Im Jahre 1970 presste Miles Davis seine Verehrung für Jack Johnson, das erste afroamerikanische Schwergewicht mit Boxweltmeistertitel, aus seinen Lungen und dann auf Vinyl. Das Album, "Tribute to Jack Johnson", endet mit einem Zitat aus dem Film, als dessen Soundtrack es produziert wurde: „I’m Jack Johnson. I’m black, and they never let me forget it. I’m Jack Johnson. I’m black, and I never let them forget it.“ Auf der gerade erschienenen Kompilation "Hits and Misses: Muhammad Ali And The Ultimate Sound Of Fistfighting" (Trikont US 0314) sagt ein unbekannter Amerikaner über den populärsten schwarzen Boxer aller Zeiten, sein größter Kampf sei sein Kampf gegen Uncle Sam gewesen. Als ironischer Kommentar läuft im Hintergrund Woodie Guthries "This Land Is Your Land".

Der Kreis schließt sich. Nicht von ungefähr sind die Hymnen auf Muhammad Ali, die "Hits And Misses" versammelt, aus den USA der Siebziger, aber auch aus Afrika, der Karibik und Südamerika – aus Ländern, in denen die Nachfahren afrikanischer Sklaven leben. „So brother, so boxer, so man“, singt der brasilianische Samba-Superstar Jorge Ben und macht deutlich, dass die Faszination für Muhammad Ali nicht allein auf seinen Boxkünsten beruhte. Die Weigerung des „schönen Kriegers“ (Toni Morrison), sich als Soldat im Vietnamkrieg verheizen zu lassen, und seine Rolle als Galionsfigur der schwarzen Freiheitsbewegung sind der Stoff, aus dem nicht nur Legenden, sondern auch Popsongs zugeschnitten werden.

Gewandet in heiße Funk-, Soul-, Rocksteady- und Charanga-Kostüme, wurden aus den Volksliedern und Kampfrufen ("Ali boum ye" – Ali, hau ihn um) Tanzbodenfeger, die auch heute noch jede Clubnacht bestreiten könnten. Misses – Danebengegangenes – gibt es kaum auf dieser sorgfältig zusammengestellten Dokumentation, jeder Song auf der CD klingt wie ein Hit. Und kaum zufällig spielt der amerikanische Soul der siebziger Jahre stilistisch eine große Rolle. Erstens hat sich Muhammad Ali selbst in diesem Genre versucht, wie man auf "Hits And Misses" hören kann. Darüber hinaus verbindet den Boxer und gute Soulmusik das Emphatische, die "big mouth"-Attitüde, nicht zu vergessen das tänzerische Element. „Float like a butterfly, sting like a bee“ – Alis Reklame für sich selbst ist wie geschaffen, mit dem Beat unterlegt zu werden, den sie in dem Song "The People’s Choice" von der Band mit dem schönen Namen The Best Ever auch bekommt: eine synkopisch versetzte Motown-Drumline, scharfe Trompetensätze und soulige Frauenstimmen, die ihre Begeisterung für den Champ gerade heraussingen. Meistens bekennt man sich im Soul zu Gott, manchmal auch zu einem Boxer.