Inhalt:
BERLIN
1. Nationaler Ausverkauf. Wird das Berliner Staatsratsgebaeude Akademie?
2. Karnevaleske Elemente. Der 8. Karneval der Kulturen 2003 MUSIK
3. Angekommen. Die Türkei gewinnt den Grand Prix d'Eurovision
4. Scherzo des Grauens. James Conlon und das Gürzenich Orchester spielen Viktor Ullmann
5. Gezuckerter Protest. Das neue Album "Everybody Deserves Music" von Spearhead LITERATUR
6. Büchertisch. Rezensionen von ZEIT-Literaturredakteuren 7. KULTURKALENDER
Theater
Konzerte
Ausstellungseröffnungen
Literatur

1. Nationaler Ausverkaufvon Hanno Rauterberg Selbst das Trotz alledem! will man uns nun nehmen. So heißt das berühmte, riesige Fensterbild, mit dem der Künstler Walter Womacka – buntglasfroh und pathosleuchtend – das Staatsratsgebäude in Berlin verzierte. Jahrzehntelang hatten sich daran nur SED-Herrscher ergötzen dürfen. Erst als die Mauer gestürzt war, wurde aus dem Palais der Diktatoren ein Schauhaus für alle. Fast 1,5 Millionen Besucher kamen, um hier am Schlossplatz, in der Mitte der Mitte, über Womacka, Prunk und Kitsch, über das wichtigste aller sozialistischen Baudenkmale zu staunen. Über jenen vom Stadtschloss geretteten Balkon, von dem Karl Liebknecht die sozialistische Räterepublik ausrief; über die „Mielke-Suite“ und die Ziegenfelltapeten; und auch über jene Räume, in denen kurzzeitig Kanzler Schröder regierte. Doch mit solchen Lehrstunden in Herrscherarchitektur soll nun bekanntlich Schluss sein: Aus dem Haus für alle möchte man wieder ein Haus der Eliten machen. Eine Akademie für Wirtschaft, die European School of Management and Technology, will die Renommieradresse Am Schlossplatz1 beziehen. Und das Land Berlin, ansonsten tief im Schuldengrab versunken, zeigt sich spendierfreudig. Um eine alte Kader-Idee neu zu beleben, will man die Immobilie vom Bund erwerben und sie sogar – das sind die neuesten Pläne – den Lehrmanagern schenken. Auf Erbpacht, also für rund 100 Jahre, soll das öffentliche Denkmal privatisiert werden und in den Besitz der Schule übergehen. Diese werde dafür die Sanierung für 40 Millionen Euro übernehmen, heißt es. Allerdings müsste die Summe von einem Immobilienfonds aufgebracht werden. Fragt sich nur, was passiert, sollte die Kaderschmiede vorzeitig schließen müssen, weil das bislang dürftige Konzept niemanden zu überzeugen vermochte. Dann wäre das Staatsratsgebäude in den Händen irgendwelcher Fondseigner – ein nationales Monument in den Fängen der Renditejäger. Berlin scheint unterdessen jedes Mittel recht zu sein, um ein wenig Wirtschaftsnähe zu simulieren. Dabei handelt der Senat ohne Not: Er muss sich das Staatsratsgebäude nicht aufbürden, es gehört ja dem Bund. Dieser könnte und würde es vielfältig nutzen, für Ausstellungen, Vorträge und Empfänge. Solche öffentlichen Häuser braucht die Hauptstadt, soll sich die Mitte endlich beleben – Trotz alledem! Und für die Schule findet sich gewiss ein anderes hübsches Plätzchen. 2. Karnevaleske ElementeDer 8. Karneval der Kulturen 2003von Achim Fehrenbach Finnland gilt nicht gerade als das Ursprungsland karnevalistischen Frohsinns. Wenn wir dem Regisseur Aki Kaurismäki glauben dürfen, ist Finnland ein Land, dessen Bewohner trostlose Gegenden aufsuchen, um dort wortkarg ihre Zeit zuzubringen. Bestenfalls schalten sie den Fernseher ein, um sich einen brasilianischen Karnevalsumzug anzuschauen, was im Film aber nur dazu dient, das finnische Leben noch trostloser erscheinen zu lassen. Comparsa Chamanes, © Foto: Anna Neumann Am ersten Juniwochenende kann es passieren, dass die finnische und die brasilianische Kultur unvermittelt aufeinanderprallen. Wie aber wird Louhi, die Nordlandherrin in Adlergestalt, auf den Ochsen des verrückten Waldgeistes reagieren? Wie wird sich das finnische Nationalepos „Kalevala“ mit den Stammesbräuchen brasilianischer Indianer vertragen? Man weiß es nicht. Fest steht aber, dass die ungewöhnliche Begegnung auf neutralem Boden stattfindet – in Berlin-Kreuzberg, beim Karneval der Kulturen. Louhi und der Ochse werden nicht die einzigen sein: Der Veranstalter, die Werkstatt der Kulturen, rechnen mit 600.000 Schaulustigen beim Straßenumzug. 4.000 Akteure aus 80 Ländern nehmen in 105 Gruppen am Umzug teil.Mit dem rheinischen und dem süddeutschen Karneval hat diese Veranstaltung herzlich wenig gemein. Sie verzichtet auf Helau und Alaaf, Narri und Narro, und Verletzungen durch umherfliegende Süßigkeiten wird es auch nicht geben. Das Konzept des KdK ist ein anderes: Er will die kulturelle Vielfalt Berlins demonstrieren und für ein tolerantes Zusammenleben werben. „Der Kdk ist als traditionelles Muster geeignet, einen integrierenden Handlungsrahmen für unterschiedliche kulturelle Initiativen zu schaffen“, so die Veranstalter. „Die Klammer bilden allen Kulturen innewohnende „karnevaleske“ Elemente, die in einem vitalen Umzug zum Ausdruck gebracht werden.