Aus dem Inhalt:
1. LITERATUR
Nach Venedig - mit Verlosung
Rupprecht Geiger wird 952. CD-Rezensionen - mit Verlosung
Das Original Oberkreuzberger Nasenflötenorchester: Stille Tage in Rüsselsheim
Lulo Reinhardt: Project No. 1
Audioslave: Audioslave3. BÜCHERTISCH
Rezensionen von ZEIT-Literaturredakteuren4. KULTURKALENDER
Theater
Konzerte
Ausstellungseröffnungen
Lesungen

1. Nach Venedig© DRW-VerlagReinhard Gröper: Nach Venedig
DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen 2002
120 Seiten, 12,80 Euro April 1945. Das deutsche Reich ist zusammengebrochen. Drei 16-jährige Soldaten des letzten Aufgebots treiben durch die Albhochfläche und das Lautertal. Man hat sie heimgeschickt, als das Lager, in dem sie ordentlich entlassen werden sollten, von den Franzosen umstellt war. Aber wo sind sie zu Hause, nachdem dort, wo sie herkommen, gekämpft und alles zerstört worden ist? Und sind sie wirklich entlassen, oder können sie als Deserteure bestraft werden? Anders, einer der drei, hat angeblich Großeltern in Venedig, die einen Palazzo an einem der Kanäle besitzen. Also führt der Weg nach Italien. Unterwegs schließen sie sich einem einzelgängerischen Luftwaffenunteroffizier an, dem Anders die Pistole entwendet.Eine poetisch erzählte Novelle mit regionalem Bezug, die die frühe deutsche Nachkriegsgeschichte wieder lebendig werden lässt.Zum Autor
Reinhard Gröper, alias Egbert-Hans Müller, geboren 1929 in Bunzlau/Schlesien und seit 1938 in Stuttgart, war bei Kriegsende freiwilliger Soldat. 1950 holte er das Abitur nach und studierte Jura in Tübingen. Ab 1959 war er in der Kultusverwaltung des Landes Baden-Württemberg tätig, von 1963 bis 1994 mit dem Schwerpunkt Literaturförderung und als stellvertretender Leiter dieser Abteilung. Er wurde unter anderem mit dem Literaturpreis der Landeshauptstadt Stuttgart ausgezeichnet. Leseprobe
Die weißen Fahnen an den Kirchtürmen waren auch im Mondschein auszumachen. Sich vorstellen, dass wir diese Ebene vor uns überwinden müssen! Wir schlossen uns anderen Gruppen an und trennten uns von ihnen wieder. Die fantasierten alle. Heute Nacht noch wollten die aus dem Kessel ausbrechen. Morgen sollen die Wälder durchkämmt werden. Die Zivilbevölkerung habe verraten, dass in denen so viele Soldaten stecken.
Natürlich wollten wir mit ausbrechen. Aber die anderen redeten nur immer von sich selbst, von den Einheiten zu denen sie gehörten, die sie wieder erreichen wollten, als ob der Ausbruch allein ihre Sache sei. Wir gehörten zu keiner. Und wenn wir zu einer gehört hatten, war die nicht wichtig gewesen. Sie fragten danach. Von unserer hatten sie noch nicht einmal gehört. Wir gehörten im Grunde nicht zu ihnen. Ich konnte doch nicht vor den Zweiflern die Tarnjacke vorne hochheben, um ihnen zu zeigen, dass ich am Waffenrock eine Ordensspange trug. Das Schutzwallehrenzeichen, das war es, hätten sie auch nicht ernst genommen. So waffen- so bedeutungslos, wie wir waren, konnten wir nur mitlaufen.
Ich habe gesagt waffenlos. Die Pistole in Anders Hosentasche hatte ich mitbedacht. Aber konnte Anders schießen mit ihr?
Sie wissen: Umgang mit Waffen hatten wir gelernt. Die Pistole war nicht dabei. Ich konnte immerhin blind sie zerlegen, blind wieder zusammensetzen. Da blieb nicht etwa das berühmte Schräubchen übrig. Mein Nebensitzer hatte eine, die Waffe seines gefallenen Bruders. Die brachte er mit in die Schule. Während des Unterrichts übten wir unter der Bank. Wie das mit dem Rückstoss ist, wußte ich nicht. Geschossen mit einer hatte ich noch nie. Ein Trupp Reichsarbeitsdienst überholte uns. Inzwischen überholten uns alle. Die Arbeitsmänner waren bewaffnet. Einer trug ein MG. Die fragten uns nicht lange: Auf, kommt mit! Die sind ja nur ein Jahr älter als wir.
