Belletristik

Von Susanne Mayer

Benny Barbasch: Mein erster Sony
Roman. Aus d. Hebräischen v. Vera Loos und Naomi Nir-Bleimling
List Taschenbuch, München 2003; 411 S., 8,95 Euro
Ein kleiner Junge mit großem Ohr, genauer gesagt, mit Mikrofon und angeschlossenem Tonband, hört zu und nimmt auf, was die Erwachsenen vor sich und den Kindern verstecken wollen: wie ihre verärgerte und verzweifelte und irrlichternde Stimme klingt, was Hoffnung und Illusion und Verzweiflung im Alltag anrichten. So weiß der Kleine immer mehr, als die Großen von sich wissen, was viel ist in einer Gesellschaft wie der in Israel, wo ein Wort wie „Russland“ wilde Erinnerungsstürme entfacht und „verheizen“ alle Kälte des Unmenschlichen hereinbrechen lässt. Ein wunderbares Buch, voller Slapstick und auch feiner Ironie.
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Pat Barker: Der Eissplitter
Roman. Aus dem Englischen von Barbara Ostro
Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2003; 239 S., 14,50 Euro
Ein junger Mann stürzt sich in einen eisigen Fluss und wird von einem Mann gerettet, der ihn schon einmal vernichtet hatte: weil er ihn, der damals noch Kind war, vor einem Gericht als kaltblütigen Mörder beschrieben und dem Gefägnis zugeführt hatte. Nun treffen sie sich also am Ende einer zerstörten Jugend und nehmen das psychoanalytische Gespräch wieder auf, doch was das Kinderleben an Verzweiflung und Hoffnung barg, versteckt sich vor dem Erwachsenen. Entblößt wird dagegen seine eigene prekäre Existenz. Pat Barker, hoch dekorierte Autorin einer Trilogie über den Ersten Weltkrieg, Niemandsland, berichtet mit kühlem Blick aus den Schützengräben der bürgerlichen, ach so zivilisierten Welt, ein Buch voller Spannung und Melancholie.
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Sachbuch

Von Volker Ullrich

Gerd Fesser: Reichskanzler Fürst von Bülow. Architekt der deutschen Weltpolitik
Militzke Verlag, Leipzig 2003, 255 S., 24,80 Euro
Bernhard von Bülow, der dritte Reichskanzler nach Bismarck (1900 bis 1907), war der wilhelminische Politiker par excellence. Er war erpicht auf eine deutsche Weltmachtstellung, und er beherrschte die Kunst, Kaiser WilhelmII. mit seinen Schmeicheleien zu umgarnen, wie kein Zweiter. Gerd Fesser schildert in seiner wohltuend unaufgeregten Biografie (eine erweiterte und überarbeitete Neuausgabe seines Buches von 1991) den Lebensweg dieses Mannes, der mit seinen Denkwürdigkeiten (1931/32) der wilhelminischen Hofgesellschaft (und damit sich selbst) einen entlarvenden Spiegel vorhielt.
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