Der Vater des Amokläufers von Winnenden muss sich aller Voraussicht nach bald vor Gericht verantworten. Die baden-württembergische Staatsanwaltschaft werde auf Anweisung der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart Anklage erheben, teilte das Justizministerium Baden-Württembergs am Donnerstag mit.

Nach dem Amoklauf von Winnenden und Wendlingen im März dieses Jahres war gegen den Vater von Tim K. wegen fahrlässiger Tötung in 15 Fällen ermittelt worden. Der Vater gilt in dem Fall als Nebentäter. Der Grund: Er soll seine Sorgfaltspflicht verletzt haben, indem er seine Waffe nicht – wie vorgeschrieben – verschlossen aufbewahrt hatte.

Der Amoklauf hatte eine deutschlandweite Debatte über den Besitz und die Aufbewahrung von Waffen nach sich gezogen. Zahlreiche Verbände und Organisationen hatten gefordert, den Waffenbesitz grundsätzlich einzuschränken oder die Richtlinien für die sichere Aufbewahrung von Pistolen und Gewehren zu verschärfen. Besonders Sportschützen wie der Vater von Tim K., die ihre Waffen häufig zu Hause aufbewahren, waren in die Kritik geraten.

Tim K. erschoss 15 Menschen und sich selbst

Am Tag des Amoklaufs war Tim K. in einem schwarzen Tarnanzug in die Schule gegangen und hatte sowohl im Gebäude als auch auf dem Schulhof mit einer Schusswaffe der italienischen Marke Beretta wahllos um sich geschossen. Danach floh er in Richtung Innenstadt. Er nahm einen Autofahrer als Geisel und zwang ihn, bis ins 20 Kilometer entfernte Wendlingen zu fahren.

Von dort fuhr er anschließend allein weiter bis zu einem Industriegebiet, in dem er in einem Autohaus zwei Passanten erschoss und sich einen Schusswechsel mit der Polizei lieferte. Dabei wurden zwei Polizisten schwer verletzt. Nachdem er selbst am Bein getroffen wurde, erschoss Tim K. sich selbst.