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ARSCH BOMBE im städtischen Amtshaus

Die neue österreichische Regierung ist im Amt und niemand muss sich fürchten – heißt es. Auf den Straßen Wiens kann man Beobachtungen machen, die anderes verheißen.

© Dominik Vanyi

Bei einem Spaziergang durch Wien kam mir ein Plakat unter, das ich zunächst für Wahlwerbung hielt (die neue Regierung war jedoch bereits im Amt, die Wahlkampfspuren beseitigt). Der Eindruck verdankte sich der rot-weiß-roten Fahne, die durch die linke obere Plakathälfte wallte, der Text dazu lautete: SÜD-TIROL DANKT ÖSTERREICH und darunter in kleinerer Schrift: „für die Möglichkeit, bald schon wieder den Pass unseres Vaterlandes zu bekommen!“ Hatte sich tatsächlich die dortige deutschsprachige Bevölkerung zusammengetan, um für die angekündigte Doppelstaatsbürgerschaft zu danken? Die klein am unteren Plakatrand zu lesende Internetadresse – südtiroler freiheitskampf – verstärkte den gespenstischen Charakter dieses Grußes, der aus welcher Zeit stammte, aus welchem Krieg? Lebende Menschen jedoch, keine Gespenster, müssen das Plakat erstellt und die Werbefläche gemietet haben, ein Vertrag muss unterzeichnet, das Sujet geschickt, das Plakat gedruckt und von jemandem angebracht worden sein.

Werbung im öffentlichen Raum darf nicht gegen behördliche Vorschriften verstoßen. Worum handelt es sich bei dem voreiligen Dank der Südtiroler Freiheitskämpfer? Hier wird nicht um Stimmen geworben, vielmehr um Aufnahme. Asylwerbung sozusagen, die vielleicht nur deshalb nicht weiter verbreitet ist, weil die meisten in der Asylwerbung Tätigen nicht über genug Geld verfügen, um Grußbotschaften an Land, Bevölkerung, Regierung oder Magistrat anbringen zu lassen. Diese ließen sich jedoch problemlos in den öffentlichen Werberaum integrieren.

Werbeflächen dienen laut einem großen österreichischen Werbeflächenunternehmen dazu, „mit den Menschen auf den Straßen in Verbindung“ zu treten. Handelt es sich beim voreiligen Dank der Südtiroler Freiheitskämpfer um eine Kontaktaufnahme? Asylwerbende suchen ja oft den Anschluss an die Hiesigen. Völkerverständigung? Damit wären die Plakatgestalter wohl nicht einverstanden, geht es ihnen doch um die Zugehörigkeit zu ein und demselben Volk. Volksverständigung also. Das Werbeflächenunternehmen setzt sich laut Eigenaussage „für die Freiheit der Meinungsäußerung ein“, und zwar „in Verbindung mit Stärkung der Kommunikationsvielfalt“. Es wäre doch ganz im Sinne dieses Mission Statement, gewisse Werbeflächen kostenlos an Asylwerbende zu vergeben, die sich die üblichen Out-of-Home-Tarife nicht leisten können – eine Win-win-Situation: Das Unternehmen kann diese Spende steuerlich absetzen und für die Imagepflege verwerten. „Ein hohes soziales Engagement“ sei Teil der Unternehmenskultur, heißt es, und Nachhaltigkeit „ein wesentliches Anliegen“.

Einige Wochen später mache ich mich erneut auf den Weg zu dem Plakat, das mir nach wie vor im Kopf herumspukt, aber wie es sich für einen Spuk gehört, ist es verschwunden. Der Dank der Südtiroler Freiheitskämpfer wurde ersetzt, das neue Plakat verständigt das Volk über ein spektakuläres Event, bei dem Fahrzeuge live zu Schrott gefahren werden – über Flächen kann man mit Menschen in Verbindung treten. Das weiß auch das österreichische Parlament, das derzeit umgebaut wird. Der Betrieb ist deshalb in Container ausgelagert, die von der Öffentlichkeitsarbeit konsequent als Pavillons bezeichnet werden und auf deren Verkleidung man Zitate aus der Bundesverfassung, der UN-Menschenrechtskonvention und der Charta der Grundrechte der EU angebracht hat.

