Nach der Massenpanik bei der Loveparade empfehlen auch Vertreter der eigenen Partei dem Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland den Rücktritt. Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach, sagte im ZDF, sein Parteifreund trage die politische Verantwortung und hafte damit auch politisch für mögliche Fehler seiner Mitarbeiter. "Ob ich eine Verfügung unterschrieben habe oder nicht, ist völlig zweitrangig", sagte der CDU-Politiker.

Bosbach sagte, er könne verstehen, dass Sauerland nicht durch einen Rücktritt den Eindruck eines möglicherweise auch strafrechtlich relevanten Schuldeingeständnisses erwecken wolle. Das Amt eines Bürgermeisters sei aber nicht nur mit Würde, sondern gelegentlich auch mit einer Bürde verbunden. Zudem seien Politiker abhängig vom Vertrauen der Bürger. Er würde sich wünschen, dass Sauerland "selber zu der richtigen Entscheidung kommt und nicht nur auf Druck von außen reagiert", fügte Bosbach hinzu.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, stimmte Bosbach zu: "Wo kommen wir überhaupt hin, wenn nicht 21 Tote Anlass dafür sind, politische Verantwortung zu übernehmen und zurückzutreten?" Sauerland, den er seit Jahrzehnten als anständigen Menschen schätze, sei seiner Aufgabe als Behördenleiter nicht gerecht geworden, sagte Wendt.

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In Duisburg hatten auch Hunderte Menschen bei einer Demonstration vor dem Rathaus Sauerland s Rücktritt gefordert. Auch die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Innenminister Ralf Jäger (beide SPD) drängten den CDU-Politiker zum Rückzug. Sauerland lehnte dies weiterhin ab und wies jede persönliche Verantwortung zurück. Er habe die Genehmigung nicht selbst unterschrieben, hatte er das begründet. Über persönliche Konsequenzen wolle er erst entscheiden, wenn die Ursache des Unglücks geklärt sei.

Bei der Loveparade waren durch eine Massenpanik 21 Menschen erdrückt und mehr als 500 verletzt worden.

Für den CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl ist der Fall klar. Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion kritisierte die Auflagen zu Genehmigung der Loveparade: "Jeder Obsthändler, der in der Münchner Fußgängerzone einen Stand eröffnen will, muss mehr nachweisen", sagte er. Die Gefahren seien überhaupt nicht benannt und geklärt.