Vor Kurzem wurden die Ergebnisse von Michael Jacksons Autopsie veröffentlicht. Nun weiß alle Welt von jedem Nadeleinstich, jeder Hautunregelmäßigkeit, jeder Narbe des Musikers. Obwohl nun medizinische Klarheit herrscht, sind es immer noch die schaurigen Gerüchte, die das Andenken des "King of Pop" lebendig halten. Wann werden sie verstummen? Wann wird die Wahrheit begreifbar? Wann wird Normalität einkehren?

Diese Frage stellte sich der amerikanische Schriftsteller Eliot Weinberger in anderem Zusammenhang – er resümierte die Nachrichten über den Irakkrieg. Sein berühmter Essay "Was ich vom Irak hörte"  ("What I Heard About Iraq") von 2005 hat viele Dramatiker und Schriftsteller inspiriert. So auch unsere Autorin Jennifer Percy aus Iowa, die sich in diesem Beitrag über Michael Jackson an der formalen Anlage von Weinbergers Text orientiert hat.


Ich habe von Michaels Jacksons Autopsiebericht gehört. Ich habe gehört, dass Michael Jacksons Milz zum Zeitpunkt seines Todes 110 Gramm gewogen hat und dass die Beschaffenheit seiner Knochen nicht weiter auffällig war. Sein Knochenmark (im Rückenwirbel) soll feucht und rot gewesen sein, seine Leber glatt und dunkelviolett.

Ich habe gehört, dass sich in seinem Harntrakt noch 150 Milligramm orange-gelblichen Urins befanden.

Ich habe gehört, dass seine Wirbelsäule zersägt werden musste.

Ich habe gehört, dass Michael Jacksons Gehirn in einem Glas zum Labor transportiert wurde.

Ich habe gehört, dass unter seinen tätowierten Augenbrauen, unter seinen pinkfarbenen Lippen, unter den Verbrennungen zweiten Grades, die er während des Drehs zu einem Pepsi-Werbespot erlitten hatte, dass unter all dem und unter seiner gebleichten Haut die Ärzte nur Gewöhnliches fanden, nur den Menschen.

Ich habe gehört, dass der Autopsiebericht eine Fälschung ist.

Ich habe gehört, dass Michael Jackson Angst hatte, seine Nase würde abfallen.

Ich habe vom Rolling Stone gehört, dass er Hautkrebs hatte, und dass ihm die Ärzte sechs Monate und einen Tag vor seinem Tod sagten, er hätte noch sechs Monate zu leben.

Ich habe gehört, dass Michael Jackson an einer "akuten Propofol-Vergiftung" gestorben ist oder durch fahrlässige Tötung oder an einer langsamen Hinrichtung durch die Öffentlichkeit, oder sein Herz ist einfach stehen geblieben, oder es war Codein, Lorazepam, Clonazepam, Diazepam, Temazepam, Trazodon, Midazolam, Ephedrin, Zanaflex.

Ich habe gehört, dass Michael Jackson nach "Milch" verlangte, wenn er Propofol haben wollte.

Ich habe von seinen Angstzuständen gehört, von seinen Panikattacken, von seiner Schlaflosigkeit.