“ Auch die Finnen wurden fündig: Ihr Nationalepos ist von mystisch-magischen Wesen bevölkert - die Gruppe „Polarsterne“ bringt diese Wesen nach Berlin.Brasilianische Einflüsse sind in der Karnevals-Karawane besonders deutlich. Die Spitze des Zuges bildet traditionell die weißgoldene Afoxé Loni, eine Formation, die mit Trommeln, Tänzen und Gesängen das afrobrasilianische Candomblé-Ritual aufleben lässt. Etwas später tanzt der Bloco Pelodum mit einer Mixtur aus Samba, Reggae und Funk vorbei. Wieder ein Weilchen, und die erste Sambaschule Berlins präsentiert ihre prachtvollen Kostüme. Was dazwischen passiert, ist nicht weniger interessant: Blasmusik vom Balkan, Löwentanz aus dem Senegal, Guggemusik aus dem Breisgau, die tiefen Gongschläge einer balinesischen Prozession, Bauchtanz und Stelzenlauf, Karaoke und Kung Fu ... und natürlich die Finnen.Der Straßenumzug startet am Pfingstsonntag um 12:30 Uhr und endet nicht vor 22 Uhr. Bereits am Freitag beginnt rund um den Blücherplatz in Kreuzberg ein viertägiges Straßenfest. Musik-, Tanz- und Theatergruppen mit über 900 Künstlern werden das Programm auf den vier Bühnen gestalten, dazu kommen noch einmal 300 Stände mit Essen und Kunsthandwerk aus aller Welt; Projekte und Vereine informieren über ihre Arbeit. Begleitet wird der Karneval der Kulturen von zahlreichen Veranstaltungen in der ganzen Stadt. Mehr Informationen im Internet unter www.karnevalderkulturen.de 3. AngekommenWir europäischen Nachbarn haben die Türken also doch noch lieb: Zumindest im Bereich des Pop ist unseren Freunden vom Bosporus geglückt, was ihnen auf der politischen Bühne bislang noch verwehrt bleibt. Beim Grand Prix d’Eurovison im lettischen Riga errang die türkische Teilnehmerin Sertab Erener unter Einsatz mächtigen Hüftgewackels den ersten Platz – knapp vor den netten Russinnen von t.A.T.u., die ganz gesittet auftraten und ihr lebisches Getändel unterließen, und auch vor dem belgischen Grüppchen Urban Trad, das in einer Art Benelux-Kunstsprache von "Sanomi" trällerte. Dass die Türkin Sertab Erener, um im Hause Europa anzukommen, ihren Song auf Englisch zum Besten geben musste, sollte nicht einmal mehr Staatspräsident Ahmet Necdet stören, der nach dem Auftritt artig per Telefon der Gewinnerin gratulierte. Im kommenden Jahr darf nun die Türkei das millionenteure Großereignis ausrichten und wird, wie nicht anders zu erwarten, die musikpolitische Chance nutzen wollen, um sich als offene und moderne Demokratie zu präsentieren. Die rote Laterne der 26 Teilnehmer durfte in diesem Jahr – zur allgemeinen Überraschung – die Popnation England mit nach Hause nehmen: zero points, das hatte letztes Jahr nicht einmal Ralph Siegels blinde Deutschland-Kanditatin Corinna May geschafft. Dieses Jahr, da die Agenda 2010 hierzulande für Bedrückung sorgt, wollte der Münchner Schlagerbaron wenigstens mit "Let’s get happy" und Sängerin Lou für launige Tam-Tam-Fröhlichkeit sorgen. Am Ende abgestraft im Mittelfeld, durfte Deutschland klammheimlich dennoch ein bisschen mitfeiern: Zwei der vier Tänzerinnen der türkischen Siegerin Sertab Erener stammen aus der Bundesrepublik. (mz)

4. Scherzo des Grauensvon Oswald Beaujean Unbeschwert und heiter beginnt die Sinfonie. Hier jubiliert eine Geige, dort zirpt das Cembalo, keck fährt die Trompete dazwischen, federnd und gelöst ist die Gangart: ein Sommertag auf dem Lande. Das Seitenthema ist fast schon kitschig in seiner unverstellten romantischen Sehnsucht. Nach einem Werk von 1944 klingt das nicht unbedingt, schon gar nicht nach einem, das im Konzentrationslager komponiert wurde. Es scheint, als habe Viktor Ullmann im ersten Satz seiner Zweiten Sinfonie die schreckliche Realität im KZ Theresienstadt geradezu krampfhaft weggeblendet. Eingeholt hat sie ihn schnell. Alla marcia kommt sie herbei, führt ins unheimliche Dunkel, taumelt am Rande der Groteske. Mit einem Mal wird das freundliche Zirpen des Cembalos zu einem eisigen Klirren, das ein hoffnungsloses, abgründiges Adagio einleitet. Ullmann hinterließ die beiden Sinfonien und die Ouvertüre Don Quixote tanzt Fandango , die James Conlon jetzt mit den Kölner Philharmonikern, seinem Gürzenich Orchester , eingespielt hat (Capriccio 67 017) , als seine fünfte und siebte Klaviersonate – es gab kein Orchester im Lager. Ende der achtziger Jahre vollendete Bernhard Wulff mit einer brillanten Orchestrierung, was Ullmann als Particell konzipiert hatte. Das Ergebnis ist ein schillerndes Kaleidoskop, es klingt streckenweise wie eine Mahler-Sinfonie in Klein, erinnert weniger an Schönberg, dessen Schüler Ullmann 1918 für einige Monate war, als an das Espressivo Alban Bergs. Das ist kein Fehler, kam Ullmann doch auch aus dieser Welt. Vielleicht würde man seine Musik, zumal die späten, in Theresienstadt komponierten Werke von 1943 und 1944, anders hören, wüsste man nichts über Ullmanns Biografie, nicht, dass er im September 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde und dort mit fast übermenschlich anmutender Energie aktiv war als Komponist, Kapellmeister, Pianist, Lehrer, Organisator und Musikkritiker in der „Freizeitgestaltung“ – so die offizielle, zynische Bezeichnung –, bis er im Oktober 1944 in Auschwitz ermordet wurde. Dieser Hintergrund lässt sich nicht weghören. Doch nicht nur deshalb packen der verdrehte Walzerton des Scherzos, das mahlersche Pathos im Adagio, die Melancholie und Verlorenheit des hebräischen Themas im Finale, ja sogar die etwas zwanghafte Kunst, mit der Ullmann am Schluss das jüdische Lied, einen protestantischen