Die holten vielleicht aus im Schritt! Das zog mit. Um hier wieder herauszukommen, hätte ich mich zur Seite fallen lassen müssen. Dann wäre ich liegengeblieben.
Ihrem Feldmeister meldeten sie bei der nächsten Rast, sie hätten drei aufgegabelt. Der kam dorthin, wo wir lagerten. Aufgespritzt sind wir wie ein Mann. Er fragte nach woher und wohin.
Ihr könnt bei uns bleiben, entschied er.
Auf seine Frage, wohin wir wollten, hatte ich für uns geantwortet: Zur Alpenfestung.
Von der Alpenfestung als ihrem Ziel, hatten die Arbeitsmänner uns erzählt.
Hätte ich für uns unterscheiden sollen? Dann hätte ich so nur für mich antworten können; ich hätte auf Anders gewiesen: der will nach Venedig und Rom. Bei Pepper hätte ich geantwortet: Der weiß es noch nicht. Damit hätte ich mich von Anders, vermutlich auch von Pepper getrennt. Aber vielleicht hätte der Feldmeister zu Anders gesagt: Denk' dran, den Monte Casino musst du erst wiedererobern.
Ich vergess' diese Rast nicht. Wir lagerten unter einem Birnbaum, dem einzigen weit und breit. Der Baum war über und über voll Blüten. Das Mondlicht hing darin. Die Arbeitsmänner hatten selbst nichts zu essen. Sie schenkten uns - hier, wie auf späteren Rasten - von ihren Zigaretten. Das eine oder andere Mal wanderte auch nur eine Zigarette.
Sie wissen: das Aufglühen einer Zigarette nachts ist selbst vom Flugzeug aus zu sehen. Sie rauchten die Zigaretten in der hohlen Hand, angezündet haben sie sie unter der Jacke. Das konnten wir mit unseren Tarnjacken nicht. Sie zündeten die Zigaretten für uns an. Unter dem Birnbaum bin ich auf dem Rücken gelegen. Silberschimmer sank auf mich herab. Ich muss mit offenen Augen eingeschlafen sein. Da habe ich das erste Mal Heimweh gekriegt, Heimweh nicht nach Bestimmtem, ein Heimweh allgemein.
Anders rüttelte mich auf: der Trupp zog weiter. Anders sagte ich: Ich glaub', ich bin in Italien gewesen.
Dann verstehst du, warum ich hin will, erwiderte er. Was ich dem Feldmeister gegenüber zu diesem Zeitpunkt empfand?
Der war klein und drahtig. Ich hielt ihn für einen Draufgänger. Der schlüge mit ein paar Männern eine ganze Armee Franzosen in die Flucht.
Ich weiß nicht, wie er heißt. Die Arbeitsmänner sprachen ihn mit dem Dienstgrad an. Mir schien, seine Leute gehorchten ihm wie von selbst.
Mir fällt dabei ein, seit dem Ritterkreuzträger in Zwiefalten keinen Offizier mehr gesehen zu haben.
Auch sagte mir bei ihm zu, wie er mit den Kräften seiner Leute haushielt: Immer wieder befahl er Rasten. Verloren ging ihm keiner; vor jedem Aufbruch zählte er durch. Einmal war einer in dem Augenblick noch beim Austreten; er wusste genau, wer fehlte, fragte mit Namen nach ihm. Der Genannte meldete sich aus dem Abseits. Ob er einen Verweis erhalten, weil er sich nicht abgemeldet hat, weiß ich nicht. Das müsste unter vier Augen geschehen sein. Der Mann hielte dich, dachte ich. Aber ich empfand auch: Wenn der dich erst einmal angenommen hat, lässt er dich nicht mehr los.
Während der Rasten erkundete er mit ein, zwei Leuten das Gelände; weit konnten die Franzosen nicht sein. Nein, das heißt nicht, dass ich auf Absprung sann. So lange wir mit den Arbeitsmännern zogen, ging Pepper nicht voraus. Er hatte sich unter die anderen gemischt. Allein hätte ich das auch getan; sie waren Prachtskameraden. Anders und ich blieben zusammen, wenn wir auch schwiegen. Alle schwiegen. Morgen seien wir aus dem Kessel heraus. Das war für diesen Weg geredet genug.
Seid Ihr immer so viele gewesen, fragte ich bei einer Rast.
Einer ist abgehauen. Der FM habe geschäumt: Den, wenn ich ihn erwische, knüpfe ich eigenhändig auf. Unterwegs, in einer Esche hingen zwei. Einer muss ein Unteroffizier gewesen sein, dem waren die Litzen heruntergerissen.
