Die Staatsanwaltschaft hat im Prozess um den Mord an der Ägypterin Marwa al-Scherbiny im Dresdner Landgericht eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Angeklagten Alex W. gefordert. Oberstaatsanwalt Frank Heinrich plädierte am Montag außerdem dafür, die besondere Schwere der Schuld festzustellen, was eine Freilassung nach 15 Jahren erheblich erschweren würde. 

Seine Schuld wiegt besonders schwer.
Oberstaatsanwalt Frank Heinrich

"Seine Schuld wiegt besonders schwer", sagte Heinrich in seinem Plädoyer. Der Angeklagte habe vor den Augen des dreijährigen Sohnes "eiskalt wie ein Killer" dessen Mutter "niedergemetzelt" und den Vater schwer verletzt. Alex W. habe die Tat kaltblütig geplant und beide Opfer töten wollen. Als Mordmerkmale stellte Heinrich Heimtücke und niedere Beweggründe fest. Das Motiv sei "bloßer Hass auf Nicht-Europäer und Moslems".

Der Angeklagte habe "mit aller Kraft, ruhig und konzentriert, aber schnell" auf die 31-Jährige und ihren Mann eingestochen. "Er hat einen Menschen getötet und einen weiteren so" schwer verletzt, dass dieser nur durch Glück überlebt hat." Dabei habe er sich weder vom Richter noch vom Pflichtverteidiger abhalten lassen und sogar "noch gnadenlos" auf die am Boden liegende, im dritten Monat schwangere Frau eingestochen. Ein Gutachter hatte den
Angeklagten als voll schuldfähig bezeichnet.

"Er hat ganz bewusst eine Familie zerstört" und "in keinster Weise" auf das Kind Rücksicht genommen. "Das zeigt seine Unbarmherzigkeit und Gefühlslosigkeit anderen gegenüber." Diese stünden im Widerspruch zum Selbstmitleid des 28-Jährigen, der sein Opfer selbst noch nach der Tat gegenüber dem Gutachter mehrfach weiter beschimpft habe. "Da fehlen mir fast die Worte", sagte Heinrich.

Alex W. ist geständig

Vergangene Woche hatte der Angeklagte das Verbrechen gestanden. Sein Anwalt Veikko Bartel verlas eine entsprechende Erklärung seines Mandanten im Dresdner Landgericht. In dem Geständnis gab der Russlanddeutsche die Angriffe auf die schwangere 31-Jährige und ihren Mann zu. Sein Motiv sei jedoch nicht Fremdenhass gewesen, sondern Enttäuschung über die deutsche Justiz, auch fühle er sich von der deutschen Bürokratie schikaniert.