Choral, das B-A-C-H-Motiv und ein Hussitenlied zur kunstvollen Fuge auftürmt – als verzweifelt vergebliches Plädoyer für Toleranz in grauenhafter Zeit.5. Gezuckerter Protestvon Thomas Winkler Auf der Vorderseite überreichen geballte Fäuste Blumen, hinten reckt Michael Franti den Arm gen Himmel, Zeige- und Mittelfinger zum Zeichen des Sieges gestreckt. Auf dem Cover Everybody Deserves Music (Labels/Virgin) wühlen der alte Kämpfer und seine Band Spearhead auf ein Neues im altbekannten Zeichensystem der Linken: weil Franti es nie anders gelernt hat. Aber auch: Weil die Zeiten wieder so sind. Dank George Bush jr. und seiner Wiederbelebung der Reagan-Doktrin kehrt der Protest in die Popmusik zurück, und mit ihr Ideen, wie sie Spearhead von Anfang an hegten: die Vorstellung von der Popband als elegant glitzerndem U-Boot etwa, das keine Torpedos hinausschickt in die Welt, sondern Melodien, die gut getarnt vordringen ins Innere des Leviathans Popgeschäft. Zwischen modischem Funk und eingängigem Soul analysiert Franti wortreich die in Afghanistan und im Irak auf den Weg gebrachte „new world order“ , beklagt „military madness“ , fordert „Macht für die Friedvollen“ und verbindet noch einmal das Private mit dem Politischen. Frantis erste Versuche, durch Musik die Gesellschaft zu verändern, fielen in die Reagan-Ära: Mit der afroamerikanischen Lärmterror-Eingreifgruppe Beatnigs schmiedete er aus Metallmüllklängen, radikalen Parolen und unterdrückten Informationen einen modischen Revolutionsaufruf. Mit seiner nächsten Band, den multikulturell besetzten Disposable Heroes of HipHoprisy, entdeckte er den Rap, mit Spearhead schließlich Soul und Funk. Der Weg hin zur Mitte war vorgezeichnet, auf dem Franti immer versöhnlichere Botschaften an ein breiteres Publikum zu bringen versuchte. Fast schien es, als verliefe seine musikalische Mäßigung parallel zu den Umbesetzungen im Weißen Haus, in dem bis vor wenigen Jahren noch ein Saxofon spielender Präsident residierte, der als Student einmal Haschisch geraucht hatte (und bloß zu inhalieren vergaß). Inzwischen ist von der Suche nach dem radikalen Groove fast nichts mehr geblieben. „Jedermann“, singt Franti im Titelsong, verdiene „Musik, süße Musik“. Bloß noch wie durch Zuckerguss leuchten die alten Protestgesten, es sind Versatzstücke aus der linken Asservatenkammer. Einem Album wie Everybody Deserves Music ist es anzuhören, dass es weniger die musikalischen Mittel als die politischen Umstände sind, die die Botschaften wieder aktuell wirken lassen. „So I sing out to the masses“ , agitiert Franti, „stand up, if you’re still sane“ . Immerhin: Er steht damit nicht allein. Unter dem Banner der Dissidenz finden sich längst weitere populäre Stimmen, von den Beastie Boys bis hin zum Filmemacher Michael Moore. Die neue Weltordnung erzwingt auch im Pop neue alte Fronten. 6. BüchertischBelletristikvon Iris RadischGeorges-Arthur Goldschmidt: In Gegenwart des abwesenden Gottes
aus dem Französischen von Brigitte Große
Ammann Verlag, Zürich 2003; 92 S., 13,50 Euro
Eine kleine, große Confessio des in Hamburg geborenen, nach Paris geflohenen Christen „jüdischer Herkunft“. Heute, angesichts der Abwesenheit Gottes, fühlt sich der zum Katholizismus konvertierte Autor, den das „Schicksal dazu verdammt hatte, als Seife oder Rauchfahne zu enden“, glücklich wie ein Fisch im Weihwasser. Der einzige Gott, an den er bereit ist zu glauben, ist das Wunder das eigenen Lebens. Zu groß, zu unauflösbar sind die Zweifel: Warum beriefen sich die Erfinder von Auschwitz auf denselben Gott wie ihre Opfer? Und noch grundsätzlicher: Wie soll es möglich sein, dass ein Mensch Gott denkt? Warum sollen Gottes Eigenschaften ausgerechnet mit den Erkenntnismöglichkeiten der Menschen korrelieren? Die alten, die ganz großen Fragen, gestellt mit der Einfachheit und Unbeirrbarkeit eines großen Schriftstellers.
online bestellen Josef Winkler: Leichnam, seine Familie belauernd
es 2442, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2003; 148 S., 7,– Euro
Der Ackermann aus Kärnten, für den wir den österreichischen Schriftsteller Josef Winkler mit den Jahren halten dürfen, beginnt diese Sammlung kleiner Prosaminiaturen mit dem Satz: „Der allerschönste und allerschlimmste Ort, an dem ich mich aufhalte, ist immer noch mein Gestell, mein Knochengerüst.“ Danach wird wie gewohnt viel am Kalbsstrick gehangen, mit Weihrauchfässern gerasselt, gestorben, verbrannt und begraben. Eine fulminante literarische Totenfeier, nebst der melodiösen Litanei aller Wundmale, die der bäuerliche Katholizismus einer empfindsamen Seele geschlagen hat.
online bestellen Sarah Kirsch: Tartarenhochzeit
Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 2003; 73 S., 16,90 Euro
Herrlich schnoddrig, rührselig, aber mit Schnauze, poetisch und alltagstauglich sind diese autobiografischen Prosaskizzen der Dichterin aus dem Jahre des Herrn 1974, in dem sie noch nicht nach Westen gemacht und im Osten einiges, auch einiges Amouröses zu erleiden hatte. Herr Ypsilon, an dem ihr Herze hing, weilte im fernen Frankreich, der kleine Max aß Pfannkuchen im Kindergarten, und der Sommersonne über Mecklenburg ging’s damals auch noch richtig gold.