Einer von der Luftwaffe, fragte ich.
Nein; wieso? Wisst Ihr, warum die in einer Esche hängen, habe der FM gefragt. Die Esche ist ein germanischer Götterbaum, Feiglinge werden zur Sühne ihrer Feigheit den Göttern geopfert.
Wer entscheidet, was Feigheit ist?
Der Führer. Verlosung:
Gemeinsam mit dem DRW-Verlag verlost ZEIT-Online drei Exemplare dieses Buchs.
Senden Sie uns bis zum 30. Januar, 12 Uhr mittags, eine eMail, bitte mit Namen und Adresse, an kulturbrief@zeit.de . Stichwort: Venedig
Die Gewinner werden unter allen Einsendern ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. www.drw-verlag.de
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Rupprecht Geiger wird 95von Stefanie JordanAm 26. Januar wird der Künstler Rupprecht Geiger 95 Jahre alt. Der gebürtige Münchner war einer der Mitbegründer der Gruppe ZEN 49, die "Gruppe der Gegenstandslosen", und damit der abstrakten Kunst in Deutschland. Bis 1962 arbeitete er als Architekt, von 1965 bis 1976 war er Professor für Malerei an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. 1971 schuf er den "Roten Punkt" in St. Ludwig Ibbenbüren.Heute ist Rupprecht Geiger Mitglied der Kunstakademie Düsseldorf, der Baukunstkommission München und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, München. Seine Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet, darunter die Goldmedaille der Internationalen Graphik-Biennale Fredrikstad, Norwegen, im Jahre 1986 und der Kunstpreis Berlin 1988.Das Werk Rupprecht Geigers wird durch die Farbe Rot bestimmt. Sie ist für ihn ein ebenso grundlegendes Element wie Feuer, Wasser, Luft und Erde. Die Farbe Rot, die Signalfarbe unseres Alltags, symbolisiert für Geiger Kunst, steht für Schönheit und Maß, für Licht, Kraft und Wärme.Im Prestel Verlag erscheint anlässlich dieses bemerkenswerten Jubiläums die große Monografie "Rupprecht Geiger Werksverzeichnis 1942 - 2002", die einen Überblick über das weitverstreute Werk dieses bedeutenden deutschen Künstlers ermöglicht.Rupprecht Geiger Werkverzeichnis 1942-2002
Gemälde und Objekte, architekturbezogene Kunst
Prestel Verlag, München 2003, Büttenband mit farbigem Schutzumschlag,
1000 farbige Abb., 30 x 24 cm, 95,- Euro www.prestel.de
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2. CD-RezensionenErkennen Sie die Melodie?von Stefanie Jordan Das Original Oberkreuzberger Nasenflötenorchester hat wieder zugeschlagen: nach dem - leider vergriffenen - Album "Kuschelrotz" aus dem Jahr 1998 präsentiert "Der Grindchor", featuring Thomas Kapielski und Harry Rowohlt, nun Klangkunstwerke, von denen Sie bis heute nicht wussten, dass sie Ihr Leben bereichern können. Tun sie aber.
Mit hörbar viel Spaß an der Sache zelebrieren die Nasenflöter eine gewagte Mischung aus Evergreens ("Happy together", "Somewhere over the Rainbow", "Louie Louie") und Filetstücken der Musikgeschichte ("Säbeltanz" und Beethovens Fünfte) und verhelfen verschollen geglaubten (gehofften?) Liedern wie "Goodbye my love goodbye" und "Tip Toe Through the Tulips" zu neuem Glanz.
Besonders hervorzuheben sind die einfühlsamen Gesangseinlagen, so der Hintergrundchor zu "Je t'aime (moi non plus)", Harry Rowohlts komödiantische Interpretation des Peggy Lee-Hits "Fever" und die Lust am Experiment: Die rockige Nasenflöten-Version von "My Way" hätte Frank Sinatra bestimmt gefallen. Das Original Oberkreuzberger Nasenflötenorchester: Stille Tage in Rüsselsheim
Live-CD
8,99 Euro
Nur erhältlich bei Zweitausendeins
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Die Gewinner werden unter allen Einsendern ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. www.nasenfloeten.de
www.zweitausendeins.deFahrstuhl-Sambavon Melanie RuprechtZarte Gitarrenklänge, Bongo, Rasseln, ein leises Saxophon, und schon werden die schönsten Erinnerungen an den Sommer wach. Lulo Reinhardt, Großneffe von Django Reinhardt, nimmt die Hörer seines ersten Soloalbums "Projekt No. 1" mit auf einen Ausflug an den Strand, an das blaue Meer Südamerikas, zu abgeschiedenen Buchten und Lagunen. Kitschig? - Nein, eher unaufdringlich. Seine Kompositionen - eine Mischung aus Latin Jazz und Easy Listening - plätschern dahin, und neben Sommererinnerungen schleichen sich Begriffe wie "Fahrstuhl" oder "Kaufhaus" ins Gedächtnis. Ähnliche Melodien sind uns auch dort schon begegnet. Was nicht schlecht sein muss. Sie entlasten die Seele, machen beschwingt und fröhlich: Baduadudeido.Lulo Reinhardt: Projekt No. 1
Toca-Records
16,- Euro Verlosung:
ZEIT-Online verlost drei Exemplare dieser CD.