An der Bundesverfassung, der UN-Menschenrechtskonvention und der Charta der Grundrechte der EU orientiert sich offenbar auch das Werbeflächenunternehmen. Stichwort Vielfalt. Nachhaltigkeit. Förderung und Gleichstellung von Frauen (raten Sie: Werbeflächenfirma oder österreichisches Parlament?). Jedermann hat das Recht, seine Meinung innerhalb der gesetzlichen Schranken frei zu äußern. Form und Inhalt der Ankündigung dürfen nicht gegen die behördlichen Vorschriften verstoßen. Freiheit. Liberdade. Vrijheid. Markante Begriffe aus den Gesetzen in den EU-Amtssprachen sind eingestreut in die Zitate, „die sich wie Perlenschnüre rund um die Gebäude legen“. Die Parlamentscontainerpavillons sind sozusagen materialisierte Worthülsen, vor denen Besucher stehen und elektronische Geräte in die Luft halten (man weiß nicht, ob sie sich selbst oder das Containerpavillonparlament fotografieren). Der Intention der Gestalter zufolge werden sie „für Grund- und Freiheitsrechte sowie für den Wert von Demokratie und Parlamentarismus sensibilisiert“. Wohin wenden sie sich als Nächstes? Dem berühmten Balkon zu? Der Nationalbibliothek? In Richtung Sisi-Museum? Oder to the home of the schnitzel?

Auf der anderen Seite der Ringstraße mache ich eine weitere Entdeckung. Das sogenannte Felderhaus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und in den sechziger Jahren wieder aufgebaut, fügt sich aber mit seinen Arkaden harmonisch zwischen die benachbarten Gebäude ein. Auf der Informationsseite der Stadt wird das Gebäude nach wie vor als städtisches Amtshaus bezeichnet. „Auf drei Stockwerken und in unglaublichem Ambiente“ befindet sich hier seit einem Jahr ein Fitnessstudio. Über dem Eingang steht in fetten Lettern FAKULTÄT FÜR KÖRPERBAU. Das städtische Amtshaus liegt zwischen dem Hauptgebäude der Universität und dem Rathaus, in nächster Nachbarschaft zum Parlament. Die Aufschrift im Kreuzrippengewölbe zwischen Stuckelementen unterscheidet sich grafisch von den Perlenschnüren der Containerpavillonparlamentsgebäude. ES IST EGAL, WO DU HERKOMMST. WAS ZÄHLT IST, WO DU HIN WILLST. Fette, schwarze Majuskeln, Muskelpaketbuchstaben. Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Perlenschnüre. BLEIB HEISS. Im Fitnessstudio geht es nicht um alle Menschen, sondern um DICH, oft auch um UNS. WIR HABEN DEN TEMPEL. DU BRINGST DIE OPFER.

Das Parlamentsgebäude ist altersmarod, ein paar Hundert Meter weiter werden Schlachtfeste gefeiert. Oder ist das zu wörtlich genommen? Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie ist zu achten und zu schützen. Perlenschnüre. Im städtischen Amtshaus wirst DU unterstützt von QR-Codes und Touchscreens. Auch eine Form von Berührung. ES IST OK, SICH IN SEIN SPIEGELBILD ZU VERLIEBEN. Die provisorischen Parlamentspavilloncontainer haben etwas Putziges in ihrer modellhaften Kleinheit. Vor dem Eingang einige Metallständer, an denen Scooter abgestellt sind, die ohnehin immer wie Kinderfahrzeuge aussehen. Man kann sich gut vorstellen, wie der Bundeskanzler und der Kulturminister aus dem Containerpavillon treten, in dem innen an der Glasscheibe bunte Buchstaben kleben: DEMOKRATIEWERKSTATT. Wie sie ihre Scooter losbinden und zum Workout ins städtische Amtshaus düsen, das praktischerweise so nahe und NICHT NUR FÜR POLITISCHE SCHWERGEWICHTE ist – so wirbt das Fitnessstudio. Regierungsmitgliedern steht es außerdem gut an, in einem „rein rot-weiß-roten Unternehmen“ zu trainieren.

