Das Thema „Arbeitswelt und Management“ zieht. Zumindest zeigte sich das am vollbesetzten Lesesaal der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg. Die beiden Autoren Wolfgang Schur und Günter Weick brachten dem Publikum die „Fehler bei Führungskräften“ in konventioneller Managerkluft unkonventionell nahe. Denn: Ihr Sachbuch besteht zur Hälfte aus einem Roman über einen Trainee, der alle Abteilungen eines Unternehmens durchläuft und dabei viele Problemgeschichten mit Chefs und Kollegen erlebt. Die andere Hälfte liefert als Sachbuch Analysen und gibt Lösungstipps für Probleme am Arbeitsplatz.Wolfgang Schnur brachte das Publikum in den Genuss zweier Geschichten, deren Hauptperson der Projektleiter Kurth ist. Kurth managt ein anspruchsvolles Projekt, und das ziemlich erfolgreich. Als Belohnung bekommt er ein zweites äußerst verantwortungsvolles Projekt mitsamt einem zweiten Chef aufgebürdet. Beide verlangen nun 100 Prozent Einsatz von ihm. Da aber Kurth nicht über 200 Prozent Kapazität verfügt, wird er schließlich magenkrank und fällt für zwei Wochen aus. Und das ausgerechnet in der wichtigen Phase des Projekts I! Was tun? Günter Weick liefert die Schlussfolgerung: Einem Mitarbeiter zwei Chefs zuzumuten ist ein klarer Führungsfehler. Früher oder später führt das auf beiden Seiten zu Frustrationen. Der Mitarbeiter sollte das im Planungsgespräch deutlich machen.In der zweiten Geschichte will Kurth mehr Verantwortung, will die Karriereleiter hinauf klettern. Der Chef ist von dem Vorschlag durchaus angetan und beschert ihm mit der neuen Position auch gleich einen neuen Mitarbeiterstamm. Kurth kündigt. Mit Menschenführung hat er nichts am Hut, fühlt sich überfordert. Schade für das Unternehmen, denn einen Fachspezialisten wie Kurth findet es nicht so schnell wieder. Was kann man tun? Als Unternehmen unbedingt Fachkarrieren ohne Führungsverantwortung ermöglichen. Denn: Göttlich begabte Facharbeiter sind selten begabte Führungskräfte, da sie mit dem Mittelmaß ihrer Mitarbeiter einfach nicht zufrieden sein können.Die anschließende Diskussion zeugte von vielen persönlichen Erfahrungen des Publikums. Die Mischung von Roman und Sachbuch kommt durch Nähe und Identifizierung an. Die Arbeitswelt ist eine eigene Kultur, die wie ein fremdes Land erkundet werden will. Die Autoren lichten mit ihrem Buch einige Mysterien.