Die Poesie und die Fußballkunst - eine hoffnungslose Beziehung. Bis 1968 Peter Handke auf den Plan trat und ein ebenso kondensiertes wie überzeitlich gültiges Gedicht schuf:

Die Aufstellung des 1. FC Nürnberg vom 27. 1. 1968
Wabra
Leupold Popp
Ludwig Müller Wenauer Blankenburg
Starek Strehl Brungs Heinz Müller Volkert
Spielbeginn: 15 Uhr

Mit der alttestamentarischen Wucht der Geschlechternamen schien dieser Text den Beginn einer neuen Epoche zu markieren, zumindest in den Feuilletons fand die Verschwisterung von Geist und Fußball statt. In der literarischen Königsdisziplin, der Lyrik, tat sich allerdings nicht mehr viel.

Dem Dresdner Musik- und Theaterkritiker Gottfried Blumenstein wurde dieses Vakuum zu Beginn der laufenden Bundesliga-Saison bewusst. Allein ein Zurückgehen zu Handke war ihm nicht möglich, ihn drängte es vielmehr zu den Quellen der deutschen Klassik. Von Johann Wolfgang von Goethes Sonett Natur und Kunst ließ er sich zu seiner ureigenen Gründungsurkunde inspirieren.

Fußball und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen
Und haben sich, eh man es denkt, gefunden.
Die Obacht mittlerweile ist verschwunden,
Und beide scheinen gleich mich anzuziehen.

Mit diesem ersten Bundesliga-Sonett bestimmt der 40 Jahre alte Blumenstein - mit der Zeit vom aktiven Freizeitfußballer zum passiven Fußballzuschauer geworden - die ambitionierte ästhetische Position, von der aus er seitdem die Spiele seines Vereins FC Energie Cottbus kommentiert. Kaum hat er das Stadion der Freundschaft verlassen, versucht er sich an jener klassischen Gedichtform mit ihren zwei Quartetten und zwei Terzetten, kämpft unter enormem zeitlichen Druck gleichermaßen mit den Tücken des Metrums wie mit den schmerzlichen Heimniederlagen seines Clubs, zum Beispiel beim 2 : 3 gegen Leverkusen.

Der Sieg, der lag wohl fast gleich zehnmal vor den Füßen.
Zu viele Chancen, um hier alle zu erwähnen.
Am Ende jedoch war das Aug gefüllt mit Tränen,
Denn für den blinden Eifer musst man bitter büßen.