Im rot-weiß-roten Land sind mehr als 100.000 Menschen Mitglied in diesem Unternehmen und lassen es sich gefallen oder gefallen sich darin, durch herablassende, demütigende und menschenverachtende Sprüche zum Training aufgefordert zu werden. SCHICKSAL IST NUR EIN ANDERES WORT FÜR SCHWÄCHE. Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit. Perlenschnüre. DAS LEBEN IST HART, ABER BALD BIST DU HÄRTER. Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen. HIER ENDET DEIN SPAZIERGANG, steht am Eingang. Ein Teil der Bevölkerung, für die der Bundeskanzler und seine Regierung arbeiten, scheint Lust an der Unterwerfung zu empfinden. Beim Verlassen des Fitnessstudios heißt es: WENN DU JETZT NICHT ERSCHÖPFT BIST, GEHST DU IN DIE FALSCHE RICHTUNG.

Egal wohin du in dieser dunkelgrau-schwarzen Welt voller Metall- und Plastikgeräte blickst, wartet eine Botschaft auf dich. DU SCHMIEDEST DIE VORSÄTZE. WIR HABEN DAS EISEN. Noch nicht genug geleistet? Zurück in die Horde gleichmäßig ausgerichteter Geräte, die DICH laufen oder strampeln machen, ohne dass DU je einen Meter vorankommst. Leg den Kopf in den Nacken, um das harmonisch angelegte Kreuzrippengewölbe mit der Stuckverzierung zu betrachten, aber wahrscheinlich wirst du dann fallen und das hintere Ende des Laufbands bricht dir das Genick. DIE FALSCHE RICHTUNG. Jedes Kind hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge, die für sein Wohlergehen notwendig sind. NIE WIEDER KNABE IM LOCKIGEN HAAR. Träumer, Idealist, Weichei. STAHL will man sein, HART, HÄRTER, keine Mäuschen, MUSKELN. Das lockige Haar wird mit Gel, Spray, Glätteisen gefügig gemacht. Wehe der Locke, die dem männlichen Haarschopf entspränge und einer knabengleichen Weichheit Ausdruck verliehe! MACH DEINEN ARSCH BOMBE. Die Würde des Menschen ist unantastbar. AUCH MAL GREIFEN?, fragt der Schirm mit dem Bild eines Mannes im TEMPEL, es ist ein Touchscreen, er wird DICH unterstützen BEIM ERREICHEN DEINER PERSÖNLICHEN ZIELE. Aufgrund baulicher Umstände ist die FAKULTÄT FÜR KÖRPERBAU im städtischen Amtshaus derzeit nicht in Betrieb. JA, WIR HABEN GESCHLOSSEN. NEIN, DU HAST NICHT TRAININGSFREI. Härte ist gefragt, Befehlston wird honoriert. BLEIB HEISS. Mehr als 100.000 Menschen im rot-weiß-roten Land zahlen dafür, herumkommandiert und heruntergemacht zu werden. EISEN. STAHL.

„Also, es braucht sich hier wirklich in Österreich niemand zu fürchten“, sagt der Mann, der bei den Regierungsverhandlungen das Kulturverhandlungsteam der Kanzlerpartei geleitet hat, und man versteht die Südtiroler Freiheitskämpfer, die den Pass eines Landes wollen, in dem sich niemand zu fürchten braucht. Sicherheit. Bezpečnosť. Drošība. In einem der Interviews, die Asylwerbende zu absolvieren haben, müsste man die Freiheitskämpfer fragen, wovor sie sich in ihrem Land fürchten. Aus welcher Bedrängnis entsteht der Wunsch nach dem „Pass unseres Vaterlandes“?

VATERLAND – ein Wort, das sich ebenfalls gut in fetten, schwarzen Majuskeln machen würde, das aber im städtischen Amtshaus nirgends an der Wand steht. „Also, es braucht sich hier wirklich in Österreich niemand zu fürchten“, sagt der Kulturverhandler. „Auf der anderen Seite“, sagt der Kulturverhandler, „haben wir als neue Regierung den Leitsatz, dass wir Steuergelder zu verwalten haben“. Hunderte Millionen Euro für Kunst und Kultur, das ist beträchtlich! „Ja, man muss experimentieren in der Kunst und Kultur“, sagt der Kulturverhandler. „Auf der anderen Seite“, sagt der Kulturverhandler und nennt die Verantwortung gegenüber dem Steuerzahler. Und auf der einen Seite? „Erstens einmal ein ganz klares Bekenntnis zur Freiheit der Kunst und Kultur.“ UND DANN GEH WEITER.

