Katja Oskamp

Die Einsamkeit im sechsten Stock

Unsere Autorin ist Schriftstellerin und arbeitet nebenher als Fußpflegerin in Marzahn. Im Frühling blühen dort die Kirschbäume, die Hasen hoppeln. Aber die Idylle trügt.

Marzahn - Die Einsamkeit im sechsten Stock
© Lena Mucha für ZEIT ONLINE

Dieser Text ist Teil unserer Miniserie „Fußpflege in Marzahn“. Alle Folgen finden Sie hier.

Das ganze Jahr über weht in der Ostberliner Plattenbausiedlung Marzahn ein kräftiges Lüftchen. Ich erkläre mir das mit der Nähe zum flachen Brandenburger Umland, über das die gefürchteten sibirischen Fallwinde hinwegsausen, um mit unzähmbarer Wucht direkt in Marzahn einzufahren, sich zwischen den Hochhausriesen in Windkanälen zu bündeln und alles, was nicht mit vollem Heimwerkereinsatz festgelötet ist, von den Balkonen zu fegen – Sitzkissen, Geranienkästen, Sonnenschirme. Weiter„Die Einsamkeit im sechsten Stock“

Katja Oskamp

„Was gibt’s Neues an der Front?“

Unsere Autorin ist Schriftstellerin und nebenher Fußpflegerin in Marzahn. Dass hier nur alte DDR-Bonzen leben, ist ein Klischee. Aber manchmal trifft sie doch einen.

© Sean Gallup/Getty Images

Dieser Text ist Teil unserer Miniserie „Fußpflege in Marzahn“. Alle Folgen finden Sie hier.

Noch immer geistert ein uraltes Vorurteil durch die Köpfe: In der Ostberliner Plattenbausiedlung Marzahn, heißt es, tummeln sich lauter ehemalige DDR-Bonzen und SED-Funktionäre. Das trifft nicht zu, wofür ich, allerspätestens seit ich als Fußpflegerin in Marzahn arbeite, meine Hand ins Feuer lege. Ich betreue die Füße von Maurern, Fleischern, Chemiefacharbeitern, Schneiderinnen, Verkäuferinnen, Krankenschwestern. Eine Elektronikfacharbeiterin ist dabei, eine Rinderzüchterin, eine Tankwartin. Fast alle meine Kunden sind Rentner, manche erst seit Kurzem, manche schon seit langer Zeit. Weiter„„Was gibt’s Neues an der Front?““

Katja Oskamp

„Mitten beim Sex is dit Bette einjekracht“

Unsere Autorin ist Schriftstellerin und arbeitet als Fußpflegerin in Marzahn. Hier trifft sie Menschen, deren Geschichten sonst selten gehört werden. So wie Frau Blumeier

© Sean Gallup/Getty Images

Dieser Text ist Teil unserer Mini-Serie „Fußpflege in Marzahn“. Alle Folgen finden Sie hier.

Die Vorurteile gegen die Plattenbausiedlung im Ostberliner Stadtbezirk Marzahn halten sich hartnäckig. Marzahn, heißt es, sei eine Betonwüste. In Wahrheit ist Marzahn quietschgrün, es gibt breite Straßen, genügend Parkplätze, intakte Gehwege und an Übergängen abgesenkte Bordsteinkanten, überall Rollpisten, und alles, was Räder hat, kommt bestens voran und ans Ziel.

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Katja Oskamp

„Wissense, wo se hier sind? Uff de Scheiße von Berlin“

Herr Paulke, Marzahner Ureinwohner, hat sein Leben lang geschleppt: Schränke oder Klaviere. Seine Füße sind reparaturbedürftig, seine Sprüche dafür umso flockiger.

© Sean Gallup/Getty Images

Dieser Text ist Teil unserer Mini-Serie „Fußpflege in Marzahn“. Alle Folgen finden Sie hier.

Am östlichen Rand von Berlin, in Marzahn, stehen die Plattenbauten: Elfgeschosser, Achtzehngeschosser, Fünfundzwanziggeschosser. Am Fuß eines solchen Hochhauses liegt unser Kosmetikstudio. Hier arbeite ich als Fußpflegerin. Als ich vor knapp drei Jahren anfing, gehörte Herr Paulke zu meinen ersten Kunden. Während der ersten Behandlung hatte er mich lachend gefragt: „Wissense, wo se hier sind? Uff de Scheiße von Berlin. Dit warn früher allet Rieselfelder, und denn hamse Hochhäuser hinjeklotzt. Wo de Erde uffjebuddelt is, könnset noch riechen.“ Weiter„„Wissense, wo se hier sind? Uff de Scheiße von Berlin““

Katja Oskamp

„Wenn’s wehtut, denn schrei ick“

Frau Guse aus Berlin-Marzahn, 85, hat fünf Kinder und ist seit Jahrzehnten Witwe. Alle sechs Wochen erzählt sie mir ihr Leben, während ich sie pediküre.

© [M] Andrew Ruiz / unsplash.com 
Dieser Text ist Teil unserer Mini-Serie „Fußpflege in Marzahn“. Alle Folgen finden Sie hier.

Mit der Straßenbahnlinie 6 fahre ich vierzehn Stationen, nach Osten, an den Berliner Rand. Die Reise dauert einundzwanzig Minuten. Ich steige aus und registriere den Temperaturunterschied. Wie immer kommt mir das Wetter in Marzahn, einst die größte Plattenbausiedlung der DDR, intensiver vor als in der Innenstadt. Die Jahreszeiten riechen stärker. Weiter„„Wenn’s wehtut, denn schrei ick““