Die Drittklässler laufen ungeduldig vor dem neuen Eingang von Hagenbecks Tierpark umher. Es hätte schon vor einer viertel Stunde losgehen sollen. Doch die Teilnehmerliste fehlt. Nach längeren Diskussionen mit Veranstaltern und Wärtern werden sie dann doch reingelassen. Die Kinder sind sichtlich gespannt, denn heute beschäftigt man sich nicht mit den kleinen Tieren. Die Gefährlichen, die Großkatzen, stehen auf dem Programm. Die stehen im Mittelpunkt der anschließenden Lesung. Sven Pfarr, der Führer des Rundgangs, leitet die Gruppe in Richtung Löwengehege. Ein dunkelhaariger Mann schließt sich der Gruppe an, erst später stellt sich heraus, dass er der Autor Werner Färber ist. Auf dem Weg hört man undefinierbares Gebrüll und freut sich, dass fast jedes Tier hinter einem sicheren Zaun gehalten wird. Einst, vor etwa 100 Jahren, konnten sich die Tiere noch frei bewegen. Carl Hagenbeck, der Gründer des Parks, entwickelte die so genannte "zahme Dressur". Jetzt wird klar, warum die Besucher ihn, einen Löwen streichelnd, in einer Statue verewigt sehen. Durch das grüne, mit vielen asiatischen Tempeln angelegte Gelände erreichen wir die Löwen, das heißt einen Löwen und zwei Löwinnen. Die Kinder drängeln sich nach vorne, jeder möchte am dichtesten dran sein. Es ist wieder da: das Gebrüll.
"Das klingt genauso, wie der Löwe aus dem Fernsehen. Der, der immer, bevor der Film losgeht, aus einem goldenen Kreis in die Kamera brüllt", stellt ein Mädchen fest.
Mithilfe von zwei kleinen Handpuppen, erklärt Pfarr, wie Löwen ihre Beute jagen und erlegen. "Falls ihr mal von einem Löwen gejagt werdet, wer von euch rettet sich auf einen Baum und wer springt in einen Fluss?", fragt der Tierforscher. Man tauscht sich kurz untereinander aus, und mit Handzeichen wird signalisiert, wer sich wofür entschlossen hat. Die Fluss-Springer haben gerade ihr Leben gerettet, denn Löwen sind extrem wasserscheu. Nach Löwen, Tigern, Leoparden und vielen pädagogischen Spielen ist die Lesung der nächste Programmpunkt. Im Zoo-Café sitzt Werner Färber auf einem ausgebreiteten Tigerfell auf einem Tisch und liest aus dem Buch "Alarm im Tigerhaus" vor. Mit dem ersten Wort hört das Gemurmel auf, und jeder lauscht. Bereits nach wenigen Zeilen, haben die Kinder das Gefühl, selbst eine Person aus dem Buch zu sein. Die Handlung spielt im Tierpark. Drei Kinder begeben sich auf eine unheimliche Mutprobe: Jeder muss nachts heimlich durch den Zoo schleichen. Nach den beiden ersten Kapiteln möchte jeder wissen, wie es weitergeht, aber Werner Färber macht es spannend und legt eine Fragerunde ein. "Wie kommen Sie auf die Namen der Personen im Buch?" möchte ein Mädchen wissen. Namen hätten für ihn einen besonderen Stellenwert, so habe er zum Beispiel die Zwergziege "Tanja" nach einer Frau benannt, die er nicht leiden könne.Zum Schluss gibt es Autogramme für die Kinder, begeistert verlassen sie das Café. Werner Färber, der sich selbst dafür eingesetzt hat, seine Lesung in diesem Stile durchzuführen, erntet Lob von allen Seiten. Der Veranstaltungsort konnte besser nicht gewählt sein, und die Lesung wurde zu einem der Highlights der Hamburger Lesetage.Werner Färber: Tierpark Trio: Alarm im Tigerhaus
Ars Edition, Januar 2003, 96 Seiten, gebunden, 8,50 Euro
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