Der Bundesfinanzhof in München bezweifelt, dass das seit 2007 geltende Abzugsverbot für die Kosten eines Arbeitszimmers verfassungskonform ist. Im konkreten Fall ging es um einen Lehrer, dem kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Dieser dürfe sich auf der Lohnsteuerkarte einen Freibetrag für seine Aufwendungen eintragen lassen, entschieden die Richter des höchsten deutschen Steuergerichts in dem am Mittwoch veröffentlichten Beschluss (Az: VI B 69/09). Im Steuerbescheid werde das Finanzamt die Absetzbarkeit aber nicht anerkennen, sagte ein Gerichtssprecher. Der Lehrer könne dann dagegen Einspruch einlegen.

Die Entscheidung hat allgemeine Bedeutung: Auch andere Steuerzahler können davon profitieren und ihre monatliche Steuerlast durch einen Eintrag auf der Lohnsteuerkarte reduzieren. Allerdings könnte ihnen mit dem Steuerbescheid eine Nachzahlung drohen, falls das Finanzamt den Abzug nicht akzeptiert. Möglich bleibt zudem, das Arbeitszimmer in der jährlichen Steuererklärung geltend zu machen. Ob das Finanzamt dies akzeptiert, hängt von einer endgültigen Klärung durch das Bundesverfassungsgericht ab.

Vor mehreren Gerichten klagen Steuerzahler derzeit gegen die Regelung und erhoffen sich – ähnlich wie bei der Pendlerpauschale – eine abschließende Klärung durch die Karlsruher Richter.

Seit 2007 können Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nur dann als Werbungskosten von der Steuer abgezogen werden, wenn das Zimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bildet. Das Finanzamt Wilhelmshaven hatte dem Kläger daher verweigert, einen Werbungskostenfreibetrag auf der Lohnsteuerkarte einzutragen. Das Finanzamt argumentierte, der Mittelpunkt der Lehrerarbeitstätigkeit liege in der Schule.

Nach einer Entscheidung des Niedersächsischen Finanzgerichts wurde der Fall beim BFH im Eilverfahren entschieden, weil es um den Freibetrag – und damit Steuerabzug innerhalb des Jahres 2009 geht.