Straßen im Katastrophengebiet sind durch Erdrutsche unpassierbar, Hunderte Häuser liegen in Trümmern, auch das Krankenhaus der Großstadt Padang ist zerstört – das erschwert die Hilfe für die Menschen in den vom Erdbeben betroffenen Regionen. Die Regierung schickte bisher zwei Transportflugzeuge mit Zelten, Medikamenten und Nahrungsmitteln in die besonders betroffene Großstadt Padang. Unterwegs sind auch Vertreter zahlreicher Hilfsorganisationen.

Das christliche Hilfswerk World Vision schickte Mitarbeiter nach Padang. Mehr als 2700 Nothilfe-Pakete mit Lebensmitteln, Decken und Kleidung lägen für die Erdbebenopfer bereit, sagte eine Sprecherin. Das Hilfswerk bat um Spenden für weitere medizinische Hilfe, Trinkwasser und Nahrungsmittel. Auf Sumatra ist auch ein internationales Caritas-Team im Einsatz. Die Organisation Humedica entsandte ein Ärzteteam.

Die Bundesregierung stellte eine Million Euro Soforthilfe zur Verfügung. Das Geld soll insbesondere dem Bau von Notunterkünften und der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Trinkwasser dienen. Auch ein Krisenteam des Technischen Hilfswerks soll ins Krisengebiet reisen.

Das Beben mit einer Stärke zwischen 7,6 und 7,9 hatte vor allem die Bezirke Padang Pariaman und Sungai Giringging durchrüttelt, wo Hunderte Häuser eingestürzt sein sollen. Am örtlichen Flughafen der 900.000-Einwohner-Stadt Padang brach, einem Fernsehbericht zufolge, das Dach zusammen und begrub zahlreiche Reisende. Das ganze Ausmaß der Schäden ist noch immer unklar.

Der Erdstoß war auch in der Hauptstadt Jakarta zu spüren, ebenso in Singapur und Malaysia. Das Epizentrum lag rund 50 Kilometer nordwestlich von Padang vor der Westküste von Sumatra.

Die Zahl der Toten nach dem Erdbeben verdoppelte sich binnen weniger Stunden: 529 Tote zählten die Behörden am Donnerstag. Die Helfer rechneten damit, dass noch mehrere Tausend Menschen unter den Trümmern begraben sind. Nach Regierungsangaben bargen Helfer bislang mehr als 400 Verletzte.

Die indonesische Gesundheitsministerin Siti Fadilah geht von mehr als 1000 Todesopfern aus. Die Schäden könnten noch schlimmer sein als in Yogyakarta, wo durch ein Beben 2006 mehrere Tausend Menschen starben, sagte sie Reportern. Damals waren 150.000 Häuser zusammengebrochen.

Viele Zufahrtsstraßen zu der Stadt mit 900.000 Einwohnern waren nach dem Erdbeben von Erdrutschen zugeschüttet und unpassierbar, berichteten lokale Rettungsdienste. Die Telefonverbindungen waren zum Teil unterbrochen. Der Flughafen öffnete am Donnerstag wieder. Die anfangs befürchtete Tsunami-Flutwelle war am Mittwoch ausgeblieben.

Ein zweites Beben der Stärke 7 erschütterte Sumatra am Donnerstagmorgen in einer geringen Tiefe von 24 Kilometern, 240 Kilometer südlich von Padang. Aus der näher daran gelegenen Provinz Jambi wurden zunächst keine Schäden gemeldet.

Vor Sumatra ereignete sich auch das Beben Weihnachten 2004, das den verheerenden Tsunami mit 230.000 Toten rund um den Indischen Ozean auslöste.

Südostasien war in den letzten Tagen von mehreren Katastrophen betroffen. Wenige Stunden vor dem beben auf Sumatra hatte nach einem Seebeben ein Tsunami Teile der weiter westlich gelegenen Samoa-Inseln überrollt. Auf den Philippinen und in Vietnam hatte am Wochenende bereits ein Tropensturm gewütet.