Biologen unterscheiden seit einiger Zeit nicht mehr zwischen Mensch und Tier, sondern sprechen von menschlichen und nicht-menschlichen Tieren. Die menschlichen Erbinformationen (das Genom ) unterscheiden sich nicht grundsätzlich von der tierischen. Nur zwei Prozent Unterschied machen aus einem Affen einen Menschen - oder umgekehrt. Das ist nicht eben viel. Entsprechend laut rufen Tierrechtler und Vegetarier nach einer radikalen Veränderung unserer Bewertung von Tieren.

Es stimmt wohl. Unser Verhältnis zu Tieren ist komplizierter geworden. Wir leben mit dem Paradox (dem Widerspruch), dass Menschen die meisten Tierarten zwar von innen und außen genau erforscht haben, dass sie aber in unserem Alltag überhaupt nicht als lebende Tiere vorkommen. Also halten sich überall romantische Vorstellungen vom wilden Tier, während wir unser Verhältnis zu den Haustieren total vermenschlicht haben. Noch paradoxer aber ist, dass die meisten von uns regelmäßig Fleisch essen und dabei verdrängen, dass dafür täglich gigantische Mengen von sogenanntem Schlachtvieh maschinell getötet werden. Nur während einer Krise – wie eben jetzt wieder während der Vogelgrippe - wird die Tötungsmaschinerie erschreckend sichtbar: Aus Vorsorge für die Menschen werden Tiere millionenfach "gekeult" (das ist der Ausdruck für die Tötung seuchenkranker Tiere).

Wir stecken in einer Zwangslage, die nicht durch Viren entstanden ist, sondern durch die Tierhaltung der Massengesellschaften selbst. Zugleich können und dürfen wir nicht ausblenden, dass Menschen zu allen Zeiten und überall Tiere beherrschten und töteten, um zu überleben. Der Konflikt fordert uns heraus, die Traditionen, unsere nahezu besinnungslosen Denk- und Handlungsmuster im Umgang mit den "anderen Tieren"; zu überdenken. Doch muss das heißen, dass wir alle zu Veganern werden sollen, die ihr Leben der Leidensvermeidung von Tieren unterordnen? Und wenn, müssten wir dann nicht gleich zu Frutariern werden, die noch die Pflanzen schonen und nur noch essen, was die Natur freiwillig rausrückt? Wer weiß denn, wer oder was eine Seele hat?

Der Streit entsteht wie immer an den Grenzen. Wie können wir zukünftig mit Tieren besser und (art-)gerechter umgehen? Haben Tiere Rechte? Wenn ja, welche Tiere haben welche Rechte? Was können wir von ihnen lernen? Wo können und müssen wir uns abgrenzen? Wann dürfen, wann müssen wir Tiere töten? Die Künstler und Künstlerinnen dieser Staffel gehen von solchen und ähnlich Fragen aus und konfrontieren uns mit ihnen durch bemerkenswerte Tierbilder und Installationen. Sie beobachten und verschieben die Machtverhältnisse zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Tieren und bringen ihre Betrachter damit in ziemlich ungewöhnliche Beziehungen zu Tieren.