Senden Sie uns bis zum 30. Januar, 12 Uhr mittags, eine eMail, bitte mit Namen und Adresse, an kulturbrief@zeit.de . Stichwort: Samba
Die Gewinner werden unter allen Einsendern ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. www.toca-records.deRock it - aber transzendentvon Stefanie JordanEin gutes Beispiel für eine geglückte Fusion kommt aus der Musikszene: Die Ex-"Rage Against the Machine"-Mitglieder Tim Commerford (Bass), Tom Morello (Gitarre) und Brad Wilk (Drums) schlossen sich mit dem Ex-"Soundgarden"-Frontmann Chris Cornell zu der Band "Audioslave" zusammen, die am 24. Januar in der Berliner Columbiahalle ihr einziges Deutschland-Konzert gibt.Im November des vergangenen Jahres kletterte das gleichnamige Debut-Album sofort nach Veröffentlichung in die Top 40 der Media Control Album Charts; die Single "Cochise" wurde als erste ausgekoppelt und ist in Deutschland seit dem 20. Januar erhältlich. Das nächste Album ist bereits in Arbeit - die Band hat offensichtlich viel vor.Die rockig-melodiöse Mixtur aus Seattle-Grunge und kalifornischem Crossover ist noch echte Handarbeit. Zu Recht wird dieses Gütesiegel gern von den "Audioslave"-Musikern erwähnt: heutzutage kann schließlich nicht immer vorausgesetzt werden, dass erfolgreiche Musikkünstler Stimme und/oder Instrument beherrschen. In diesem Fall gibt es keinen Grund zur Sorge - "Audioslave" bringt alles zum Klingen und knüpft wie selbstverständlich an die frühen Neunziger an. Tom Morellos virtuose Gitarrensoli verbinden sich mit Chris Cornells kräftiger Stimme zu einem Hörerlebnis, das von Tom Morello als "transzendent" bezeichnet wird. After all, it's just rock'n'roll - aber von der feinsten Sorte.Audioslave: Audioslave
Epic / Sony Music Verlosung:
ZEIT-Online verlost drei Exemplare dieser CD.
Senden Sie uns bis zum 30. Januar, 12 Uhr mittags, eine eMail, bitte mit Namen und Adresse, an kulturbrief@zeit.de . Stichwort: Rock
Die Gewinner werden unter allen Einsendern ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. www.audioslavemusic.com
www.mtv.de/audioslave

3. BüchertischBelletristikvon Tobias GohlisDoris Gercke: Bella Ciao
Ullstein Verlag, München 2002; 302 S., 20 Euro
Die Front gegen Ronald Barnabas Schill und seine rechtspopulistischen Politprovokationen steht nirgendwo fester als unter den Hamburger Krimiautoren. "Siegeszug der Gewalt, Niederlage der Vernunft, Niederlage aller Emanzipationsbestrebungen", diagnostiziert Bella Block nach dem 11. September die Lage, und nun plagen sie noch der "erbärmliche Senat" und das Älterwerden. Bella denkt ernsthaft ans Abdanken. Der letzte Roman mit der Wodka, Lyrik und weibliches Aufbegehren liebenden Kommissarin ist einer der spannendsten und geschlossensten der auf elf Titel angewachsenen Serie. Bellas Haus wird abgebrannt, eine junge Frau treibt tot an den Landungsbrücken, ihre Freundinnen planen den ultimativen Protestschlag gegen die Hamburger Rüstungsindustrie. Am Ende geht Bella in die Luft.
