Das Gericht befand Marco für schuldig, im Osterurlaub 2007 die damals 13-jährige Britin Charlotte sexuell missbraucht zu haben. Der Berufsschüler hatte dies stets bestritten. Der Staatsanwalt hatte eine Verurteilung wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs gefordert, ohne ein konkretes Strafmaß zu formulieren, die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Charlottes Anwalt Ömer Aycan, der zehn Jahre Haft verlangt hatte, zeigte sich unzufrieden mit dem Urteil. "Ich werde meinem Klienten ein Revisionsverfahren vorschlagen", sagte er im Gericht in Antalya. Dort kündigte Marcos Verteidiger Mehmet Iplicioglu ebenfalls Berufung gegen das Urteil an. In seinem Plädoyer hatte er die Beweisführung als "nicht wissenschaftlich und professionell genug" gerügt. "Die Beweise sind nicht ausreichend, um Marco zu bestrafen."

Wie von Marcos Verteidigung für den Fall eines Schuldspruchs gefordert, gaben die türkischen Richter dem Schüler einen Strafnachlass wegen guter Führung und seinem jugendlichen Alter zum Zeitpunkt des Vorfalls. Die grundsätzlich veranschlagte Strafe von vier Jahren wurde von dem Gericht auf gut zwei Jahre verringert. Die Forderungen nach einer harten Strafe in der Türkei standen im Gegensatz zu einer Entscheidung der deutschen Justiz, die ein Ermittlungsverfahren gegen Marco eingestellt hatte. Der Verdacht des sexuellen Missbrauchs habe sich nicht bestätigt, hatte die zuständige Staatsanwaltschaft Lüneburg erklärt.

Marco war für den Urteilsspruch nicht in die Türkei gereist, sondern erfuhr in seiner niedersächsischen Heimat von der Entscheidung der Richter. Er hatte stets ausgesagt, dass es mit Charlotte nach einem Discobesuch zu einvernehmlichen Zärtlichkeiten gekommen sei. Das Mädchen habe ihm gesagt, es sei 15 Jahre alt.

Marco war am 12. April 2007 in einem Urlaubshotel an der türkischen Riviera festgenommen worden. Nach 247 Tage in türkischer Untersuchungshaft konnte er dann nach Deutschland ausreisen. Inzwischen setzt er in seiner Heimat eine Ausbildung fort und musste zu den Prozessterminen nicht mehr in die Türkei reisen.