Bislang stand der Begriff "Ping" für ein kleines Signal, mit dem sich Computer in einem Netzwerk begrüßen. Schon bald könnten die Internet-Nutzer mit Ping etwas ganz anderes verbinden. Am Mittwochabend gab Apple-Konzernchef Steve Jobs in San Francisco die Gründung des neuen sozialen Netzwerkes Ping bekannt. Ein Netzwerk, in dem es vor allem um Musik gehen wird, denn Ping ist Teil von Apples iTunes-Universum.

"Ich denke, dass wir sehr schnell bekannt werden können, da 160 Millionen Menschen in 23 Ländern von heute auf morgen Ping einschalten können", sagte Jobs. Denn so viele Menschen haben derzeit ein Konto bei iTunes, der zentralen Schnittstelle für alle Produkte aus dem Hause Apple. Egal, ob man seine Musik mit einem Mac-Computer verwaltet, sich Musik auf einen iPod zieht, Videos auf einem iPhone anschaut oder seine E-Books auf einem iPad liest: für jeden Zweck wird das iTunes-Programm installiert, das zugleich das Portal in die bunte Medien-Warenwelt des iTunes-Stores ist. Und genau dort, in der neuen iTunes-Version 10, befindet sich der Zugang zu Ping.

Von einem Tag auf den anderen tritt Apple damit in Konkurrenz zu den großen Netzwerken Facebook, Twitter und MySpace. Für Sascha Lobo, Deutschlands bekanntesten Bloggerexperten, war es ohnehin ein Wunder, dass Apple so lange mit der Gründung eines sozialen Netzwerks gewartet hat. Lobo vermutet, dass dies vor allem Steve Jobs Wunsch nach "fast schon beängstigendem Perfektionismus" geschuldet ist. "Dabei war Musik der erste Bereich, in dem sich mit MySpace ein soziales Netzwerk durchgesetzt hat."

Musik wird auch auf Ping das zentrale Thema sein. Die Nutzer können sie über Ping auf ihren iPhones, iPads, iPod touchs oder Computern bewerten, kommentieren, und ihren Ping-Freunden weiterempfehlen. Sie sehen, auf welche Konzerte ihre Freunde gehen oder welchen Bands sie auf Ping "folgen" – den Ausdruck hat Apple von Twitter abgekupfert. Steve Jobs nennt das eine "weltweite Unterhaltung mit den leidenschaftlichsten Musikfans".

Christoph Neuberger, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Münster, hält es für durchaus realistisch, dass die Musik-Fans aus aller Welt künftig auf Ping fachsimpeln. "Viele Nutzer kommentieren und posten in sozialen Netzwerken vor allem deswegen, weil sie sich Anerkennung erhoffen. Die wenigsten schreiben einen Wikipedia-Artikel aus altruistischen Gründen." Genauso bei Ping: "Hier können Musikinteressierte ihre Reputation bei anderen Musikinteressierten steigern." Wer sich angesagte Musik bei iTunes kauft, kann damit in Zukunft automatisch bei seinen Freunden punkten.