Belletristik

Von Tobias Gohlis

Leonardo Padura: Ein perfektes Leben
aus dem kuban. Spanisch von Hans-Joachim Hartstein
Unionsverlag, Metro, Zürich 2003; 288 S., 18,90 Euro
Kriminalliteratur wird gut, wenn sie die dunkelsten Seiten einer Gesellschaft ausleuchtet. Ein Polizist darf das sogar in Kuba. Teniente Mario Conde leuchtet mit Leidenschaft, vor allem, wenn die Suche nach dem verschwundenen Superkader aus dem Industrieministerium ins Bett seiner wunderschönen Frau führt, in die Mario schon seit ihrer gemeinsamen Schulzeit verliebt ist. Im ersten Band seines „Havanna-Quartetts“ erzählt Leonardo Padura, verwoben mit der Recherche nach dem korrupten Edelkommunisten, zugleich die Geschichte einer Clique von Jugendlichen, von ihren Hoffnungen, Enttäuschungen und Verbiegungen im älter werdenden Kuba.
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Vicente Molina Foix: Die Frau ohne Kopf
a. d. Span. v. St. Haußmann
grafit Verlag, Dortmund 2003; 441 S., 10,90 Euro
Costa Blanca: ein Hafen, eine Insel, eine rätselhafte Frau. Carlos, seelenwunder Detektiv aus Madrid, erholt sich als Gast der schönen Catalina, die ihm ihr Leben in traurigen Episoden erzählt. Der Vater schmuggelte gegen Franco, jetzt hat sie von ihm die Insel geerbt und fürchtet sich vor einer gestaltlosen Macht, die ihr Leben zerstört. Carlos verknallt sich und beginnt die vor Angst Kopflose zu beschützen, während sein schwuler Partner Alejo einer ebenso geheimnisvollen Schönen aus einer Klemme mit der russischen Mafia hilft. Foix, bekannt in Spanien als Essayist und Romanautor, hat einen Spiegelkrimi in bester surrealistischer Tradition geschrieben: zwei Frauen, schwarz und weiß, zwei Männer, schwul und hetero – und dazwischen die Erinnyen der spanischen Geschichte.
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Sachbuch

Von Volker Ullrich

Luise Schorn-Schütte: Königin Luise. Leben und Legende
Verlag C. H. Beck, München 2003; 119 S., 7,90 Euro
Man weiß ja, wie furchtlos sie Napoleon, in der Stunde der größten Demütigung Preußens, während der Friedensverhandlungen in Tilsit Anfang Juli 1807 entgegentrat. Doch der Franzosenkaiser war wachsam genug, um sich von ihrer Anmut nicht bestricken zu lassen. Immerhin: Die Legende um die preußische Königin Luise, die Gattin des etwas tumben Friedrich Wilhelm III., war geboren. Die Historikerin Luise Schorn-Schütte erzählt noch einmal farbig die Geschichte dieser Frau, die schon zu ihren Lebzeiten eine fast schwärmerische Verehrung genoss und nach ihrem frühen Tod 1810 zum Mythos wurde.
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