Das Tief "Daisy" hat über ganz Deutschland eine Schneedecke ausgebreitet. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach meldete Schneehöhen zwischen 5 und 30 Zentimetern. Allerdings zog "Daisy" wesentlich langsamer über das Land als erwartet: In Nordrhein-Westfalen und Hessen begann es erst am Samstagmorgen stark zu schneien. Das Haupt-Niederschlagsgebiet des Tiefs lag über der Mitte Deutschlands und erstreckte sich vom Rheinland bis nach Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen. 

Besonders heftig betroffen ist die Ostseeinsel Fehmarn. Die Lage dort sei katastrophal, sagte der Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt. Außerhalb der Ortschaften waren viele Straßen vom Schnee verweht, Fahrzeuge blieben stecken. Anderswo im Kreis war die Lage der Polizei zufolge weniger dramatisch. Auch auf den Straßen von Hamburg und Schleswig-Holstein seien keine weiteren Vorfälle gemeldet worden, teilten die Leitstellen der beiden Bundesländer mit.

Für die südlichen und mittleren Teile Deutschlands gab es bereits schrittweise Entwarnung. In der Nacht hatte "Daisy" auf vielen süddeutschen Straßen zu teilweise starken Verkehrsbehinderungen geführt: Auf der A 5 an der deutsch-französischen Grenze im baden-württembergischen Neuenburg mussten die Fahrer von  300 bis 400 Lastwagen sowie einiger Pkw  die Nacht in ihren Fahrzeugen verbringen. Auch auf hessischen Autobahnen kam der Verkehr stellenweise zum Erliegen. Auf der A5 bei Friedberg stellten sich Lastwagen und Autos an einer Steigungsstrecke quer. In Trier verunglückte ein Winzer, als sein Traktor samt Anhänger auf einem abschüssigen und schneeglatten Abschnitt ins Rutschen kam. Nach Polizeiangaben sei der Mann aus noch ungeklärten Gründen unter das Hinterrad seines Traktors geraten und tödlich verletzt worden. Auch in Bayern und Baden-Württemberg kam es zu zahlreichen wetterbedingten Unfällen. In den meisten Fällen blieb es aber bei Blechschäden.

Auch der Flugverkehr ist eingeschränkt: Am Flughafen in Frankfurt am Main wurden 150 der 1300 geplanten Flüge gestrichen. Grund seien starker Schnee, Wind und schlechte Sicht gewesen. An anderen Flughäfen wie etwa Berlin, Düsseldorf und München kam es zu Verspätungen. Der Betrieb in Düsseldorf und Köln/Bonn lief Angaben eines Flughafensprechers zufolge zunächst ohne Behinderungen.

Im bundesweiten Bahnverkehr kam es hingegen nur vereinzelt zu Behinderungen und Verspätungen. Die Lage sei trotz des Schneefalls stabil, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Im Nah- und Fernverkehr müssten die Fahrgäste weiter mit leichten Verspätungen rechnen. Am Morgen hatte es in Leipzig und Magdeburg zum Teil erhebliche Verspätungen aufgrund von starkem Schneefall und Verwehungen gegeben. Dort habe die Bahn die Lage aber mittlerweile im Griff, sagte der Bahnsprecher. "Für die Bahn ist alles nicht so dramatisch, wie es prognostiziert wurde."

Trotz der insgesamt bislang ruhigen Situation rechnen die Behörden nach wie vor mit Unwettern bis Sonntag. "Im ganzen Land sind weiterhin Rettungskräfte, Polizei- und Feuerwehrbeamte sowie die Bundeswehr in Alarmbereitschaft und auf alles eingestellt", sagte der Sprecher des Lagezentrums in Kiel. Am Montag soll sich "Daisy" endgültig nach Osten verabschieden. Tauwetter ist aber auch dann nicht in Sicht, es bleibt bei der winterlichen Kälte.

Während das erwartete Chaos in Deutschland bislang ausblieb, leiden Menschen in weiten Teilen Europas unter dem extremen Wetter. In den Bergen im Südwesten der Ferieninsel Mallorca schneite es, wie der lokale Rundfunk berichtete. Für die nächsten Tage kündigten die Meteorologen Schneefälle selbst im Flachland an. Auf der Nachbarinsel Ibiza gab es heftige Regengüsse.

Galicien im Nordwesten Spaniens erlebte die schwersten Schneefälle in 25 Jahren. Mehrere Landstraßen und Bergpässe wurden gesperrt. Aus dem Süden Spaniens wurden Überschwemmungen gemeldet. Starker Regen fiel in den vergangenen Tagen auch im benachbarten Portugal.

Wegen heftiger Schneefälle brach im Osten Tschechiens ein Verkehrschaos aus. Seit Freitag schneit es ununterbrochen, aus ostböhmischen Regionen wurden 30 Zentimeter Neuschnee gemeldet. Im russischen Nordkaukasus tötete eine Lawine fünf Bergsteiger.

Starke Schneefälle führten auch im Westen und Süden Polens zu schweren Verkehrsproblemen. Die Autobahn A4, die den Grenzübergang Zgorzelec/Görlitz mit Breslau (Wroclaw) verbindet, wurde nach einem Unfall in Richtung Breslau gesperrt. Die Autobahn A2, die Hauptverbindungsachse zwischen Berlin und Warschau, wurde immer wieder durch Lastwagen blockiert, die zu schnell fuhren, dann ins Schleudern gerieten und sich quer stellten, berichteten Medien. In Schlesien fiel für 14.000 Menschen der Strom aus.

Schnee störte auch den Flugverkehr in Frankreich erheblich. Am Pariser Flughafen Charles de Gaulle sollte am Samstag ein Viertel aller Flüge ausfallen. Der Toulouser Flughafen war am Vormittag nach bis zu zehn Zentimetern Neuschnee komplett gesperrt. Unterdessen waren im Süden des Landes noch immer 15.000 Haushalte ohne Strom. Auch im Schienenverkehr kam es zu Verspätungen. In zahlreichen Départements blieb zudem der Lastverkehr verboten.

Das Wetter in Italien ist weiterhin durch Hochwasser, Schnee und Stürme geprägt. Betroffen waren vor allem die Gegend um Rom als auch weiter nördlich die Region bei Perugia.