„Wer bewertet, ob etwas wirklich eine nachhaltige und interessante Leistung auch ist für eine Gesellschaft?“, fragt der Kulturverhandler. Einfacher ist es, DU hältst DICH an DICH und DEINE PERSÖNLICHEN ZIELE. Österreich dankt. Jeder ist seines Glückes Schmied. ES IST EGAL, WO DU HERKOMMST – eleganter wäre natürlich, WOHER DU KOMMST, aber um Eleganz geht es nicht in der FUNCTIONAL AREA. Manche haben nichts als ihr Körpergewicht. WAS ZÄHLT IST, WO DU HIN WILLST. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die wollen ins Vaterland, es gibt welche, die wollen den Pass unseres Vaterlandes. GEH AN DEINE GRENZE. Die Freizügigkeit der Person. ARSCH BOMBE. Perlenschnüre. Alle Menschen sind frei und gleich. EIN ANDERES WORT FÜR SCHWÄCHE. Unter einem Stahlhelm aus Haaren auf einem Scooter durch stürmische Zeiten. Wer für hässliche Bilder zu weich ist, der mache sich HART und immer HÄRTER in der FAKULTÄT FÜR KÖRPERBAU im städtischen Amtshaus. SCHMERZ ≠ FEIND. „Also, es braucht sich hier wirklich in Österreich niemand zu fürchten“. Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite des ≠ steht der FEIND.

 

Material:

https://www.instagram.com/fitinn.at/

Startseite


Interview mit Martin Engelberg, kulturMontag, ORF III, 18.12.2017
http://gewista.at

Designpreis für die Parlamentspavillons auf dem Heldenplatz

 

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17 Kommentare

  1.   Marlonbrand0

    Ich finde es richtig, Verantwortung für sich, das eigene Leben, die Familie, den Staat, das Viertel zu übernehmen – das sind Lebensgrundsätze die es immer zu kultivieren gilt.

    Das Streben sich permanent zu verbessern sind mit eines der wichtigsten Güter die man verinnerlicht haben musst. Nichts bewegt sich von alleine. Und eines der größten Sünden und Reuen ist es doch in seinem Leben nicht seine Potenziale voll ausgeschöpft zu haben.

    Und diese Message greift niemanden an, die „Faulen“ können weiterhin so seien wie sie wollen – vielleicht wird man aber auch einfach inspiriert. Ich verstehe das Problem des Freitextes nicht – alle sollen faul sein?

    Oder

    Der erste Absatz allein, den Spagat zwischen den historischen Wünschen Südtirols, dem Wunsch nach Doppelpass einer semantisch unrelatierten Brücke zu „Asylanten von woanders dürfen und können das nicht so machen weil sie niemand mag“-Aussage zu treffen – reichlich verquer.

    On top ist die von mir erwähnte Ausseinandernahme von Slogans eines Fitnesstudios der gleichgesetzt wird mit Riefen Stahls Propagandawerken und einer wie auch immer geartete Bezugnahme auf gesunde Volkskörper.

    Bleiben sie halt schwach und faul – das ist kein Ziel für die meisten Menschen und so funktioniert eine Gesellschaft auch nicht und ein glückliches Leben auch nicht. Sie selbst haben sicher eigene Vorbilder denen sie nacheifern und die sie motivieren – warum also Allgemeinaussagen eines Fitnesstudios madig machen mit billigen NS-Vergleichen?

    Aber wie hat es Professor in Harvard und Toronto Jordan Peterson richtig gesagt:

    „Growing Up and Being Useful is The New Counterculture“

    https://www.youtube.com/watch?v=QctT0Oc_uQQ

    Aber bei Gender Studies hab ich aufgehört sie ernst zu nehmen. Ein politisch ideologischs Studium welches ihren Fokus darauf hat sich an dem kleinsten Mist zu echauffieren – mehr nicht. Bei den entstanden „wissenschaftlichen“ Arbeiten und Texten kommt dann nur ein mangelndes Verständnis über Zusammenhänge, Metaebenen und Variabeln Interaktionen zutage, lieber dafür plumpe populistische, identitätsverherrlichende oder verabscheuende Konklusionen die kaum ein 15 Jährigen Antifa/NPD Mitglied übersteigt.

