Fragen Sie mal einen Jugendlichen in Jakarta oder Sao Paulo, welche Namen ihm zu deutscher Popmusik einfallen. Wahrscheinlich ernten Sie nur ein Schulterzucken. Mit etwas Glück fallen die Namen "Rammstein" oder "Scorpions" - ein eher zweifelhaftes Glück, zugegeben.

Dass die deutsche U-Musik schon seit längerem weit mehr zu bieten hat als Schlager-affinen Softrock oder pubertären Martial-Sound, ist außerlandes wenig bekannt. Genau das zu ändern, hat sich das Goetheinstitut jetzt mit einem spektakulären Projekt zum Ziel gesetzt: Zwei Musiker, beide aus Berlin, beide bei ambitionierten Independentlabels, sollen ausziehen, die Welt das Staunen zu lehren. Das Staunen über die junge Berliner Musikszene, über betörende Klänge und verstörende Texte, über hinreißende Harmonien und die Einkehr der Lyrik in die Popmusik. Die Rede ist von Barbara Morgenstern (32) und Maximilian Hecker (26).

Als die eine 1996 begann, in Berliner Wohnzimmern und kleineren Clubs erst Freunde und Freundesfreunde, dann das Berliner Partyvolk für ihre musikalischen Experimente zu begeistern, stand der andere noch unbekannt mit seiner Klampfe am Hackeschen Markt und coverte Songs von Oasis und Tocotronic. Sein Traum, entdeckt und berühmt zu werden, hat sich überraschend schnell erfüllt. Gerade ist das zweite Album erschienen, und Maximilian Hecker bewegt sich so souverän auf der Bühne, als habe er schon immer im Scheinwerferlicht gespielt. Hecker gibt den Dandy. Britpop-Ponyfrisur, weißes Hemd, dunkle Stoffhose, schwarz polierte Herrenschuhe, blasser Teint: So tritt er vor sein Publikum und bittet einen ungebetenen (wirklich?) Groupie-Chor mit höflich sonorer Stimme, das Mitsingen zu unterlassen - er könne sich so unmöglich konzentrieren. Maximilian Hecker

Die Attitüde als Konzept, nun ja, nicht jedermanns Sache. Wie auch die in hauchdünnem Abstand zur Kitschgrenze dahin gleitenden Sehnsuchtslieder. Und doch: Die Songs, deren oberste Bestimmung für ihren Schöpfer darin besteht "schön zu sein", nehmen trotz oder gerade wegen ihrer eher schlichten Texte - alle auf Englisch, damit man's eher verzeiht - und vorhersehbaren Melodien unweigerlich ein. Man schämt sich ein bisschen ob ihrer Schmelzkraft; immerhin hat man sich derlei in Falsett gehauchten Popballaden seit Lionel Richie und A-ha erwachsen geglaubt. Doch ehe man sich's versieht, steht man leise summend vor der Bühne - kurz davor, die Augen zu schließen, wenn der Bub dort vorne nicht so nett anzusehen wäre.

Während Maximilian Hecker also das Klischee zum Programm macht, bewegt sich Barbara Morgenstern außerhalb der gewohnten Pop-Kartographie. Die bisweilen Rilkesche Sprachmagie ihrer Texte muss jeden in Bann ziehen, der sich gerne in poetische Nebenwelten begibt.

"In der Nacht vor dir
scheint der Mond dir blau.
Und die Nacht verbirgt
das, was du nicht glaubst."