"Die Täter gehen zum Teil äußerst brutal vor", sagte Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA) bei der Vorstellung der Statistik für das vergangene Jahr. "Bekannt geworden sind Fälle von Mehrfachvergewaltigungen, brutaler körperlicher Gewalt und Todesdrohungen, um die Betroffenen zur Prostitution zu zwingen."

534 Verfahren wurden nach Angaben des  BKA im vergangenen Jahr abgeschlossen. Die Zahl der registrierten Opfer stieg um fünf Prozent auf 710. Etwa die Hälfte der Betroffenen kam aus Osteuropa.

Seit 2005 ist die Zahl der Ermittlungsverfahren kontinuierlich gestiegen. Ein Viertel der Opfer kommt aus Deutschland, jeweils knapp 20 Prozent kommen aus Rumänien und Bulgarien. Zwei Drittel der Opfer waren jünger als 21 Jahre, 41 waren nicht einmal 14.

Die Verfolgung der Täter gestaltet sich nach wie vor schwierig. "Eine Vielzahl der Verfahren wird eingestellt, weil die Opfer nicht als Zeugen zur Verfügung stehen", sagte Ziercke. Nur 18 Prozent der Tatverdächtigen würden in Deutschland verurteilt. "Wir gehen daher von einem erheblichen Dunkelfeld aus", sagte Ziercke. 

Die Opfer werden von den Tätern massiv und teilweise brutal unter Druck gesetzt. Ziercke berichtete von einem Fall, in dem das Kind eines Opfers im Heimatland entführt wurde, um die nach Deutschland verschleppte Mutter zu erpressen. Frauen, denen die Flucht zurück in die Heimatländer gelingt, werden dort teilweise verfolgt und bedroht.

Dem BKA zufolge wurden auch Menschenhändler aus Nigeria immer aktiver. Viele Frauen aus Afrika seien aber nicht bereit, mit der Polizei zu kooperieren, weil ihnen die Täter durch Vodoo-Rituale Schweigegelübde auferlegt hätten. Weitere Gründe, warum sich sexuell ausgebeutete Frauen auch aus Osteuropa nicht an die Polizei wandten, seien Gewalt der Täter und der Wunsch, sich durch Migration einen besseren Lebensunterhalt verdienen zu können.