Blechtonnen fliegen, ohrenbetäubendes Geschrei erklingt, acht Männer und Frauen rasen und hüpfen und tanzen in wildem Chaos über die Bühne. Dann ein durchdringender Pfiff. Stille - als hätte jemand inmitten eines Katastrophenfilms auf die Stop-Taste gedrückt. In Sekundenschnelle haben sich die Tänzer formiert und legen eine perfekte Choreografie aufs Parkett. Der Saal tobt. Die Premiere von Mayumana im Hamburger St.-Pauli-Theater ist ein voller Erfolg. © Mayumana

"Wir wollen das Publikum mitreißen, ihm Ideen zuwerfen und ihren Alltag vergessen lassen", sagt Michael Feigenbaum, Tänzer der Mayumana-Truppe. "Wenn die Menschen aus dem Theater gehen und auf dem nächsten Mülldeckel trommeln, haben wir unser Ziel erreicht."

Mülldeckel, Schwimmflossen, Eimer und Abwasserrohre sind die Instrumente und Utensilien der dynamischen Show. Der Name Mayumana stammt von dem hebräischen Wort "Meyumanut" und bedeutet soviel wie Können oder Geschicklichkeit. Und sie beweisen, dass sie Geschick haben: Tanzgenies wie Sharon Fitousi oder Reut Rotem, Komikertalent Tally Minkov oder der "Fingerschnipper" Sergio Braham bereichern jede Vorstellung mit ihren ganz eigenen Talenten und Ideen. "In meiner Heimat Curacao schnippt jedes Kind, wenn es sich freut; Eltern schnippen, wenn sie scherzhaft drohen - und ich, ich habe einfach weitergeschnippt", sagt Sergio und lacht. "Ich liebe meine Arbeit, weil sie Spaß macht und ich dabei immer noch ein Stück Kind sein darf." Jeden Tag steht der Jamaikaner auf der Bühne und erfreut das Publikum mit seiner Virtuosität.

Sergio Braham gehört zum Urgestein der Compagnie, die sich 1996 im Stadtteil Jaffa in Tel Aviv zusammenfand. Aus über 700 Bewerbern wählten die New Yorker Multi-Künstlerin Eylon Nuphar und der israelische Musiker und Tauchlehrer Boaz Berman zehn Künstler aus, um eine Rhythmus-Show auf die Beine zu stellen, die "Feuer versprüht". Nach achtzehn Monaten harter Arbeit an Choreographie und Technik und einem intensiven Trainingsprogramm mit Yoga, Hip-Hop, afrikanischem Tanz, Improvisation und Percussion war es 1998 schließlich soweit: Mayumana stand das erste Mal in Tel Aviv auf die Bühne. Mit großem Erfolg, denn mittlerweile beschäftigt Mayumana über 40 Tänzer und hat eigene Theater in Hangar und Madrid. Im vergangenen Jahr eröffnete die "Mayumana Rhythm and Creation School" für Nachwuchstalente.

"Wir haben keinen politischen Anspruch", sagt Sergio Braham "Es ist einfach nur schön zu sehen, dass unser Humor überall verstanden wird." Dennoch gebe es starke Unterschiede in der Resonanz des Publikums: "In Hamburg sind die Leute verrückter als in Berlin, und in Südamerika muss man aufpassen, dass man nach der Show noch bei lebendigem Leibe von der Bühne kommt", scherzt er.

Sekunden später steht er wieder auf der Bühne und noch eine Sekunde später versinken die roten Plüschsofas des St.-Pauli-Theaters in tiefster Dunkelheit. Stille. Ein Neonball fliegt durch den Raum, ein Gesicht blitzt auf, dann noch eins und noch eins. Dann wieder gespenstische Stille. Und dann beginnt erneut das Chaos. Flamenco-Rhythmen, Hip-Hop, Schreie, wild durcheinander wirbelnden Körper und Scheinwerfer - und Sergio Braham ist irgendwo mittendrin.