Belletristik

Von Iris Radisch

Es liegt was in der Luft. Die Himmel Europas
hrsg. von Gerhard Melzer
Literaturverlag Droschl; Graz 2003; 159 S., 14,- Euro
Europa? Europa ist, wohin der Euro reicht und die jüngste Kaltwetterfront. In der Kulturhauptstadt Graz sieht man Europa in diesem Band literarisch-metereologisch: als ein Etwas aus Luft, Licht und Wind, was multipliziert den Himmel über Europa ergibt, ein jeweils besonderer Himmel, dem Alfred Kolleritsch, Claudio Magris, Herta Müller, Eric-Emmanuel Schmitt, Urs Widmer und viele andere in europäischen Himmels-, Luft-, Wolken- und Meereserzählungen nachgegangen sind. So können wir lernen: Der Himmel über Athen ist sehr blau (war früher aber noch blauer), der über Stockholm sieht aus wie Stahl, der zwischen Rom, Dubrovnik, Riga und Brest ist ebenfalls blau, über Paris und den Alpen hingegen schwarz, über Venedig schlierig, über Meran voller Äpfel, der blaueste Himmel jedoch sei hier nicht verraten.

Patrik Ourednik: Europeana. Eine kurze Geschichte Europas im zwanzigsten Jahrhundert
aus dem Tschechischen von Michael Stavaric
Czernin Verlag, Wien 2003; 142 S., 19,- Euro
Europa? Hat eine schlimme Geschichte, die hier kinderleicht erzählt wird, von der Erfindung der Relativitätstheorie („laut der nichts metaphysisch, aber alles relativ ist“), des Büstenhalters (im Jahr 1914) und des Kampfgases bis zum bitteren Ende der Geschichte („viele Leute kannten diese Theorie nicht und machten einfach weiter“). Die großen Ideen des 20. Jahrhunderts wirken in dieser literarisch verschlankten Gestalt so nichtssagend und amüsant, wie sie sind und nie sein wollten - nackt bis auf ihren satirischen Kern.
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Sachbuch

Von Elisabeth von Thadden

Horst Bredekamp: Thomas Hobbes - Der Leviathan
Das Urbild des modernen Staates und seine Gegenbilder, 1651-2001
2. stark veränderte Auflage; Akademie Verlag, Berlin 2003; 200 S., 39,80 Euro
Thomas Hobbes, ein Begründer der neuzeitlichen Theorie vom Staat, hat sich ausgiebig mit dem Auge befasst, mit dem Optischen und der Wahrnehmung. Der Kunsthistoriker Horst Bredekamp hat diesem besonderen Interesse mit seiner drei Jahre alten und von der Kritik hoch gelobten Studie über die Darstellung des „Leviathan“ Rechnung getragen. Die zweite Auflage fügt der ersten nun die jüngere Wirkungsgeschichte des Bildes vom Hobbesschen Staat hinzu. Zugleich ein Buch über die Angst vor Unsicherheit.
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