online bestellen Sachbuchvon Elisabeth von ThaddenScheidewege. Jahresschrift für skeptisches Denken
herausgegeben von der Max-Himmelheber-Stiftung, Baiersbronn, Jg. 2002/2003, Nr. 32
426 S., 19,50 Euro
„Es ist charakteristisch für unsere Zeit, dass man das Thema der Schönheit unter dem Stichwort der Schönheitschirurgie angehen muss“ (Gernot Böhme). Oder auch: „Das Alter ist anders als die Jugend. Es kennt andere Freuden und andere Leiden. Cicero hat dies erkannt…, und genau das ist es, was unserer Zeit fehlt“ (Ziad Mahayni). Auf der Höhe, keineswegs gegenwartssüchtig, klassisch klar und ungehalten über den Ruin der Lebensgrundlagen: Das ist der Klang der Scheidewege. Verwaist nach dem Tod Jürgen Dahls, aber am Leben! Im letzten Text des Hefts stellt der Naturphilosoph Meyer-Abich fest, ein gesünderes Verhältnis zum menschlichen Tod hieße, der Tod solle nicht durch technische Fernsteuerung, sondern „von innen kommen, um der meine zu sein“. Das Altern nicht für eine Krankheit zu halten, die noch zu kurieren wäre: auch dies eine Frage der Bildung. Christopher Williams: Endstation Gehirn. Die Bedrohung der menschlichen Intelligenz durch die Vergiftung der Umwelt
a. d. Engl. v. H.-J. Maass; Klett-Cotta, Stuttgart 2003; 400 S., 22,– Euro
Eine Grauzone, in der es nicht an Krankheitssymptomen, aber an einfachen Kausalitäten fehlt: Das ist die umweltbedingte Neurotoxologie, der Zusammenhang zwischen Umweltgiften und dem Zustand des Gehirns. Wie wirken sich etwa Schwermetalle und radioaktive Strahlung aus? Solchen Zusammenhängen ist Christopher Williams, der an der Universität der Vereinten Nationen in Jordanien arbeitet, mit aller gebotenen methodischen Vorsicht nachgegangen, indem er bedrückende Forschungsergebnisse aus aller Welt zusammenträgt. Nun, die Zeit der Ökologie hat noch kaum angefangen.
online bestellen Susanne Fohler: Techniktheorien. Der Platz der Dinge in der Welt des Menschen
Wilhelm Fink Verlag, München 2003; 295 S., 36,90 Euro
Hier wird eine Lücke geschlossen: Diese kluge Doktorarbeit rekonstruiert, wie das technisch gesegnete und verwüstete 20. Jahrhundert theoretisch über Technik dachte. Diese Studie zur Verknüpfung des Menschen mit seinen Artefakten hält die Waage zwischen Fortschrittshoffnung und Untergangsangst.
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7. KulturkalenderTheater1. Juni: "Das letzte Band"
Premiere
von Samuel Beckett, Künstlerische Leitung: Markus Dietz, Michael Raab, Friedhelm Eberle
Schauspiel Leipzig , Beginn 20 Uhr
Krapp ist ein alter Mann. Ihm ist nicht mehr viel geblieben. Nur noch die Leidenschaft für Bananen. Seine tägliche Tätigkeit besteht darin, sich tagebuchähnliche Tonbandaufnahmen anzuhören, die er selbst angefertigt hat. Sie stellen seine eigene Biographie dar. Als er das Tonband "Abschied von der Liebe" entdeckt, legt er es ein und lacht herzhaft als er die Vorsätze hört, die er im Alter von 39 Jahren hatte, als er das Band aufnahm: weniger zu trinken, und etwas gegen sein "aufreibendes Geschlechtsleben" zu tun. Der Titel des Bands bezieht sich auf einen Bootsausflug mit einer jungen Frau: "Wir trieben mitten ins Schilf und blieben stecken. Wie die Rohre sich seufzend bogen unterm Bug! Ich sank auf sie nieder, mein Gesicht in ihren Brüsten und meine Hand auf ihr. Wir lagen regungslos da. Aber unter uns bewegte sich alles und bewegte uns, sanft, auf und nieder und von einer Seite zur anderen." Krapp wird mit hier mit seiner Vergangenheit konfrontiert und versucht, sie zu verarbeiten und mit der Tatsache klarzukommen, dass ihm davon nicht mehr viel geblieben ist.
zur Homepage 1. Juni: "Plattform"
Uraufführung
von Michel Houellebecq, Inszenierung: Andreas Kriegenburg
Schauspiel Hannover , Beginn 20 Uhr
Michel ist bekennender Sextourist. Eine Randfigur der Gesellschaft, ein Mensch ohne soziale Bindungen, ein Angestellter ohne Ehrgeiz, ein regelmäßiger Besucher von Peepshows. Sein Glück beginnt mit einer Reise nach Thailand, wo er die einschlägigen Salons besucht und darüber fast die Liebe seines Lebens verpasst: Valerie, Top-Managerin einer Reiseagentur. Euphorisch entwerfen sie eine "programmatische Plattform für die Aufteilung der Welt" mit Unterstützung einiger großer Tourismusunternehmen. Die Plattform, kaum geschaffen, explodiert durch ein Attentat muslimischer Fundamentalisten auf das erste legale Sex-Hotel in Thailand. Die meisten Besucher kommen um.
zur Homepage 3. Juni: "Nachtschwärmer"
Premiere
von Thomas Oberender, Leitung: Annette Raffalt
Schauspielhaus Bochum , Beginn 19:30 Uhr
Die drei Schwestern Isobel, Kyra und Lauretta zertanzen Nacht für Nacht ihre Schuhe und erwachen jeden Morgen mit blutenden Füßen. Der Vater lässt sie bewachen und sperrt sie in ihr Zimmer ein - erfolglos. Jede Nacht spielt sich das Gleiche ab: Die drei Schwestern tauchen ab in eine geheimnisvolle Unterwelt und treffen die verbannten Prinzen Thierry, Jean und Paul. Der Tanz der Schwestern ist der einzige Weg, um die Prinzen zu erlösen. Doch plötzlich werden die Tanzenden vom Wächter der Töchter überrascht. Die Unterwelt wird für immer verschüttet. Sind nun alle Bemühungen vergebens, die Träume geplatzt?
