Der Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, hält einen Hitzerekord in diesem Jahr für möglich. Die gegenwärtige Hitzewelle stehe möglicherweise erst am Beginn, sagte der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung . Im Jahr 2003 sei der Höhepunkt erst im August erreicht worden. "Die globale Mitteltemperatur bewegt sich deutlich nach oben. Es ist gut möglich, dass 2010 ein absolutes Rekordjahr wird." 

 
Die Entwicklung liege eindeutig im Trend der Vorhersagen des UN- Klimarats (IPCC). Die derzeitige Hitzewelle ist für Schellnhuber wie ein Labor, "um zu studieren, was eine wärmere Welt bedeutet". Generell kämen auf die Gesellschaft höhere Investitionen für Kühlaggregate zu, sagte er. "Wenn es in Deutschland im Jahresdurchschnitt wärmer wird, sparen wir zwar Heizenergie im Winter, aber die Zusatzkosten für die Kühlung wiegen dies auf." Der vergangene kalte Winter in Nord- und Mitteleuropa widerspreche dem Trend der Erwärmung nicht. In den meisten Teilen der Welt sei es zur selben Zeit zu warm gewesen.

So sorgten Unwetter mit starken Regenfällen, Hagel und Gewitter vom späten Freitagabend an in zahlreichen Bundesländern für chaotische Zustände. In Brandenburg kam in der Nacht zu Samstag ein Mann ums Leben. Ein Baum stürzte auf sein Zelt und erschlug den Camper. Im nordrhein-westfälischen Bottrop stand das Regenwasser bis zu 50 Zentimeter hoch auf den Straßen.

Vielerorts war der Verkehr durch umgestürzte Bäume behindert. In Duisburg wurde ein Autofahrer leicht verletzt, als ein Baum auf das fahrende Fahrzeug stürzte. In Bayern zerschlugen tennisballgroße Hagelkörner die Scheiben fahrender Autos,

Der Wetterdienst Meteomedia in registrierte Sturmböen mit Geschwindigkeiten bis zu 107 Stundenkilometern. Mancherorts fielen innerhalb kurzer Zeit rund 30 Liter Niederschlag pro Quadratmeter.

In Österreich saßen deutsche Urlauber in großer Hitze in bis zu 24 Kilometer langen Staus fest. Die Menschen mussten in ihren Autos vier bis fünf Stunden bei Temperaturen weit über 30 Grad ausharren.

Für den Sonntag kündigten Meteorologen Entspannung an: Gewitter ziehen Richtung Osten davon. Vereinzelt blitzt, donnert und regnet es noch. Vielerorts scheint dann wieder die Sonne. Die Temperaturen erreichen im Süden bis zu 28 Grad.