  2.   T. Steffen

    Frau Freudenthaler, Ihr Faschisten-Detektor ist irgendwie kaputt. Er scheint ständig zu blinken und zu hupen. Ansonsten würden Sie in die (zugegebenermaßen wenig kreativen) Sprüche eines Fitness-Studios nicht einen dräuenden Austrofaschismus 2.0 hineininterpretieren und SO VIELE GROSSBUCHSTABEN VERWENDEN.

  3.   User XX

    „Die neue österreichische Regierung ist im Amt und niemand muss sich fürchten – heißt es. Auf den Straßen Wiens kann man Beobachtungen machen, die anderes verheißen“

    Heute schonmal einen Blick in die österreichischen Zeitungen geworfen ?

  4.   Samuron

    Ich weiß nicht worüber sich die Werte Dame hier echauffiert.
    Es ist jedem freigestellt, ob er sich in einem solchen Fitnessstudio anmeldet, ich persönlich finde die Sprüche die hier genannt werde eher lustig und motivierend.
    In der behüteten Welt der Gender-Studies braucht wahrscheinlich jeder dieser Sprüche mehrere Trigger-Warnings, aber das Leben ist nunmal kein Ponyhof, und wie bereits oben erwähnt wird ja niemand gezwungen dort hinzugehen.

  5.   LouiDerLustigeLeguan

    Durch die Verlinkung zur Hompage des Konzerns wird aus dem Text auch nur eine Werbeanzeige. Schade, bis dahin hatte mir der Text gefallen.

  6.   LechtsundRinks

    Bei aller Sympathie für Ihren Optimismus… ich habe das erste Mal Schwarz/Blau damals hautnah miterlebt und auch die subtile, sehr clevere Kritik, die damals durch die Straßen ging. Ich meine nicht die Märsche, selbstredend, aber wie es der Wiener schafft, mit einer gewissen Eleganz und Poesie sein Unbehagen auszudrücken. In kleinen Details, wie nun die von Ihnen geschilderten.

    Aber leider hat das absolut nichts geändert und ich denke das ist leider auch das Problem mit der österreichischen Mentalität in diesen Momenten. Der gemeine Österreicher ist verdammt feige und opportunistisch. Es wird keinen echten Protest geben, sondern eben nur diese subtilen „Bemerkungen“. Die sind unverbindlicher und meist anonym. Die kann man auch entfernen, falls sich der Wind dreht und wenn sie kryptisch genug sind, sogar einfach umdeuten.

    Wie gesagt… ich schätze Ihren Optimismus. Mir ist er in meiner alten Heimat leider schnell vergangen. Daher sagte ich dann auch: „Babaaa!“

  7.   fvaderno

    Die sogenannten ‚Freiheitskämpfer kämpfen nicht gegen das italienische Polit-Chaos an. Sie stören sich an den Folgen des Ersten Weltkrieges. Den großen Anteil der Kriegsschuld von Österreich und Deutschland blenden sie dabei aus. Ein sonst fast überall anerkannter Konsens lässt die Fakten gelten: Italien räumte Südtirol eine weitreichende Autonomie ein, stattete diese Provinz großzügig mit finanziellen Mitteln aus und erwartete, dass die Gewalt dort endet. Eine große Mehrheit der deutschsprachigen Südtiroler steht hinter diesen Vereinbarungen – Südtirol ist schließlich ein Ort großen Wohlstandes innerhalb Italiens.

    Es scheint im Interesse der weit rechtslastigen Regierung unter dem jungen und heißspornigen Kurz zu sein, diesen Frieden zu stören. Eine Minderheit die Realität verkennender Südtiroler hilft gerne dabei. Bei Wahlen zeigt sich, wie wenig Rückhalt die radikalen Parteien (‚Südtiroler Freiheit‘ und ‚Die Freiheitlichen‘) haben.

  8.   ErnstWilhelmOtte

    Ein großartiger Text. Erschütternd. Wahr. In welche Richtung gehen äh MARSCHIEREN große Menschenmengen gegenwärtig in Europa? Opa, wann ist wieder KRIEG?

  9.   erst denken dann schreiben

    Das hat mich jetzt ehrlich gesagt etwas überfordert.

  10.   Denke positiv

    Allein der Ausdruck Asylwerbende vergällt einem den Beitrag der Linksgrünen Moralistin. Hätte Sie mal was über messerstechende Scheinasylanten gesagt, wäre das Problem auf den Punkt gebracht in diesem vernebelndem Elaborat

 

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