Mit seiner modernen Adaption des Grimmschen Märchens "Die zertanzten Schuhe" thematisiert Thomas Oberender, leitender Dramaturg am Schauspielhaus Bochum, auf mehreren Ebenen die Probleme und Sehnsüchte junger Menschen und den Übergang von der Kindheit zum Erwachsensein.
zur Homepage 5. bis 14. Juni: "Autorentheatertage Hamburg"
Thalia Theater Hamburg
Zum dritten Mal präsentieren sich die "Autorentheatertage Hamburg" im Thalia Theater mit einem abwechslungsreichen Programm. Neben einer Reihe prominenter Gastspiele der Münchner Kammerspiele ("Traum im Herbst" von Jon Fosse, Regie: Luk Perceval), des Theaters Basel ("Die sexuellen Neurosen unserer Eltern", von Lukas Bärfuss, Regie: Barbara Frey), des Schauspiels Hannover ("Mamma Medea" von Tom Lanoye, Regie: Sebastian Nübling), des Staatstheaters Stuttgart ("Smarthouse 1+2", Text und Regie: René Pollesch) u.a. runden Vorträge, Lesungen und Diskussionen die Autorentheatertage ab.
Das Festival mündet in die "Lange Nacht der Autoren" am 14. Juni, während der neue Stücke mehrerer Autoren gezeigt werden, die eine Jury, bestehend aus Mitgliedern des Thalia Theaters, auswählte.
zur Homepage 5. Juni: "Radio Noir"
Premiere
von Albert Ostermaier, Konzept und Realisation: Michael Bischoff
Schauspiel Frankfurt , Beginn 22:30 Uhr
Parthenope ist Night-Talkerin. Menschen rufen bei ihr an und suchen Rat, was sie schamlos ausnutzt. Sie manipuliert die Anrufer und tut alles, damit sie unter die Räder kommen, in der Gosse landen oder sich sogar umbringen wollen.
Doch der Schein trügt. Hinter Parthenopes skrupellosen Fassade steckt eine unsichere Person, die Angst davor hat, allein zu sein.
Der Monolog "Radio Noir" ist das Nachtstück zu dem ebenfalls von Ostermaier stammenden Text "Erreger", dessen Inszenierung in der Reihe " nachtschwärmer" zu sehen ist.
zur Homepage 7. Juni: "Genua 01"
Deutschsprachige Erstaufführung/Premiere
von Fausto Paravidino, Regie: Wulf Twiehaus
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin , Beginn 21 Uhr
Genua im Jahre 2001: Es herrscht Krieg. Während des G8-Gipfels vom 20. bis 23. Juli kommt es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Globalisierungsgegnern und Staatsgewalt. Die Bilanz: Ein ermordeter Demonstrant, hunderte Verletzte, über hundert Festnahmen, Misshandlungen und Folterungen.
Der italienische Dramatiker Fausto Paravidino, geboren 1976 in Genua, hat mit "Genua 01" eine Chronik der Geschehnisse geschrieben, die zugleich auch eine Streitschrift ist.
zur Homepage 7. Juni: "Im Bauch vom Wolf sitzt ein Kind und wartet auf den Mond"
Uraufführung/Premiere
Text und Regie: Marc von Henning
Schauspiel Köln , Beginn 20 Uhr
Ein Wolf frisst ein Kind. Vielleicht ist es Rotkäppchen. Immer wenn der Wolf den Mond anheult, schaut es aus seinem Schlund heraus den Mond an und weint ein wenig mit.
Vielleicht wird die Bestie nur bei Mondaufgang zu einem Wolf und ist in Wirklichkeit ein Mann oder eine Großmutter. Das Kind ist nicht sicher, wo es gelandet ist.
Das Stück nach Motiven von Angela Carter dreht sich um Werwölfe, wilde Kinder und Vampire. Auch für Erwachsene eine interessante Reise durch die Finsternis.
zur Homepage 8. Juni: "Elektra"
Oper von Richard Strauss, Inszenierung: August Everding
Hamburgische Staatsoper, Beginn 19:30 Uhr
Der Generalmusikdirektor der Staatsoper Hannover und Chefdirigent der Rheinischen Philharmonie Koblenz Shao-Chia Lü steht mit "Elektra" von Richard Strauss zum ersten Mal am Dirigentenpult der Hamburgischen Staatsoper. Der in Taipeh geborene Dirigent konzertierte bereits mit Opernhäusern auf der ganzen Welt, z.B. mit der English National Opera und der Australian Opera Sydney. Zu den Schwerpunkten seiner bisherigen Opernarbeit zählen Mozart, Janacek und Debussy.
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Konzerte30. Mai bis 1. Juni: "2. Internationales Oldtime Jazzfestival"
diverse Veranstaltungsorte in Grünwald
Sechs Bands aus fünf Ländern nehmen am "2. Internationalen Oldtime Jazzfestival" teil: die "United Syncopators" und die "Veterinary Street Jazz Band" aus Deutschland, "Max Collies Rhythm Aces" aus England, "Hot Jazz Orchestra Milano" aus Italien, die "Two Banjos Jazzband" aus der Schweiz und aus Frankreich "Les Haricots Rouges". Die Konzerte finden am Freitag und Samstag Abend in der Alten Turnhalle im Grünwalder Freizeitpark und im August Everding Saal statt. Am Sonntag Vormittag wird zu einem Jazzfrühschoppen im Festsaal des Bürgerhauses Römerschanz eingeladen.
