Für Mohammad Reza Mahmoudi hat sich der größte Wunsch seines Lebens erfüllt. Der 22-Jährige spielt seit knapp einem Jahr in der neu formierten Fußball-Nationalmannschaft Afghanistans und ist mächtig stolz darauf, in den elitären Kreis berufen worden zu sein. "Es war immer mein Traum, unter der Flagge Afghanistans Fußball zu spielen. Dass ich das nun geschafft habe, macht mich unglaublich glücklich", sagt der Mittelfeldspieler, der erstmals in seinem Leben für zehn Tage in Deutschland war. Auf Einladung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und finanziert vom Auswärtigen Amt absolvierte sein Team in der thüringischen Sportschule Bad Blankenburg ein Trainingslager.

Betreut wird die Auswahl des einstigen Kriegslandes, in dem trotz des Sturzes des Taliban-Systems im Jahr 2001 noch ausländische Truppen stationiert sind und das von Anschlägen immer wieder erschüttert wird, von Klaus Stärk. Der 51-jährige Württemberger gehört seit vier Jahren zu den 20 Trainern des DFB, die Entwicklungshilfe leisten. "Wir wollen den Grundstein legen, dass die Mannschaft in zwei bis drei Jahren in der Lage ist, im asiatischen Bereich mitzuhalten", sagt der frühere Lehrer, der bereits in der Mongolei, Kasachstan, Südafrika und im Libanon im Einsatz war und seit dem 1. September 2004 im Land am Hindukusch arbeitet.

Doch die Bedingungen in dem Vielvölkerstaat Afghanistan, dessen schwer erkämpfter Frieden durch Rivalitäten zwischen den Stämmen und Völkern weiter gefährdet ist, sind für Fußball-Millionäre wie Michael Ballack & Co. kaum vorstellbar. "Sportgerechtes Leben ist undenkbar, der Alltag mehr als schwierig", erklärt Stärk, der vom früheren Nationalspieler Ali Askar Lali unterstützt wird.

Strom und Wasser gibt es oft nur nachts, aber selbst dann nicht immer. Eine Wohnung und Arbeit hat fast keiner der Spieler, die meisten leben unterhalb des Existenzminimums. "Selbst die Ernährung ist ein großes Problem. So ist es schwer, in Form zu kommen und höheren Ansprüchen zu genügen", sagt Stärk, der aber um die einmalige Chance seiner Mannen, ein Nationalspieler zu sein, weiß. "So können sie was aus ihrem Leben machen."

In der Hauptstadt Kabul existiert zwar eine Liga mit 18 Teams, die müssen sich aber einen Platz im früheren Olympiastadion teilen, welches die Taliban früher als Hinrichtungsstätte nutzten. "Der Platz ist eigentlich nicht bespielbar", bekennt Stärk.