Viele tausend Kilometer Staub, Sand und Schotter verbanden den europäischen Mittelmeerraum mit dem fernen China: die Seidenstraße, ein Netz aus zentralen Handelsrouten zwischen Ost und West. Karawanen zogen durch vielfältige Kulturlandschaften von Rom über Kleinasien nach China und Japan. Ausgetauscht wurden nicht nur Handelswaren - die Reisenden kamen mit unterschiedlichen Philosophien und Religionen in die fremden Gebiete. Vorstellungen der griechischen und römischen Antike trafen auf östliche Kulturen. Ganze Götterwelten vermischten sich. Sitzender Buddha, Gandhara, 2./3. Jh. n. Chr., SchieferStaatliche Museen zu Berlin, Museum für Indische Kunst

Diese in heutigen Zeiten kaum vorstellbare Offenheit in Bezug auf religiöse Ideen und Bilder beeinflusste im ersten nachchristlichen Jahrtausend die Entstehung und Verbreitung der buddhistischen Kunst. Die Ausstellung "Kunst an der Seidenstraße. Faszination Buddha" im Bucerius Kunst Forum Hamburg zeigt die Wirkung hellenistischer und indischer Vorbilder auf diese Weltreligion. Die rund 100 Exponate dokumentieren die Entwicklung der buddhistischen Kunst an der etwa 2000 Kilometer langen Strecke der Seidenstraße zwischen dem Grenzgebiet des heutigen Afghanistan und Pakistan bis nach Xinjiang im westlichen Teil Chinas.

Den Anfang der Ausstellung macht ein frühhellenistisches Bildnis Alexanders des Großen aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Seine Feldzüge brachten die griechische Kunst und Kultur nach Baktrien im heutigen Afghanistan. Die Griechen führten die vielschichtige Bilderwelt ihrer Mythologie mit sich. Die alten Vorstellungen von ihren Göttern und Heroen waren es, die dem bis dahin kaum bildlich dargestellten Buddha und seinen Begleitern ein Gesicht gaben. Die buddhistischen Bildhauer schöpften aus dem reichen Formenrepertoire der griechischen Kunst.

Der griechische Gott Apoll, der Sohn des Lichtes, wurde Vorbild für die frühen Skulpturen des Buddha ("der Erleuchtete"). Ein Künstler in Hadda im heutigen Afghanistan gab seinem Buddha im 3. Jahrhundert n. Chr. sogar die Züge von Alexander selbst. Der griechische Halbgott Herakles lieh dem Buddha-Begleiter Vajrapani auf einigen Abbildungen seine Gestalt; er bedeutete für den streng nach dem aristokratischen Ehrenkodex der mythologischen Helden und Götter erzogenen Alexander eine starke Identifikationsfigur.

Die für Jahrhunderte verbindlichen Buddha-Darstellungen entstanden schließlich in Gandhara, einer Region im Grenzgebiet des heutigen Pakistan, Afghanistan und Indien in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten. Die Gandhara-Periode bildet einen Schwerpunkt der Ausstellung: Das Museum für Indische Kunst in Berlin stellte bedeutende Exponate aus seiner umfangreichen Sammlung zur Verfügung. Zahlreiche Buddha-Skulpturen und Reliefs mit Szenen aus dem Leben des "Erleuchteten" illustrieren die Entstehung eines buddhistischen Bilderkanons.

Ebenfalls aus der Sammlung des Berliner Museums stammen die Wandmalereien und farbigen Lehmfiguren aus Zentralasien. Die künstlerische Ausgestaltung von Kulthöhlen vor allem in Kizil und in der Oase Turfan am Nordrand der Wüste von Taklamakan durch buddhistische Mönche wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts wissenschaftlich erforscht. Die Aufarbeitung der Funde in den vielen hundert Höhlen ist noch längst nicht abgeschlossen; seit den achtziger Jahren laufen chinesische und japanische Datierungsprojekte. Die Gemälde sind auf einer an die Wand geworfenen Schicht aus Lehm, Tierhaaren und Häcksel angebracht, so dass winzige Bruchstücke mit der Radiocarbonmethode zeitlich genau eingeordnet werden können.