Emma Braslavsky

Die Vorfahren aus Afrika, die Tochter semmelblond

Warum haben Menschen Angst vor Migration? Wir alle sind Geflüchtete. Eine Speichelprobe hat mir die Geschichte meiner Familie erzählt. Sie wird bei allen ähnlich sein.

Zugvögel nahe Rahat, Israel © REUTERS/Nir Elias

Es geschah im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts in einem kleinen Dorf in Westafrika, unweit der Atlantikküste, wo die Geschichte zwar längst nicht begonnen hatte, aber wo sie einen nächsten entscheidenden Wendepunkt nahm: Eine meiner Ur-Ur-Ur-Ahninnen ergriff die Flucht. An sich keine spektakuläre Sache in den Annalen meines Klans, aber diesmal sollte sie nicht nur interkontinentale Ausmaße haben, sondern derartige Konsequenzen, die die jüngsten genuinen Linien meines Geblüts im (für historische Verhältnisse) „Affentempo“ verbogen. Weiter„Die Vorfahren aus Afrika, die Tochter semmelblond“

Emma Braslavsky

Auf den Ferrari hätte ich gern geschissen!

Wenn irgendwo „Zukunft“ oder „Fortschritt“ draufsteht, hecheln alle brav hinterher. Ob die Ideologie dahinter aggressiv oder frauenfeindlich ist, dafür sind wir blind.

© Jean Gerber/https://unsplash.com/photos/vkCyrRJsHss

Stell dir vor, du wachst eines Morgens auf und weißt: Heute ist der Tag, der dein Leben endlich verändern wird. Und falls du männlich sein solltest, stell dir vor, du seist eine Frau, die sich von Geburt an als Frau fühlen musste, die, auch wenn sie es wollte, kein Mann sein wollen konnte, eine Frau in ihren besten Jahren, eine reife Frau in einer fabrikneuen Welt, in der sie als Weib eine Zumutung ist. Du verachtest dich jeden Tag dafür, dass du nicht als Junge geboren wurdest oder dich wenigstens als Junge fühlen konntest. Du verachtest deine Mutter dafür, dass sie dich nicht rechtzeitig abgetrieben hat. Und deinen anonymen Samenspender hasst du dafür, dass er ein ignorantes Arschloch war, dass er kein Interesse an deiner Geburt gezeigt hat, er hätte dich wenigstens noch totschlagen können. Weiter„Auf den Ferrari hätte ich gern geschissen!“

Emma Braslavsky

Anarchie? Dann doch lieber die Mücke machen!

Als Einzelner nicht den politischen Machtstrukturen ausgeliefert zu sein, ist eine Utopie. Aber Freiheit für alle? Das könnte ziemlich fatal enden.

© Arthur Poulin/unsplash.com (https://unsplash.com/@barchpou)

Stell dir vor, du wachst eines Morgens auf, nicht in deinem Bett, sondern auf einem Heuhaufen in einem Holzverschlag. Noch im Halbschlaf spürst du, wie sich das Stroh in deinen Rücken bohrt, deshalb rekelst du dich hin und her. Als du die Lider öffnest, blickst du in die Augen eines Gorillas, nicht irgendeines, sondern in die tief liegenden, undurchdringlich schwarzen eines Silberrückens. Weiter„Anarchie? Dann doch lieber die Mücke machen!“

Emma Braslavsky

Kriege und Walfang lohnen sich eben

Natürlich wissen wir, wie wir den Planeten vor dem Untergang bewahren können. Ändern wird sich nichts, solange wir unser korrumpiertes Belohnungssystem nicht abschaffen.

© Unsplash/Nasa

Stell dir vor, du wachst eines Morgens auf und erkennst deine Wohnung nicht mehr wieder. Das heißt, du weißt, dass du am selben Ort bist, aber nicht mehr zur selben Zeit. Wir schreiben das Jahr 2200. Der Kapitalismus ist Geschichte, das Regelwerk des Venus-Projekts bestimmt jetzt den Lauf der Welt. Du bist allein. Du weißt, nichts in den Räumlichkeiten gehört dir. Du weißt auch, nichts darin gehört sonst irgendjemandem. Es gehört niemandem, denn „Besitz ist Last“, heißt eine Regel. Weiter„Kriege und Walfang lohnen sich eben“