hier online bestellen Robert Brack: Lenina kämpft
Edition Nautilus, Hamburg 2003; 190 S., 12,90 Euro
Leninas Vater Peter Rabe, der eines Nachts tot aus dem Hafenbecken gezogen wird, war ein alter Linker. Sonst hätte er seiner Tochter nicht so einen bescheuerten Namen gegeben. Deshalb kann die Gelegenheitskellnerin und Liebhaberin klassischer Musik auch nicht glauben, dass ihr Vater seine Fähigkeiten als Privatdetektiv in den Dienst des neuen Hamburger Innensenators Arnold Schaller und seiner Parteitruppe gestellt haben soll. Brack erzählt die klassische Westernstory - Sohn rächt Vaters Ehre - unklassisch-amüsant. Lenina ist eine entzückend wütende Frau, der es gelingt, so unterschiedliche Helfer wie ihre diskoversessenen Freundinnen, einen Zollinspektor, einen Attac-Aktivisten und ein uraltes Pfandleiherpaar gegen Schallers D.P.O. zu mobilisieren. Selten haben die Guten so heiter gewonnen.
hier online bestellen Michael Koglin: Dinner for One - Killer for Five. Der 90. Geburtstag und was wirklich geschah
Ill. von Rudi Hurzlmeier; Knaur, München 2002; 208 S., 9,90 Euro
Insider wissen, dass der zwerch- und tigerfellerschütternde Jahresausgangssketch um Butler James und Miss Sophie verborgene editorische Ursprünge in Hamburg hat. Deshalb lag es nahe, dass es ein Hamburger ist, der aufklären konnte, wie es zu dem Mangel an lebenden Gästen kam, die every year nur in Miss Sophies Einbildung an ihrer Geburtstagstafel zusammenkommen und Butler James bis zum Verlust jedweder Contenance toasten lassen. Was wirklich vor jenem ewigen Dinner for One geschah, bringt Michael Koglin mit aller Lust an der Kunst des detektivischen Rätsels und an der Verschrobenheit der britischen Upper Middle Class auf den Tisch.
hier online bestellen Sachbuchvon Elisabeth von ThaddenMarie Jahoda: "Ich habe die Welt nicht verändert". Lebenserinnerungen einer Pionierin der Sozialforschung
Beltz, Weinheim/Basel 2002; 206 S., 12 Euro
Denkwürdige Erinnerungen, die jetzt im Taschenbuch vorliegen: Gibt es eine zweite Frau wie Marie Jahoda (1907 bis 2001), die als junge Forscherin schon ein Standardwerk schrieb (Die Arbeitslosen von Marienthal, 1933), die als Sozialistin in politischer Haft saß, dann im englischen Exil erneut Anerkennung als Sozialforscherin fand, schließlich in den USA gar zum dritten Mal? Gibt es noch jemanden außer Marie Jahoda, der so gelassen berichten kann, wie sie den Namen der ersten Liebe ihres Vaters bekam, weil ihre Mutter noch eine Tochter nicht wollte? Jahoda, die zudem selbst Mutter war, sich von ihrer Tochter jahrelang trennen musste. Das Buch vergegenwärtigt die große Frau im Gespräch, in ihren Erinnerungen, im Bild. Sie hätte die Welt nicht verändert?
hier online bestellen Günter Altner u. a. (Hrsg.): Jahrbuch Ökologie 2003
Verlag C. H. Beck, München 2002; 288 S., 14,90 Euro
Dann ein Jahrbuch, das fast schon kanonisch ist, mit dem ökologischen Stand der Forschung, vorgetragen von den hierzulande einschlägigen Experten. Nach Verständigung klingt zwar das Ungetüm "Nachhaltigkeitskommunikation" nicht, aber dafür bekommen eben auch Rilke und Goethe ganz kurz das Wort. Es steht also alles drin.
hier online bestellen Joachim Radkau: Mensch und Natur in der Geschichte
Kursmaterialien Geschichte Sekundarstufe II
Ernst Klett Schulbuchverlag, Leipzig 2002; 200 S., 18,80 Euro
Schließlich ein Schulbuch, das international eine Lücke schließt. Der Bielefelder Historiker Radkau hat hier seine vorzügliche Forschung zur Umwelthistorie in ein keineswegs belehrendes Lehrbuch umgeschmolzen, das die Natur aus den Händen der Biologen in die der Gesellschaft legt: Welche Natur ist schützenswert? Um ihrer selbst willen? Was war die Hygienebewegung, was ist Schwemmkanalisation? Was hat das Auto mit uns Menschen gemacht, und was steuern wir noch? Quellen, Dokumente, Kontroversen, unerschöpflich - natürlich.

4. Kulturkalender