Ein besonderes Ereignis ist die Floßfahrt am Sonntag, bei der die "Chicago Sidewalk Jazz Band" für die musikalische Begleitung sorgt.
zur Homepage 2. Juni: "Big Band Monday"
Palais der Kulturbrauerei, Berlin , Beginn 21 Uhr
Diese Band macht "Big Band Musik wieder salonfähig", schreibt 'Jazzdimension' über das "Berlin Jazz Orchestra" (Leitung: Jiggs Whigham). Charakteristisch für die Big Band sind die ungewöhnlichen Arrangements, viel jugendlicher Schwung, atemberaubende Soli und der charmante Gesang von Marc Secara. Gespielt werden Stücke von Count Basie, Vince Mendoza, Harry Connick Jr. und anderen.
Der Posaunist, Komponist, Dirigent und Leiter der Jazzabteilung an der Berliner Hochschule für Musik Jiggs Whigham ist aus der internationalen Jazz-Szene nicht mehr wegzudenken. Er spielte bereits mit Größen wie Count Basie, Dizzy Gillespie und Dexter Gordon.
zur Homepage 3. bis 8. Juni: "Mnozil Brass"
Bar jeder Vernunft, Berlin , Beginn Di bis Sa 20:30 Uhr, So 19:30 Uhr
Die unkonventionelle Bläsertruppe mit dem unaussprechlichen Namen eroberte sich einen großen Fankreis in Berlin. Die sieben Wiener geben der volkstümlichen Blasmusik ein neues Image, ihr Repertoire scheint grenzenlos.
Mnozil Brass sind: Wolfgang Sohm / Trompete, Robert Rother / Trompete, Thomas Gansch / Trompete, Leonhard Paul / Posaune, Basstrompete, Gerhard Füssl / Posaune, Basstrompete, Sebastian Fuchsberger / Posaune, Gesang und Wilfried Brandstötter / Tuba und Moderation.
zur Homepage 4. Juni: "Schöpfung II. Eine Entstehung des Seins"
Tonhalle Düsseldorf , Beginn 20 Uhr
Die 50 Orchestermitglieder der Düsseldorfer Symphoniker unter der "Zeichengebung" von Frank Köllges spielen bei dieser Weltpremiere nicht nach Noten. Es gibt keine Partituren und kein Repertoire - nur Improvisation. Lediglich einige Grundstrukturen sind festgelegt. Die Mimik, Körpersprache und der Tanz des Dirigenten soll die Stimmung und den Charakter der Musik vermitteln. Dem Zuhörer wird eine breite Vielfalt geboten: Von sanften, melodiösen Klängen über das pure Geräusch bis hin zur Atonalität.
Frank Köllges führt ein facettenreiches Berufsleben: Er musizierte als Percussionist in verschiedenen Gruppen und arbeitet seit 1991 regelmäßig für Theater in Köln, Düsseldorf und Tokio.
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Forum Tertianum Berlin , Beginn 17 Uhr
Die Rose ist wegen ihrer Schönheit und Anmut eine der uns am häufigsten begegnenden Symbol-Pflanzen. Fast jeder Dichter hat irgendeine Zeile über die "Blume der Liebe" geschrieben und fast jeder Komponist eine Melodie für sie komponiert. Die Tertianum Residenz lädt mit Liedern und Geschichten zu einem "Rosenfest" ein.
Mit Anne Bretschneider / Sopran und Holger Groschopp / Klavier. Moderation: Thomas Ellenberger
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Ausstellungseröffnungen1.6. bis 13.7.2003: "Terry Fox. (Re/De)Constructions"
Fridericianum Kassel
Anlässlich seines 60. Geburtstages wird dem amerikanischen Künstler Terry Fox diese Ausstellung gewidmet. In der Kunstwelt taucht sein Name hauptsächlich in Zusammenhang mit der Entstehung von Body Art auf. Anstatt Arbeiten von dauerhaftem Charakter zu schaffen, waren seine Performances geprägt von der Flüchtigkeit und einer real-zeitlichen, unmittelbaren Präsenz. "Die einzigen Leute für die die Kunst existiert, sind die Anwesenden und nur während dieser Zeit existiert die Kunst" (Terry Fox). Frühe Aktionen kündigten alltägliche Straßenszenen als öffentliches Theater mit festgelegten Zeitpunkten auf Plakaten an. Auf einem Wochenmarkt in London vermischten sich somit unerkennbar das eingefundene Publikum mit den ungewollten Akteuren. Fox selbst fasst sein Interesse an der Performance als ein alltägliches Zusammentreffen auf, als etwas, das sich zwischen den Menschen ereignet. Auch seine Zuwendung zu Klang-Performances und Klang-Installationen, in denen sich Terry Fox mit den akustischen Eigenschaften alltäglicher Gegenstände auseinandersetzt, ist vor diesem Hintergrund zu verstehen. Seit den 80er Jahren hat Terry Fox auch das Verhältnis von Text und Bild untersucht. Rätselhafte Sprachspiele oder ein sich über viele Wände ausbreitender Text, der Buchstabe für Buchstabe abgegangen werden muss, machen die Worte sinnlich erfahrbar.
zur Homepage 1.6. bis 24.8.2003: "Silke Otto-Knapp - Orange View"
Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf
Die 1970 in Osnabrück geborene Künstlerin malt Aquarelle - ein in der heutigen Zeit ungewöhnliches Medium. Nach Fotos aus Bildbänden und Magazinen entstehen ihre Bilder von Städten bzw. konstruierten Stadtlandschaften. Weniger die korrekte Darstellung des Motivs als seine Entwicklung im malerischen Prozess steht im Mittelpunkt, so z.B. die Reaktion der verlaufenden Farbe während des Malens. Durch die Verwendung von Leinwand statt Papier kann die Farbe ausgewaschen und der Malvorgang verlangsamt werden. Manchmal sind nur verschwommene Andeutungen zu sehen, als betrachte man die Situation durch eine regennasse Windschutzscheibe. Eine weitere Besonderheit ist das Fehlen von Menschen oder Figuren, die auf ein Verhältnis des Lebewesens zur Natur verweisen könnten.
