Die Diskrepanz ist verblüffend. Der Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg reist mit seiner Frau und dem Talkmaster Johannes B. Kerner nach Afghanistan und besucht die Soldaten. Obwohl Stephanie zu Guttenberg nicht das erste Mal dort ist, gibt es diesmal viele Bilder, auf der die schöne Frau mit den langen blonden Haaren und dem einnehmenden Lächeln im Gespräch mit Soldatinnen oder in traulicher Geste mit dem Gatten zu sehen ist.

Andererseits wird in Deutschland seit Monaten kritisch über den Afghanistaneinsatz berichtet. Selbst wer die Berichterstattung nicht intensiv verfolgt, hat mitbekommen, dass die Lage dort kompliziert ist. Es passiert viel Sinnloses, auch weil kaum jemand weiß, was sinnvoll wäre, um so etwas wie Frieden in dem zerrissenen Land zu ermöglichen. Und wir wissen, dass die deutschen Soldaten in Kundus zur Zeit einen der gefährlichsten Arbeitsplätze überhaupt haben.

Die Bilder, die sich aus diesen unterschiedlichen Perspektiven ergeben, sind kaum zu vereinbaren. Die meisten Medien haben denn auch den Besuch der Guttenbergs als Selbstinszenierung gegeißelt . "Wie ein Fürst in alten Zeiten zieht zu Guttenberg mit Gattin und Haushofmeister zu seinen Soldaten", schrieb Sueddeutsche.de . Andererseits waren im ZDF Soldatinnen zu sehen, die aufrichtig angetan schienen von dem Besuch des Ministers und insbesondere seiner Frau.

Man muss sich die Guttenbergs als zwei Menschen vorstellen, die vollständig überzeugt sind von dem, was sie da tun, im Falle der Ehefrau wohl auch mit Empathie. Und möglicherweise hat Sueddeutsche.de Recht mit dem Hinweis auf die adelige Abstammung, denn das Karitative, das Umsorgen durch die eigene Präsenz hat im Adel einen hohen Stellenwert. Nicht nur kurz vor Weihnachten.

Das kann man anstößig finden, weil sich das Engagement in diesem Fall natürlich mit dem – sehr bürgerlichen – Ehrgeiz verbindet, auch unter den Wählern Zustimmung zu gewinnen.

Vielleicht können wir aber auch etwas lernen. Es ist richtig, seine Wertschätzung gegenüber Menschen auszudrücken, die Aufgaben übernehmen, die wir für wichtig halten, aber nicht selbst übernehmen können. Ganz so wie es Stephanie zu Guttenberg jetzt gegenüber den Soldaten in Kundus tut. Diese Wertschätzung muss auch sichtbar gemacht werden. Dazu dienen die Bilder der Guttenbergs.