eMail, bitte mit Namen und Adresse, an kulturbrief@zeit.de . Die Gewinner werden unter allen Einsendern ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Leseprobe

Eine nicht ganz einfache Kindheit und Jugend

Meine Kindheit kann man bestimmt nicht in die heile Welt der Bilderbuchfamilien einordnen, und meine Biografie lässt sich kaum nach dem beliebten Muster erzählen: «Schon früh zeigte sich, was in ihr steckte, schon früh ahnte man, dass sie einmal eine erfolgreiche Politikerin sein würde.» Aber sie ist möglicherweise ein Beispiel dafür, dass auch Umstände, die eigentlich beschädigend sind, zu positiven Triebkräften in der eigenen Entwicklung werden können. Geliebt und unterstützt von einem eher sanften Vater, aber gegängelt und gedeckelt von einer mit ihrem Leben unzufriedenen Mutter, der man nichts wirklich recht machen konnte, gab es bei mir schon früh ein trotziges Aufbegehren, ein: «Jetzt erst recht! Das wollen wir doch mal sehen!» -Ich denke, so wurde der Grundstein gelegt für eine Art von Widerstandskraft und Durchhaltevermögen, die mir in meinem späteren Leben als Politikerin durchaus nützlich waren.

Ich wurde 1943 in Bonn geboren, als Älteste von drei Schwestern. Doris, «Dodo», kam ein Jahr nach mir, und Barbara, die jüngste, zwei weitere Jahre später. Mein Vater hatte nach dem Abitur mit einem Jurastudium begonnen, sich aber nach wenigen Semestern freiwillig zur Luftwaffe gemeldet. Er wurde Sturzkampfflieger und ist noch kurz vor Kriegsende degradiert worden, weil er von einer Krankenstation im Osten ohne Befehl einige Krankenschwestern mitgenommen hatte, um sie in Sicherheit zu bringen. Anschließend geriet er in englische Gefangenschaft, aber nur kurz, und kam dann als gebrochener Mann nach Hause, ohne Studienabschluss, ohne Beruf, den Anforderungen des Alltags nicht sonderlich gut gewachsen.