Die Ausstellung versammelt ca. 30 Arbeiten aus den Jahren 1999 bis 2003.
zur Homepage 4.6. bis 27.7.2003: "Louise Bourgeois - Intime Abstraktionen. Arbeiten von 1943 bis 2003"
Akademie der Künste, Berlin
22 Skulpturen und 93 Zeichnungen der großen alten Dame der Kunst aus sechzig Jahren künstlerischer Arbeit. Neben einigen Schlüsselwerken liegt ein besonderer Akzent auf den rund vierzig neueren Zeichnungen sowie einer Klanginstallation, die Louise Bourgeois eigens für Berlin realisierte. "Meine Arbeit oszilliert zwischen extremer Aggression und Wiedergutmachung", beschreibt sie die Auseinandersetzung mit so unnachgiebigem Material wie Marmor. Der bedingungslose Zustand von Rohheit, der ihre Skulpturen ebenso ausmacht wie die Ebenmäßigkeit steinerner Oberflächen, aber auch die Verletzbarkeit ihrer Latex-, Stoff- oder Gummi-Arbeiten zeichnen die Ambivalenz ihres gesamten Werkes aus.
zur Homepage 5.6. bis 31.8.2003: "Gottfried Semper - Retrospektive"
Pinakothek der Moderne, München
Anlässlich des 200. Geburtstags von Gottfried Semper widmet das Architekturmuseum der TU München in seinen neuen Räumen in der Pinakothek der Moderne dem neben Karl Friedrich Schinkel bedeutendsten deutschen Architekten des 19. Jahrhunderts eine umfassende Ausstellung. Semper errichtete eine Vielzahl von Gebäuden, darunter die Gemäldegalerie und die Oper in Dresden, die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich, das Stadthaus in Winterthur oder das Kaiserforum mit Neuer Hofburg, Museen und Burgtheater Wien. Sein theoretisches Werk lieferte neue Grundlagen und fasziniert noch heute viele Architekten.
Zeichnungen und Modelle vermitteln ein umfassendes und anschauliches Bild von Sempers Leben und Werk.
zur Homepage 6.6. bis 17.8.2003: "Luc Tuymans - Die Arena"
Pinakothek der Moderne, München
Der 1958 geborene belgische Künstler entwickelt seit Ende der 80er Jahre unspektakuläre, kleinformatige Bilder von Landschaftsausschnitten, Gegenständen, Architekturen und oft maskenhaft wirkenden Menschen. Tuymans gehört seit seinem Auftritt auf der Biennale in Venedig im Jahr 2001 und der Documenta 11 im Jahr 2002 zu den bedeutendsten Malern seiner Generation und beschäftigt sich mit der "Magie der Bilder", fragt nach dem Dokumentarischen und der Authentizität der Bilder.
Gezeigt werden neuere Arbeiten des Künstlers.
zur Homepage 6.6. bis 17.8.2003: "Rückblende: Hochsommer. Gemälde, Fotografien, Experimente"
Kunsthaus Kaufbeuren
Wie riecht die Luft vor dem ersten Schnee? Wie riecht der Frühlingsausbruch nach dem Tauwetter? In dieser Ausstellung geht es um das Phänomen der Erinnerung. Mit Gemälden und Fotografien, aber auch mit Experimenten machen sich die Künstlerinnen und Künstler Sven Kroner, Simone Lucas, Norbert Bisky, Angelika Böck und Andreas Gefeller auf die Suche nach den Sinnes-Reflexen, über die die Erinnerungen am leichtesten zu provozieren sind.
zur Homepage 7.6. bis 24.8.2003: "Georg Baselitz: Die Afrika-Sammlung"
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Schon früh begann Georg Baselitz, der "Vater der Figurativen", manieristische Grafik, daneben Gemälde seiner Künstlerfreunde sowie Möbelkunst zu sammeln. Am spektakulärsten ist aber seine Sammlung afrikanischer Kunst, die er im wesentlichen in den letzten 25 Jahren zusammentrug. Mit ihrem Antinaturalismus und ihrer latenten "Modernität" wurde sie für Baselitz zum Komplizen bei seinen gestalterischen Sabotagen gegen ein konventionelles Menschenbild.
Erstmals wird Baselitz' Afrika-Sammlung in einem großen Überblick gezeigt. Die meisten der nahezu 130 Exponate stammen aus Zentral- und Ostafrika; den größten Komplex bilden die Figuren der Teke (Kongo).
zur Homepage 7.6. bis 19.10.2003 : "Laurie Anderson - The record of time"
Museum Kunst Palast Düsseldorf
Die Arbeit der 1947 in Chicago geborenen Künstlerin, die seit 20 Jahren in New York lebt, zeichnet sich insbesondere durch die Verbindung von Performance, Theater, Pop-Musik und Bildender Kunst aus, sowie durch den Einsatz von Computertechnik und Neuen Medien. Nach einem Studium der Kunstgeschichte und Skulptur debütierte Laurie Anderson 1972 als Performance-Künstlerin mit einer Sinfonie für Autohupen. Ihr immer wieder eingesetztes Instrument ist die Violine, deren Klang sie auf alle erdenklichen Arten verfremdet und elektronisch manipuliert. Die Hauptstrecke ihres künstlerischen Ausdrucks sind die aufwendigen Performances mit Live-Musik, Tonband- und Elektronikeinspielungen, Filmen, Dias, Tanz, durch Stimmwandler realisierte One-Person-Dialoge und anderes. Laurie Anderson nennt sich selbst eine "Geschichtenerzählerin". Im Zusammenspiel von Poesie und Gesang, Klangcollagen und Musik entstehen Rauminstallationen, die Geschichten aus ihrem Leben, Träume, Gedichte oder mythische Erzählungen zum Thema haben.
