Das Video steht still. Die Ruine eines Hauses liegt in einer leeren Landschaft, die gegen den Horizont von Bergen begrenzt wird. Die Szene wirkt mediterran oder orientalisch. Vom einstigen Wohnhaus stehen nur noch die Sonnenterrasse und der unförmige, von Säulen getragene Rest einer ersten Etage. Davor befindet sich ein Berg aus Schutt, und davor eine karge Wiese. Langsam wird das Standbild überblendet. Plötzlich ist die Ruine weiß. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es sei Schnee gefallen, doch der mattgrüne Rasen hebt sich auffällig von dem Weiß ab. Schnitt. Zwischen den Mauerresten erscheint eine kleine, schwarze Gestalt. Im nächsten Bild erkennt man sie als schwarz gekleidete Frau mit langem, schwarzem Haar, die mit einem breiten Pinsel weiße Farbe auf die spärlichen Reste des Hauses aufträgt. Von nun an wechselt die Kamera immer wieder den Standpunkt. Sie zeigt die Frau mal aus der Nähe, mal aus der Ferne während des wiederholten Weißelns der geborstenen Betonpfeiler, der Mauerreste und des unkenntlichen Gerölls.

Kurz darauf betritt ein schwarz gekleideter Mann die Szene. Er kommt langsam mitten aus den Trümmern heraus, bleibt kurz stehen, geht dann zu der Frau und wendet ihr den Rücken zu. Sie wird jetzt wieder und wieder weiße Farbe über seinen Rücken streichen. Ein breiter, weißer Strich entsteht auf dem schwarzen Gewand - da wo das Rückgrat ist. Etwas später übermalt sie eine andere Stelle der Ruine und die Kamera geht auf Distanz, es wird herausgezoomt. Ein vorletzter Schnitt zeigt eine Ziegenherde, die an dem Haus vorbeizieht und das letzte Bild zoomt noch einmal auf die Ziegen, die über das geweißte Geröll klettern. Dann endet der Film unvermittelt.

Das Video White House zeigt, so der Untertitel, die Dokumentation einer Performance in Kabul. Es ist fast gänzlich aus Standbildern geschnitten, die langsam aufeinander folgen. Gezeigt wird immer derselbe Ort: die Ruine in der kargen Landschaft. Es gibt keine Schwenks, keine schnellen Schnitte, keine Montagen. Nur zweimal wird gezoomt, langsam überblendet und ein einziger Trick fällt auf: Wenn der Mann die Szene betritt, wird die Zeitlupe gewählt. Alles in allem sind Filmbilder und Filmtechnik unspektakulär, wenig elegant, bisweilen spröde. Und ebenso minimal bis unscheinbar ist auch die Handlung in den Bildern. Ihr Ergebnis ist sogar nahezu unsichtbar. Man sieht nämlich nicht dem Weißeln der Ruine zu, sondern man sieht, wie eine Frau weiße Farbe über bereits geweißte Gebäudereste streicht. Sie übermalt sie ein zweites oder drittes Mal, während der erste Anstrich zuvor geschehen ist. Die eigentliche Arbeit, die anstrengend und zeitaufwändig gewesen sein muss, wird nicht gezeigt.