Die Retrospektive umfasst Installationen, Audio-, Video- und Objektkunst. Die ausgestellten Arbeiten illustrieren die Etappen von Laurie Andersons künstlerischen Tätigkeit von den 1970er Jahren bis zu den Werkgruppen der 1990er Jahre. Eigens für diese Ausstellung entstand die Audioinstallation "Raft" (2002), in der die Künstlerin Kurzwellensignale aus der Wüste Sinai verarbeitet hat.
zur Homepage Literatur"Endloser September"
Hat der 11. September nun das Potenzial zum "ersten globalen Gedenktag" - oder hat er nicht? Die Terroranschläge vom 11. September haben die ganze Menschenwelt berührt. Das World Trade Center und das Pentagon sind nicht irgendwelche Gebäude, es sind bzw. waren mächtige Symbole. Heute gähnt an der Stelle des World Trade Center ein Loch, das ein besseres Denkmal ist als alle, die im Moment erdacht werden. Für die Ausstellung "Endloser September" sucht der Autor und Bildende Künstler Andreas H. Drescher in Kooperation mit www.textgalerie.de Prosa und Lyrik, die sich mit dem 11. September 2001 und der These beschäftigen, dass dieser Tag letztlich bis heute anhält.
Einsendeschluss ist der 11. August 2003. Die Textausstellung beginnt am 11.9.2003 und bleibt danach für 6 Monate online.
Mehr Informationen für Autoren, Leser und Interessierte unter www.textgalerie.de/911/ 2. Juni: "Amerika und das alte Europa". Ein Gespräch zwischen Hans-Jürgen Heinrichs und Till Bastian
Literaturhaus München , Beginn 20 Uhr
Geht die Supermacht Amerika aus dem neuen Golfkrieg politisch gestärkt hervor, oder erleben wir den Zerfall einer in militärischer Hybris sich verzehrenden Hegemonialmacht? Wie stark sind die irrationalen Motive (christlich fundamentalistisches Sendungsbewusstsein, individuelle und kollektiv-nationale Kränkung durch die Angriffe am 11. September) für einen Krieg gegen die "Achse des Bösen"? Hans-Jürgen Heinrichs und Till Bastian diskutieren die Bedingungen und Folgen des Irak-Krieges und versuchen einen Ausblick auf die neue Rolle, die Europa zuwächst. Es geht um die Frage, ob Europa die Chance ergreift, eigene Visionen zu entwickeln, neue Allianzen zu entfalten, die sich gegen eine imperiale Politik behaupten können. Ist am Ende der Dialog der Kulturen nicht doch die stärkere Kraft als ein Kampf der Kulturen und Religionen? Hans-Jürgen Heinrichs lebt als Ethnologe und Autor in Frankfurt am Main. Er hat kürzlich das Buch "Die gekränkte Supermacht. Amerika auf der Couch" (Artemis + Winkler) veröffentlicht.
zur Homepage 2. Juni: "Mit einer Balsambirne unterwegs zu Kölns Romanischen Kirchen". Der Lyriker Leung Ping-kwan und sein Übersetzer Wolfgang Kubin im kreativen Streitgespräch
Literaturhaus Köln , Beginn 20 Uhr
Leung Ping-kwan setzt sich literarisch mit der chinesischen Tradition wie mit der Postmoderne auseinander. Seine Texte verbinden Kompliziertes und Schlichtes. Oft gehen seine Gedichte von Alltäglichem aus oder er beschreibt Eindrücke seiner Reisen, um dann die Dinge in ihrem Übergang von einst zu jetzt zu "entdecken". Leung Ping-kwans Übersetzer Wolfgang Kubin stellt den chinesischen Autor in Form eines "kreativen Streitgesprächs" vor.
zur Homepage 3. Juni: "Gelsomina" Ausstellung und szenische Lesung nach Motiven von Federico Fellinis "La Strada"
Literaturhaus Wien , Beginn 19:30 Uhr
Gelsomina ist ein bisschen verrückt, ein bisschen heilig, eine zerzauste, drollige, unbeholfene und anmutige Clownin. Sie ist nicht allein auf der Welt sondern immer auch in Gesellschaft des jungen Mädchens, der erfahrenen Frau, der weisen Alten. Gelsomina steht für die verratene Unschuld und den kindlichen Wunsch nach einer heiteren Welt in vertrauensvollem Miteinander. Aber sie steht auch für die Unmöglichkeit all dessen.
Fellinis "La Strada" von 1954 wird zu den zehn besten Filmen aller Zeiten gezählt. In den Hauptrollen spielten damals Giulietta Masina (Gelsomina), Anthony Quinn (Zampanò) und Richard Basehart (Matto). Federico Fellini verstarb vor zehn Jahren, im Oktober 1993.
zur Homepage 5. Juni: "Wie viel Welthaltigkeit braucht die deutschsprachige Literatur?" Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt 2003
Literarisches Colloquium Berlin , Beginn 20 Uhr
Diskussion mit Ulrike Draesner, Rainer Moritz, Iris Radisch, Hubert Spiegel und Burkhard Spinnen
Fehlt es der aktuellen deutschsprachigen Literatur an Welthaltigkeit? Wo bleibt, bei den vielen Kindheits-, Beziehungs- und Generationsbüchern unserer Tage, das große literarische Gesellschaftsporträt? Eine Diskussion mit Autoren, Kritikern und einem Verleger, die auf die "Tage der deutschsprachigen Literatur" und die Vergabe des Ingeborg- Bachmann-Preises am 29. Juni in Klagenfurt einstimmt.
Moderation: Maike Albath
zur Homepage 5. Juni: "Im Kongo - Auf den Spuren Joseph Conrads" mit Urs Widmer
Literaturhaus Stuttgart , Beginn 20 Uhr
Das Wechselspiel von Eigenem und Fremdem ist prägend für die Geschichte und Form der literarischen Beziehung zwischen Urs Widmer und Joseph Conrad. Bereits Widmers erste Werke "Alois" (1968) und "Die Forschungsreise. Ein Abenteuerroman" (1974) behandelten die Expeditionen von Stanley und Livingstone in Zentralafrika. In den neunziger Jahren kulminierte die literarische Aneignung Conrads zunächst in der Übersetzung von "Heart of Darkness" und den "Kongotagebüchern" (1992), dann in dem fulminanten Roman "Im Kongo" (1996). Widmer überblendet darin verschiedene Formen der Geschichte: die des Imperialismus, der Nazizeit, der Schweizer Vergangenheit und des Mobutu-Regimes.
Moderation: Martin Windisch
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